GUT GEMEINT, ABER: NEIN, DANKE!

femen-muslimahpride

Die Aktivistinnen von Femen wollen die muslimische Frau befreien. Was die dazu sagt, spielt dabei keine Rolle. Wie aus einer guten Sache eine hässliche wird.

Mit erhobenen Fäusten und nacktem Oberkörper protestierten vorige Woche Aktivistinnen der Gruppe Femen aus Solidarität zu Amina Tyler. Die Tunesierin hatte Bilder von sich online gestellt, auf denen sie barbusig mit der Aufschrift „Fuck your Morals“ und „Mein Körper gehört mir und ist nicht Quelle von irgendjemandes Ehre“ zu sehen war.

Damit hatte Tyler eine Kontroverse in Tunesien entfacht. Als konservative Prediger Peitschenhiebe und gar die Steinigung der jungen Frau forderten und Tyler für mehrere Tage von der Bildfläche verschwand, kündigte Femen den internationalen „Topless Jihad Day“ an.

So weit komme ich noch mit. So weit stünde ich auch voll hinter den Protesten, wenn sie beispielsweise vor dem tunesischen Konsulat stattfinden würden. Denn das Konsulat ist ein Symbol staatlicher tunesischer Macht.

Lächerlich und sinnbefreit wird es allerdings, wenn sich die Femen-Frauen barbusig und mit den Aufschriften „Fuck your morals“, „Fuck Islamism“, „Arab Women Against Islamism“ und „Free Amina“ vor eine Ahmadiyya-Moschee stellen, wie das letzte Woche in Berlin geschah. Vor die Moschee einer religiösen Minderheit also, die in vielen islamischen Ländern verfolgt wird. Was war die Idee? Das sind alles Muslime, wird schon irgendwie passen? Es passt nicht.

Aus den Protesten sprechen Unkenntnis und Ignoranz. Und dabei geht es nicht darum, dass ich mich nicht ausziehen würde, um für meine Ziele zu kämpfen. Die Mittel sind das eine, viel wichtiger ist die Frage: Welches Ziel will ich mit ebendiesen Mitteln erreichen? Wen will ich mit meinen Angriffen treffen?

Und da wird es finster: Eine Femen-Aktivistin wickelte sich in den USA ein Handtuch als Turban über den Kopf, hängte sich einen Bart ins Gesicht und malte die Brauen zusammen, um dann in Gebetsstellung und barbusig zu posieren. Warum? Weil alle Turbanträger Muslime sind? Und zusammengewachsene Brauen stehen dann für …? In Paris verbrannten Aktivistinnen eine Flagge mit dem islamischen Glaubensbekenntnis vor der großen Pariser Moschee. Die Medien stehen drauf.

Und schon vor einem Monat hatten Femen-Aktivistinnen in Schweden den Islam zum Thema, damals protestierten sie gegen das Kopftuch und riefen: „Nein zum Kopftuch! Das Kopftuch ist keine Wahl!“

Der „Topless Jihad Day“ mag zwar als Solidaritätsakt für Amina Tyler und andere Frauen, die sich gegen das islamische Wertesystem auflehnen, gestartet sein. Letztlich reiten die Femen-Frauen aber nur erfolgreich auf antiislamischen Ressentiments, gebrauchen rassistische und islamophobe Stereotype und vor allem: Sie zeigen jenen muslimischen Frauen, die sich seit Jahrzehnten für Frauenrechte in islamischen Ländern einsetzen, den großen Mittelfinger.

Ja, muslimische Feministinnen. Die gibt es. Ein Ding, oder? Mit Kopftuch. Ich zähle mich selbst dazu, wenn mir die Damen das gestatten mögen. Nicht? Mir auch egal.

Mit ihren provokativen und inhaltsfreien Inszenierungen zeigen die Femen-Aktivistinnen, was sie von muslimische Frauenrechtlerinnen halten, die tatsächlich an der Basis arbeiten: nichts. Sie sind nicht die Einzigen, leider gilt für so manche westliche FeministIn: Was nicht in ihr Bild passt, wird auch nicht für voll genommen.

In den vergangenen Tagen protestieren Hunderte muslimischer Frauen, die sich von Femen bevormundet fühlten, mit dem Hashtag #MuslimahPride auf Facebook, Twitter und anderen sozialen Medien. Sie stellten Bilder von sich online mit Plakaten, auf denen „Du brauchst mich nicht befreien, ich bin schon frei“ oder „Das Kopftuch ist meine Wahl“ stand.

Auch in Berlin standen nach dem Femen-Protest Musliminnen vor der Ahmadiyya-Moschee. Betül Ulusoy, Iniatorin der Aktion, hielt ein Schild hoch: „Kämpfe für mich! Lass mich so sein, wie ich es will, nicht so, wie du es für richtig hältst.“ Inna Shevchenko, prominente Femen-Aktivistin, reagierte darauf in einem Artikel unter anderem mit dem Satz: „Wie ihr wisst, haben über die gesamte Geschichte der Menschheit hinweg alle Sklaven bestritten, dass sie Sklaven sind.“

Bevormundung und Absprechen des Verstands – war es nicht das, wogegen FeministInnen eigentlich kämpfen?

 

Dieser Text ist zuerst in der Taz vom 10. April 2013 erschienen.

 

30 Comments GUT GEMEINT, ABER: NEIN, DANKE!

  1. Pingback: Muslimah_*Pride | 3Dioptrien

  2. Hakimakarima

    Eigentlich ist das eine ziemlich alte Zweiteilung innerhalb des Feminismus:
    Auf der einen Seite eine Frauenbewegung, dafür stand einstmals die Zeitschrift Courage.
    Und auf der anderen Seite eine “Weiße Damen”-Bewegung, dafür steht bis heute die Zeitschrift Emma.

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    1. kübra gümüşay

      Richtig. Femen übergeht Jahre von feministischer intellektueller Arbeit. Heute stehen diesem Alice Schwarzer-Typus zum Glück engagierte Feministinnen wie die von der Mädchenmannschaft oder Frau Lila gegenüber.

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      1. Hakimakarima

        Och, na ja. Ich würde eher sagen: Femen steht in einer unguten Tradition.
        Kann mich noch an die scharfen Auseinandersetzungen zwischen Courage und Emma erinnern, und zwar genau um diesen Punkt. Und als dann die Courage noch das Märchen vom Basiliummädchen veröffentlichte, als Beispiel, das orientalische Frauen schon lange, lange einen sehr eigenständigen und sehr selbstständigen Weg gingen, und das bis tief hinein in die Volkskultur bis hin in Märchen…, da rannte Madame Schwarzer zur BILD-Zeitung und hakte sich dort unter.
        Aber es mag auch sein, dass in der Ukraine einfach nicht so sehr viel an feministischen Gedanken angekommen ist. Die Courage z.B. hörte 1984 auf und der Eiserne Vorhang fiel ja erst 1989.
        Das würde aber noch nicht erklären, warum die Femen jetzt im Westen bei einigen Frauen Wiederhall finden. Gleichviel, ich habe auch damals nicht verstanden, warum die Schwarzersche Richtung bei so vielen Frauen Wiederhall fand.

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  3. Mia

    Liebe Kübra,

    das ist das Schwierige an dem Thema. Auf der einen Seite gibt es Muslima die das Kopftuch freiwillig tragen. Aber man sollte auch jene nicht vergessen, die es eben nur auf den familiären und gesellschaftflichen Druck hin tragen müssen und dass beim Nichttragen familiäre und soziale Ausgrenzung drohen… Wie gesagt.. Sehr schwierig..

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    1. Hakimakarima

      Wohl war, sehr schwierig. Und um die Angelegenheit noch schwieriger zu machen, sollte man auch diejenigen nicht vergessen, die das Kopftuch unfreiwillig ablegen oder gar nicht erst zu tragen wagen (obwohl sie es gern täten), auf außerfamiliären und gesellschaftlichen Druck hin. Namentlich Druck durch Arbeitgeber (ganz offiziell und per Gesetz bei staatlichen Stellen als Arbeitgeber), Arbeitsamt (mehrfach dokumentiert) und indirekt durch Schulen (per Zensurendruck) und in der Ausbildung.
      Und beim Tragen droht dann nicht allein soziale Ausgrenzung, sondern auch ganz massiv: Arbeitslosigkeit oder eben nur minderqualifizierte Arbeitsplätze. Knallhart gesagt: Bei Putzfrauen hat das Kopftuch nie gestört. Merkwürdig, nicht wahr? Oh, und sehr, sehr schwierig.

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  4. Mia

    Liebe Hakimakarima,

    deinen ironischen Unterton kannst du dir sparen. Damit kommt man in dieser Diskussion nicht weit. Ich habe noch nie und werde wohl auch niemals in meinem Leben ein Kopftuch tragen. Und ich bin froh, dass ich die Wahl habe. Darum geht es mir einzig und allein.

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    1. Hakimakarima

      Liebe Mia,

      das Zwischen-den-Zeilen-Lesen wirst Du wohl noch ein wenig üben müssen. Ein Unterton war in meinem Posting. Der war aber nicht ironisch, sondern bitter. Das hat mit meiner Karriere zu tun. Ja, ich hatte und habe auch die Wahl: Zwischen Karriere und religiöser Selbstbestimmung. Und ich habe gewählt, und meine Wahl tut mir auch nicht leid. Aber bitter ist es trotzdem, vor eine solche Wahl gestellt zu werden.
      .
      Als ich Ende der siebziger Jahre eine feministisch sehr engagierte und akademisch sehr erfolgreiche Professorin fragte (etwas provokativ): “Du bist so erfolgreich in Deinem Beruf – warum engagierst Du Dich eigentlich so sehr für Frauenrechte?”, da antwortete sie mir: “Ja, ich habe eine C4-Professur und (… ich lasse jetzt etwas aus, um die Anonymität zu wahren), aber eines werde ich den Arschlöchern nie verzeihen: Das ich vor der Wahl stand, beruflich erfolgreich zu sein oder Kinder zu haben.” Und ja, das war in den 60er Jahren, als sie ihre Karriere zusammenzimmerte, so: Eine Frau mit Kindern konnte keine akademische Karriere machen. Es galt schon als sehr großzügig, dass sie ohne Kinder Karriere machen “durfte”.

      Und heute ist es so, dass junge Frauen die Wahl haben, entweder einen akademischen Beruf zu wählen wie z.B. Lehrerin, oder ein Kopftuch zu tragen, aber nicht beides.
      Du schreibst: “Und ich bin froh, dass ich die Wahl habe. Darum geht es mir einzig und allein.” Die Situation derjenigen jungen Frauen, die eben mitnichten eine freie Wahl haben, sondern deren Wahl so oder so mit ziemlich bitteren Konsequenzen belastet ist, ignorierst Du generös.
      Da stellt sich mir doch die Frage, ob Deine Formulierung vielleicht ungewollt verräterisch ist: Nämlich dass es Dir einzig und allein um Dich selbst geht. Das ist legitim, aber feministisch ist es nicht.
      Ist das so schwierig?

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      1. anthroponzeto

        Bitte nicht den Fakt vernachlässigen, dass es genau so auch in privaten Firmen ist. Du schreibst immer nur von öffentlichen Betrieben, Schulen und so weiter.
        Am Arbeitsplatz meiner Schwester (halbstaatlich) ist es ganz normal auch Kopftuch zu tragen.
        In einer türkischen Bank, Firmen im technischen Bereich und andere Firmen (bei Kundenkontakt besonders) sind Frauen mit Kopftuch die absolute Ausnahme.
        Der private Bereich ist nicht besser wie der öffentliche.

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        1. Hakimakarima

          Völlig richtig. Auch bei den Firmen im privaten Bereich ist Toleranz die (immerhin existierende!) Ausnahme. Und es gibt bei privaten Firmen die Möglichkeit wegen dem Antidiskriminierungsgesetz zu klagen, wie es ja neulich eine junge Frau in Berlin erfolgreich getan hat. (Zahnarztpraxis – Ausbildungsplatz – google).
          Die staatliche Seite hat sich in vielen Bundesländern die Diskriminierung vom Gesetzgeber absichern lassen, mit großen Mehrheiten. Und im Erziehungs- und Schulbereich (um nur diesen einen Bereich als Beispiel zu nennen, da es der bekannteste Bereich ist) gibt es nicht viele private Arbeitgeber, die meisten sind entweder staatlich oder kirchlich (KÖR).
          Türkische Firmen sind ein Sonderfall wegen der lange Zeit in der Türkei gültigen Gesetzlage zum “Türban”.

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          1. anthroponzeto

            Das ist einer der größten Schurkereien, dass sich der Gesetzgeber eigenes diskriminierendes Verhalten durch Zweckgesetze schützen lässt.
            Die wenigsten Betroffenen nutzen leider die Möglichkeit im privaten Bereich, doch sie existiert.
            Im Erziehungs- und Schulbereich als originärer Bereich des Staates und historisch in Deutschland der Kirchen ist diese Nicht-Einklagbarkeit besonders schlimm.

  5. Mia

    Ich sehe das so: Wir leben hier in Deutschland. In einem nicht-muslimischen Land. Wenn hier eine Frau kein Kopftuch tragen möchte, darf man sie nicht dazu zwingen. Wenn eine Frau hier im privaten Bereich ein Kopftuch freiwillig trägt. Ihre Wahl. Darf sie. Soll sie. Wenn sie es allerdings in allen Bereichen tun möchte, also wie von dir erwähnt im Beruf, und der Staat und/oder Arbeitgeber möchte das nicht, hat man die freie Wahl in ein Land zu gehen in dem das kein Problem ist.

    Ich muss dir ehrlich sagen, ich kann es nicht mehr hören wenn ich wieder und wieder lese Muslime fordern dies, Muslime fordern das.. Ich kann es nicht mehr hören. Vergesst bitte nicht, wie tolerant Deutschland ist. Ihr baut hier eure Moscheen, ihr habt eure Gebetsräume, ihr tragt Kopftuch, Schleier usw. Bis auf den beruflichen Bereich mischt sich keiner ein, was ja auch in Ordnung ist.

    Im Übrigen seid ihr nicht die einzigen, die sich an gewisse Regeln/Ordnungen im Berufsleben halten müssen. Auch Bankangestellte oder generell Menschen die im Berufsleben Kundenkontakt (im weitesten Sinne) haben, müssen sich an Regeln halten. Oder hast du schonmal eine Lehrerin im Minirock oder mit tiefem Ausschnitt in der Schule gesehen? Oder in der Bank? Ihr müsst dringend raus aus der Opferrolle. Ganz ehrlich.

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    1. Hakimakarima

      Ach Mia, liebes Kind,
      mit so etwas kannst Du vielleicht junge Migrahis einschüchtern, aber nicht eine hartgesottene alte deutsche Kartoffel wie mich.
      Ich kann mich nämlich noch an die Berufsverbote erinnern: „Bietet nicht die Gewähr, jederzeit für die demokratisch-freiheitliche Grundordnung einzutreten.“ Das kann ich immer noch auswendig aufsagen und in dem Tempo wie in der Werbung das mit den „Risiken und Nebenwirkungen“. Oder wie Franz-Joseph Degenhardt in einem einstmals sehr bekannten Lied: http://www.youtube.com/watch?v=nRHnPDDIi5E
      Ersetze „Kommunist“ durch „Islamist“ und dann ist es – surprise, surprise – ganz erstaunlich aktuell. Und bei den kopftuchtragenden Frauen wurde ja gerade ihre Grundgesetztreue angezweifelt, und zwar von ganz hochoffiziell mandatstragenden Politikern.
      Und ja, selbstverständlich gilt: „Hier kann jede/r machen was er/sie will (im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung versteht sich)“, und die Konsequenzen, die muss sie dann eben hinnehmen. Andernfalls muss sie gehen – zwar nicht mehr wie in dem Lied der Junge in die Bundeswehr, sondern gleich außer Landes, aber jedenfalls soll sie nicht jammern, hat sie sich ja selbst zuzuschreiben…

      Nein Mia, liebes Kind, die Schiene, die kenne ich, und darauf bin ich schon mit 17 nicht reingefallen. Da kommst Du also viel zu spät.
      Und von damals bis heute habe ich mehr dazu getan, demokratische Verhältnisse mit Leben zu füllen als diejenigen Politiker, die meinen, mich – wieder einmal – misstrauisch beäugen zu müssen. Demokratische Verhältnisse mit Leben erfüllen, dass gelingt eben dadurch, sich frech zu erdreisten, die grundgesetzlich verbürgten Freiheiten und Bürgerrechte (und Menschenrechte mal sowieso) zu beanspruchen. Unter anderem eben auch Religionsfreiheit. In diesem Sinne solltest Du den Frauen mit Kopftuch verdammt dankbar sein, denn dadurch, dass sie die Religionsfreiheit in Anspruch nehmen auch dort, wo es dem Staat nicht gefällt, sichern sie auch Deine Freiheit auf Religion zu pfeiffen.
      Wohingegen der erste Schritt zum Abbau besagter Freiheiten und Bürgerrechte dadurch geschieht, dass man/frau sie an Bedingungen knüpft, die im Grundgesetz nicht vorgesehen sind; z.B. die Gewährung von Religionsfreiheit hier an die Gewährung von Religionsfreiheit in anderen Ländern.
      Du musst dringend aus der Besserwisserrolle raus. Ganz ehrlich.
      Sonst könnte es irgendwann Du selbst sein, die Grund hat zu jammern. Und das wollen wir doch alle nicht.

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      1. Mia

        Wer sagt denn, dass ich “Migrahis” einschüchtern will? Im Übrigen habe ich selbst Migrationshintergrund. Das ist einfach meine Meinung. Dazu stehe ich. So wie du zu deiner.

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        1. Hakimakarima

          Oh, keine Sorge. Ich habe schon nicht den Eindruck, dass Dir die Meinungen ausgehen könnten. Nur die Argumente.

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          1. Mia

            Seltsam. Ich hatte meine Argumente bereits angebracht. Du scheinst sie ignoriert zu haben. Mit Absicht? Für dich hier nochmal:

            Dürft ihr hier mit Kopftuch rumlaufen? Ja!
            Dürft ihr eure Moscheen bauen? Ja!
            Bekommt ihr eure Gebetsräume am Arbeitsplatz? Ja!

            Die Einschränkungen die bestehen, gelten nicht nur für euch. Siehe Argument oben bezüglich Kopftuch am Arbeitsplatz bei repräsentativen Funktionen. (Darauf bist du gar nicht eingegangen).

            In den Fällen, in denen es unrechtmäßig verboten wird, bekommen die Betroffenen ja auch Recht vor Gericht.

            Immer nur fordern, fordern, fordern. Alles ist schlecht, alles ist Scheiße.. Aber dann hier leben. Logik?

            Man kann zurück gehen in die Heimat oder in ein Land in dem man sich nicht so eingeschränkt fühlt wie hier. Oder wenn man deutscher Abstammung ist (wie du es zu sein scheinst) dann eben auswandern. Wie wärs mit dem Iran? Ich wette da wird man es sogar sehr begrüßen, wenn du auf dein Kopftuch am Arbeitsplatz bestehst ;).

            Ob du es glaubst oder nicht, ich bin selbst Muslima. Wahrscheinlich nicht in eurem Sinne. Aber das ist mir egal. Aber ich weigere mich, mir ein Kopftuch aufzusetzen, nur damit die Männer ja nicht auf dumme Gedanken kommen.. Irgendwie merkwürdig. Ich soll mich also einschränken, weil Männer sich nicht im Griff haben. Da stimmt doch was nicht. Wo bleibt da euer Feminismus? Kein Wunder, dass in vielen muslimischen Ländern oftmals die Frauen dafür verantwortlich gemacht werden, wenn sie vergewaltigt wurden. Für mich ist diese Denkweise einfach nur falsch und pervers. Den Männern wird vermittelt “ihr könnt ja nichts für eure Triebe, die Frauen müssen dafür sorgen, dass ihr nicht sexuell gereizt werdet”. Das ist in meinen Augen nicht der richtige Weg.

  6. Mia

    Im Übrigen finde ich diese Femen Aktionen auch eher merkwürdig. Und ja, sie unterscheiden nicht zwischen denen, die das Kopftuch freiwillig tragen und denen die gezwungen werden. Das prangere ich genauso an wie du.

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    1. Hakimakarima

      Also, unter uns Pastorentöchtern: Ich finde die Femen, hm, entweder etwas hinter ihrer Zeit zurück oder etwas feige.
      Im Jahre 1992, da gab es während des Jugoslawienkonflikts immer mal wieder interne Konflikte zwischen eingeflogenen frömmigkeitsbesessenen arabischen Kämpfern und bosnischen Kämpferinnen, die in den Kampfpausen – allerdings nicht aus vermeintlich feministischen Gründen, sondern zwecks Erlangung nahtloser Bräune – gelegentlich blank zogen und sich oben ohne sonnten. Wie gut, dass damals beide Seiten diese internen Konflikte nicht martialisch austrugen, denn immerhin waren beide Konfliktparteien bewaffnet.
      Wenn im Jahre 2013, also über 20 Jahre später, die Femen meinen, sie könnten mit oben ohne skandalisieren, dann kommt mir das wirklich etwas zurückgeblieben vor. Wenn sie es auf einen echten Skandal anlegen würden, dann würden sie den Mut aufbringen, eine Blasenentzündung zu riskieren. Alles andere ist nicht mehr wirklich aufregend, sondern spekuliert nur noch auf Pressefotos.
      Was nun allerdings Hüllenbefreiung mit Frauenbefreiung zu tun hat, das entzieht sich mir. Wenn es um einengende Bekleidung geht, dann scheint mir nicht unbequemer zu sein als ein dreiteiliger Herrenanzug mit Krawatte und elegantem Schuhwerk. Muss ich nun glauben, dass Männer dringend befreit werden müssen? Irgendwie sehe ich nicht, dass, sagen wir mal, der Vorstandsvorsitzende eines internationalen Konzerns seine Machtposition dadurch behauptet, dass er sich „ich bin der Herrscher aller Reußen“ auf die behaarte Brust schreibt und dann laut brüllend in der Aufsichtsratssitzung sein Jackett und sein Hemd aufreißt. Obwohl, wer weiß? Was wissen wir schon, was in Aufsichtsratssitzungen stattfindet? Vielleicht geht es dort ja lebhafter zu, als wir meinen. Kicher.

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  7. Hakimakarima

    Liebe Mia,
    tja, dann haben wir wohl aneinander vorbeigeredet. Stell Dir vor, ich stehe unter dem Eindruck, dass umgekehrt auch Du nicht die Bohne auf meine Argumente eingegangen bist.
    Rekapitulieren wir:
    1. Deine Zustandsbeschreibung: Es gibt
    1.a) Muslima(s) die das Kopftuch freiwillig tragen
    1.b) solche, die es eben nur auf den familiären und gesellschaftlichen Druck hin tragen, und denen beim Nichttragen familiäre und soziale Ausgrenzung drohen
    2. Meine Ergänzung: Es gibt zusätzlich noch
    2.c) solche, die das Kopftuch unfreiwillig ablegen oder gar nicht erst zu tragen wagen (obwohl sie es gern täten), auf außerfamiliären und gesellschaftlichen Druck hin.
    Ergänzt um den Hinweis, dass denen der Gruppe c) nicht allein soziale Ausgrenzung droht, sondern auch ganz massiv: Arbeitslosigkeit oder eben nur minderqualifizierte Arbeitsplätze. „Knallhart gesagt: Bei Putzfrauen hat das Kopftuch nie gestört.“
    Deine Zustandsbeschreibung habe ich nicht bestritten, insofern brauche ich da auf nichts einzugehen. Meine Ergänzung hast Du in der Folge vollständig ignoriert.
    3. Deine Replik auf meine Ergänzung:
    Ich habe noch nie und werde wohl auch niemals in meinem Leben ein Kopftuch tragen. Und ich bin froh, dass ich die Wahl habe. Darum geht es mir einzig und allein.
    Ich hatte und habe nicht den Eindruck, dass Du damit auf c) eingegangen wärest. Also dachte ich, du habest meine Ergänzung vielleicht übersehen und deshalb:
    4. Mein Kommentar zu Deiner Replik:
    Meine Ergänzung weiter ausgebreitet in Sachen Wahlfreiheit und mit einer Parallele zu vorfeministischen Zeiten ergänzt. Ich rekapituliere das jetzt nicht in voller Breite.
    Irgendetwas daran muss Dich sehr gepiekt haben, denn daraufhin hast Du ein völlig neues Fass aufgemacht:
    5. Deine Erwiderung auf meinen Kommentar, sinngemäß paraphrasiert:
    5.a) Wer sich nicht umstands-, kommentar- und vor allem kritiklos fügt, hat gefälligst zu gehen („Geht doch nach drüben“ wurde damals, als es die DDR noch gab, von braven BRD-Staatsbürgern unbotmäßigen Demonstranten zugerufen). Wenn er nicht geht, sollte er sich auch nicht beschweren.
    5.b) Muslime stellen immer nur Forderungen. Stattdessen sollten sie dankbar sein: Deutschland ist nämlich tolerant in Sachen 1. Moscheen, 2. Gebetsräume, 3. Kopftuch, Schleier usw.
    5.c) Der Arbeitgeber hat das Sagen in Sachen Bekleidungsordnung und das gilt gleichermaßen für muslimische und nichtmuslimische Arbeitnehmer. Muslime maßen sich zu Unrecht die Opferrolle an, das sollten sie lassen.
    Nur c) hat ein wenig mit meinen Ergänzungen unter 2. und 4. zu tun. Immerhin.
    6. Meine Reaktion zu diesen drei Argumenten.
    zu 5.a) Keine: Ich ging davon aus, das sei Dir im Eifer des Gefechts aus der Feder gerutscht und Dir inzwischen mutmaßlich selber peinlich, also sei es netter von mir, es schweigend zu übergehen.
    zu 5.b) Indirekt: Religionsfreiheit ist eine Sache der grundgesetzlich verbrieften Bürgerrechte (und übrigens auch der Menschenrechte). Es ist sogar eine Sache der Grundrechte, die in den ersten 19 Artikeln festgehalten ist, konkret: GG Artikel 4 – „Glaubens und Gewissensfreiheit, Recht auf Kriegsdienstverweigerung“ – daher meine Parallele zu dem Degenhardt-Lied, aber das hast Du vielleicht nicht gemerkt, weil Du die toleranten deutschen Zustande zwar im Munde führst (Lippenbekenntnis?) und Dich gegenüber „denen da“ auf die gesellschaftliche Ordnung berufst, deren rechtliche Grundlage aber wohl nicht besonders gut kennst.
    Aus dem gleichen Grund wie bei 5.a) habe ich das mit den angeblich immer nur fordernden Muslimen übergangen: Eine billige Polemik, die besser zur Partei „Die Freiheit“ passen würde als zu einer seriösen Diskussion.
    zu 5.c) Insbesondere staatlichen Arbeitgebern stünde es gut an, das Grundgesetz nicht zu unterlaufen. Bis der Staat sich wieder bequemt es zu achten, müssen wir uns damit behelfen, dass aktive Bürger und Bürgerinnen die Grundrechte in Anspruch nehmen. Zum konkreten Fall der Religionsfreiheit: Sowohl als positive als auch als negative.
    Nun endlich kommt etwas Fahrt in die Debatte und es wird kreativ, denn:
    7. Deine Replik auf meine Reaktion ist eine aparte Variante zu „einige meiner besten Freunde sind Ausländer“, nämlich:Ich habe selbst Migrationshintergrund. Und eine Meinung, zu der ich stehe.
    8. Womit Du Dir mein „meinungsstark – argumentationsschwach“ eingefangen hast.

    Nun beklagst Du, ich sei nicht auf Deine Argumente eingegangen. Womit Du teilweise recht hast. Also gut, meinethalben:
    9.a) Dürft ihr hier mit Kopftuch rumlaufen? Ja!
    Habe ich nicht bestritten. Ist eine Sache des Grundgesetzes, Artikel 4, Absatz 1. „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“
    9.b) Dürft ihr eure Moscheen bauen? Ja!
    Habe ich nicht bestritten. Ist eine Sache des Grundgesetzes, Artikel 4, Absatz 2. „Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“
    Dazu allerdings ein Korrolarium: Jeder, der jemals versucht hat, einen Bauantrag für eine Moschee durchzukriegen, macht die Erfahrung, dass es (überspitzt formuliert) leichter ist, eine Baugenehmigung für ein Atomkraftwerk zu bekommen als für eine Moschee.
    Inwiefern diese beiden Punkte rechtfertigen, gesellschaftlichen und juristischen (!) Druck in Richtung „kein Kopftuch“ auszuüben, diesen Nachweis bist Du bislang schuldig geblieben. Solange Du das nicht getan hast, tun die beiden Argumente (?) a) und b) nichts zur Sache. Oder sollten diese beiden Punkte keine Argumente darstellen, sondern Prämissen? Dann sei so nett zu verdeutlichen, mit welchen Schritten Du von den Prämissen zu welchem Argument fortschreitest. Ich könnte da etwas vermuten, aber ich möchte Dir nichts Hässliches unterstellen.
    9.c) Bekommt ihr eure Gebetsräume am Arbeitsplatz? Ja!
    Nicht dass ich wüsste. Vielleicht bist Du so nett, mir drei Beispiele für Gebetsräume am Arbeitsplatz zu nennen. In öffentlichen Gymnasien wurde inzwischen und per Gerichtsurteil sogar Schülern das Verrichten des muslimischen Ritualgebets untersagt.
    Oder meinst Du Gebetsräume für Fließbandarbeiter in der Großindustrie? Dazu mehr unter 9.d). Und wiederum: Was hat das mit „Kopftuchverboten“ zu tun?
    9.d) Die Einschränkungen die bestehen, gelten nicht nur für euch. Siehe Argument oben bezüglich Kopftuch am Arbeitsplatz bei repräsentativen Funktionen. (Darauf bist du gar nicht eingegangen).
    Der Hinweis auf kopftuchtragende Putzfrauen war ein Argument genau hierzu, aber bitte, ich kann das gern noch einmal ausbuchstabieren: Auch die Putzfrau, die die Fußböden wischt, ist immer wieder einmal öffentlich sichtbar: Im Krankenhaus, in Schulräumen, in Büroräumen. Das hat bis heute nirgendwo zu Einstellungsstopps geführt. Aber die Tochter der Putzfrau, die studiert hat und nun als Ärztin, Lehrerin oder in sonst irgendeinem qualifizierten Beruf arbeiten möchte, die läuft mit diesem Wunsch gegen die Wand.
    Wie kommt das? Dazu gibt es ausgedehnte soziologische und ethnologische Untersuchungen, die sich nachlesen lassen, u.a. bei:
    Ferdinand Sutterlüty: Türkische Tüchtigkeit und deutsche Dissozialität. Negative Klassifikationen in urbanen Nachbarschaften, in: Soziale Probleme, Jg. 16, Heft 1/2005, S. 25-48.
    Ferdinand Sutterlüty: Negative Klassifikationen. Konflikte um die symbolische Ordnung sozialer Ungleichheit, in: Wilhelm Heitmeyer/Peter Imbusch (Hrsg.): Integrationspotenziale einer modernen Gesellschaft. Analysen zu gesellschaftlicher Integration und Desintegration. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 2005, S. 409-428 (zusammen mit Sighard Neckel).
    Im Internet finde ich auf die Schnelle nur eine englische Version:
    Bashing the Migrant Climbers: Interethnic Classification Struggles in German City Neighborhoods, in: International Journal of Urban and Regional Research, Vol. 30, No. 4/2006, S. 798–815 (zusammen mit Sighard Neckel)
    http://www.ifs.uni-frankfurt.de/people/sutterluety/International%20Journal%20of%20Urban%20and%20Regional%20Research%204-2006.pdf
    Zitat: „Upwardly mobile individuals of Turkish origin are the most frequent targets of stigmatization.“
    Die betreffenden Arbeitgeber – staatliche oder nichtstaatliche – präsentieren sich also wie folgt: Wir halten „die unten“ unten, und wer aufsteigen möchte, der hat sich als erstes von jeder Herkunft, Religion und Weltanschauung zu distanzieren, die wir entweder a) nicht billigen oder die wir b) mit niedrigem Stand identifizieren.
    Letzteres wichtig deshalb, weil es andernfalls ja so aussehen könnte, als ließen wir „die unten“ hochkommen, und so möchten wir nicht gesehen werden – so jedenfalls die Einstellung, die die Arbeitgeber damit signalisieren.
    Ersteres kann politische Gründe haben, z.B. wird es eine Großbank wohl kaum goutieren, wenn die Angestellte einen Atttac-Anstecker trägt, und zwar gleichgültig, ob sie am Schalter steht oder in den hinteren Räumen tätig ist. Da geht es um eine politische Einstellung. Wie ist das nun aber mit religiösen Einstellungen, insbesondere in staatlichen Einrichtungen?
    Da wird es spannend, denn da geht es um Bürgerrechte.
    GG Artikel 33, Absatz 3: „Der Genuß bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte, die Zulassung zu öffentlichen Ämtern sowie die im öffentlichen Dienste erworbenen Rechte sind unabhängig von dem religiösen Bekenntnis. Niemandem darf aus seiner Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einem Bekenntnisse oder einer Weltanschauung ein Nachteil erwachsen.“ Ist das deutlich genug? Oder musst Du es erläutert bekommen?
    9.e) In den Fällen, in denen es unrechtmäßig verboten wird, bekommen die Betroffenen ja auch Recht vor Gericht.
    Und nun wird es richtig spannend. Der Berliner Zahnarzt, der eine junge Frau wg. Kopftuch nicht einstellen mochte, wurde vom Gericht verurteilt. Der Staat hingegen… Das hat ANTHROPONZETO messerscharf auf den Punkt gebracht: „Das ist einer der größten Schurkereien, dass sich der Gesetzgeber eigenes diskriminierendes Verhalten durch Zweckgesetze schützen lässt.“
    Und wie haben die acht Bundesländer, die „Anti-Kopftuchgesetze“ verabschiedet haben, besagte Zweckgesetze begründet? Plus minus etwas mit dem „öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis“ (GG 33.4). Also eine Gleichsetzung von muslimischer Religionszugehörigkeit mit zweifelhafter Staats- und Grundgesetztreue. Zugespitzt: Islam ist eine politische Richtung, keine Religion.
    Ganz neu ist diese Behauptung in Bezug auf „artfremde“ Religionen übrigens nicht: „Die Juden sind nämlich gar keine Glaubensgemeinschaft, sondern ein Bund zur Vertretung wirtschaftlicher und politischer Interessen.“ Das hatte der nationalsozialistische Stürmer am 12.09.40 behauptet. Im Juni 2001 behauptete „Der Republikaner“: „Der Islam ist eine zutiefst anti-demokratische und anti-christliche Polit-Religion.“ (Kirchturm oder Minarett? Der Islam fordert Europa heraus. In: Der Republikaner 06-07/01, Ausgabe Juni/Juli 2001, S. 3). Immerhin, „Der Stürmer“ hätte anti-demokratisch zu sein nicht tadelnswert gefunden, antidemokratisch war er nämlich selber. „Der Republikaner“ hält wenigstens verbal daran fest, ganz demokratisch zu sein. Das ist doch ein Fortschritt. Dass sich in den Folgejahren auch Politiker anderer Parteien der Ansicht der „Republikaner“ anschlossen, würde ich dagegen nicht als Fortschritt betrachten.

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  8. Hakimakarima

    Und nun muss etwas nachgeholt werden: Deine Äußerungen unter 5.a) und b), die ich nachsichtig (zu nachsichtig?) übergangen hatte, waren Dir offensichtlich doch nicht im Eifer des Gefechts herausgerutscht, sondern ernst gemeint, denn Du wiederholst sie sinngemäß:
    9.f) Immer nur fordern, fordern, fordern. Alles ist schlecht, alles ist Scheiße. Aber dann hier leben. Logik?
    Es ist mein Heimatland. Ein problematisches Heimatland mit einer problematischen Geschichte. Mir liegt genug an diesem Heimatland, dass ich mir wünsche, es möge keine problematischen Entwicklungen nehmen, egal in welcher Richtung; sei es per Notstandsgesetzen, Berufsverbote, Atomkraftwerke, Rassismus, Frauendiskriminierung, was auch immer. Damit es gerade nicht dazu kommt, dass „alles“ daran schlecht und „Scheiße“ ist (wenn Du mit vulgärer Ausdrucksweise glücklicher bist, meinethalben, dem kann ich mich anpassen).
    Was ist mit Dir? Liegt Dir nicht genug an diesem Land? Oder bist Du so unkritisch? Findest Du alles prima? Nein, tust Du nicht: Diejenigen Muslime, die Du als unverschämt und dreist empfindest, die möchtest Du nicht mehr hören. Mit einem Wort: Du nimmst Dir das Recht (das Dir zusteht!) zu benennen, was Dir nicht passt und dementsprechende Forderungen zu stellen. Und dann hier leben? Logik?
    Ich will es Dir sagen: Die Logik des Grundgesetzes; welches Deine Rechte ebenso schützt wie meine. Stell Dir das bloß mal vor: Überrascht Dich das? Das Recht auf Meinungsfreiheit schützt auch kritische Meinungen? Würdest Du Dich in einem Land wohler fühlen, wo das nicht der Fall ist, wo vielmehr gilt: „Everybody is entitled to my opinion.“ Es gibt solche Länder. Möchtest Du nicht lieber dorthin auswandern? Nein? Musst Du meinethalben auch nicht.
    Allerdings bestärkst Du mich mit jedem Deiner Argumente in meiner Einschätzung, dass es immer noch dringend notwendig ist, das Grundgesetz durch kritische gesellschaftliche Praxis zu verteidigen.

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  9. Hakimakarima

    Ach ja richtig, und eh’ ich’s vergesse: Da war doch noch was: „unser/euer Islam“ und „unser/euer Feminismus“:
    „Ich weigere mich, mir ein Kopftuch aufzusetzen“ – das musst Du auch nicht. Es ist Dein gutes Recht, Dich zu weigern.
    „Aber ich weigere mich, mir ein Kopftuch aufzusetzen, nur damit die Männer ja nicht auf dumme Gedanken kommen.“ Ditto.
    Aber Du tätest gut daran, den Frauen, die ein Kopftuch tragen, nicht umstandslos und ungeprüft ein Motiv zu unterstellen, das womöglich nicht das ihre ist. Schau einmal den Begriff „Strohmann-Argument“ nach. In diesem Sinne…

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    1. Mia

      Das artet hier ein wenig aus. Wir sind von der ursprünglichen Diskussion (Femen Aktion und deren Unterstellung, dass alle Muslima unterdrückt werden) ganz schön abgeschweift. Ich gebe zu, das habe ich mitverantwortet. Zu Femen sage ich folgendes: Gut finde ich, dass sie für diejenigen Kämpfen, die unterdrückt werden, zum Kopftuchtragen gezwungen werden. Schlecht finde ich, dass sie allen muslimischen Frauen unterstellen, dass diese unterdrückt werden.

      Nun zurück zu der vorherigen Diskussion. Mir wurde bisher immer nur die gleichen Gründe von Kopftuchträgerinnen genannt, weshalb sie es tragen: Weil es der Koran vorschreibt dass Frauen ihre Reize verhüllen sollen. Nur wenige geben zu, dass sie es tun, weil der Ehemann das will. Kenne persönlich einige Fälle. Junge Türkinnen, die vor ihrer Heirat kein Kopftuch getragen haben, dann heiraten und plötzlich trage sie Kopftuch. Weil der Mann das will.

      Oder eben diejenigen, für die es von der Familie/Gesellschaft her, gar keine andere Option gibt – ab einem bestimmten Alter wird Kopftuch getragen. Punkt.

      Zum Thema “offensichtlich religiöse” werden mit Absicht kleingehalten. Ganz ehrlich? Schwachsinn. Sonst gäbe es keine Muslime in D, die hohe Ämter bekleiden, hochdotierte Jobs haben etc. Die gibt es. Mir ist auch bewusst, dass es sehr wohl Arbeitgeber gibt, die deutsche Bewerber bevorzugen (trotz gleicher Qualifikation). Aber solche Ausfälle bleiben leider nicht aus. Und dein Argument mit den Putzfrauen ist wirklich nicht nachvollziehbar für mich. Ich finde nicht, dass man das vergleichen kann. Welcher Kunde bekommt denn schon die kopftuchtragende Putzfrau zu Gesicht? Die kopftuchtragende Lehrerin, Staatsanwältin oder Bankangestellte hingegen sitzt nicht im “stillen Kämmerlein”. Sie repräsentieren eben den Staat oder die Firma.

      Zum Thema Religionsfreiheit. Auch hier wiederhole ich mich: Muslime können hier ungehindert ihre Religion ausüben. Mit wenigen Einschränkungen. Und die gelten auch für alle anderen. Somit ist es in meinen Augen legitim, dass man in manchen Bereichen eben nicht zu 100% alles “durchziehen” kann wie man möchte. Und hiermit klinke ich mich aus der Diskussion aus, da ich das Gefühl habe, dass wir auf der Stelle treten.

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  10. martha

    Eigentlich wollte ich Kübra meine Anerkennung für den Text und ihr kluges Interview http://diestandard.at/1363709425894/Kuebra-Guemuesay-Nur-ein-Tamtam-machen-ist-zu-wenig aussprechen. Nun habe ich mich aber auch sehr darüber gefreut, dass Hakimakarima und Mia sich die Mühe machen diese Diskussion öffentlich auszutragen. Wie wär’s mit einer Tag der Arbeit-Aktion zur Religionsfreiheit im Sinne des GG am Arbeitsplatz/ auf dem Arbeitsmarkt? Gibt es das so irgendwo?

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    1. Hakimakarima

      So weit ich weiß gibt es noch keinen solchen Aktionstag. Aber es wäre vielleicht eine gute Idee für das “Aktionsbündnis muslimischer Frauen in Deutschland e.V.”, http://www.muslimische-frauen.de/
      Ich bin da zwar nicht Mitglied, aber ich kenne eine, die eine kennt, und der werde ich das mal weiterreichen.

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  11. Aktionsbündnis muslimischer Frauen e.V.

    Hallo an alle Diskutantinnen,

    immer wieder ist festzustellen, dass die Vorstellung dessen, was Religionsfreiheit im Sinne des Grundgesetzes bedeutet völlig unterschätzt und die Rechte von Arbeitgebern (Stichwort: Bekleidungsordnung) völlig überschätzt wird. Die Tatsache, dass Arbeitgeber bestimmte Dinge vorschreiben und Arbeitnehmer sich dagegen nicht wehren, bedeutet eben nur eines: sie wehren sich nicht. Es bedeutet nicht, dass der Arbeitgeber ein legitimes Recht in Anspruch genommen hat.
    Ich will keine langen Vorträge halten, sondern auf unser Infoblatt hinweisen, das sich damit beschäftigt.
    http://www.muslimische-frauen.de/wp-content/uploads/2013/04/Kopftuch-Grundgesetz-und-AGG.pdf

    Im Übrigen ist der Hinweis sehr berechtigt, dass die Einschränkung von Grundrechten einiger Minderheiten auch nicht ohne Wirkung auf andere bleiben. Hat man erst einmal einen Grundstein aus einem Fundament ausgegraben, gerät leicht das Ganze ins Wanken – die aktuell nicht betroffenen wähnen sich in Sicherheit, sind aber irgendwann auch einmal an der Reihe und dann ist das Geheule zwar groß, kommt aber zu spät. In diesem Sinne geht es darum, dass wir uns alle gemeinsam dafür einsetzen, dass die Grundrechte unangetastet bleiben, egal, ob wir sie gerade in Anspruch nehmen wollen oder ein anderer, der uns vielleicht nicht so genehm ist.

    Dazu möchte ich auf zwei wegweisende Aufsätze hinweisen, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen:
    Böckenförde, Ernst-Wolfgang: Freiheit ist ansteckend. fr-online vom 01.November 2010.
    http://www.fr-online.de/debatte/leitkulturdebatte–freiheit-ist-ansteckend-,1473340,4795176.html
    Poscher, Ralf: Du musst nicht verfassungstreu sein. faz-net vom 27.06.2007 http://www.faz.net/themenarchiv/2.1198/einwanderung-und-integration-du-musst-nicht-verfassungstreu-sein-1436929.html

    Liebe Grüße
    Gabriele Boos-Niazy
    Vorstand Aktionsbündnis muslimischer Frauen in Deutschland e.V.

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  12. Morpho Portis

    Bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen und mir fallen sofort die Bilder ein, die ich von muslimischen Frauen auf tumblr gesehen habe, die mit Kopftuch und Plakat zu sehen waren, doch meist ohne weitere Erklärung. Also danke schonmal für die Auflösung!

    Die Worte der Femen-Aktivistin finde ich unglaublich. Feministinnen, die gegen Feministinnen kämpfen. Traurig. :(

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  13. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Oh nein, im SPIEGEL steht was über Feminismus!

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