HELMUT SCHMIDT ÜBER RELIGIONEN UND TOLERANZ


Am 23. Dezember wird er 90 Jahre alt. Altkanzler Helmut Schmidt ist einer der weisesten, intelligentesten und bedeutensten Köpfe und Menschen Deutschlands.
Ich bewundere ihn unheimlich. Er spricht wie gedruckt und was er spricht, ist wunderbar durchdacht und differenziert – zu allen erdenklichen Themen. Dafür lese man “Auf eine Zigarette mit…” in ZEITLeben.
Und nun wird er, der Held aller Hamburger (spätestens seit der Sturmflut 1962), 90 Jahre alt und die ZEIT (wo er Mitherausgeber ist) widmet ihm zwei Extra-Beilagen (inklusive einer DVD: “Bewegende Gespräche mit Helmut Schmidt”).

Jedenfalls habe ich gerade ein Video von ihm gesehen. Darin spricht er von der (fehlenden) Toleranz gegenüber Religionen und Überzeugungen. Außerdem erfahren, wie man sich in den 20er Jahren in Hamburg so beschimpfte. “Bisscha….!” – Ja, bisscha was? Dafür siehe unbedingt Video.
Isch ma Si, lieber Herr Schmidt. Trotz Zigarettenwolke.

Bildcredit: Ralph Ueltzhoeffer (Und dort gibt es noch mehr cooler Textporträts!)

HALT! DIE NEUE FREIHAFEN IST DA!

Die neue FREIHAFEN ist da! Die neue FREIHAFEN ist da! – HALTESTELLE, so heißt das Wunderkind.

Ein “reifes Heft” sagt Christoph. Damit meint er das wunderschöne Layout von Philip, die tollen Fotos von Andi, Oign, Kolja und den anderen Fotografen – und natürlich die hübschen Illus. Ein Genuss für’s Auge.
Ja, ich bin voreingenommen. Trotzdem. Ich befinde, das Heft ist überdurchschnittlich hübsch und damit absolut sehens- UND lesenswert. Vom Aussehen soll man bekanntlich nicht auf den Inhalt schließen, aber interessante Reportagen sind in jedem Fall dabei. So begleiteten wir einen Nachtbusfahrer bei der Arbeit, verbringen 12 Stunden am Hamburger Hauptbahnhof und besuchen – ganz spontan – eine unglaublich coole Familie in Hamburg Wilhelmsburg.

Jetzt sterbt ihr vor Neugier und wollt das Heft lesen. Das kann ich verstehen. Ich muss aber dringlichst um ein bisschen Geduld bitten, denn online ist das Wunderkind noch nicht. Sobald FH downloadbereit ist, werde ich dies größtmöglich ankündigen!
Freude!

PS: Hamburger Schüler: Fragt im Sekretariat nach Freihafen. Wenn sie behaupten, da sei keine, dann lügen sie.
Und UniHamburgler: Im Pferdestall, in den Mensen und überall auf dem Campus liegen Freihäfen herum. Schnappt euch eine!

BAYNACHTEN

Eid mubarak! Bayraminiz mübarek olsun! Happy Eid!
Liebe Mitmenschinnen und Mitmenschen, heute sind die muslimischen Weihnachten! Das Opferfest also.
Heut Abend wird mit der Familie gefeiert und kurz vor Weihnachten gibt es Baynachten. Baynachten, die Bayram-Weihnachten-Kombination, dachten wir uns aus, um noch mehr Geschenke zu bekommen.
Außerdem fing gestern die Hajj-Saison an. Das ist die berühmte Pilgerreise der Muslime nach Mekka. Dieses Jahr sind es wohl fast drei Millionen Muslime. Unglaublich beeindruckend. Ali war vor drei Jahren dort und berichtete hier und eine Schwester auf Musafira.de.
Auch interessant: Der Brite Richard Francis Burton unternahm im 19. Jh. getarnt als Muslim die Pilgerreise nach Mekka und fasste seine Erfahrungen in dem Buch “Persönlicher Bericht einer Pilgerreise nach Mekka und Medina” zusammen. Denn eigentlich ist Nichtmuslimen die Einreise nach Mekka streng verboten.

Und wenn ihr heute Muslime trefft, dann könnt ihr Eindruck schinden, indem ihr – um es international zu halten – mit “happy eid” (häppie ied) grüßt.

Bildcredit: http://bahrainidiva.blogspot.com/

KÜBRA, SO HEIß ICH

So jetzt zum Mit- bzw. Abschreiben. Ich heiße weder Herr Yücel, noch Frau Kübra, noch Herr Kübra.
Ich – aufgepasst, ich mache mir nicht häufig die Mühe – heiße Kübra Yücel. Kübra ist dabei mein Vorname und wird nicht Cypra oder Kypra geschrieben. Sondern so, wie man’s spricht: Kübra. UND: Kübra ist ein weiblicher Vorname. Mein Nachname ist nicht Yüksel, Yüssel oder Yükel. Einfach nur Yücel. Yücel wird ausgesprochen Yüjel (j wie im Englischen “Jack”).
Und doch ist es mir eigentlich egal. Es wird sich ja eh nichts ändern. Ich werde Zeit meines Lebens liebevoll formulierte E-Mails und Briefchen erhalten, die mit Sehr geehrter Herr Kübra anfangen. Ein bisschen lustig ist es ja auch. Manchmal.

Und sonst: Heute war ich auf der Pressevorstellung eines wunderbaren Filmes, der mich zum Weinen und Lachen, aber hauptsächlich Weinen brachte. Ab dem 20. Dezember darf ich mehr erzählen. Dann gibt’s eine dicke, fette Rezension. Jetzt muss ich erstmal zusehen, dass ich keine dicken Heul-Äuglein bekomme, denn morgen früh geht’s nach Berlin. Nein Nico, nicht ins Bundeskanzleramt. Aber mehr berichte ich bestimmt morgen. Ahoi.

NEON UND MADAGASKAR


Ein bisschen Nostalgie: So sah die erste Neon aus.
Heute schaut sie zum Glück schöner drein.
Juni 2003
© neon.de


Gestern war ich auf einem Medienworkshop von AIESEC. Nach dem ersten Vortrag, wollte ich nur noch schnell raus: Alles deutete daraufhin, dass sich dieser Tag ausschließlich um Marketingstrategien und BWL-Krams kreisen würde. Nicht wirklich mein Lieblingsthema. Doch dann kam die Dame, die meinen Workshop leiten würde: Antje Schlünder, Verlagsleiterin von NEON. Sie hatte weder eine PPP, noch trug sie Anzug oder Bürokleidung und ward mir damit just sympathisch. So blieb ich sitzen.

In meinem Workshop (No 3) durften wir Widgets für das Magazin NEON entwickeln. Es hat sogar Spaß gemacht. Sahnehäubchen wäre noch, wenn man unseren Vorschlag übernehmen würde.
Übrigens: Die Verlagsleiterin hat ein Widget, der anzeigt, wann und wo was über NEON geschrieben wird, ergo: Vielleicht wird sie diesen Post hier lesen. In diesem Fall möchte ich ein wenig zur NEON senfen:

Es gibt einen Grund, warum ich die NEON nicht im Abo habe. NEON bemüht sich sehr darum, der Zielgruppe gerecht zu werden und Themen passend zu gestalten. Genau da liegt das Problem. Ich will nicht alles mundgerecht und vorgekaut präsentiert bekommen. NEON sollte öfters mal Ecken und Kanten haben, den Leser herausfordern, wagen und damit Charakter zeigen. Ich fühle mich unwohl, wenn uns alles gerecht gemacht werden soll. Ich will weniger von “Service” hören und mehr begeistert von Themen lesen, von denen ich nie gedacht hätten, dass sie mich interessieren würden. Und niemals sollte man sagen: „… für die Zielgruppe.“ Da hat man das lustig unwohle Bild von erwachsenen Menschen im Kopf, die sich den Kopf zermartern darüber, was uns gefallen könnte, und krampfhaft Zielgruppen-like denken. Vielleicht stimmt das ja auch, aber das solltet ihr uns lieber nicht stecken.

So. Ich hoffe, ich habe mir die Praktikumsstelle nicht vor der Bewerbung schon verbockt.

Nächstes Thema:
Mein Papa ist heute nach Madagaskar geflogen. Ohne mich. Zwar für einen guten Zweck, trotzdem kann ich meine unendliche Trauer über meinen Verbleib hier in Hamburg nicht unterdrücken. Das nächste Mal nimmt er mich mit. Bestimmt.

uPS: So persönlich habe ich noch nie gebloggt, aber wenn ich schon dabei bin: Ich war heute beim Zahnarzt.

NATIONS ARE OUT

Birte und ich redeten über Kulturen und sprachen aus, was wir schon immer dachten: Denken in Nationalkategorien ist out. (Besonders Birte, sie besucht ein Seminar zu diesem Thema. Titel ist mir entfallen, werde ich nachtragen.)

Kulturen sind nicht nationengebunden. Die Geheimsprache zwischen zwei Kindern kann schon eine Kultur sein, erklärte mir Birte. Kultur kann eine bestimmte Lebenseinstellung sein. So kann ein Däne mit einer bestimmten Lebenseinstellung einem Mexikaner näher sein, als seinen Landsmännern und -frauen. Diese Lebenseinstellung kann aus Religion, Musik, Kunst, Ideologie und jegliche Art von Vorliebe bestehen. Und diese Lebenseinstellung, die kulturell ausgelebt wird, kann nationenübergreifend verbinden.

Mit diesem Gedanken kann ich gut leben. Sie befreit mich von der Frage, ob ich deutsch, türkisch oder sonst was bin. Ich bin ich, mit meiner Kultur, meiner Lebenseinstellung und meinen Vorlieben. Damit erklärt sich mir auch, warum ich mich im Ausland eher zu der politisch interessierten Tschechin und der künstlerischen Algerierin geselle, als zu dem türkischen Snob oder der deutschen Metzgerin.
Denken in Nationalkategorien ist also out.

Und Nationalisten? Da kann ich nur wiederholen, was ich hier schonmal schrieb. Menschen denken nationalistisch, wenn sie nichts anderes haben, woran sie sich orientieren können, denke ich.
Ausnahmen bestätigen – wie immer – die Regel.

PRILFLECKEN oder: GEGEN DIE OPER

Gestern waren Birte und ich in Bremen auf der Premiere der ersten deutsch-türkischen Oper Gegen die Wand. (Ja genau, aufbauend auf Fatih Akins Preisel-Film)

Opern finde ich eigentlich furchtbar langweilig. Opern sind wie wenn Hornbrillenträger ehrfürchtig vor dem grünen Fleck im Kunstmuseum stehen, den der Hausmeister mit Pril verursacht hat. Keinem fällt auf, dass es sich bei Opern nur um eine bunte Sprachentstellung handelt. Opern sind Veranstaltungen, zu denen sich Menschen in Ballkleider zwängen und in Farbtöpfe springen.
(Einmal zwang man mich zu Carmen und ich stellte fest: Ich bin 30 Jahre zu jung. Daher: Habet Verständnis für mein tristes Opern-Banausen-Dasein.)

Ganz anders gestern Abend:
Ballkleider und Farbtopfspringer gab es zwar auch bei Gegen die Wand, doch davon mal abgesehen: Die Musik war hervorragend. Westliche und orientalische Klänge wurden gekonnt gemischt, viel Symbolik und noch viel mehr Farben – Deutsch, Türkisch, Traditionen und Kulturen.
Die Schauspieler waren gut, besonders der Hauptdarsteller Cihad hat mir gefallen. Wenn er auf Türkisch sang, dann blühte er richtig auf.

Schlecht war allerdings, dass die Oper nur dann verstanden werden konnte, wenn man vorher den Film gesehen und gut in Erinnerung hatte. Das liegt wohl daran, dass sich die Opern-Inszenierung zu sehr am Film orientiert.

Und ein Hürriyet-Reporter fragte mich, ob ich die Oper denn nicht zu freizügig fände. Ja, sie war mir als Muslimin zu freizügig, aber mein Urteil gründet nur auf die künstlerische und musikalische Leistung, antwortete ich ihm und erfüllte damit nicht wirklich seine ersehnte Antwort.

Ach ja, Akin war leider nicht auf der Premiere, dafür aber Murat Kurnaz. Der sah ganz schön anders aus als zuletzt. Im ARD-Nachtmagazin gibt es Kurnaz (gleich nach Birte und mir), Ausschnitte aus der Inszenierung und weitere Kommentare zu sehen.

Prilflecken gab es keine.

Mehr gibt es hier, hier und hier.

Bildcredit: dpa

NUR EIN DISNEY-FILM

Während des US-Präsidentschaftwahlkampf in diesem Jahr fühlten sich ich und die Welt wie in einem schlechten Horrorfilm. Immer vor unseren Augen, die neue internationale Bedrohung schlechthin: Sarah Palin, nunmehr Ex-Vizepräsidentschaftskandidaten aus Alaska neben Russland. Nun stellt sich heraus, wir waren nicht in einem schlechten Horrorfilm, nein, wir waren in einem noch viel schlechteren Disney-Film: Hockey Mum. Warum uns das nicht früher eingeleuchtet ist?


HOCKEY MUM

Mehr Videos gibt es auf funny videos and funny pictures at CollegeHumor.

Das liegt wohl an Palins sehr überzeugendem Schauspieltalent. Jedenfalls möchte ich wieder einmal mein Fan-Sein für die CollegeHumor-Redaktion bekunden. Zwischendurch produzieren sie die horizontalsten Witze, noch viel häufiger aber beeindrucken sie durch kluge Videos. Weil die US-Amerikaner in diesem Jahr politisch geworden sind, ist es natürlich auch die in New York ansässige Redaktion. So drehten sie das eben gesehene Video oder untersuchten, was – according to Republicans – geschieht, wenn Obama gewinnt, oder – according to Democrats – geschieht, wenn McCain gewinnt.