ES GIBT KEIN ENTKOMMEN

Achtung. In dieser Kolumne geht es nicht um das belgische Burka-Verbot. Zu diesem Thema wurde schließlich schon oft genug etwas gesagt. Ich fasse lediglich zusammen: Bei dem Burka-Verbot handelt es sich um symbolische Hau-den-Muslim-Politik. Verständlich, denn irgendetwas muss ja gegen “die Muslime” getan werden.

Leider aber wählten die Belgier die falsche Methode. Und bevor auch die FDP-Visionärin Koch-Mehrin den Fehler wiederholt und aus dem “mobilen Gefängnis” ein immobiles Gefängnis macht – die Burkaträgerinnen also nach Hause verbannt – möchte ich auf eine bislang ignorierte und unbemerkte islamische Gefahr aufmerksam machen: die schleichende Islamisierung des iPhones.

Meine erste Begegnung mit diesem Phänomen machte ich in einem Hotel in Zürich. Ich rief die Rezeption an, um nach der Himmelsrichtung Südost zu fragen, als der Empfangsmitarbeiter mich unterbrach und fragte: “Ach, sie wollen bestimmt wissen, wo die Gebetsrichtung ist, nicht wahr?” Schweigen an meinem Ende des Telefons. “Einen Moment bitte, ich komme zu Ihnen!”, sagte er und verschwand. Ich war irritiert.

Eine Minute später stand er vor meiner Zimmertür und tippte auf seinem iPhone herum, “Da haben wirs!” – Triumphierend präsentierte er mir sein Handy: Darin war ein Kompass zu sehen, das in die Gebetsrichtung zeigte. Unfassbar, der Empfangsmitarbeiter hatte tatsächlich eine islamische Gebetsrichtung-Anwendung auf seinem Telefon!

Himmel! Muslime hatten nun also auch den Apple-Produkten den Kampf angesagt. Schleichend und unbemerkt wurde die Islamisierung des Apfels vorangetrieben, und ich fürchte, es könnte schon fast zu spät sein. Ich bin den Anblick von Tetris spielenden Menschen in der Londoner U-Bahn gewöhnt, doch kürzlich entdeckte ich eine junge Kopftuch-Trägerin, die auf ihrem iPhone statt Tetris zu spielen dreisterweise den Koran las – mit Hilfe der Koran-Anwendung. Erwischt!

Ein befreundeter Imam wurde dabei beobachtet, wie er ein iPhone benutzte, um sich über die Gebetszeiten zu informieren und die Gebetsrichtungen zu prüfen. Erwischt! Auf meiner letzten Tour in eine fremde Stadt zog ein Muslim aus unserer Reisegruppe das iPhone zu Hilfe, um das nächstgelegene Halal-Restaurant ausfindig zu machen. Erwischt!

Nicht einmal ich konnte meine Apple-Produkte vor der schleichenden Islamisierung bewahren. So ertappte ich mich dabei, wie ich eine Gebetsruf-Anwendung auf meinem Laptop installierte, die mich fünfmal am Tag zum Gebet aufrief. Als ich kürzlich in der Bibliothek saß, “vergaß” ich, den Ton auszuschalten. So ertönte der Gebetsruf laut durch die gesamte Bibliothek und fand seinen Weg in die Ohren meiner nichtmuslimischen Kommilitonen. So wurde auch ich: Erwischt!

Sehr verehrte Politik-Macher, das ist Ihre Chance. Wenn Sie richtig effektive Symbolpolitik machen wollen, dann lesen Sie hier exklusiv einen Kopftuchmädchentipp: Sie können nun endlich etwas gegen die Muslime tun. Verbieten Sie die Islam-infizierten iPhones. Das ist bestimmt ganz effektiv.
taz, Tuch-Kolumne, 12.05.2010
Bildcredit: shmileblik

20 Comments ES GIBT KEIN ENTKOMMEN

  1. Anonymous

    Kübra, stell dich den Kommentaren. Es sind nicht nur islamphobe Rechte, die Kritik an dir und deinem Artikel üben. So mancher Einwand hat Hand und Fuß und sollte dich zum Nachdenken animieren. Ich muss sagen, dass ich einige Kommentare aus der taz weit lesenswerter fand als deine, es lässt sich leider nicht verschweigen, misslungene Kolumne. Wenn du schon keine inhaltlichen Fehler einräumen willst, so arbeite an deiner Sprache und dem Schreibstil. Ich meine das nicht bösartig. Einige Formulierungen zeugen schlichtweg von mangelhaften Deutschkenntnissen.
    LG

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  2. kübra yücel

    Hallo Anonym,

    wer sagt denn, dass ich mich der Kritik nicht stelle? Ich lese sie, viele schreiben mir auch persönlich, was sie nicht gut finden. Auf ernst-gemeinte Kritik reagiere ich, sofern ich Zeit habe. Und ich nehme die Kritik auch auf: Selbstverständlich ist journalistisch nach oben hin viel Luft offen. Man kann sich immer verbessern. Und ich bin noch am Anfang und betrachte dies als wertvolle Erfahrung. So erst wird man doch besser.
    Aber dennoch, Danke für den Hinweis.

    Liebe Grüße!

    Reply
  3. kübra yücel

    @anonym: Ach ja. Du schriebst: “Wenn du schon keine inhaltlichen Fehler einräumen willst, …”
    Viele Kritiken (und die, denen ich antworte,) sind inhaltlicher Natur.

    Reply
  4. Lieselotte

    Liebe/r Anonym,

    Eins: Sprache und Stil sind Geschmacksache. Günter Grass’ Sprache und Stil in die Blechtrommel fand ich zum Davonlaufen – trotzdem hat’s der Mann zum Literaturnobelpreis gebracht. Kübras Stil mag dir gefallen – oder nicht. Und? Ist halt ihr Stil.

    Zwei: Welche Formulierungen sollen das denn sein, die in Kübras Text von mangelhaften Deutschkenntnissen zeugen? (Was haben die taz-Lektoren übersehen?)

    Gruß
    Lieselotte

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  5. Cigdem

    Liebe Kübra,

    zunächst möchte ich dir sagen, dass ich die Idee deines Blogs toll finde!
    Dein Text über den Verbot der Burka muss ich aber leider kritisieren.

    Ständig fühlt sich die Mehrheit der Muslime bedroht! Man spricht von schleichernde Islamfeindlichkeit in Europa.
    Aber, wie friedfertig und tolerant sind denn die meisten Muslime selbst?
    Du nutzt in Deutschland und in England alle Chancen, die dir als junge Frau geboten werden: Du studierst, schreibst, arbeitest und bloggst! Schau dir die islamische Welt an? Könnten westlich eingestellte Menschen dort auch ihren Lebensstil in aller Freiheit ausführen?
    Oder provokanter gesagt: Meinst du nicht, dass du dich hinter deinem Kopftuch versteckst, konservative Werte nach innen weiter konservierst, nach außen hin dich den Entwicklungen des modernen Lebens hingibst?

    Die Burka ist wie eine Zwangsjacke für Frauen.
    Ich finde es gut, dass du deine Stimme erhebst, dich der deutschen, der westlichen Gesellschaft zeigst, wie du lebst. Sicherlich, du lebst ein modernes Leben, genauso wie reiche Muslime teure moderne Autos fahren, aber trotzdem 3 Frauen heiraten.

    Wieso erhebst du nicht deine Stimme gegen die Menschen, die Gesellschaft, die Institutionen, die Frauen das Leben wirklich schwer machen?
    Die Mehrheit der Frauen im Iran wollen kein Kopftuch anziehen, sie wollen frei leben, tanzen, rausgehen, sich mit Jungs treffen.

    Und das ist nicht nur im Iran so.

    Ich glaube, das weißt du auch.

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  6. kübra yücel

    Liebe Cigdem,

    lieben Dank für deinen Kommentar! :)

    Dass sich die Mehrheit der Muslime bedroht fühlt, wäre mir neu. Die meisten, die ich kenne, beklagen lediglich die Islamfeindlichkeit in bestimmten Medien, die ja wissenschaftlich belegt ist.

    “Aber, wie friedfertig und tolerant sind denn die meisten Muslime selbst?”

    Von welchen “meisten Muslimen” sprichst du? Dass die “meisten Muslime” wenig friedfertig oder tolerant sind, wäre mir auch neu. Woher hast du diese Information? Ich kann für mich, meine private Umgebung (in: England, Deutschland, Frankreich, USA und Türkei) sprechen: Sie sind friedfertig, tolerant, offen und aktiv. Du willst doch nicht etwas 1,5 Milliarden Menschen auf die Taten von einigen wenigen (vielleicht weltweit ein paar tausend?) Menschen reduzieren. Das wäre nicht nur unmoralisch und unfair, sondern einfach unwissenschaftlich und falsch.

    “Du nutzt in Deutschland und in England alle Chancen, die dir als junge Frau geboten werden: Du studierst, schreibst, arbeitest und bloggst! Schau dir die islamische Welt an? Könnten westlich eingestellte Menschen dort auch ihren Lebensstil in aller Freiheit ausführen?”

    Um auf deine eigentliche Suggestion zu einzugehen: Deine Frage ist doch irrelevant. Was haben diese Ländern mit mir zu tun? Dass diese Länder eine mehrheitlich muslimische Bevölkerung haben, hat ja mit meinem Leben hier in England und Deutschland nichts zu tun.

    Wenn andere Menschen auf anderen Kontinenten, die sich „Muslime“ nennen, Dinge tun, mit denen ich persönlich nicht übereinstimme, dann kann ich dafür nicht Verantwortung gezogen werden. Wo kämen wir denn hin? Das ist doch absurd. Ich habe weder Einfluss auf diese Länder, noch auf diese Menschen.

    Ich bin ein Bürger Deutschlands, ich lebe in Europa und meine Aufgabe ist es in *dieser* Gesellschaft aktiv zu sein, zu partizipieren und das Leben angenehm für alle mit zu gestalten. Ich wehre mich gegen Menschen, die mir die Last auferlegen wollen, Verantwortung für andere Länder zu übernehmen, nur weil sie mit mir die Religion gemeinsam haben. Das lasse ich mit mir nicht machen.

    “Oder provokanter gesagt: Meinst du nicht, dass du dich hinter deinem Kopftuch versteckst, konservative Werte nach innen weiter konservierst, nach außen hin dich den Entwicklungen des modernen Lebens hingibst?”

    Was ist an deiner Frage provokant? Was soll negativ daran seine Religion im Herzen zu tragen, sie auszuleben, zu beten, zu glauben und dann nach dem Gebet auf dem Fahrrad zur Uni zu fahren; nach der Vorlesung mit den Freunden einen Kaffee zu trinken, um am Abend ins Theater zu gehen? Findest du es kontrovers, dass ich nach dem Abendgebet einen Beitrag für mein Blog schreibe? Oder dass ich mich zum Fastenbruch mit meinen nichtmuslimischen Freunden in einem chinesischen Restaurant treffe? Ich verstecke meine Religion nicht, meine Religion ist Teil meines Lebens.
    …. (siehe Teil 2)

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  7. kübra yücel

    … (Teil 2)

    “Wieso erhebst du nicht deine Stimme gegen die Menschen, die Gesellschaft, die Institutionen, die Frauen das Leben wirklich schwer machen?”

    Wie kommst du darauf, dass ich das nicht täte? Wenn ich auf Missstände in der Gesellschaft hinweise, die das Leben Kopftuchtragender Frauen schwer machen, dann tue ich doch genau das. Denn diesen Frauen wurde bislang keine Stimme gegeben. Deshalb gibt es mehr und mehr muslimische Bloggerinnen in Deutschland. Sie sehen und fühlen den Bedarf, genauso wie ich auch.

    Wenn ich mich also für muslimische Frauen einsetze, dann deshalb, weil ich den Bedarf sehe. Vor einigen Jahren setzte ich mich schulpolitisch für Chancengleichheit, für Nicht-Gymnasiasten ein – ich selber war Gymnasiastin. Ich habe versucht denen eine Stimme zu geben, denen die Öffentlichkeit keine gab. Ich habe mich in meinem Leben für die unterschiedlichsten Dinge eingesetzt. Jetzt sehe ich nun mal diesen genannten Bedarf. Findest du das verwerflich?

    Würde ich im Iran leben, würde ich mich als Journalistin für das Recht einsetzen, dass Kopftuch ablegen zu dürfen. Ich würde diesen Frauen eine Stimme geben. Denn Kopftuchzwang – das lässt sich mit meinem Religionsverständnis nicht vereinen. Aber ich lebe nicht im Iran. Ich lebe hier, in Europa.

    Ich hoffe, du verstehst, was ich versuche zu sagen: Meine Werte messe ich nicht an dem, was in anderen Ländern geschieht. Meine Werte beziehe ich aus den Rechten, die wir hier in Europa haben, den Idealen, die wir hier haben, den Visionen, die wir hier haben, und meiner Religion. Das sind: Chancengleichheit, Freiheit, friedliches Miteinander,… eine lange Liste. Man warf mir das aber schon immer vor: Harmoniesucht. Und das nehme ich als Kompliment auf.

    Liebe Grüße,

    Kübra :)

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  8. Cigdem

    Liebe Kübra,

    vielen Dank für deine Antwort auf mein Kommentar.

    1) Dass in den Medien ein verzerrtes Bild über den Islam und die Muslime dargestellt wird, verleugne ich nicht, nein, da hast du vollkommen recht.

    2) Als ich meinen Blog gestartet habe, welchen, wie ich annehme, du schon gelesen hast, wusste ich, dass ich mein Profilbild im Facebook verstecken muss aus Angst vor Bedrohungen oder Angreifen. Du kannst mich gerne paranoid nennen, aber diese Angst rührt nicht aus Unwissen, sondern als Muslima kenne ich auch einige Muslime, mit denen ich schon öfter über Themen wie Islam diskutiert habe und bin sehr oft, eigentlich fast immer, auf emotionale Reaktionen gestoßen. Gläubigen Moslems fällt es schwer, nicht aus ihren religiösen Gefühlen heraus zu argumentieren. Das ist auch nachvollziehbar, denn erschreckender ist es, den Islam und seine religiöse Legitimation wissenschaftlich belegen zu wollen. Das ist gefährlicher, denke ich. Ein Glaube bleibt ein Glaube, und setzt überall dort ein, wo die Wissenschaft keine Antwort findet.
    Es stellt sich vielmehr die Frage, WIE friedfertig und offen und tolerant die Muslime wirklich sind und vor allem, WEM gegenüber? Wie tolerant sind sie gegenüber einem Atheisten, gegenüber Andersgläubigen, gegenüber Islam-Kritikern, gegenüber ihren Töchtern, gegenüber dem Freund der Tochter, gegenüber dem andersgläubigen Freund der Tochter, gegenüber dem gottlosen Freund der Tochter?
    Eine vielleicht sehr persönliche Frage, liebe Kübra: Aber wie tolerant sind deine Eltern und deine muslimische Gemeinschaft wirklich? Würden sie dich akzeptieren (unterstützen lasse ich einfach mal weg), wenn du kein Kopftuch tragen würdest, roten Lippenstift und einen kurzen Rock tragen würdest? Wenn du mit einem Jungen nach Hause kommen würdest? Wenn du Atheist wärst oder dich entscheidest, zum Christentum zu konvertieren?
    Könntest du in London leben, wenn deine Eltern nicht wüssten, dass du Angst vor Gott, oder vielleicht auch Liebe zu Gott pflegst und daher nach ihren Werten lebst bzw. euren gemeinsam geteilten Werten?

    Liebe Kübra, ich verurteile niemanden dafür. Ich selbst komme aus einer sehr “offenen” Familie in vielerlei Hinsicht, merke dennoch dass ich an Grenzen stoße. Grenzen, die mein Leben stark beeinflussen.

    Wie du sicherlich bemerkt hast, rede ich nicht von Extremisten oder Terroristen. Verrückte gibt es überall. Es geht vielmehr um das Leben der Menschen.

    3.) Dass du in Deutschland lebst und hier am politischen und gesellschaftlichen Diskurs beteiligst, ist natürlich sehr schön und richtig. Dass du von den Taten der Menschen anderer Länder distanzierst, ist auch sehr schön. Du gehörst aber einer Religionsgemeinschaft an, die über nationale Grenzen hinweg, existiert. Natürlich bist du für die schrecklichen Taten im Iran nicht verantwortlich, aber, dass du deine Augen davor verschließt, ist meiner Meinung nach nicht richtig. Denn die Auseinandersetzung damit würden dir vielleicht deine Augen öffnen und dein Weltbild würde nicht mehr so standfest sein, wie es heute und jetzt ist.

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  9. Cigdem

    …….

    4.) Ich glaube, dass du mich nicht richtig verstanden bzw. missverstanden hast.
    Ich sehe es keineswegs kontrovers, dass du betest und fastest. Auch wenn ich persönliche eine andere Sicht darauf habe, respektiere und toleriere ich deine Religion und Glauben und die damit verbundenen Pflichten oder die Lebensweise. Das, liebe Kübra, nenne ich Glauben.

    Meine Kritik richtet sich gegen das Kopftuch. Mich stört dabei nicht der “fremde” Anblick wie bestimmt viele Europäer, wie ich es aus diversen Kommentaren auf Internetmagazinen entnehmen kann, sondern vielmehr mache ich mir um die Menschen darunter sorgen und um die Generation danach.
    Natürlich könntest du sagen, wie anmaßend! wie selbstgerecht! Du brauchst dir meinetwegen keine Sorgen machen.
    Aber das Kopftuch ist ein Stück Stoff, der dir dabei hilft, rückständig genau in den Bereichen des Lebens zu bleiben, die essentiell sind.
    Ich trage kein Kopftuch, aber mich stört es mehr, als meine Kommilitonin, die eins trägt, wenn fremde Männer mir ihren Arm um mich legen. Ich verstehe den Sinn darin nicht, es ist unerklärlich.
    Ich akzeptiere ein Kopftuch, das nicht dogmatisch und bunt ist. Ein Kopftuch, dass die Haare leicht bedeckt, weil die Frau darunter, ihre Schönheit bedecken möchte. Aber ich akzeptiere kein Kopftuch, das angeblich Gottes Befehl sein soll, kein Kopftuch, dass junge moderne Frauen vor der Hölle schützen sollen.

    5.) Die Rechte, die du dir hier in Europa nimmst, wurden von vielen Menschen hart erkämpft, u.a. durch die Aufklärung und die Frauenbewegung. Vernunft statt dogmatischer Glaube und die Rechte der Frauen in JEDEM Lebensbereich.

    Reply
  10. kübra yücel

    Liebe Cigdem,

    bitte beachte Folgendes beim Lesen des Textes: Lächle. Es kann in Diskussionen im Internet oder auf schriftlichem Verkehr schnell zu Missverständnissen kommen, da man sich beim Lesen eine grimmige Person mit einem bösen Unterton vorstellt. So ist es nicht. Ich sage geradeheraus, was ich denke, lächle dabei und habe einen freundlichen Ton. So. :)

    1) Darin sind wir uns also einig.

    2) Schon an der Art und Weise, wie du an das Thema herantrittst bzw. die Ängste bei dem Start deines Blogs, die du beschreibst, sind ein Anzeichen für eine irrationale und unwissenschaftliche Herangehensweise. Du behauptest, Muslime könnten ihren Glauben nicht wissenschaftlich verteidigen, wohlwissend, dass nicht nur unsere heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu einem immens wichtigen Anteil auf den Erkenntnissen aus der islamischen Welt beruhen, sondern auch, dass es zahlreiche wissenschaftlich arbeitende Theologen gibt.
    Mein Vorwurf, den wir gerne diskutieren können: Du strebst keine Neutralität bei der Analyse dieser Thematik ein, sondern versuchst deine persönliche, emotionale Meinung in ein wissenschaftliches Muster einzupassen.

    Denn deine Argumentation basiert nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf Erfahrungen aus deiner ganz persönlichen Umgebung – und die, ich vermute, sehr wahrscheinlich mit deiner Erziehung und Sozialisierung zusammenhängen. Du kritisierst die Toleranz „der Muslime“. Nun gut, dann argumentiere nach deinem Muster: WIE tolerant sind atheistische Eltern, deren Tochter sich entscheidet zum Islam zu konvertieren und das Kopftuch zu tragen? Wie tolerant sind sie, wenn ihre Tochter einen praktizierenden Muslim als zukünftigen Ehemann vorstellt? WIE tolerant sind die Eltern dann?

    Hier sehen wir den fundamentalen Fehler, den du meiner Meinung nach machst: Du betrachtest Religion als Anormalität und den Atheismus als Normalität. Die Religion muss sich verteidigen, weil sie von deiner Norm abweicht, aber der Atheismus nicht. Warum aber bestimmst DU die Normalität, liebe Cigdem?

    Zur Veranschaulichung:
    Für die muslimische Familie ist das Kopftuch, die Religion die Normalität, so wird die Tochter vermutlich das Nicht-Religiös-Sein, das Nicht-Kopftuch-Tragen verteidigen. Für die atheistische Familie ist Atheismus die Normalität, so wird die Tochter ihre Religiosität und das Kopftuch verteidigen. In der links-kommunistischen Familie wird der Sohn seinen kapitalistische Einstellung verteidigen, in der konservativ bürgerlichen Familie der Sohn seinen Punkstil und so weiter und so fort.

    Kurz: Muslime sind nicht intoleranter als andere Menschen, die an bestimmten Werten festhalten.

    Deine Frage „Könntest du in London leben, wenn deine Eltern nicht wüssten, dass du Angst vor Gott, oder vielleicht auch Liebe zu Gott pflegst und daher nach ihren Werten lebst bzw. euren gemeinsam geteilten Werten?“ wollte ich eigentlich einfach ignorieren.
    Doch ich komme nicht umhin, zu erklären, warum ich diese (leider wie ich finde, unverschämte) Frage nicht beantworten werde: Zum einen gehst du von negativen Prämissen aus und zum anderen diskutierst du wieder einmal unwissenschaftlich, indem du meine persönliche Biografie zum Gegenstand der Debatte machst. Diesem indirekten Zwang zur Offenlegung meiner Privatsphäre werde ich mich nicht beugen. Nur ich entscheide, was ich öffentlich über mich preisgebe und welche Informationen ich zugänglich mache.

    Ich unterstelle dir einfach mal, dass es dir bei dieser Frage nicht um mich und meine Person ging, sondern um das erklären eines Gedankens am Beispiel. :) Daher würde ich dich bitten, diesen Gedanken, also deine Suggestion klar und deutlich zu formulieren.

    (…)

    Reply
  11. kübra yücel

    (…)

    3) Wie kommst du – leider wieder einmal – zu einer Feststellung über mich, die auf exakt nichts beruht? Ich kenne die iranische Geschichte und habe mich – soweit es meine Zeit zuließ – intensiver mit ihr befasst. Sicherlich gibt es noch viel, dass ich über den Iran lernen kann, genauso wie ich mehr über Burkina Faso oder die Dominikanische Republik lernen könnte.
    Außerdem: Was wolltest du mit Punkt 3 eigentlich genau sagen: Welches Weltbild, das ich anscheinend habe, wäre nicht so standfest, wenn ich mich mit dem Iran beschäftigt hätte, was ich ja, wie du nun weißt, bereits gemacht habe?

    4) Wieder wirst du leider, leider persönlich und unwissenschaftlich. Aber sei’s drum. Bleiben wir also in deinem Argumentationsmuster: In welchen Bereichen des Lebens, die essentiell sind, bin ich denn deiner Meinung nach rückständig?
    Und ich kann deinem Text leider nicht entnehmen, was dich am Kopftuch stört. Es ist nicht der „fremde Anblick“, so weit bin ich noch mitgekommen. Was aber meinst du im Genauen mit einem dogmatischen Kopftuch? Meine Meinung zu dem Thema Kopftuch und Gründe, das Kopftuch zu tragen, – da möchte ich mich ungern wiederholen – findest du in der ersten Kolumne von mir wieder: http://ein-fremdwoerterbuch.blogspot.com/2010/04/mein-kopf-gehort-mir.html
    Du kannst ja dann direkt darauf antworten.

    5) Ich NEHME mir keine Rechte, ich HABE diese Rechte. :)
    Und das nur nebenbei: Viele dieser Rechte, wie das Recht auf Arbeit, Beibehalten des Nachnamens, auf Scheidung etc. pp. hatte der Islam Frauen schon vor 1.400 Jahren gegeben. Falls du es nicht schon getan hast, könntest du dich vielleicht etwas mehr mit islamischem Feminismus, statt muslimischen Feminismus beschäftigen. Das könnte dir unter Umständen „die Augen öffnen“, um deine Worte zu benutzen.
    Wobei ich hinzufügen möchte: Mir ist bewusst, dass bei gleicher Informationsgrundlage zwei Menschen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können.

    Sonnige und herzliche Grüße aus London,

    Kübra

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  12. Cigdem

    Liebe Kübra,

    im Grunde genommen wirfst du mir vor, meine Meinung unwissenschaftlich auszudrücken.
    Habe ich dich falsch verstanden oder zitierst du auf deinem Blog aus dem Koran bzw. verwendest Sekundärliteratur?
    Du schreibst deine persönlichen Erlebnisse und beschreibst deine Lebensweise als gläubige Muslimin.
    Auf meine Frage hin, ob alle Muslime wirklich so friedfertig sind, hast du mit deinem persönlichen und privaten Umfeld geantwortet. Dies zeugt auch nicht wirklich von einer wissenschaftlichen Herangehensweise.

    Die gleiche Kritik hast du gegen meinen Blog und die Inhalte gerichtet. Dabei ist der Blog dazu da, andere Perspektiven widerzuspiegeln und meine Meinung und Ansichten aufzuzeigen.

    Wie du sicherlich gelesen und festgestellt hast, bin ich Muslimin alevitischen Glaubens und wenn ich emotional an diese ganze Thematik mich begeben hätte, dann sicherlich in einem anderen Ausmaß.

    Wenn ich dich richtig verstanden habe, wirfst du mir nicht nur unwissenschaftliches Arbeiten und emotionale Herangehensweise vor, sondern auch dass ich nicht objektiv über dieses Thema spreche.

    Reply
  13. Cigdem

    Die Welt ist für mich nicht schwarz und weiß. Ich sehe keineswegs den Atheismus als Normaltität an. Ich glaube, dass du mich missverstanden hast. Das werde ich aber weiter unten klären.

    Es war mir klar, bzw. verständlich, dass du auf meine persönliche Frage in deinem persönlichen Blog nicht antworten wolltest. Natürlich entscheidest du, was du von dir erzählen möchtest und was nicht. Meine Frage war aber eher rhetorischer Natur und richtet sich an alle Kopftuchträgerinnen in Europa.
    Und genau in diesem Punkt greift nämlich meine Kritik an: Es ist eben nicht nur ein Stück Stoff.
    Und wenn du liebe Kübra nicht darauf antworten möchtest, wird es eine andere tun und dann wieder eine andere, bis wir feststellen müssen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Tragen eines Kopftuches und einer konservativen Lebenseinstellung der Eltern existiert, die zwar zu akzeptieren ist, aber keinen Halt vor ihren erwachsenen Kindern macht, ihr eigenes Leben nach den Wertevorstellungen der Eltern bzw. nach dem Islam zu leben.

    Reply
  14. Cigdem

    Und genau darum geht es:

    Meiner Meinung nach hast du wie viele andere nämlich keine Wahl, und wenn du mit meiner Feststellung nicht leben kannst, bitte ich dich, das zu widerlegen.
    Du lebst den Glauben aus, in den du hineingeboren wurdest und richtest dich nach den Regeln, die von dir erwartet werden.

    Die Problematik liebt aber ganz sicherlich in deiner muslimischen Familie, sondern in der mangelnden kritischen Auseinandersetzung der Muslime mit dem Islam. Und wenn wir über den Islam sprechen wollen, müssen wir über den Koran reden.

    Und wenn man sich die Lehren des Korans näher anschaut, wird man feststellen müssen, dass deine Aussage
    ” Muslime sind nicht intoleranter als andere Menschen, die an bestimmten Werten festhalten.” eben nicht standhalten kann.

    Denn es in der Zweiten Sure, Vers 3 heißt es:

    “Dieses Buch- es ist vollkommen, nichts ist zu bezweifeln-ist eine Richtnur für die Frommen-(…).”

    Und wenn der Koran wirklich so vollkommen ist, weshalb kamen nach Mohammeds Tod die Gläubigen zu dessen Familie und hatten Probleme den Koran richtig zu verstehen?
    Wenn der Koran so perfekt ist, weshalb braucht man die Sunna und die Hadith?
    Ein Buch, dass in viele Richtungen interpretiert werden kann, aber gleichzeitig vollkommen ist?

    Reply
  15. Cigdem

    So entzieht sich der Koran jeglicher wissenschaftlichen Auseinanderstzungen derjenigen, die daran glauben und es nicht bezweifeln wollen, auch nicht können.
    Nach dem Koran sind nämlich nur diejenigen gläubig, die die Worte Gottes nicht verleugnen.
    Wenn ich also Sure 2, Vers 3 kritisiere und somit den Koran kritisch auseinandernehmen könnte, bin ich keine Gläubige mehr.

    Mir macht das ja nichts aus, ich halte nicht an ein Buch fest, dessen Inhalt höchstwahrscheinlich sowieso verfälscht wurde und in meinen Augen fehltinterpretiert wird und nicht nach modernem Verständnis reformiert wird.

    Also liebe Kübra, wie können muslimische Theologen sich kritisch mit dem Koran auseinandersetzen, wenn sie doch als Gläubige denken, dass er vollkommen sei? Dass es Gottes Worte seien und jeder, “dem, der ein Feind Allahs ist, seine Engel, seiner Boten, von Gabriel und Michael! Allah ist solcher Ungläubigen Feind!”, Sure 2, Vers 99 und “Ja! Überzeugende Zeichen haben wir dir gegeben, nur Gottlose können sie ungehorsam bezweifeln.” Sure 2, Vers 100.

    Interessanterweise wurde Sure 2 nach Mohammeds Tod in Medina “offenbart” und dies von Abu Bekir, der seine Version des Korans verstreute.

    Liebe Kübra,

    wenn sich also Theologen rein objektiv damit auseinandersetzen, können sie nach dem Koran keine Gläubige mehr sein.

    Meine Kritik richtet sich nicht an den muslimischen Glaubens als solches. Nur an diejenigen, die vehement an der Vollkommenheit des Korans festhalten und wichtige Negativpunkte im Koran übersehen.
    Und wenn das die Mehrheit der Muslime ausmacht, ja, dann richtet sich meine Kritik gegen die Mehrheit der Muslime.

    Eigentlich habe ich noch einige Fragen rhetorischer Natur an dich gerichtet.
    Aber diese werde ich dir hier nicht stellen, da du anscheinend nicht bereit bist, darüber zu sprechen.

    Dein Weltbild kenne ich, indem ich den Koran lese und du mir sagst, dass du den Koran als deine heilige, vollkomme Schrift siehst.
    Und wenn das nicht dein Weltbild sein sollte, dann bist du nach dem Koran keine Gläubige, sondern “nur” ein Mensch, so wie alle anderen “Ungläubigen”, weil du die Worte Gottes verleugnest.

    Und wenn du mir sagst, die deutsche Übersetzung wurde ganz anders interpretiert. Wieso ist dann die Interpretation der Mehrheit der Muslime die gültige?
    Welcher vernünftiger Grund lässt dies zu?

    Vielen Dank für diese Diskussion.
    Ich werde mich hier unter diesem Artikel nicht mehr äußern, sondern weiter auf meinen Blog schreiben.

    Mit meinen Äußerungen und Aussagen wollte ich dir keineswegs zu nahe kommen oder dich in irgendeiner Art und Weise beleidigen.
    Ich respektiere deine religiösen Gefühle, aber das Tabu über den Koran muss gebrochen werden.

    Liebe Grüße

    Cigdem Toprak

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  16. Norbert Kraas

    Klasse Artikel! Mehr Humor und Ironie, wie ich sie aus diesem Artikel rauslese, täte uns allen in diesen hysterischen Debatten gut.
    Ich habe oft das Gefühl, hier in Deutschland im Treibsand (Foto oben passt!) der Humorlosigkeit (gilt für alle Parteien, für alle Religionen/Glaubensgemeinschaften, Geschlechter etc. etc.) zu versinken.
    Und mal ehrlich: ich mache mir mehr Sorgen über den Einfluss scheinheilig-opportunistischer Politprofis à la Seehofer oder auch über eine Generation junger Menschen, die das Wort Freund nur noch als Facebook-Terminus kennt und von der ursprünglichen Bedeutung dieses Wortes keinen blassen Schimmer hat.

    Reply
  17. XY

    ich war dabei alle ihre Artikel von vorne durchzulesen. nun dieser ist leider nicht gelungen. ich weiß nicht, was sie damit sagen wollten.

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