#8 KÜFÜR | 50

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Insanlarin dil algıları herzaman ilgimi çekmiştir. Kelimeler ile kurduğumuz dünyalar birbirlerinden bazen cok farklı anlamlar taşıyabiliyor. Birisine önemsiz, digerine dünyayı anlatıyor aynı kelime.

This week’s thought is about our perception of language – how we build our own worlds through words, worlds that are profoundly different from one another. Sometimes one word doesn’t mean anything to one, but the world to another.

/ I know this one has been delayed. It’s been a superbusy week, that keeps me superbusy until late in the night. Probably until the end of this month even. Sigh.

One thought every Friday for a year #8 | 50

NEMRUT.

It was around 3 or maybe 4 in the morning after a long journey, climbing and hiking, when we finally sat down on top of the mountain Nemrut. We sat down to watch the sun rise, lighten the dark, announce itself through sparks and light shadows, grow and warm us – like so many of our kind before us. It was probably the most magical moment of our trip through the East of Turkey, a trip that made me discover another face of my country, another face of mine.

In a slightly quicker timelapse I would like to share with you a moment that happens every day, everywhere around the world. But it’s beauty lies in your eye, in your heart.

Music: The Cinematic Orchestra – First Light

#SCHAUHIN – WARUM?

Bildschirmfoto 2014-02-23 um 19.37.25“Ein Freund hört mit seinem Polizisten-Job auf wegen des Alltagsrassismus”, schreibt mir gerade Tamim Swaid, ein guter Familienfreund, während ich an diesem Text hier sitze. “Stell dir vor”, fährt er fort, “8 Jahre Ausbildung und Beamtenstatus.” “Oh krass…”, antworte ich. Dann schreibt er: “SchauHin ist sehr gut.”

#SchauHin ist eigentlich nichts Neues. Schon seit etlichen Jahren bloggen und twittern Menschen in Deutschland online zu den Themen Rassismus im Beruf, in der Schule, in den Medien – im Alltag halt. Denn Rassismus ist nicht etwas, auf das wir entspannt mit weit ausgestrecktem Finger in der weiten, weiten Ferne zeigen können. Etwas, das irgendwo am rechten Rand der Gesellschaft geschieht, wo die Glatzen glänzen und die Springerstiefel stampfen. Nein. Rassismus ist hier. Mitten unter uns. Jeden Tag. Überall. Continue reading

İSTANBUL’DA BİR RAMAZAN | A RAMADAN IN ISTANBUL


Ramazan’ın her günü için şartlandırdım bu sene kendimi, bir saniye bile olsa kısa bir çekim yapacağım. Bazı zamanlar sahura kadar aksıyor, bazı günler çekip çekip doyamıyorum. Yine en güzel görüşmelerin, gezilerin bir çoğu kayıtsız kalıyor çünkü onlara kamera lensinden değil bizzat kendim şahit olmak istiyorum. Böylece bu hatıralarla dolu güzelim İstanbulumuzun Ramazan videosu oluştu. Hoşgelmiş.

This year I decided to record at least one second a day during the month of Ramadan while wandering through the mystical city of Istanbul. However some of the most beautiful scenes and experiences haven’t been recorded as I wanted to witness them with my very own eyes, rather than filtered through a lense.
This is how this video full of memories and beautiful moments in the mesmerizing city of Istanbul was born.

Music: John Zorn – Mispar

ES WAR SCHÖN MIT DIR, LIEBE KOLUMNE!

WorldUnd dann stand es fest. Ich würde fortan eine Kolumne in der taz führen. Panik brach in mir aus. Eine Kolumne in der taz, einer deutschen, bundesweit erscheinenden Tageszeitung – und die sollte ausgerechnet ich schreiben, eine junge Deutschtürkin, muslimisch und noch dazu mit Kopftuch. Ja, klar. „Schreib von dir, erzähl aus deinem Leben, deine Gedanken“, sagte der Ressortleiter. Ich hörte nur: „Schreib von der muslimischen Community, erzähl aus deren Leben, deren Gedanken.“

Wie eine kleine Pressesprecherin der Muslime in Deutschland fühlte ich mich. Jahrelang hatte ich mich über die mediale Darstellung der Muslime geärgert, jetzt hatte ich die Gelegenheit, es besser zu machen. Verkrampft schrieb ich den ersten Text und las ihn am Telefon einem befreundeten Imam vor. „Hm, ja, guter Text“, sagte er, ein bisschen überfordert, was ich denn nun genau von ihm wollte. Ich wusste es ja auch nicht. Eine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, dass das, was ich schrieb, wirklich korrekt war – vielleicht?

Es brauchte noch so einige Kolumnen, bis ich verstand: Ich muss in meinen Texten nicht die Stimme der Muslime repräsentieren, sondern höchstens von einer der vielen Stimmen erzählen. Mehr ist in 3.400 Zeichen auch nicht machbar.

Über drei Jahre schreibe ich nun schon die Tuch-Kolumne. Sie begleitete mich in den bislang prägendsten Lebensjahren. Ich zog mit ihr von Hamburg nach London zum Studieren, schüttete dem Mann meines Lebens Salz in den Kaffee und heiratete ihn, zog nach Berlin, dann Kairo, Istanbul und zuletzt nach Oxford. Ich lachte mit dem Spiegel-Autor Matthias Matussek im ICE und stritt mit Sarrazin im Radio, bis er schließlich sagte: „I want yu tu intekräyt.

In den Kolumnen schrieb ich Dinge, die ich zuvor nicht auszusprechen gewagt hatte: Darf man das überhaupt sagen? Ich entdeckte, dass wir über viel zu viel schweigen. Mal wurde ich fuchsteufelswild, mal lachte ich oder wurde sentimental. Ich feierte Baynachten, wurde auch öffentlich zur Feministin und verbrachte lange Abende mit Lebenskünstlern, beeindruckenden Frauen und Männern – und jenen dazwischen. Ich lauschte den Weisheiten der Älteren, der Stimme der Stillen. Ich verlor meine Wut. Denn die Kolumne öffnete mir den Blick für die Geschichten anderer. Minderheiten. Menschen, die sich anders fühlen, ausgeschlossen.

Mit dieser Kolumne bin auch ich gewachsen. Sie umfasste nie wirklich nur mein Leben, sondern auch das der Menschen, deren Leben ich streifte und beobachtete. So viele Themen und Leben, wie sie unter „Das Tuch“ eigentlich gar nicht mehr passen. Vielleicht bin ich in dieser Zeit nicht nur mit, sondern auch aus der Kolumne herausgewachsen.

Bis spät in die Nacht hinein blickte ich auf diesen Text und wusste nicht, wie man ihn schreibt. Was schreibt man in einer letzten Kolumne? Wie verabschiedet man sich?

Diese Woche werde ich ein Vierteljahrhundert alt. Das nächste Vierteljahrhundert werde ich ohne diese Kolumne antreten. Es ist, als würde man den besten unsichtbaren Freund loslassen. Ein bisschen ungern, aber auch wohl wissend, dass es weitergehen muss, für neue Abenteuer und neue Leben.

Es war schön mit dir, liebe Tuch-Kolumne. Es war schön mit euch, liebe Leserinnen und Leser. Danke, liebe taz! Danke für drei großartige Jahre!

Tschüß, ahoi & liebe Salams!

Die allerletzte Tuch-Kolumne erschien am 24.06.2013 in der Taz. Hach ja :)

Wie geht’s weiter?, haben viele gefragt. Einiges ist unsicher, anderes ist fast in trockenen Tüchern. Deshalb kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel dazu sagen, aber sehr bald hoffentlich hier mehr dazu! :)

 

 

DIE TÜRKISCHE SOCIAL MEDIA KULTUR

Bildschirmfoto 2013-06-14 um 20.35.21Dieser Text erschien zuerst auf Zeit Online. Das Bild ist von mir.

Bei CNN Türk watschelten niedliche Pinguine über den Bildschirm. Währenddessen berichtete CNN International per Live-Schaltung von den Protesten und der Polizeigewalt auf dem Istanbuler Taksim-Platz. Es waren die Anfangstage der Gezi-Park-Proteste in der Türkei. Auch woanders im türkischen Fernsehen spielte man da noch heile Welt: Kochsendungen, Serien und Quizshows.

Die Wut der türkischen Protestierenden über die Selbstzensur der heimischen Medien ließ nicht lange auf sich warten. Auf Twitter und Facebook kritisierten sie die Sender, forderten ausführliche Berichterstattung und produzierten schließlich – wie bereits seit Anfang der Proteste – eigenständig Bilder, Kurzvideos und Informationen. Damit schufen sie eine Gegenöffentlichkeit zu den türkischen Fernsehsendern und Zeitungen, die nur schwerfällig und unzureichend berichteten.

Die Dokumentation der brutalen Polizeigewalt, der Verletzungen und der mittlerweile zwei Toten leisteten die Demonstranten selbst. Über eine Crowdfunding-Plattform sammelten drei Protestierende Spenden für eine ganzseitige Anzeige in der New York Times, die am Mittwoch geschaltet wurde. Mit Erfolg: Ausländische wie türkische Medien zogen nach, gaben den Protesten mehr Platz, verschafften ihnen mehr Aufmerksamkeit.

Das steht jetzt schon fest: Ohne die sozialen Medien wäre die Zahl der Demonstranten sicher deutlich kleiner ausgefallen. Die dürftigen Berichte in den klassischen Medien, die Polizeigewalt und die Hilferufe in den sozialen Netzwerken zogen selbst die jungen Türken aus dem Haus, die sonst nie durch politische Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht hatten: “Non-Activist Participationnennt die Social-Movement-Forscherin Zeynep Tüfekci das Phänomen, die Beteiligung jener, die bislang nicht zu den Aktivisten zählten.

Obwohl Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan Twitter als “Ärger” abtat, twitterten auch Tausende seiner Unterstützter unter dem Hashtag #yedirmeyeceğiz (Kaufen es nicht ab/Schlucken das nicht. wörtlich: Lassen es nicht essen).

Die Hashtags #GeziParki, #DirenGeziParki (Halte durch/Leiste Widerstand Gezi-Park) und #OccupyGezi wurden weltweit zu Trending Topics. Allein #OccupyGezi wurde knapp eine Million Mal auf Twitter verwendet. Im Gegensatz zum arabischen Frühling vor zwei Jahren stammen dabei 90 Prozent der geografisch georteten Tweets jedoch aus der Türkei.

7,2 Millionen Türken twittern

Es ist nicht das erste Mal, dass türkische Facebook- und Twitter-Nutzer als kritische und meinungsstarke Masse auftreten. 2011 wurde zuerst auf Twitter von den Luftangriffen auf Uludere berichtet, bei dem 34 Zivilisten umgekommen sind. TV und Print hatten der Nachricht bis dahin keine Beachtung geschenkt.

Twitter und Facebook sind mittlerweile ein fester Bestandteil der türkischen Debattenkultur. Fast die Hälfte der türkischen Bevölkerung war im vergangenen Jahr online, mehr als 7,2 Millionen nutzen Twitter und mit über 30 Millionen Facebook-Nutzern gehört die Türkei zu den zehn am stärksten dort vertretenen Ländern weltweit – gleichauf mit Großbritannien.

Was auf Twitter passiert, wird meistens auch im Fernsehen und in der Zeitung Thema. In Nachrichten- und Unterhaltungssendungen werden Hashtags eingeblendet, über die sich Zuschauer austauschen und die Sendung kommentieren können. Immer wieder beginnen Kolumnisten ihre Texte mit den Worten “Letztens auf Twitter…”.

Tweets und Postings stoßen Debatten an, die das ganze Land bewegen. 2011 sagte ein Journalist im Fernsehen, dass der Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk ein Diktator gewesen sei. Der Hashtag #AtaturkDiktatordur (Atatürk ist ein Diktator) wurde zum Trending Topic in der Türkei und löste eine Diskussion über ein Tabu aus: Herabsetzende Äußerungen über Atatürk, der in der Türkei bis heute stark verehrt wird, sind strafbar. Einige Journalisten, die den Hashtag auf Twitter verwendeten, wurden daraufhin angeklagt. Einer twitterte: “Wegen des Atatürk-Schutzgesetzes wurden drei Anklagen gegen mich erhoben. Das heißt also, Atatürk ist ein Diktator.”

Noch ein Beispiel: Seit April dieses Jahres verwenden Tausende türkische Facebook-Nutzer das Kürzel “T.C.” vor ihrem Namen. Der Grund: Das türkische Gesundheitsministerium hatte bei der Entwicklung eines neuen Logos das “T.C.” für Türk Cumhuriyeti (Türkische Republik) weggelassen. Das Ministerium zog die Entscheidung schließlich zurück und ließ das Logo neu designen.

Medien sind ein Politikum

Soziale Medien haben mittlerweile eine Tradition in der Türkei. Wer aber das emotionale Moment der Gezi-Parki-Proteste im Netz verstehen will, der muss auch einen Blick in die türkische Medienkultur werfen. “Sag mir, welche Zeitung du liest, und ich sage dir, wer du bist”, heißt es im türkischen Volksmund. Denn eine Zeitung ist in der Türkei nicht nur eine Informationsquelle. Sie kann auch als Bekenntnis einer politischen oder religiösen Gesinnung dienen. So gelten Cumhuriyet-Leser gemeinhin als radikal kemalistisch, Yeni-Safak-Leser als religiös-konservativ oder Taraf-Leser als liberal-links. Die Zeitung ist ein Politikum.

Das rührt nicht von ungefähr. Die türkische Gesellschaft ist stark polarisiert und fragmentiert: Säkulare, Kemalisten, Religiöse, Traditionalisten, Kommunisten und Nationalisten – um nur einige Gruppierungen zu nennen. Die Zeitungen dienen ihnen als politisches Sprachrohr. Dabei wird nur selten strikt zwischen Meinung und Nachricht unterschieden. Stattdessen dominiert Meinungsjournalismus die türkische Medienkultur.

Symbolisch hierfür steht der türkische Kolumnistenkult. Niemand prägt die Zeitung und ihre Leser so sehr, wie die zahlreichen Kolumnisten es tun. Fast täglich kommentieren sie aktuelle Ereignisse im Land, setzen Debatten und tun ihre Meinung kund.

Falschmeldungen und Propaganda

So lassen sich auch in der türkischen Webkultur Beispiele finden: Prominenter als Wikipedia (türkisch: Vikipedi) ist in der Türkei das Wörterbuch Ekşi Sözlük (frei übersetzt: saures Wörterbuch), das ausschließlich von Nutzern aufgebaut wird. Sie geben dort nicht unbedingt wahre und korrekte Informationen über die Personen und Ereignisse wieder, die sie dort besprechen. Stattdessen teilen sie ihre subjektive Wahrnehmung.

Ähnliche Strukturen lassen sich auch auf Twitter beobachten, wo in den vergangenen Tagen viele provozierende und destruktive Falschmeldungen zirkulierten: Beispielsweise das Gerücht, die Polizei hätte das giftige und tödliche Gas Agent Orange eingesetzt oder das Bild, das eine große Menschenmasse auf der Bosporus-Brücke zeigt. Dabei handelte es sich aber nicht um Protestierende, sondern um Marathonläufer aus dem Jahr 2012. Auch gab es falsche Todesmeldungen und dieses fingierte Bild eines kleinen Jungen, der angeblich vor türkischen Polizisten davonläuft.

Auch die Gegenseite nutzte solche Propaganda. So zirkulierten Bilder von Protestierenden, die in einer Moschee Zuflucht gesucht und sich scheinbar mit Schuhen und Bierdosen auf dem Teppich breit gemacht hatten und hinterher alles chaotisch und schmutzig hinterließen. Der Imam der Moschee erklärte später in einem Interview, er habe niemanden in der Moschee Alkohol konsumieren sehen, den Protestierenden sei dort primär Erste Hilfe geleistet worden. Die Bilder seien sehr missverständlich.

Zu unkritischer Umgang mit Informationen

Es ist der Hang zu Meinung und Polarisierung, der sich in den Falschmeldungen spiegelt. Sie heizten die ohnehin angespannte Stimmung zwischen den verschiedenen Gesinnungen weiter an. Die Folge? In Izmir wurde eine Gruppe kopftuchtragender Frauen von einem Mob attackiert; das Gebäude der regierenden Partei AKP in Izmir wurde in Brand gesetzt.

Ob das direkte Folgen der gesellschaftlichen Polarisierung sind, die durch soziale Medien noch verstärkt wird, lässt sich nicht sagen. Doch das ist sicher: Es mangelt an kritischem Umgang mit Informationen.

Das ist auch vielen Journalisten und Bürgern bewusst, die deshalb mit dem Hashtag #sagduyu (Tritt vernünftig, besonnen an etwas heran) zu Mäßigung aufrufen und mit #provokasyonagelmiyoruz versuchen, die Provokationen zu entschärfen. Unter dem Hashtag #sulhicindua riefen Twitter-Nutzer am Wochenende zum Gebet für den Frieden auf.

Gestern Nacht, beim Miraç Kandili, bei dem Muslime die Himmelfahrt des Propheten Muhammed feiern, fanden sich Protestierende auf dem Taksim-Platz zum gemeinsamen Gebet zusammen. Säkulare, Kemalisten, Religiöse, Traditionalisten, Kommunisten und Nationalisten. Demonstrativ, für #sagduyu.

DEDE II

Ic3x6K0P(1)“Nasılsın?”, diye soruyorum.
“Elhamdulillah” diyorsun, sakin ve gülümseyerek.
Sessizce ağlıyorsun.

MANCHE GEFÜHLE LEBEN NUR IN BESTIMMTEN SPRACHEN

Plötzlich weinte ich.

Es war der Festtagsmorgen, an Bayram. Wir saßen in Oxford am Frühstückstisch, als im Radio eine Sendung über das Bayramfest in Deutschland lief. Der Moderator erzählte von Vätern, die sich auf den Weg in die Moschee machen, von der Aufregung, die zuhause herrscht, die letzten Vorbereitungen für das große Frühstück und die Kinder, die erwartungsvoll um die Geschenktüten herum tanzen. Die vertrauten Geräusche aus dem Radio erfüllten unsere Küche – und ich sah zum ersten Mal die Leere. Die fehlenden Menschen. Meine liebevollen Eltern und Geschwister, meine sentimentalen Großeltern, Tanten und Onkels, Cousinen und Cousins. Die Älteren der Gemeinde, die mich jedes Mal fest an sich drücken und davon erzählen wie ich so war als Kind und wie die Zeit doch vergehe.

Doch eigentlich waren nicht sie abwesend, sondern ich. Ich bin fort, ich lebe im gurbet. Was das ist?

Als ich mich an meinen Schreibtisch setzte und versuchte meine Gefühle in Worte zu fassen, tanzten meine Finger auf der Tastatur. Ich schrieb fließend, ganz natürlich. Erst viel später bemerkte ich, dass ich auf Türkisch geschrieben hatte.

„Es ist merkwürdig“, schrieb eine Freundin, „das Wort ‚gurbet’ lässt sich nicht so einfach in andere Sprachen übersetzen.“ Würde ich gurbet als „das Leben in der Fremde“ übersetzen, würde es niemals ausreichen, um meinem Gegenüber das Gefühl zu beschreiben, dass dieses Wort erzeugt.

Gurbet. Ganz alleine, ohne jeglichen Zusatz kann dieses Wort den Menschen, der gurbet kennt, Erinnerungen hervorrufen lassen, Sehnsucht und Schmerz fühlen lassen, die Wangen nässen. Die türkische Autorin Elif Safak beschreibt es als einen unsichtbaren Splitter unter der Haut, an der Spitze des Fingers. „Willst du ihn entfernen, vergeblich. Versuchst du ihn zu zeigen, ebenso vergeblich. Er wird zu deinem Fleisch, deinen Knochen, ein Teil deines Körpers. Ein Gliedmaß, das sich nicht mehr entfernen lässt, sei es dir noch so fremd, so anders“, schreibt sie.

Gurbet ist eines der vielen Worte, für die ich im Deutschen keine einfache Übersetzung finde. Genauso, wie ich Gedanken im Deutschen in keinen einfachen türkischen Satz fassen kann. Ich will auch mal „doch“ im Türkischen sagen. Ich will die „Herausforderung“ erklären, das „Dasein“ und die „Schadenfreude“. Für jedes einzelne Wort braucht es mehrere Sätze. Nur dann versteht mein Gegenüber, das, was ich dabei fühle.
So leben manche Gefühle nur in bestimmten Sprachen. Sprache öffnet uns die Welt und grenzt uns ein – im gleichen Moment.

„Bir lisan, bir insan. Iki lisan, iki Insan“, lautet ein türkisches Sprichwort: Eine Sprache ist ein Mensch, zwei Sprachen sind zwei Menschen. Folglich sind drei Sprachen, drei Menschen.

Im Deutschen spreche ich viel und schnell. In die Zeit, die man mir gibt, versuche ich so viel unterzubringen, wie nur möglich – denn ich will erzählen, erklären. Deutsch sprudelt aus mir heraus. Ich liebe diese Sprache, mit dessen Worten ich gerne spiele und vor der ich großen Respekt habe.

Im Englischen bin ich ruhiger. Ich rede nicht so eloquent wie im Deutschen, aber da ist es mir auch nicht so wichtig. Ich vertraue auf das, was ich sage, und auf mein Gegenüber, das mit mir denkt. Dort überlasse ich den Gedanken Raum. Und wenn mir mal ein Wort nicht einfällt, erfinde ich einfach eines. Meistens funktioniert’s.

Im Türkischen schreibe ich Gedichte. Im Türkischen bete ich. Im Türkischen weine ich. Es ist die Sprache, die ich als Erstes lernte. Die Sprache, in der ich von meiner Familie geliebt wurde, die Sprache, in der ich das erste Mal weinte, die Sprache, in der ich das erste Mal liebte.

Und so, egal in welcher Sprache ich spreche, es fehlt die andere. Und das ist eine schöne Herausforderung.

Nachtrag

Den türkischen Text “Özlem“, den ich in der Kolumne erwähne, findet ihr hier. Ich möchte mich für die vielen wunderbaren Reaktionen auf den Text bedanken. Diejenigen wissen sicher, dass sie gemeint sind. Danke! Eine möchte ich jedoch namentlich nennen, meine geliebte Canan Abla. Senin sohbetine doyum olmuyor.

ÖZLEM

Basit bir radyo programıydı beni bugün kahvaltıda ağlatan. Beklenmedik bir anda yakaladı o beni. O tanıyamadığım his.

 

Her sabah kahvaltıda eşimle birlikte farklı dillerde radyodan haberleri dinleriz. Almanya ve Mısır’dan sonra Ingiltereye yerleştik, bir senedir Oxford’da yaşıyoruz. Kahvaltıda Alman bir radyo kanalının Türk programında Almanyadaki bayramı anlatıyorlardı. Babaların bayram namazına gitmelerini, evde ailelerin birlikte bayram kahvaltısı hazırlamalarını, börekleri, çörekleri, tatlıları, hediyeleşmeleri, büyüklerin, küçüklerin, herkesin bir arada olmalarını anlatıyorlardı. O eşsiz karmaşayı, sevgiyi ve muhabbeti – benim eşimle beraber o anda mahrum olduğum bir bayram ortamını tasvir ediyorlardı.


Kahvaltı masasında ilk defa o sevdiğim insanların yokluklarını hissettim. Bir ah çektim içimden. „Bizler de bir gün, Allah bizlere çocuklar nasip eylerse, böyle bir ortam sağlayabilir miyiz?“ diye sordum kendime. Tutamadım gözyaşlarımı. Eşim şaşkınlıkla bana baktı. „Özlüyorum“ dedim, bükük bir dudakla. Komik durmuş olmam lazım ki, güldü. Ama haklı, beni öyle tanımıyordu ki. Ben bile kendimi böyle tanımazdım. Gezmekten, dolaşmaktan, dünyayı, farklı insanları, yenilikleri keşfetmekten hoşlanan, meraklı biriyim ben. Ailemi severim, ama her ayrılığında elbette bir sonu olduğunun bilinciyle yaşadığım için, özlem çekmezdim. Aksine ayrılıktan hoşlanır, farklı hazinelerle geri dönüp paylaşmayı severdim. Herkes dünyayı gezsin, herkes bir köşesini görsün, bir dalından tutsun, sonra bir araya gelip birbirimizi zenginleştirelim, dalları toplayalım isterdim. Benim için ayrılık her zaman zenginlik demekti.


Arkadaşlarımı uzaktan severim, devamlı olarak telefonlaşıp, yazışmam. Hemen hemen hiç birini doğum gününde arayıp tebrik etmem. Bana yazmazlarsa gönül koymam. Çünkü sevgi ve muhabbetin tarihlerden ibaret olmadığına inanırım. Ben onları her gün severim, her gün düşünürüm. Aynı zamanda buluşmak için çok çabalarım. Gezerken, onların bulunduğu şehirlerden geçerken muhakkak onları ziyaret edip, onları görmek isterim. Sevgimi o zaman en içten, en doğal ve dürüst haliyle gösteririm onlara. Muhabbetlerine doyamam, zor ayrılırım. Birçok arkadaşımla iki sene hiç görüşmemişimdir, ama kalbimde yerleri halen aynıdır.


Ta ki, bu sabahki kahvaltıya kadar. Continue reading

40 KILO FREMDSCHÄMEN


Kennen Sie diese türkischen Großfamilien, die mit etlichen Koffern, zig Kartons, Rucksäcken und Taschen am Flughafen stehen und ewig lange am Flughafenschalter mit dem Personal diskutieren? Ich kenne sie. Und kennen Sie die pubertierende Tochter der Großfamilie, die ihr Gesicht beschämt in einem Buch vergräbt? Das war ich.
Jedes Jahr die gleiche Tortur. Ich stand etwas abseits, las und versuchte möglichst unbeteiligt auszusehen. Ab und an schüttelte ich meinen Kopf, trat unauffällig einen weiteren Schritt zur Seite. Und bewunderte dabei aus dem Augenwinkel das Verhandlungsgeschick meines Vaters, der so lange mit der Frau am Schalter redete, bis sich unsere vierzig Kilo Übergepäck in Nichts auflösten. Blieben nur noch die vielen Rucksäcke, Taschen und Handkoffer. Die standen gut versteckt außerhalb der Sichtweite der Flughafenfrau.
Ich hatte versucht, es zu verhindern – mit Nörgeln. Beim Einpacken fing ich an. „Warum“, fragte ich meine Mutter, „müssen wir denn so viel mitnehmen?“, und zeigte auf die sich stapelnden Gemüsekartons. Die Hälfte unseres Gepäcks war befüllt mit Gurken, Paprika, Gewürzen, Tee, Baklava, Trauben, Feigen, Orangen und Olivenöl. „Als ob es diese Sachen nicht auch in Deutschland gibt. Da kannst du das alles doch auch kaufen“, nervte ich weiter. Sie sollte endlich zur Vernunft kommen.
Kam sie aber nicht. Meine Mutter war nörgelresistent. Die von meinem Großvater liebevoll handgepflückten Gurken, Paprika, Trauben, Feigen, Orangen, das natürliche Olivenöl aus dem Garten unseres Ferienhauses, die Gewürze, die meine Oma höchstpersönlich für meine Mutter getrocknet hatte und die besten Baklava der türkischen Urlaubsstadt wurden in Kartons verstaut und zum Flughafen transportiert. 
„Das hat mit Sehnsucht zu tun“, sagte meine Mutter. Ich verstand das nicht. Im Auto lehnte ich mich entnervt auf den Gurkenkarton und nörgelte weiter: „Können wir nicht einmal, nur einmal Urlaub machen wie die anderen?“ Nur einmal, wünschte ich mir, elegant das kleine Gepäck über den glänzenden Flughafenboden zu tragen, statt die groben großen Gepäckwagen mit Mühe durch die Menschenmenge zu schieben.
Einmal nicht als letzte Familie am Gepäckband in Hamburg stehen und auf unseren Karton warten, unsicher, ob er nicht schon irgendwo unter dem Kofferhaufen auf einem der Gepäckwagen steckt. Und einmal nicht bestürzt feststellen, dass das Olivenöl ausgelaufen ist, und dem Fleck hinterher starren, der riesig groß auf dem Gepäckband glänzt. Einmal nicht so aussehen, als würden wir Hilfsgüter zu einer Katastrophe ungekannten Ausmaßes transportieren.
Letzte Woche stand ich am Hamburger Flughafen am Schalter, ich war auf dem Weg zurück nach Oxford. Mein Koffer enthielt die Tarhana-Suppenmischung meiner Großmutter, handgefertigtes Paprikagewürz meiner anderen Großmutter, einen großen Vorrat an deutschem Gouda, türkischem Käse, deutscher Schokolade, natürlich Lakritze und noch einiges mehr.
Mein mindestens fünfzehn Kilo schweres und mit Büchern vollgestopftes Handgepäck stand gut versteckt und außerhalb der Sichtweite der Flughafenfrau bei meinem Vater. Als ich meinen Koffer erfolgreich ins Flugzeug verhandelt hatte und auf ihn zuging, grinste er. Wir wussten beide: Das hat mit Sehnsucht zu tun.


Übrigens, mein Lieblingskommentar zu dieser Kolumne kommt vom “Käseschlepper” (Taz-Kommentarbereich):

“Ganz sicher ist manchen damals in der ‘inwendigen Dachgepäckträger-Ära der Turkish Airlines’ auch ein Junge(Mann) aufgefallen, der beladen mit einem 50 kg schweren Schafskäsekanister sich auf Geheiß der Frau Mama je Boardingetappe jeden Sommer immer wieder aufs Neue zu bewähren hatte. Es galt den besagten Kanister bis zum Punkt-of-no-return soweit in die Kabine zu schmuggeln und danach einige der angeblich sichersten Sitzplätze, welche die ersten Sitzreihen im Flugzeug sein sollten, zu ergattern.”