MACHTSPIEL

Die Routine ist eine Maske, die den Menschen vor dem Sturm im Inneren bewahrt.
Bild: Maske im American Indian Museum in Washington, USA.
Tayfun ist still. Sein Leben ist routiniert. Er ist fleißig in der Schule, gut im Sport und loyal zu seinen Freunden. Schule, Sport, Freunde. Schule, Sport, Freunde. Ein ruhiger Mensch. Eine geballte Faust.

Es ist Donnerstagabend vor ein paar Jahren in Hamburg. Tayfun ist fertig mit dem Kickbox-Training und schaut auf die Uhr. In 15 Minuten schließt die Servicestelle des Hamburger Verkehrsverbunds in Billstedt. Er rennt los. Morgen macht seine Klasse einen Ausflug, seine Monatskarte ist abgelaufen. Er muss sie heute unbedingt erneuern.

Als er erschöpft ankommt, hat der Schalter bereits geschlossen. Dann entdeckt er das Schild: Die Servicestelle am Hauptbahnhof habe heute noch bis 20 Uhr auf. Sieben Stationen und 12 Minuten. 62 Euro hat er dabei. Exakt so viel, wie die Monatskarte kostet. Nicht mehr. Er steigt trotzdem in die Bahn, ohne Ticket. Wird schon.

Als er am Hauptbahnhof aussteigt, geht es nur langsam voran. Oben, am Ende der Treppe, stehen Fahrkartenkontrolleure und lassen niemanden unkontrolliert durch. Tayfun versucht es trotzdem. “Fahrkarte?”, fragt ihn der Kontrolleur. “Ich war gerade auf dem Weg mir eine Monatskarte zu holen”, erklärt Tayfun. Jetzt ist er doch ein bisschen aufgeregt. “Ja, ja, erzähl das der Polizei!”, sagt der Kontrolleur, nimmt ihn am Arm und führt ihn aus der Menge. Tayfun ist überrascht. “Warum denn gleich die Polizei? Ich sagte Ihnen doch, ich war gerade dabei meine Monatskarte zu holen. In Billstedt hatten sie zu”, ruft er. Der Kontrolleur zerrt ihn in einen Hinterraum.

Tayfun hat Angst, das hatte er nicht erwartet. Zwei Polizisten betreten den Raum. Tayfun versucht, sich zu erklären. Einer der Polizisten baut sich vor ihm auf. “Setz dich!”, sagt er. Ein Machtspiel. Tayfun kann nicht glauben, was passiert. “Nein, ich setz mich nicht!” – “Setz dich!” – “Hier!”, Tayfun holt aus seiner Hosentasche den sorgfältig ausgefüllten und gefalteten Bogen für die Monatskarte und knallt ihn zusammen mit dem Geld auf den Tisch, “Sehen Sie?” Der Polizist packt ihn an den Schultern und drückt ihn auf den Stuhl. “Setzen!” Tayfun wehrt sich. Sofort schlägt ihn der Polizist zusammen mit seinem Kollegen auf den Boden. Tayfun fühlt, wie sich seine Schulter verrenkt. Er versucht, sich zu befreien. Die Polizisten drücken noch fester zu – und der Kontrolleur trifft Tayfun mit dem Knie mitten ins Gesicht.

Ein Passant, der gerade an der offenen Tür vorbeigeht, beobachtet die Szene und stürmt rein. “Was machen Sie?”, ruft er.

Tayfun gibt auf.

Es folgen zwei Gerichtsverhandlungen. Tayfuns Vater ist sauer auf seinen Sohn. Trotzdem heuert er einen Anwalt an. Viel Geld geht drauf. Der Passant ist nicht auffindbar. Ein junger Deutschtürke gegen zwei Polizisten und einen Kontrolleur. Tayfun muss 20 Sozialstunden ableisten, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt. Er sei milde, sagt der Richter über sich, weil Tayfun nicht vorbestraft sei.

So fängt Tayfuns Routine an. Still nimmt er das Urteil entgegen. Still leistet er die Sozialstunden ab. Still bleibt er.

Er schaut Fremden nicht mehr in die Augen. Manchmal selbst Freunden nicht. Dann knirscht er mit den Zähnen. Seine Augen sprechen tausend Worte. Tayfun presst die Lippen zusammen und geht. Mit seiner immer geballten Faust.

Taz, Tuch-Kolumne 15. Februar 2012

24 Comments MACHTSPIEL

  1. Akif Sahin

    Naja Kübra,
    dass was Tayfun und viele andere Jugendliche nicht verstehen ist, dass der Fehler nicht darin besteht, dass sie im Recht waren… Der Fehler besteht einzig und allein darin, dass sie mit der Autorität der Polizei nicht umgehen können…

    Ich kenne viele solcher Fälle, die sich genauso auch über Polizeigewalt beschweren. Das Problem ist, dass diese Fälle aber allesamt aus einer ähnlichen Trotzreaktion hervorgehen…

    Man hat ja nichts falsch gemacht, man ist ja im Recht wird immer gedacht…

    Das bedeutet aber trotzdem nicht, dass man Polizisten nicht folge leisten darf, wenn man meint im Recht zu sein…

    Es ist schade, aber so haut man sich immer selbst in die Pfanne…

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    1. Kübra Gümüsay (geb. Yücel)

      Das ist ein Problem, ohne Frage. Daher auch die Wut von Tayfuns Vater. Tayfun ändert mit seinem Trotz in dem Moment ja nichts an seiner Situation. Es ist ein Machtspiel. Er kann nur verlieren. Und sein Handeln zieht ihn nur noch tiefer in den Dreck.

      Was mich aber beschäftigt, ist: Wäre die Situation auch so eskaliert hätte es sich um jemand anderen gehandelt? Wenn es der Brillentragende blonde Hemd- und Stoffhosen-Sohn eines deutschen Arztes gewesen wäre?

      Und werden einige so trotzig und rebellisch, eben weil man (nicht nur Polizisten, sondern ein Großteil der Gesellschaft) ihnen gegenüber so auftritt? Mit Arroganz und Häme. Das sind häufig sehr junge Männer, die nach Anerkennung streben und sich in ihre kleinen Kreise flüchten, die eine Alternative zu der Gesellschaft, zu ihrer Familie und zur Schule bieten.

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    2. Akif Sahin

      Ich weiß nicht. Ich hab den Eindruck, dass du das eigentliche Problem verklärst. Was du wahrscheinlich sehr oft wahrnimmst ist sicherlich eine gewisse Fremdenfeindlichkeit, die auch auf stereotypen Vorstellungen aufgebaut ist. Aber es wäre falsch aufgrund dieser Vorurteile anzunehmen, dass viele Polizisten etwas gegen bestimmte Typen von Südländern haben. Das ist ein Vorurteil, dass sicherlich nicht für Deutsche Beamte zutrifft. Eher kann ich mir das in einem Kontext in Groß-Britannien oder Frankreich vorstellen. Hier gilt und galt, die Polizei dein Freund und Helfer und anders hat man das auch nicht erlebt, wenn man sich zu benehmen wusste.

      Was ich eher kritisch sehe ist die familiäre Erziehung von solchen Jugendlichen. Sie haben oftmals nicht mal den nötigen Respekt vor der eigenen Familie, sodass ihnen auch der nötige Respekt vor Autoritätspersonen fehlt. Oftmals drückt sich das in der Schule, dem Arbeitsleben oder eben in solchen Situationen aus.

      Es ist leider immer so, dass solche Situationen aus einer Trotzreaktion heraus eskalieren, wobei sich Beamte formal richtig verhalten, auch wenn man das menschlich anzweifeln möchte.

      Das sich diese jungen Männer dann nach solchen Erfahrungen abschotten, kann ich durchaus auch an Beispielen im eigenen Umfeld nachvollziehen. Aber es bleibt trotzdem die Wahrnehmung, dass es nicht am Verhalten von Beamten oder dem Umfeld liegt. Der Fehler ist eher im familiären Bereich und bereits in der Erziehung der Kinder zu suchen.

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    3. Anonymous

      Ich denke da anders:

      1.Auch wenn die Autorität der Polizisten in Frage gestellt werden würde, dürfen die Polizisten sich nicht!! von ihrem Stolz leiten lassen!!! Sie müssen gerecht handeln, was hier definitiv nicht der Fall war!

      2.Ihr denkt wir leben in einer Welt, wo alle Beamte die gleichen friedlichen Ansichten haben und nicht diskriminieren? Das stimmt leider nicht. Ich kenne aus Erfahrung, dass meine Mutter nur weil sie Kopftuch trägt z.B. nicht mal bei einem Unfall gefragt wurde, was wirklich geschehen ist. Die Polizisten haben sich mit der Aussage der Gegenseite begnügt. Meine Mutter wurde sogar davon abgehalten den Tathergang zu beschreiben, indem gesagt wurde, dass sie schon alles erfahren hätten, was nötig wäre. Wer musste also letzendlich bezahlen? Meine Mutter.

      Ich kenne Fälle von russischen Freunden, dass nur sie vom Polizisten nach ihren Ausweisen gefragt wurden und wirklich alle anderen, die neben ihm und um ihn herum standen, nicht!!

      Also sind natürlich nicht nur die Türken oder Muslime die einzigen Opfer solcher Fälle. Xenophobie ist weit verbreitet! Auch unter Beamten!! Unter Polizisten, unter Lehrern (oh da könnte ich euch wirklich sogar objektive!! Beispiele nennen!).

      @Kübra
      Ich finde es echt toll von dir, dass du uns auf solche Fälle aufmerksam machst. Ich könnte viele Fälle nennen und alle dieser Fälle sind nicht an die Öffentlichkeit gekommen, weswegen auch vielleicht einige denken, dass es doch keine ausländerfeindlichen oder sogar islamfeindlichen Beamten gäbe. Der Beruf eines Menschen sagt nichts über seine Ansichten aus.

      Es ist wirklich schön, dass du, liebe Kübra, diese Probleme ansprichst. :) Ich hoffe, dass viele es auch verstehen werden.

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    4. andreask9

      “Das ist ein Vorurteil, dass sicherlich nicht für Deutsche Beamte zutrifft. Eher kann ich mir das in einem Kontext in Groß-Britannien oder Frankreich vorstellen. Hier gilt und galt, die Polizei dein Freund und Helfer und anders hat man das auch nicht erlebt, wenn man sich zu benehmen wusste.”

      Um ehrlich zu sein: ich bin schockiert, wie abgrundtief blauaeugig hier ueber die Vertreter der deutschen Exekutive geurteilt wird, es ist als haette es niemals die jahrelange Zusammenarbeit zwischen Geheimdiensten, V-Maennern und Polizei und die hierdurch ermoeglichte Serie von willkuerlichem Serienmord in Deutschland gegeben. Ich kann nur sagen, als jemand, der von blonden weissen Polizisten im Wedding durchaus mal fuer einen der ‘anderen’ gehalten wird: unter ‘geeigneten Umstaenden’, d.h. sobald man auch nur die geringsten Stereotype vom ‘kriminellen Auslaender’ erfuellt, und dazu gehoert ‘Schwarzfahren’ definitiv, treten die ‘Freund und Helfer’-Polizisten abgrundtief provozierend auf, dazu gehoeren insbesondere sinnlose Anweisungen, die gegeben werden gerade UM Widerstand oder Widerrede zu provozieren, dazu gehoert gewaltaffine Koerpersprache, starre hasserfuellte Blicke, massiertes Auftreten, Einschuechterung, autoritaeres Verhalten. Wer hier nicht ueber die noetige Kontrolle in Stressituationen verfuegt, wird leicht zum Opfer von rassistischen Schlaegern, die nur darauf warten, ihrer Lieblingsbeschaeftigung nachzugehen. Man muss das einfach realistisch sehen: die deutsche Poliezi ist ein Haufen von Rassisten, nicht viel mehr als der Rest der Bevoelkerung, siehe Heitmeyer-Studien et al., aber beileibe auch nicht weniger. Das sind ‘aufrechte Buerger’ mit Lizenz zum Zuschlagen, sie setzen nur fort, was in dieser Gesellschaft als legitim empfunden wird.

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    5. Akif Sahin

      Wenn man eine Debatte führt, dann bitte auch auf der Sachebene. Und es ist eben nicht falsch, dass zahlreiche Tausend Beamte in Deutschland tagtäglich gute Arbeit leisten. Nur weil man persönlich die Erfahrung gemacht haben will oder möchte, oder meint, die seien alle so, heißt das nicht, das man Recht hat. Es ist keinesfalls blauäugig, sondern vielmehr der emotionslose und vorurteilsfreie Blick auf einen Sachverhalt. Deutsche Polizisten reißen sich, trotz Unterbezahlung und Überstunden den Arsch dafür auf, dass es in unseren Straßen friedlich bleibt. Da wäre ein bisschen mehr Anerkennung und der Weg weg von einem pauschalen Vorurteil durchaus angemessener als der Versuch eine rassistische Gesinnung einer gesamten Berufsgruppe zu unterstellen.

      Ich kann auf mehr als ein Jahrzehnt Jugendarbeit zurückblicken und kann mit Erfahrung und Schilderungen von Jugendlichen durchaus belegen, was ich gesagt habe. Und die Erfahrung sagt und zeigt, dass oftmals in solchen Situationen die Jugendlichen selbst schuld sind, weil sie eben nicht ruhig bleiben, weil sie eben nicht folge leisten. Sie haben nicht den nötigen Respekt, der sich gehört.

      Das mag ihrem Weltbild nicht passen, aber es ist immer noch besser als zu erwarten, dass die Jugendlichen in ihrer Opferrolle Recht haben und bekommen, nur weil man meint, da wären Nazis am Werk gewesen…

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    6. Mel

      Akif, dass du über Erfahrung mit Jugendlichen verfügst finde ich gerade in dieser Debatte sehr bereichernd. Aber was ist mit der Seite der Polizist_innen? Gibt es da Erfahrungsberichte, die du mit uns teilen kannst? Ich bin etwas erstaunt, um nicht schockiert zu sagen, dass so pauschal über so viele Menschen gesprochen wird – die zwar alle eine ähnliche Position in unserer Gesellschaft innehaben, aber auch in ihrer Funktion als Polizist oder Polizistin Individuen bleiben. Hat ein Mensch privat rassistische Ansichten, nimmt er diese auch mit in seine berufliche Tätigkeit.
      Und von strukturellem Rassismus, der uns von Geburt an (nicht gekennzeichnete) Rassismen beibringt, möchte ich hier absehen.

      Worauf ich eigentlich hinausmöchte: warum suchen wir eigentlich die “Schuld” auf nur einer einzigen Seite? Sind wir uns nicht einig, dass zu einer Situation immer mehrer Akteure gehören, und ihr Zusammenwirken die Situation so ausmacht, wie sie ist/wird? Natürlich: Tayfun hätte zu einem anderen Zeitpunkt seine Monatskarte holen können, & auch bei der Kontrolle hätte er anders vorgehen können; auch setzen hätte ihm von aussen betrachtet keinen Zacken aus der Krone gebrochen. Dass von polizeilicher Seite dann plötzlich Gewalt angewandt wird, überschreitet aber in meinen Augen eine (wichtige!) Grenze. Erstens weil es Gewalt ist. Zweitens, weil es als Deeskalationsstrategie gänzlich ungeeignet ist. Drittens, weil wer sich in der dominanten Position befindet, sich dessen auch bewusst sein sollte und sie nicht grundlos ausnutzen sollte.
      Was ich in dieser Geschichte sehe sind Fronten. Fronten zwischen Bürger_innen und Polizist_innen; verstärkt zwischen POCs (People Of Colour) und Beamt_innen unseres Landes – und solche Fronten gehen nicht nur von einer Seite aus. Konstruiert werden sie im Wechsel – in eine solche Situation wie die beschriebene gerät niemand als weisses Blatt. Jede_r hat eine Vorgeschichte und reagiert aufgrund dieser auf gewisse Trigger. Machtlosigkeit ist zweifelsohne ein solcher Trigger; Machtlosigkeit festigt die Fronten. Rassismen aber auch.

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  2. DiscoverNatalha

    Ich bin ein bisschen überrascht, dass in den Kommentaren immer wieder nach dem Sinn, der Absicht in deinen Geschichten gefragt wird … vermutlich liegt das daran, dass wir in der Schule so darauf getrimmt werden: “Was ist die Intention des Autors …?” – wisst ihr was, leute? Es muss keine geben und wenn doch: wie will man sie eindeutig identifizieren??
    - Man könnte ja auch einfach die Geschichte auf sich wirken lassen und das mitnehmen, was einen anspricht.

    Unabhängig davon – @akin: in diesem Fall (egal ob er erdacht, real oder weiter-gedacht ist) ist die Verhältnismäßigkeit der Reaktion der Polizisten aber sehr zweifelhaft … bei mir jedenfalls kommt etwas an, von dieser Geschichte.

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  3. Anonymous

    @Kübra auch wenn es ein blonder Arztsohn gewesen wäre hätten die Polizisten gleichermaßen gehandelt.Ihre Hemmschwelle ist gesungen, weil der Respekt ihnen gegenüber verloren gegangen ist. Viel zu gring ist ihr eigenes Selbstwertgefühl,sie erhalten zu wenig Anerkennung.Ich habe mich über diese Problematik mal mit einem Bezirkspolizist bei uns erhalten, der kurz vor dem Ruhestand steht.Ich betreue Jugendliche die des öfteren in Konflikt mit der Polizei geraten.Leider neigen gerade viele junge Menschen, dabei ein großer Anteil Jugendlicher dazu direkt zu provozieren.Ich kann auch nonverbal provozieren, durch Gestiken und Mimik und das wenden die Jugendlichen oft im ersten Moment an.
    Tayfun war sich bewusst das er Unrecht begeht als er ohne Fahrkarte fuhr.
    Er hätte eine andere Lösung suchen müssen.Folgerichtig wäre gewesen nach Hause zu fahren und im Anschluss an die Klassenfahrt eine Fahrkarte zu holen.Er hatte Bargeld bei sich und hätte ein reguläres Ticket lösen können.Was hat dagegen gesprochen sich zu setzen als die Aufforderung kam?Die Umgangsweisen der Poizisten sind meist forsch und fordernd, auch mein Mann und ich kamen schon in Situationen in denen wir ungerecht und erniedrigend behandelt wurden.Aber Verletzungen und Missachtungen finden auf beiden Seiten statt.Unsicherheiten führen zu Fehlern.Der größte Fehler ist auf beiden Seite Macht ausüben zu wollen.

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  4. Anonymous

    Was mich aber beschäftigt, ist: Wäre die Situation auch so eskaliert hätte es sich um jemand anderen gehandelt? Wenn es der Brillentragende blonde Hemd- und Stoffhosen-Sohn eines deutschen Arztes gewesen wäre?

    das ist eben die frage. Ich denke ja.
    deshalb liegt der schwerpunt dieser geschichte meiner meinung nach nicht auf den “deutschtüren” tayfun, sondern auf dem machtmissbrauch von polizisten. und hat somit nichts mit ausländerfeindlichkeit etc. zu tun.

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  5. Nicky

    Was mich vielmehr beschäftigt ist die Frage, wie ich so irre geleitet sein kann, meine “Macht” mit der des Staates messen zu wollen, zumal wegen wegen so eines Vorfalles? Wie vermessen ist das denn?

    Gelten Regeln nicht für alle? Leben wir nicht in einer Demokratie, in der wir, Engagement vorausgesetzt – und nicht nur blödes Machtgehabe, Regeln mitbestimmen können?

    Hat Tayfun keine Einsicht in sein dummes und betrügerisches Verhalten?

    In kaum einer Gesellschaft kann man sich so glücklich schätzen, dass über Machtmissbrauch auch der Vertreter der staatlichen Gewalt berichten und streiten darf.

    Wie kommt denn so ein ruhiger, fleißiger und sportlicher Junge, der so prima eingeführt wird und dessen Lebensinhalte Schule, Sport und Freunde sind, zu einer Vorstrafe?

    Warum setzt er keine Prioritäten und besorgt sich erst seine Karte? Wie ist er denn zur Schule und zum Sport gekommen?
    Warum geht er nicht zu Fuß, wenn er kein Geld für eine Fahrkarte hat? Ist das unter seiner Würde? Ist er kein Betrüger, wenn er schwarz fährt?
    Ich lese sehr gerne Märchen, aber dieses hier ist ja nun Quark.

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    1. andreask9

      ..zu koestlich, dass ein paar rechte Pinsel noch immer glauben, ihr preussisch-autoritaeres Weltbild als Idealtypus einer Staatsform, Gesellschaft und ‘Demokratie’ verkaufen zu wollen. Man sollte vielleicht das grundlegende klarstellen: Tayfun HAT in dieser Situation und nicht nur in dieser, keine Macht. Die Macht liegt einzig und allein bei den Proponenten der ‘Mehrheitsgesellschaft’ und diese wird hier repraesentiert durch die Polizisten und den Kontrolleur. Haette Tayfun einen Teil jener ‘Mehrheitsgesellschaft’ im Ruecken wuerde ihn genau dieser Umstand davor bewahren, das Knie ins Gesicht zu bekommen. Er hat sie aber nicht im Ruecken und waere er totgeschlagen worden, niemand waere zu mehr als einer Geldstrafe verurteilt worden. Mal Hannah Arendt lesen zu dem Thema. Gewalt ist im Falle einer fortgesetzten Konfrontation mit Machtmissbrauch gegenueber machtlosen Minderheiten eine durchaus rationale Reaktion der Machtlosen und die Deutschen haben schon einmal eine Minderheit vernichtet, weil diese glaubte, keinen Widerstand leisten zu duerfen/zu koennen, zu keinem Zeitpunkt.

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  6. Nicky

    PS: Entschuldige Kübra, mich hat diese poetische Verklärung einfach sehr geärgert.

    Was rumkommt ist, dass der junge Mann zu bedauern ist, weil ihm offenbar niemand beigebracht hat, Selbstkritik zu üben, eine Situation zu hinterfragen, sich nicht aufzuspielen bzw. sich selber nicht so wichtig zu nehmen.

    Eine solche Situation kommt nicht von ungefähr, sondern resultiert ganz schlicht aus einem persönlichen Verhalten. Wie es hineinschallt, so schallt es heraus.

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  7. Iris

    Hallo Kübra,
    vielen Dank für diesen Text. Ich finde, er ist Dir sehr gelungen, denn er macht die Ohnmacht und den unterdrückten Zorn über die ungerechte Härte spürbar – zumindest für die, die empathiefähig sind. Und er entspricht der Traurigkeit, die mich in den letzten Jahren fast ständig begleitet, weil die Menschen einfach nicht lernen wollen, Mitmenschen zu werden.

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  8. Anonymous

    Aha, wir haben also einen jungen Mann, der auf die Auforderung sitzen zu bleiben nicht reagiert (Ja genau! Die Absicht ein Formular in Sitzen ausfüllen zu wollen ist ein Machtspiel), der als er doch sitzt aufspringt und aggresiv reagiert und wenn ein Kampfsportler sich “wehrt” heisst das sicherlich nicht, dass er mit Wattebäuschchen um sich wirft. Aber genau, so ein blöder Bulle soll sich dann gefälligst nicht wehren sondern sich verprügeln lassen. Ist ja ein armer unterdrückter Bub mit goldenem Herzen.
    Ah ja, die Schulter verrenkt man sich nicht, weil man verprügelt wird, sondern weil der Polizist ihn am Arm gepackt hat und ihn niedergedrückt hat, damit der arme kleine Bub sich wieder beruhigt.

    Gruss
    ein linker Südländer, den es ankotzt, dass man solche Idioten in Schutz nimmt.

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  9. Anonymous

    Eine Ähnliche Situation hatte ich letztens auch. Wurde so ziemlich zu Unrecht von einem “netten” Bahnbeamten zu 40 Euro verdonnert, weil ich ihn nicht aktiv aufgesucht habe, obwohl ich zu keinem Zeitpunkt die Absicht hatte, schwarz zu fahren. Aber scheinbar war der Kontrolleur schon entsprechend vorprogrammiert, was Leute anging, die nich deutsch aussahen.

    Als meine Antworten ziemlich pampig wurden (Er war scheinbar zu unfähig, mein Geburtsdatum von meinem Ausweis abzulesen), drohte er mir mit Polizei. Werde auf jedenfall eine Beschwerde einlegen, da der Typ sichtlich angetan war von meinem ausländischen Profil…

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    1. Anonymous

      Ganz ehrlich? Was denkst du, was ich oft genug in diesem Land für Erfahrungen mache, wenn ich bewusst auf die Dinge, die um mich herum passieren, achte? Ich bin hier geboren, aber von meinem Äußeren her merkt man es mir nicht an, und die negativen Erfahrungen, die ich hier bisher gemacht habe, geben mir sehr zu denken, ob ich hier vorhabe eine Familie zu gründen und mein Leben zu leben.

      Effektiv kannst du gegen diesen alltäglichen Rassismus nichts machen, weil er nicht direkt “greifbar” und “beweisbar” ist. Selbst wenn du eine Beschwerde einlegst oder sogar Anzeige erstatten würdest, damit kannst du leider (meiner Meinung nach zumindest) nicht wirklich etwas verändern, weil sich das sowieso im Sande verlaufen wird. Als ob der Kontrolleur irgendwelche Konsequenzen davontragen würde.

      Wenn alleine schon bestimmte Gruppen von Menschen gezielt getötet werden, dann läuft in diesem Land eindeutig etwas schief!

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    2. Anonymous

      Warum den Kontrolleur anzeigen? Weil er seinen Job macht und einen Schwarzfahrer erwischt hat?

      Der Junge ist ist ohne Ticket gefahren und das, was an sich keine Rolle spielt, sogar bewusst.

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  10. Ben

    Da fährt einer bewusst ohne Ticket und gerät in eine Fahrkartenkontrolle. Anstatt sein Fehlverhalten reuig zuzugeben, versuchte er offensichtlich auch noch der Kontrolle zu entgehen, in dem er “am Ende der Treppe, stehen Fahrkartenkontrolleure und lassen niemanden unkontrolliert durch. Tayfun versucht es trotzdem.”

    Er fährt also nicht nur ohne Ticket, er versucht auch sich der Kontrolle zu entziehen. Dann wird er gestellt und kommt mit einer ziemlich schwachen Ausrede daher, d.h. er zeigt weiter keine Einsicht.
    Der Kontrolleur entscheidet vermutlich nun aufgrund seiner Erfahrung das es Tayfun unter Umständen gut tun würde, wenn die Polizei dazugezogen wird. Vielleicht ein kleiner Weckruf, das er erkennt das auch Schwarzfahren und dazu Uneinsichtigkeit kein Nichtigkeit ist.
    Anstatt aber aus seinen Fehlern zu lernen, entschließt sich Tayfun nun eine weitere Straftat zu begehen, nämlich Widerstand gegen die Staatsgewalt. Dabei wurde er nur aufgefordert sich zu setzen um die Angelegeheit zu klären.

    Aus so einer Situation nun eine Geschichte zu basteln, die den eigentlichen Täter (Tayfun) zum Opfer erklärt und die Geschädigten, nämlich die Gesellschaft in Form von Verkehrsbetriebe, Kontrolleur und Polizei, zum Täter zu erklären, ist unfassbar und dazu unglaublich lächerlich.
    Diese Geschichte und auch die Tatsache das sie von der Autorin in dieser verzehrten Art und Weise wiedergegeben wird, ist im Grunde ein weiteres Zeichen für die weitgehend gescheiterte Integration dieser Bevölkerungsgruppe.

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  11. Anonymous

    das quantanamo war ein sogenanntes labor um festzustellen warum das menschentyp muslim sich von nichts abhalten lässt. obwohl vieles ihm angeboten wird bleibt er an seinem weg fest gebunden. das wollten sie ın quantanamo durch foltern, beleidigungen und erniedrigungen brechen, was ihnen aber nicht gelungen ist. denn sıe haben angst trotz ihrer materieller macht. warum wohl? du hast waffen, du hast atombomben, du hast alles was die welt dir anbieten könnte. aber trotzdem hast du angst. WARUM? (MUSTAFA İSLAMOĞLU).

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  12. noine

    Nja, Schwarzfahren ist halt verboten, egal ob man jetzt eig noch was nachkaufen wollte oder nicht. Damit muss man leben-pech gehabt eben. Risiko is risiko.
    Ich hätte einmal beinahe 40€ blechen müssen, weil ich das geld exakt passend hatte[zu der zeit konnten die schaffner-frewillig, nicht obligat-2€ nachlösegebühr einfordern.] Ich hatte es also passend, aber der $§”%&$?&/!! Automat weigerte sich dauerhaft, den letzten 5cent anzunehmen. Wollte also im zug nachlösen, suche den schaffner selbst auf aber habe eben das fahrtgeld passend-was macht der *grmlml* *zensier* Kommt er mir entgegen, verzichtet auf seine 2€ euro wie es bisher (2 fälle von mal wieder defektem automaten) seine kollegen stets taten?

    -nein, natuerlich MUSS er die 2€ dazu fordern (wie gesagt, damals konnte der schaffner das entscheiden, heute sind das x% des fahrkartenpreises) die ich natuerlich nicht dabei hatte. Und flog beim nächsten bahnhof raus (da war die fahrkarte dann auch deutlich günstiger^^)

    Naja, eine beschwerde bei der bahn führte zu einer formellen entschuldigung(ist ja nun nicht meine schuld dass der automat mal wieder nicht recht funktionierte) und ich musste nur 10€ zahlen-eben den fahrpreis+ übliche bearbeitungsgebühr.

    Also es kommt auf die schaffner an (habe auch nette getroffen) und ich bin zu dieser zeit seeehr punkig herumgelaufen, iro, metall im gesicht etc. das führt ja hin und wieder auch zu vorurteilen, aber bis auf diesen typen wahren alle schaffner außerordentlich angenehm-man muss halt höflich sein.

    also-klug wäre es gewesen, nachzulösen oder eben eine einfache fahrt zu zahlen und dann eben die monatskarte später zu kaufen. so ne fahrt kost doch nur 2,3 €, also kein weltuntergang.
    Und sitzenbleiben ist auch möglich. einfach mal 5 minuten devot tun und dann hat sich die sache gegessen. er hätet sich gerichtlich rechtfertigen können, vermutlich wäre das ein kurzer verhandlungstag gewesen, da integriert und versprechendes leben und fehltritt. Er hat es sich -auch- selbst versaut.
    (aber das misshandlung absolut inakzeptabel ist ist ein anderes ding. Amnesty international hat nicht umsonst diese Polizisten ausweisen kampagne lanciert-denn es gibt leider genug solcher fälle, bei denen kollegen die prügelnden polizisten decken und jeder fall ist einer zu viel und schäht den ruf der polizei. es sollte schon in deren interesse liegen, solche sachen lückenlos aufzuklären, um eben vertrauen zu bekommen-denn das gibts nunmal nimmer geschenkt)

    Wenn man diskriminierung erfährt ist man etwas sensibilisiert und reagiert vll etwas über-genauso wie diese menschen dort sträflich überreagiert haben und ihre macht missbrauchten. Aber kanna uch sein, dass diese vielleichte inmal zuu oft mitbekommen, wie jemand n messer zieht oder zuschlägt und haben einfach extrem überreagiert

    Im endeffekt ist es die fehler der täter, ein von tayfun unadäquates verhalten eben nicht deeskalierend zu behandeln. gleichermaßen wäre es empfehlenswert, wenn der knabe sich auch ein solches deeskalierendes verhalten angewöhnt. Selbst wenn man im recht ist-recht haben und recht bekommen sind nunmal 2 paar schuhe und manchmal kann einem diplomatisches verhalten deutlich besser helfen, schlussendlich zu einem befriedigenden ergebnis zu kommen.

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