RETTET EIN BISSCHEN PLURALITÄT!

Die deutsche Medien- und Politiklandschaft ist weiß, männlich und so zwischen Anfang 30, Ende 40.

9,2 % der deutschen Bevölkerung bestehen aus Frauen mit Migrationshintergrund. Das sind die amerikanische Hausfrau, die türkische Managerin, die japanische Sängerin, die nigerianische Akademikerin, die tunesische Schriftstellerin, die französische Künstlerin oder die rumänische Ärztin.

Rein quantitativ müsste also fast jeder zehnte Artikel von diesen Frauen handeln. Müsste. Die multikulturellen Frauen tauchen medial nicht nur selten, sondern außerdem auch überzogen oft in einem negativen und problematisierten Kontext auf. Als “Migranten” werden nur die Osteuropäerin, die Muslimin/Türkin oder die “Schwarze” benannt. Genauer: die osteuropäische Prostitutierte, die muslimische Unterdrückte, das schwarze Menschenhandel- und Zwangsprostitutionsopfer. Ein stark verzerrtes Bild.

So war meine Freude groß als ich damals das multikulturelle Frauenmagazin Gazelle entdeckte – ein Magazin, das der multikulturell(en) (interessierten) Frau Raum, Bild und Stimme gibt. Sie ist endlich nicht nur Opfer und Problem, sondern auch Mensch und Lösung. Gazelle ist kein Medium für die Nische, sondern für alle.

Jetzt aber steht das Magazin kurz vor dem Aus. Das gibt’s doch nicht!

Das dachten sich auch die Mädchenmannschaft, der Philibuster und andere und wagen den Versuch Gazelle zu retten – mittels einer Abo-Aufruf-Aktion:

“Das multikulturelle Frauenmagazin Gazelle braucht insgesamt 1000 neue Leser­_innen, um das Magazin weiterhin am Leben zu halten und sogar vier mal im Jahr zu erscheinen.”

Mehr Infos hier.

Rettet ein bisschen Pluralität, Mensch!

8 Comments RETTET EIN BISSCHEN PLURALITÄT!

  1. Omar

    Entschuldigung, aber die Logik ist ein wenig verquer.
    1. Man gibt Leuten keine Stimme, wenn man Medien mit Inhalten füllt, die “von diesen Frauen handeln”.
    2. Willst du sagen, dass keine 10% der Berichterstattung bereits von weiblichen “Migranten” handeln? Interessanter wäre doch auch die Frage, ob nicht 10% der Medienersteller weibliche Migranten sind (wohlgemerkt, alle Migranten inklusive).
    3. Gazelle ist doch ein kommerzielles Produkt. Müsste nicht einfach Interesse an den Inhalten existieren, damit es erhaltenswert ist? Ist es nicht kontraproduktiv, die Zeitschrift über eine künstliche Interessenanhebung am Leben zu erhalten, wenn das tatsächliche Interesse offensichtlich nicht so hoch ist?

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  2. Cunctavi

    “Rein quantitativ müsste also fast jeder zehnte Artikel von diesen Frauen handeln. Müsste.”

    Medien haben in einer Demokratie die wichtige Aufgabe auf Missstände hinzuweisen. Quantitativ wird auch relativ selten über 30-jährige MINT-Absolventen ohne Migrationshintergrund, aber mit guten Einkommen berichtet. Aber das ist auch in Ordnung. Menschen wie ich haben so wenig Probleme, damit füllt man keine Zeitungsseite.

    Über mein Gehalt verhandeln außerdem mein Arbeitgeber und ich und nicht wie beim quantitativ-überrepräsentierten Hartz’er die Politik, ergo die Gesellschaft.

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  3. Moslemistan

    9.2% nur?
    Was mich bei diesen deutschen Statistiken schon immer gestört hat, ist, dass man willkürlich einen Strich zieht und Einheimische zu Quasi-Ausländern erklärt.

    Und wie werden bspw. sog. “Volksdeutsche” nach der Blut&Boden-Ideologie gezählt? Haben die einen “Migrationshintergrund”, weil sie aus Russland bzw. der ehemaligen UdSSR kamen, oder werden die als Ur-Deutsche gezählt, weil sie doch allesamt angeblich deutsche Sarrazin-Gene tragen?

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  4. alhamdulillahmuslima

    Salam! :)

    Für mich ist es fraglich, wie Gazelle das Thema Islam handhabt. Können sie zwischen der Lehre des Islam und der Taten der Muslime unterscheiden? Können sie zwischen Islam und Tradition unterscheiden? – Und all das dann auch richtig in Wort zusammenfassen, ohne das der Leser bzw. die Leserin es so auffasst, als wäre der Islam an Frauenunterdrückung etc. Schuld. Wenn sie hierbei nicht sachlich vorgehen, dann vergeht mir sowieso die Lust an dieser Zeitschrift. Dann kann ich mir genau so gut islamfeindliche Artikel im Internet lesen oder die Glotze einschalten.

    Wenn sie gute Arbeit leisten und für mehr Aufmerksam ihrer Zeitschrift sorgen, dann werden sie inshAllah Leser und Leserinnen gewinnen.

    Shalom! :)

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  5. Anonymous

    Kann es sein, dass Mehrheiten von Migrantinnen aus Marokko bis Moskau in Deutschland einfach KEIN Interesse daran haben, ein peinliches Ethnokitschgenörgel anzustimmen, sondern einfach damit beschäftigt sind, ihr Leben zu leben, soweit die Family sie läßt.
    P.S.
    Dadurch dass Rola El-Halabi ehrenhalber zum Krüppel geschossen wurde, ist die Quote der Migrantinnenpublizität immerhin kurzfristig etwas angestiegen.

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