KÜNSTLICHE IDENTITÄT

Das Leben in London empfand ich in vielerlei Hinsicht inspirierend. Vor allem aber den künstlerisch spielerischen Umgang mit der Identität. Die überwältigende Größe der Stadt und die Anonymität des Alltags gibt den Menschen die Möglichkeit sich frei von gesellschaftlichen Zwängen neu zu erfinden und zu erproben. Nur die Wenigsten nehmen diese Möglichkeit wahr, aber die Wenigen kosten diese Möglichkeit in vollen Zügen aus.

An der Mode kann man diese Beobachtung festmachen. Beim Einkaufen schlenderte ich an Damen mit Ballonröcken und Männern in Windeln vorbei. Perfekt frisierte Jungshaare neben kahlrasierten Frauenhinterköpfen. Manche Gestalten stehen einfach nur da an der Straßenecke und sehen gut aus – in der Hoffnung, ein Modeblogger möge sie entdecken. Das Gesehen-werden-Wollen, der modische Schrei nach Aufmerksamkeit, gehört auch zu dieser Identitätsfindung. Erst eine Identität, die wahrgenommen und rezipiert wird, bestätigt den Menschen in seiner Identität.

Heute stieß ich auf den Künstler Ah Xia. Seine “China, China”-Reihe zeigt Skulpturen von Chinesen aus Porzellan (engl.: China). Sehr inspirierend.




Ah Xias Skulpturen erinnern mich an eine türkisch-spanische Künstlerin, die meine Freundin Mona und ich in einer Londoner Gallerie entdeckten. (Ihr Name ist mir leider entfallen) Eine sehr interessante Person.



Die beiden Porzellanfiguren hat sie mit “Identity I” und “Identity II” betitelt. Sie beschreibt die multiplen Identitäten, die die Künstlerin innehat. Das blaue Muster der rechten Figur ist traditionell türkisches Tulpenmuster und symbolisiert ihre türkische Identität.

Mein Freundeskreis in London war sehr bunt, anders und gegenteilig. Wir hatten oft nicht viel gemeinsam. Mindestens aber immer: Die Identitäten.

DIESE KETTE IST VERBOTEN. UND DIESE SCHUHE. UND DIESE MUSIK. UND….

pimp your myspace at Gickr.comWeißt du, vor zwei Jahren hätte ich mit Leuten wie dir nicht einmal geredet”, sagt Shahjehan zu mir. Er ist dünn, verschwitzt und seine Augen sind müde. Wir sitzen im Backstage-Bereich eines Konzertsaals in London. Er hat gerade eine großartige Show beendet. Shahjehan ist Gitarrist der pakistanisch-amerikanischen Punk-Band “The Kominas”. Und muslimisch. “Mit euch wollte ich nichts zu tun haben”, sagt er und meint praktizierende Muslime.

Er war voller Wut auf die Community, er trank viel, nahm Drogen. Er zerstörte sich. Nun ist er trocken, sein Glaube gibt ihm Halt. Als Punkmusiker aber wollen ihm andere Muslime seinen Glauben absprechen. Ein guter Muslim dürfe keine solche Musik machen, schon gar nicht Punk-Musik. “Ich bin kein perfekter Muslim. Ich bin kein guter Muslim. Aber das geht niemanden etwas an”, sagt er und ich spüre seine Wut von vor zwei Jahren, als er mit mir noch nicht geredet hätte.

***

Meine Mutter und ich besuchen eine der schönsten Londoner Moscheen. Es ist Zeit für das Mittagsgebet, wir machen uns bereit. Als wir den Gebetsraum der Frauen betreten, schaut mich eine Frau prüfend an. “Die Kette muss ab, Schwester”, sagt sie schließlich und deutet auf meine Lieblingskette mit den großen Steinen. “Haram”, also strengstens verboten, fügt sie hinzu.

Wir haben keine Lust auf eine Diskussion, also nehme ich die Kette ab – obwohl die Frau weder Autorität noch irgendeine Funktion in dieser Moschee besitzt. In wenigen Minuten fängt das Gebet an, wir haben uns hingestellt. Urplötzlich steht die Frau wieder hinter uns und tippt meiner Mutter auf die Schulter. Sie hat die Pumps meiner Mutter aus dem Schuhregal herausgesucht und hält sie nun hoch. “Haram!”, sagt sie laut und deutet dabei auf das eingenähte Steinchen an der Rückseite des Schuhs.

***

“Salam, Schwester!”, ruft Aisha und umarmt mich herzlich. Noch bevor ich den Gruß erwidern kann, fängt sie an wie ein Wasserfall zu reden. Sie habe gehört, ich käme aus der Türkei. Ihr Bruder lebe und studiere Medizin in Ankara, der Hauptstadt. Ankara sei so eine tolle Stadt. Und Istanbul erst. Letztes Jahr, da habe sie … Sie spricht und spricht. Sie ist selbstbewusst und lustig. Sie redet von Mode, Kunst und Politik. Sie ist eine schwarze Britin und Studentin an meiner Londoner Universität. Und außerdem ist sie von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet, nur ihre Augen kann man sehen. Aisha trägt ein Niqab.

***

Imran steht vor der Bühne und hört einer Band bei der Probe zu. Als ein neues Lied angestimmt wird, wippt er mit dem Oberkörper mit, sein dichtes schwarzes Haar schwingt hin und her. Er ist ganz vertieft in die Musik, seine Augen sind geschlossen. Mit imaginären Trommelstöcken schlägt er in der Luft, wie Shahjehan spielt er bei “The Kominas”, er ist der Schlagzeuger. Plötzlich dreht er sich zu mir um, springt über zwei Sitzreihen, setzt sich neben mich und sagt: “Das ist mein Lieblingslied! Das Lied handelt von dem Gefährten unseres Propheten, Hazrati Ali.”

taz, Tuch-Kolumne 29.09.2010

DEM SONNENUNTERGANG ENTGEGEN



Schon den ganzen Tag grummelt mein Bauch. Es ist Fastenzeit und ich sitze im Flugzeug von London nach Hamburg. Eigentlich brauchen Reisende nicht fasten – aber der kurze Flug ist keine beschwerliche Reise. Deshalb faste ich trotzdem. Gleich wird die Sonne untergehen und ich werde essen dürfen. Mein Sandwich liegt auf dem Klapptisch bereit.

Ich werde ganz ungeduldig und beobachte durch das Flugzeugfenster den heißersehnten Sonnenuntergang. Ein älteres britisches Pärchen sitzt neben mir und schaut mir interessiert zu. Wir lächeln. Als ich mich wieder vorbeuge, um durch das Fenster zu schauen, beugt sich auch der ältere Herr vor. Andere Mitreisende tun es ihm nach und schauen ebenfalls aus dem Fenster. Irgendetwas Ungewöhnliches muss es da draußen ja geben.

Gibt es aber nicht. Nur Sonne und ein bisschen Wolke. Ich spüre die vielen Blicke, eine ganz unangenehme Spannung liegt in der Luft. Argh. Stress. Am Liebsten würde ich jetzt aufstehen, die Stewardess um eine Minute am Bordmikro bitten und den Passagieren erklären, dass ich als fastende Muslima erst ab Sonnenuntergang essen darf und deshalb ständig aus dem Fenster starre. Dann würden alle „aha“ und „achso“ machen. Sie würden zustimmend herumnicken. Jemand würde vielleicht eine Frage stellen. Ich würde antworten und zum Abschluss würden wir ein bisschen lachen. Und die unerträgliche Spannung wäre schwuppdiwups verschwunden. Ich stehe aber nicht auf und fragen tut auch keiner.

Dabei wünsche ich mir in solchen Situationen ganz oft, man würde mich einfach mal fragen. So wie damals, als ich gerade auf der Uni-Toilette meine Gebetswaschung machte und ein Mädchen mich mit einem Fuß im Waschbecken erwischte. Wir beide waren uns der Abnormität der Situation sehr wohl bewusst. Trotzdem ignorierten wir das eben Geschehene. Das macht man meistens so, wenn einem etwas Peinliches passiert. Zum Beispiel wenn jemand einen Fahren lässt. Aber weil die Waschung ja eigentlich nichts Peinliches ist, wünschte ich mir innerlich sehr, sie würde mich fragen, was ich tue. So könnte ich mich erklären. Uneigentlich ist das Ganze halt aber schon peinlich. Und deshalb fragte sie nicht.

Oder als ich in einem Londoner Park mit zwei Freundinnen beten wollte. Es war fast schon dunkel. Wenn wir jetzt nicht beteten, würden wir das Gebet verpassen. Also stellten sich meine Freundinnen hin und beteten auf dem Gras. Ich sorgte mich aber darum, was die Passanten bei unserem Anblick denken würden. Darum (und weil ich mich unter Beobachtung nicht auf das Gebet konzentrieren kann) beschloss ich im Sitzen zu beten. Das heißt: Ich saß auf der Bank, Hände auf den Knien, rezitierte aus dem Kuran und beugte mich ein bisschen vor und zurück. Ganz unauffällig.

Ha! Falsch gedacht. Meine in normaler Position betenden Freundinnen boten den Passanten ein vertrautes Bild von betenden Muslimen; das wippend mit sich selbst sprechende Mädchen auf der Bank hingegen – das musste verrückt sein. Konzentration: Ade! Uneigentliche Peinlichkeit: Hallo!

So sitze ich also im Flugzeug und habe ein Grummeln im Magen. Mittlerweile aber nicht wegen der Leere sondern vor lauter Erklärungswut im Bauch. Grimmig schaue ich ein letztes Mal aus dem Fenster. Die Sonne ist endlich untergegangen. Da sagt der ältere britische Herr zu mir: „Ich glaube, es ist jetzt so weit.“

taz, Tuch-Kolumne, 18.08.2010


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GARTEN MIT CHILLI

Das sind nicht alle

Pfercht man eine britische Amerikanerin, eine amerikanische Bengalin, eine indische Kenyanerin, eine pakistanische Britin, eine britische Nigerianerin und mich in einen wunderschönen Londoner Garten, dann philo-diskutieren wir über Identitätsprobleme, Schuldkomplexe, Täterpsychologie, Radikalisierung und die Evolutionstheorie. Wir laufen barfuß und klettern auf Bäume. Oder liegen im Gras und üben Kanga-Bindetechniken. Und am Ende des Tages geben wir unser Essen Obdachlosen, um dann in der Bahn erschrocken zu erinnern, dass das verschenkte Gericht nicht nur scharf gewürzt, sondern auch in XXL-hot-Chilli-Soße getunkt war.

(Ich lächle hier gezwungen und unecht.
Das hat den Grund, dass die Sonne volle Kanne auf mein Gesicht prallte
und ich die Augen gerade so noch aufbekam.)

















LONDON LIEBEN LERNEN: DIE FREUDE AM SEIN

Die Vergangenheit weicht der Zukunft. Das Staunen weicht der Freude. Freude über die Freude, die dich umgibt. Über die Freude am Reichtum. Geistig. Kulturell. Du bist im Garten.

Höre zu. Und Erzähle. Freude über das Erzählte. Freude über die Freude. Und noch mal. Höre zu. Freude über das Gehörte. Freude über die Freude. Du bist im Garten.

Freude über die kostbare Rose, die du bist. Denn du bist. Und du bist nichts. Du bist im Garten.

Kein Vater-, kein Mutterland. Kein Gedanke, kein Konstrukt. Kein Stand, keine Zahl. Du bist nichts, außer….

Du bist im Garten.

“Der niederen Seele, die sich darauf beschränkt, den Garten zu bewundern, bleibt das Gesicht des Gärtners vorenthalten.”*

Und woanders sehen wir noch nicht einmal den Garten.

Wer hätte gedacht, dass ich ausgerechnet hier in London endgültig aus den Konstrukten ausbreche und einen Blick in den Garten werfe? Und ich genieße und schätze die aufrichtige Freude meiner Mitmenschen an des Gegenübers Kultur, Religion, Gefühle, Gedanken und Worte. Nicht nur den Raum für das Individuelle, sondern den Blick für das Individuum. Kein Vorurteil. Und wenn doch, dann der Wille zur Urteilslosigkeit. Man schätzt die Rosen. Und einige sogar den Gärtner.

Aber ja doch. Ich weiß. Ich lebe hier in des Seifenblases Seifenblase.

* Zitat: Rumi.

LONDON LIEBEN LERNEN: DER BUS

Dieses Foto ist tatsächlich das einzige London-Bus-Foto, das ich besitze. Trotz der bestimmt 50 London-Foto-Ordner auf meinem Rechner. Das sagt viel aus, über meine Beziehung zum Londoner Bus.

Ganz am Anfang fand ich London toll. Alles war rosa-flieder-grün (oder blau-weiss-rot). Dann war London chaotisch, anonym, reizüberflutend und stressig. Und dann, in der dritten Phase, entwickelte ich einen Sinn für die kleinen Freuden des Alltags – so lernt man London Lieben. Heute: Der Bus. (Einen tollen Vortrag zum studentischen Kulturschock (in den USA) kann man sich hier anschauen)

Aus meinem Notizbuch: Heute lernte ich den Bus Lieben. Dienstag 9.18 Uhr.

In einer Sache bin ich untypisch für London-Zugezogene: Ich ziehe die Bahn dem Bus vor. Das hat den einfachen Grund, dass die Busse 1. ewig auf sich warten lassen, 2. gerne und oft im Stau stehen und 10.: Wenn mal die Fahrkartenlampe rot aufleuchtet, man also nicht genügend Geld auf Oyster-Fahrkarte hat, muss man 2 Pounds blechen – für eine Busfahrt, die normalerweise gerade mal die Hälfte kostet. Bei der Bahn aber kann man in selbiger Situation die Karte einfach am Schalter aufladen (oder “auftoppen”) – und zwar zum Normalpreis.*
Außerdem liebe ich das Zügig-Zackige an der Bahn. Ganz viel Krach, Mind-the-Gap und Zack, schon bist du am nächsten Ort. Im Bus sitzt du aber im Stau und starrst aus dem Fenster und stellst dir vor, wie du rollend oder gar kriechend schneller vorankommen würdest, als der blöde, beknatterte Bus.
Keiner soll mir die Bahn schlecht machen! Die stickige Luft, über die sich alle Touris beklagen, ertrage ich gerne.*

Es ward schlimmer.
In den letzten Wochen verspätete sich mein ungeliebter Bus regelmäßig um teilweise 40 (ich schreib’s noch mal aus, um dieser Tatsache Nachdruck zu verleihen:) vierzig! Minuten! Damit erreichte meine Bus-Aversion ihren ultimativen Höhepunkt. Vor lauter Ärger rief ich fast täglich beim Kundenservice von TFL an. Eine entspannende Rundumbeschwerde; ein Moment der Macht, des trügerischen Gefühl, man könnte etwas ändern. Meine Mitbewohnerinnen stachelte ich ebenfalls an, denn das Beschweren tut einfach zu gut. (Meine Güte, das klingt ja furchtbar typisch deutsch. Von wegen Ausländer. Vielleicht sollte ich diese Regeln hier befolgen: “Was man tun kann, um als Deutscher im Ausland nicht aufzufallen“)

Heute jedoch hat sich mein Ärger etwas gelegt: Ich beobachtete unseren alten Busfahrer oder vielmehr seine Begegnungen mit anderen Busfahrern, die uns entgegenfuhren. Entweder hoben sie zurückhaltend die Hand, Lichthupten oder fuhren langsamer, um sich durch die offenen Fenster etwas zuzurufen. Einfach umwerfend, wie sie sich freuen, wenn sie einander sehen. Ein junger schwarzer Busfahrer war besonders toll. Als er uns entgegenfuhr, hielt er kurz an, zog eine Riesen-Grimasse und fing ganz laut an zu lachen – zusammen mit unserem alten, weissen Fahrer, der sich fast kugelte. Da saß ich also, breit grinsend.
Später in der Bahn, immer noch grinsend, dachte ich darüber nach, was wohl der Bahnfahrer so macht. Und irgendwie tut er mir Leid, einsam in der Dunkelheit.

*Liebe hat seine Grenze. Die Grenze nennt sich in unserem Fall: Fahrtkosten. HORREND.

GELD FÄLLT VOM HIMMEL

Das ist – unverkennbar – Amy Winehouse.
Bloggen ist erlebensgefährlich. Eine Gefahr für das Erleben. Mindestens so erlebensgefährlich wie Fotografieren oder Filme aufnehmen.

Der Blogger schlendert durch eine Berliner Einkaufsstraße als plötzlich Geld vom Himmel fällt. Der Bloggerlogik folgend schnappt er sich natürlich (!) seine Kamera und fotografiert die Passanten beim Geldsammeln. Während also das Licht seinen Weg in die Kameralinse findet, überlegt sich der Blogger, mittlerweile zum Twitterer mutiert, wie er das Foto betiteln könnte. “Berliner im Geldrausch.” soll das Bild betitelt werden, entscheidet er. Lächelt selig und geht seines Weges. Ohne Geld in der Tasche.

Ich möchte aber Erleben, den Moment genießen. Ja, im Endeffekt: Mit Himmelsgeld meinen Weg gehen.

Das also war der Grund für meine wochenlange Blog-Abstinenz. Der Grund, warum ich bislang nichts über meine Reisen durch Israel, Palästina, die Türkei, meine letzten Tage in Hamburg, ersten Wochen in London und all die Themen, die mich so bewegten, schrieb.

Dieses kleine Update gibt es deshalb, weil die Briefe, die ich schreibe, und Gespräche, die ich führe, meinen Erzähldrang einfach nicht stillen können.

Dieses Wochenende zum Beispiel hab ich Amy Winehouse getroffen. Noch unlebendiger als sonst lag sie auf einem Tisch, der diesem tollen Label gehört, das wiederum zu dieser tollen Firma gehört. Außerdem habe ich Sumo gerungen. Erfolglos leider. Dann war ich aus diesem Grund in Atlantis, dem Künstlershoppingparadies in meiner – ich kann mich nur wiederholen – Lieblingsstraße in London: Der Brick Lane.

Die Brick Lane ist ein Must-have-seen-and-done in London. Solltet ihr nach London reisen und nicht über die Brick Lane laufen, dann nehme ich das absolut persönlich. Überall leckeres Essen, tolle (selbstgemachte) Dinge, Kunst, Musik und tolle Menschen. Ein Kulturbanause, wer nicht meinem Befehl folgt und dahin pilgert. Whateva: Jetzt wisst ihr also, wo ich mich so herumtreibe, wenn ich nicht gerade in der tollsten Universität meiner Welt sitze.

Und das – ebefalls unverkennbar – sind Birti und ich auf einem Brick Laner Flohmarkt.
Wer der Mafiosi mit der Brille da hinten ist, weiß ich nicht.

PACER

Am Wochenende waren wir auf der Brick Lane (meiner absoluten Lieblingsstrasse in London), da trafen wir diese beiden netten Menschen im Schaufenster eines Ladens. Hört euch ihre Musik auf myspace.com/pacerpages an.

I’ve been on Brick Lane this weekend – my favorite street in London and we met these two musicians singing behind a shop window. Listen to them on myspace.com/pacerpages.

FASTENBRUCH #4

Etwas sehr verspätet, aber immerhin: Die letzten Fastenbruch-Bilder. Meine letzten Fastentage und das Fest danach (Bayram, Eid bzw. die muslimischen Weihnachten) waren einfach wunderbar. Hamburg – Tel Aviv – Jerusalem – Al Khalil (Hebron) – Betlehem – Tel Aviv – Istanbul – Dalaman – Köycegiz – Dalyan – Istanbul – Hamburg – London. In dem ganzen Städtechaos habe ich leider so einige Male vergessen Iftar-Bilder zu machen.


Mein letzter Tag vor der Abreise.
Ich kränkel mal wieder. Meine Schwester und ich sind im Einpack-Stress.


Wir sind in Jerusalem angekommen
– verspätet zum Iftar, weil man uns am Flughafen in Tel Aviv noch Ewigkeiten aufgehalten hat. Überhaupt war die Reise durch Israel und Palästina reich an Erniedrigungen durch die israelischen Soldaten. Dazu aber ein anderes Mal. Jedenfalls: Das palästinensische Essen ist sehr lecker, vor allem die Süßspeisen haben es mir angetan. Ich hätte mich ausschließlich davon ernähren können. Mhhm.


Apropos Süßspeisen.
Mein Iftar in Istanbul bestand aus diesen beiden Schokokleinigkeiten. Wir waren nämlich unterwegs in einem Lunapark (= Dom). (siehe unten)


Und jetzt bin ich mich am Einleben in London und muss mich verabschieden. Cheers!

FASTENBRUCH #3

Bevor es am Dienstag gemeinsam mit meiner Schwester in ferne Länder am Herzen der Erde geht, setze ich die Iftar-Tagebuch-Reihe fort. Wie hier schon gestanden habe ich mehrmals das Essenfotografieren verdaddelt. Selbstverständlich gehe ich gleich in die Ecke um mich zu schämen.

Tag #7

Heute brechen wir das Fasten in einem beliebten türkischen Restaurant im Hamburger Stadtteil Altona. Anlass ist der Abschied einer Freundin, die zum Studieren nach Hannover zieht. Baibai Ebru!

Tag #8

Home sweet home. Ich lerne: Während des Fastenmonats ist man immer irgendwie irgendwo eingeladen. Daher lohnt sich das große Kochen für die Familie nicht. Es bleibt immer jede Menge Essen übrig, das anderzeiten im Laufe des nächsten Tages irgendwie verschwindet – während der Fastenzeit aber bleibt das Essen übrig. Und übrig. Und übrig.

Tag #9

Wir feiern meine kleine Cousine!

Tag #10

Meine Mutter hat eine alte Tischdecke rausgekramt. Zur Abwechslung. Die Anti-Fleckenmonster-Tischdecke.

Tag #11
Nochmal Anti-Fleckenmonster-Tischdecke. Wir beschließen: Sie kommt weg, für immer.

Tag #12

Meine liebste S. hat Geburtstag und lädt so viele Mädchen ein, dass wir zwei große Tische und schalldichte Wände (ergo: taube Nachbarn) brauchen. Obwohl ich erfolgreich von allem probiere, bleibt ganz viel vom leckeren Essen übrig. Bei türkischen Gastgebern bedeutet dies: Ein bisschen Essen an die Nachbarn und ein bisschen sehr viel eingepacktes Essen beim Verabschieden an die Gäste.

Tag #13

Wir sind freiwillig in der Uni-Mensa. Grund: Die Islamische Hochschulgemeinde (IHG) lädt zum Iftar ein. Es ist wie immer voll, das Essen ist trotz Plastikteller lecker und ich treffe viele vertraute Gesichter.

Tag #14

Vor lauter Kennenlernen und Smalltalken vergaß ich es, das viele Essen zu fotografieren. Das Bündnis Islamischer Gemeinden (BIG) lädt heute – ganz chic – zum Iftar ein. Viele wichtige Menschen, ein tolles Programm und leckeres Essen. Ich lerne: Während des Fastenmonats findet man jedes Essen lecker, einfach des Essenseins wegen.
Übrigens: Der rote Punkt zwei Tische weiter, das bin ich.

Tag #15

Mein Iftar-Essen auf dem m100 Jugendworkshop besteht aus vielen belegten Brötchen, die Sabine für mich netterweise vor den anderen Teilnehmern rettete. Ich lerne (von Patricia): Wenn man vor dem Schlafen Käse isst, bekommt man Albträume.

Tag #16

Nach einem langen Tag, an dem wir mit vielen wichtigen Menschen diskutierten, essen wir in einem persischen Restaurant am Kottbusser Tor in Berlin. Alle bestellen tolles Essen, nur Letizia und ich nicht. Unser Essen ist grün, merkwürdig und riecht… anders. Tapfer esse ich auf. Denn siehe Lektion Tag #14: Im Fastenmonat ist alles lecker.

Tag #17

Aufregung. Heute ist die Abschlusspräsentation unseres m100 Jugendworkshops im Restaurant Hammer in Potsdam. Der Potsdamer Bürgermeister Jann Jakobs und andere wichtige Menschen sitzen im Publikum. Es ward ein lang-lustiger Abend mit Pantomime, Karaoke und Abschiedsszenen.
Mein Essen fotografierte übrigens Ania Morawiec, eine ganz lebenslustige Polin. Thanks alot, sweetie! :)

Tag #18

Woran ich merke, dass ich zu wenig Schlaf habe, gestresst und überarbeitet bin? An meiner Stimme. Die macht sich einfach auf und davon. Weil ich an diesem Abend ein Interview hatte, schwieg ich also den lieben langen Tag (von Potsdam nach Hamburg), um das Entkommen jener Stimme zu verhindern. Erfolgreich. Und beim Interviewessen, zu dem ich mich wegen einer verrückten Auto-Handbremsen-Aktion verspätete, vergaß ich das viele, viele pakistanische Essen zu fotografieren. Liebes Lieblings-Restaurant Balutschistan, verzeih mir. An diesem Abend habe ich Dich mit der Konkurrenz Balutschi betrogen (die übrigens gar nicht so schlecht ist, wie ich immer dachte).

Tag #19

Meine Stimme ist weg. Ich bin krank. Auch meine Nase läuft davon. Ohne Nase und Stimme sitze ich einsam vor dem Esstisch und schlürfe meine Suppe, weil meine Eltern mich zur Zwangsruhe verdonnert haben. Ich liebe euch.

Tag #20

Meine Papa und ich sind in London und suchen nach einer Wohnung. Die erste Wohnung ist toll. Dachte ich, als ich sie im Internet sah. In Wirklichkeit ist sie versifft, verschimmelt, stinkt und ist in einem Stadtteil, wo man als Frau nach 5 Uhr nicht allein auf die Straße sollte. Also geben wir die Internet-Fundwohnungen alle auf und verlassen uns nur noch auf Papas Londoner Freunde. Die beste Entscheidung des Tages. Am Abend essen wir zusammen mit einer koreanischen Familie bei Freunden meines Vaters. Sie machen uns Hoffnung. Ach ja, ich vergaß wieder ein Foto vom Essen zu machen. Tschuldigung.

Tag #21

Abenteuerlich, lebensgefährlich, wahnsinnig: Mein Vater ist auf so einem Geschäftsmänner-Essen, ich bekomme also den Mietwagen und fahre erstmals auf der linken (!) Straßenseite. Das war toll! Meine liebe Mona, die ich abholte und zum Iftar-Essen mit muslimischen Studentinnen fuhr, sah das ein wenig anders. Glaube ich.
Zum Essen nur so viel: Die Lasagne war d.e.l.i.c.i.o.u.s.

Tag #22

Solche Flüge liebe ich: Ein bisschen Essen, mit Nachbarn small-talken, einschlafen und ganz überrascht zehn Minuten vor der Landung aufwachen.

Tag #23

Mit Rabo und Disha lief ich durch durch die kulinarisch-köstlichen Geruchswolken auf dem Schanzenfest, danach zwangsweise durch ebenfalls kulinarisch-köstlichen Geruchswolken auf dem Interkulturellen Festival auf dem Uni-Gelände. Das war hart.

Familienessen im Stamm-Fisch-Restaurant meiner Eltern. Das Essen sieht nicht nur lecker aus, es ist es auch. Bis auf die Pilze natürlich (siehe Tag #2).

Tag #24

Selda Yenge, eine der besten Freundinnen meiner Mama, ist die allerbeste Köchin der Welt. Punkt. Nach meiner Oma, meiner Mama… .

Well, you don’t expect me to translate all of this, do you? Ok, for those non-German people I have mentioned:
Day #15:
What I’ve learned from Patricia: Don’t ever eat cheese before sleeping – you’ll have a nightare! Day #16: Letizia and I ordered the same strange food in the Persian restaurant. There was so much delicious food to choose, how did we manage choosing the only strange one? Day #17: Ania took this lovely picture. Thank you sweetie!