VON EINER, DIE AUSZOG

marshmallow26

via Hyperbole & A Half – because she gets what she wants.

Disclaimer: Dieser Artikel ist für den Rest der Welt vermutlich absolut uninteressant und irrelevant. Aber das ist mein Blog und deshalb wird der Text hier trotzdem veröffentlicht.

 

Meine Damen und Herren. Schauet und genießet das neue Design.

 

schrieb ich vor knapp einem Jahr als mich wieder einmal die Beklemmung ergriff. Das Gefühl, etwas radikal ändern zu müssen. Andere Menschen verpassen sich in solchen Situationen eine verrückte Frisur, entrümpeln ihren Kleiderschrank oder schieben das Sofa in eine andere Zimmerecke. Ich hingegen setzte ich mich jedes Mal an meinen Laptop und versuchte mein Blogspot-Blog umzustylen. Herzklopfend und aufgeregt wagte ich mich in den gefährlichen HTML-Bereich meines Blogs und legte etliche Zwischenspeicher an – in Angst, die vielen Jahre Blogarbeit könnten mir mit einem Klick davonflutschen, auf Nimmerwiedersehen im HTML-Nirvana.

Das war auch der Grund, warum ich nie auszog und meine Bloggerheimat Blogspot verließ. Würden all die Liebe, der Schweiß und das Herzblut mit mir ziehen nach WordPress? Ich war mir unsicher. Niemand konnte mich von den technischen Finessen der Internet-Neuzeit überzeugen und so blieb ich dabei. Denn ein echter Paint-Profi, redete ich mir ein, macht aus seiner Situation das Beste und zaubert sich einfach ein Design hämmert, klebt und tackert sich eine Seite in mühevoller Arbeit einfach zusammen (Durchstreichen. Ha. Das wollte ich schon immer Mal tun!). Deshalb schrieb ich damals stolz:

 

Ich bin eine HTML-Königin mit Paint-Profi-Syndrom. Und das ist auch gut so.

 

 Heute weiß ich’s besser: Das ist nicht gut so. Das ist höchstens okay.

Auch ich möchte nämlich endlich, endlich ganz praktisch – mit nur einem Klick! – einen Weiterlesenknopf Continue reading

WENN DIE KAMERAS AUS SIND…

Die Debatten in deutschen Talkshows sind gut bezahlte Hahnenkämpfe. Das mag keine brisante Neuigkeit für Sie sein, vielleicht sollte sich das jeder gescheite Mensch auch denken können. Vor zwei Jahren, ich war noch jung, lernte ich das auf die ungemütliche Tour.
Es war eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, die mich zur Debatte einlud. Der Titel war schön knallig. Ein Prise Islam hier, eine Prise Ur-Deutsches da: „Kopftuch und Currywurst.“ Ein Titel wie aus der Bild. Eigentlich wäre das schon Grund genug gewesen, abzusagen.
Aber wie gesagt, ich war jung, ich hatte Hoffnung. Und die Gästeliste war okay. Nur ein Gast, ein geübter Talkshow-Gänger und Quoten-Muslim, versprach dicke Luft. Die meisten in meinem Freundeskreis rieten mir ab. Dann aber erzählte mir ein Freund, dass er den Mann kürzlich interviewt habe. Mit dem lasse sich diskutieren. Klingt gut, dachte ich. Herausforderung angenommen. Mein Plan: Mich mit dem Gast vorab treffen und kennenlernen. Denn wenn ihm wirklich etwas an dem Thema läge und sich wirklich mit ihm diskutieren ließe, dann würden wir die Sendung schon rocken – konstruktiv und inhaltsreich!
So weit, so naiv. Wir trafen uns also tatsächlich vor der Sendung und ich erlebte einen wunderbar angenehmen Gesprächspartner. Wir sprachen über die Probleme der muslimischen Community, diskutierten Lösungsansätze, kritisierten Islamophobie und Rassismus. Wir verstanden uns gut. Bis wir im Studio saßen. Die Kamera läuft.

DRUCK

Ich bin ein Internetkind. Seitdem ich im Ausland lebe, spielt auch das Telefon immer weniger eine Rolle. Selten noch telefoniere ich einfach so mit Freunden und verquatsche mich bis spät in die Nacht, wie ich das früher tat. Heute verabrede ich mich zum Skype-Gespräch. Und immer muss einer schon nach einer halben Stunde wieder weg, arbeiten, zur nächsten Konferenz oder wir geben beim zehnten “Hörst du mich?” auf.

Ich chatte auch nicht mehr nächtelang wie damals in meiner Jugend. Die Chatprogramme auf dem Handy machen mich müde, ich mag nicht auf dem Handy tippen. Mit vielen Freunden, die ich sehr liebe, kommuniziere ich deshalb gar nicht mehr (Verzeiht mir!). Ich will ihnen keine kurzen, schnellen E-Mails schreiben. Ich will ihnen Zeit, Mühe und Liebe widmen. Deshalb warte ich bis wir uns wiedersehen, um ihnen meine volle Aufmerksamkeit zu schenken, um sie mit Geschichten, Gedanken und Erlebnissen zu überhäufen, um Gefühle zu transportieren.

Dann gibt es Freunde, die ich vermutlich nie wieder sehen werde. Es sind Freundschaften, die rein zufällig entstanden sind. Man verbringt ein langes Wochenende zusammen, unterhält sich auf Zugreisen, Autofahrten, im Halbschlaf im Wohnzimmer im Versuch die kurze gemeinsame Zeit bis in die letzten Sekunden auszukosten. Und dann kommt die Stille.

Langsam schreiben wir uns dann E-Mails, lange und ausführliche. Wir kommunizieren selten, die Antworten brauchen manchmal Wochen, aber sie kommen. Sie sind mit Bedacht geschrieben, wir gehen aufeinander ein. Hören dem Ton der E-Mail zu und entdecken die Stimmungen dahinter. Manchmal fließt die E-Mail und weg ist sie. Manchmal feilen wir an jedem Satz und lassen sie unfertig als “Entwurf” speichern, um sie erst Wochen später fortzuführen. Es sind schöne E-Mails, wertvolle. Solche, die in den Massen an “FYI”, “Kannst du kurz mal?”, Weiterleitungen, Protokollen, Anfragen, Newslettern und Tausenden an Mikro-E-Mails verloren gehen.