FASTENBRUCH #2

Heute neigt sich die erste Fastenwoche dem Ende. Ich muss gestehen, es ist nicht einfach in diesem Jahr. Eine richtige Herausforderung. Die Sonne geht erst um ca. 20.30 Uhr vollständig unter. Bis dahin weder Essen noch Trinken, das war besonders am Montag hart, als der Tag um sieben Uhr morgens anfing und wir ihn unter der prallen Sonne Heidelbergs verbrachten. Doch kaum war die Sonne unter, nach zwei Gläsern Wasser war ich bereits satt (oder sitt?).

Tag #2
Meine Tante lud zum Essen ein. Es gab leckeres, türkisches Essen auf einem festlich dekorierten Tisch. Ich vergaß natürlich ein Foto zu machen, so müsst ihr euch mit dem herumgestocherten Essen auf dem Teller meines Cousins zufrieden geben. Dass es das Essen meines Cousins ist, erkennt ihr an den Champignons. Die würde ich nämlich freiwillig nie essen. Champignons sehen doch aus wie Nacktschnecken.

Tag #3
Tag 3 war knapp. Fast vergaß ich wieder ein Foto vom Essen zu machen. Meine Familie schaut mich mittlerweile merkwürdig an, wenn ich nach dem ersten Schluck Wasser aufspringe und mit dem Handy herumfuchtel. Jedenfalls aßen wir heute lecker Zuhause. Es gab wieder grüne Bohnen (ja, das ist typisch türkisch), Reis, Auberginen und Icli Köfte (Schwiegermutters Fleischbällchen).

Tag #4
Der besagte harte Montag. Wir waren den ganzen Tag im schönen Heidelberg unterwegs, schauten uns alles genauestens an, schließlich wird ab Oktober meine Schwester hier studieren. Am Abend lud uns eine sehr herzliche Oma zu sich zum Essen ein. Als wir ihr beim Tischdecken halfen, füllte sie Wasser in Krüge – Wasser aus einer Naturquelle (!) in Heidelberg. Ich hatte nur noch Augen für das Wasser: Nach zwei Gläsern war ich selig und zufrieden. (Vom Essen landete daher nur wenig in meinem Magen.)

Tag #5
Iftar im ICE. Am Nachmittag hatten wir uns eine Packung Donuts gekauft, die am Abend komischerweise auf eine Mini-Größe zusammengschrumpft war (Backfactory-Donuts bestehen anscheinend zu einem Großteil aus heißer Luft). Davon mal abgesehen, war es sehr schön: Wir hatten Kiwi, belegte Brötchen und heißen Kakao. Der Nachtisch war für ICE-Verhältnisse sehr üppig: Die Keks- und Bärentreff-Fruchtgummi-Packung teilten wir daher mit unseren Sitznachbarn. Mit wenig, fiel mir auf, ist man zufriedener. Man genießt das Essen. Hamdulillah.

Tag #6
Mittlerweile erinnert mich meine Familie daran, Fotos zu machen. Auf meinem Teller ist außer Putenfleisch mit Gemüse-Sahne-Soße, Salat und Icli Köfte nicht besonders viel gelandet: Nach dem Iftar im ICE bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass das Fastenbrechen mit wenig Essen ein sehr wohltuendes Gefühl ist. Mich nervt es sehr, wenn man quasi um die Wette isst und sich die Bäuche vollkloppt. Darum geht es im Ramadan doch nicht: Man sollte sich mit wenig zufrieden geben, das Wenige schätzen lernen und danken. Und deshalb wanderte die Icli Köfte weiter auf den Teller meines Bruders.

Jetzt habe ich so viel von Essen geschrieben. Das macht das Fasten nicht wirklich einfacher.

This year I’m keeping an Iftar-diary. It’s almost a week since Ramadan has started. I must confess, fasting is a real struggle this year – especially on Monday (Day #4). Starting at 7 a.m., travelling by train, touring around, tramping through Heidelberg and the sun burning our faces. However it was a nice day. What I have learned so far: Breaking your fast with just a little food is so much more pleasant. I feel that this is what Ramadan is about: to content yourself with little. I enjoy eating alot more and feel very comfortable.

4 Comments FASTENBRUCH #2

  1. lukas

    Diese “Naturquelle” ist auf dem Weg nach Neckargemünd… und immer wenn man da vorbei fährt kann man Leute Literweise Wasser in riesige Kanister füllen sehen. Ich mag Leitungswasser!

    Btw. Hättet Ihr Euch am Sonntag/Montag mal den Lesensaal der Bibliothek angesehen, dann hätten Ihr mich getroffen. ;)

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  2. Der Moslem

    Wos, Alta?????
    Schaise, ey – habsch voll verpasst Ramadan, Alta! Hat mir keine gesagt, guckst du! Kannsch noch mitmachen oda is vorbei fur diese Jahr, Kübra? Machsch Fasten un trinken nur Bier.

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  3. kübra yücel

    @lukas: Oh! Das ist eine tolle Info, werde da bei meinem nächsten Besuch bestimmt auch mit einem Kanister auftauchen :) Und mit dem Kanister gehe ich dann in den Lesesaal. :)

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  4. Anonymous

    Coole Idee mit den Bildern!!

    Da sieht man mal echt was für Trend auf dem Teller landet mit fasülye, pilav und co :D

    und mein icli köfte würd ich NIEMALS weiter geben.. Selbst wenn ich nicht mehr kann :D

    grüße von der Arbeit.. :P

    Eren

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