EINFACH MAL MACHEN: ZAHNRÄDER

“It’s better to light a candle than to curse the darkness”
Spruch auf einem der Zahnräder-Jutebeutel  | Bild von Seren Başoğul

Mitte April fand in Heidelberg die Zahnräder Konferenz 2013 statt – über 100 Muslime aus ganz Deutschland und sogar Österreich und der Schweiz kamen zusammen, um sich auszutauschen, zu netzwerken, über ihr Engagement zu informieren, neue Unterstützter zu gewinnen und sich für das Preisgeld zu bewerben.

Schon zum dritten Mal fand nun die bundesweite Zahnräder Konferenz statt, zahlreiche Konferenzen haben bereits auf lokaler Ebene stattgefunden – und trotzdem: Jedes Mal überwältigt mich die Energie der vielen engagierten und aktiven Menschen, die ich dort treffe. Obwohl ich dieses Mal ziemlich, ziemlich erschöpft und müde vom ganzen Reisen in den Tagen zuvor war, mit meinem Presseteam während der Konferenz hart arbeitete und deshalb nur halbwegs aufnahmefähig war, haben mich die Menschen, ihre Ideen und ihre Begeisterung unheimlich beeindruckt.

Man hat es schon oft gesagt, aber nicht oft genug: Integration ist von gestern. Partizipation ist die Zukunft. Genau das tun junge Muslime in Deutschland. Sie beschäftigen sich mit Umweltthemen (Gewinner 2010: HIMA; Gewinner 2013: NOUR Energy; Bodenproben;…), Barrierefreiheit (Gewinner 2013: Deaf Islam), Kunst (Gewinner 2011: i,Slam; Muslim Talents; Schattenwelten; Islamische Denkfabrik;…), Bildung (Gewinner 2010: Study Coach; Grüne Banane; Gewinner 2013: Spielen bildet und verbindet; …) Medien (Gewinner 2010: Cube Mag; Gewinner 2010: Muslime TV; …), Politik, Wirtschaft, Psychologie, Wissenschaft … man kann die Liste endlos weiterführen.

Ege Karar von Deaf Islam im Interview mit Zahnräder | Bild von Seren Başoğul

Zu meinen persönlichen Highlights gehörte in diesem Jahr der Vortrag von Ege Karar, dem Gründer von Deaf Islam. In seinem Vortrag erzählte von Fun-Facts aus der Gebärdensprache (“Tee” in der deutschen Gebärdensprache: Teebeutel tunken, in der türkischen Gebärdensprache: mit dem Löffel rühren), warum er und andere taube Muslime die deutsche Gebärde für “Islam” von der Gebetsbewegung zur “Hingabe” veränderten, aber auch welche Hindernisse, Probleme und Widerstände taube Muslime in der muslimischen Gemeinschaft in Deutschland erfahren. Während in Ländern wie Jordanien oder Ägypten Dolmetscher in vielen Moscheen selbstverständlich eingesetzt werden, hinkt Deutschland noch weit hinterher. Tauben Muslimen bleiben so zentrale Aktivitäten und Gemeinschaftserlebnisse wie die wöchentlichen Freitagspredigten vorenthalten. Ege Karars Vortrag hat mich sehr bewegt und berührt. Er zeigte auf, wo noch viel Handlungsbedarf besteht und wie leichtfertig wir Minderheiten innerhalb von Minderheiten vergessen und übersehen. Danke, Ege Karar für diese hervorragenden Einsichten und Worte! Auf dass deinen Worten nun die Taten der vielen Zuhörer folgen mögen.

Verdient gewann Deaf Islam deshalb auch den ersten Preis. Den zweiten Platz machte ebenfalls verdient Nour Energy, die sich für umweltschonende, grüne Moscheen einsetzen. Mit “Spielen bildet und verbindet” gewann außerdem ein tolles spielerisches Bildungsprojekt/produkt den dritten Platz. Den Jurypreis gewann das Bibliotheksprojekt des Islamischen Zentrums Dresden. Gratulation!

Drei Jahre ist die Gründung von Zahnräder nun her. Und wenn ich mir die großartigen Aktiven anschaue, dann blicke ich mit Freude in die Zukunft. Danke, danke, danke an die tollen Zahnräder! Möge Er unsere Taten annehmen.

Aktiv werden. Mitmachen. Was kann es Schöneres geben, als die Welt, in der wir leben, mit einem freundlichen Lächeln mitzugestalten?

Mehr Zahnräder? Gerne. Hier die  Webseite, schöne Videos bei Vimeo, außerdem auf Twitter, Instagram und natürlich auf Facebook .

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