MESUT ÖZIL IST DEUTSCH, ICH BIN ES NICHT

… fragte mich ein Glückskeks in London.

oder: WARUM DIE ISLAM-DEBATTE NUR NOCH NERVT.

Ich habe keinen Bock. Die ganze Debatte um Deutschsein, Integration und Leitkultur ist mir absolut zuwider.

Ich will nicht wissen, wann und unter welchen Umständen ich als Mensch mit nichtdeutscher Abstammung und nichtchristlicher Religion ein Du-bist-deutsch-Siegel bekommen könnte. Das sind Scheindebatten. Die Realität sieht so aus: Mesut Özil kann – wie übrigens viele seiner biodeutschen Kollegen auch – keinen grammatikalisch korrekten deutschen Satz hervorbringen, ich hingegen schon. Trotzdem gilt er als integriert und deutsch, ich aber nicht.

Großartig. Ich habe also einen deutschen Pass, engagiere mich hier, spreche die Sprache und gehe wählen. Aber das reicht anscheinend nicht. Leider kann ich kein Fußball. Und ich bin auch nicht wie Necla Kelek mit einem gewissen Ex-Bundesbanker befreundet, um bei seiner Buchpromotion als Möchtegern-Deutsche seine Intelligenz-These quasi als lebendes Beispiel für minderbemittelte Muslime zu bestätigen. Um dann trotzdem nicht deutsch zu sein.

Aber davon mal abgesehen: Ich will gar nicht deutsch sein. Ich will auch nicht türkisch sein. Denn Nationalität ist ein Denkkonzept, das ich nicht anwenden will. Was würde das Deutschsein über mich aussagen? Nichts. Eine Zuschreibung, die mich einengt. Gegen die ich mich wehre.

Was mich ausmacht, das sind meine Interessen und Werte. Auf einer Party würde ich mich eher mit einem linken Italiener oder einer koreanischen Künstlerin unterhalten als mit einer türkischen Kemalistin oder einem deutschen Handballer.

Trotzdem werde ich regelmäßig gedrängt. Man will, dass ich mich entscheide. Deutsch oder türkisch? Sag schon! Ich WILL aber nicht. Verdammt noch mal.

Das war nicht immer so. Früher sagte ich mit größter Selbstverständlichkeit “Ich bin deutsch.” Bis mir ein richtiger Deutscher an der Uni verklickerte: “Kübra, du bist keine Deutsche.” – Warum? – “Ja, weil du das Kopftuch trägst.” Zustimmung durch umstehende andere richtige Deutsche. Aha. So ist das also. Wie eine Ohrfeige war das. Es blieb nicht die einzige. Und mir wurde klar: Egal, was ich tue, ich werde nie deutsch sein.

Ich staune, wenn die meisten meiner muslimischen Freunde selbstbewusst sagen: Ich bin deutsch. Offensiv gehen sie mit dieser Identität um und ecken damit an. Bewusst.

Sie sind in diesem Land geboren und sozialisiert, arbeiten hier, zahlen Steuern. Sie fühlen sich hier heimisch und fordern Zugehörigkeit ein – nicht nur als Mitbürger, sondern auch als Mitdeutsche. Auf die Frage, woher sie kommen, wollen sie bloß mit Aachen, Hamburg oder Donaueschingen antworten können.

Sie wollen die Bedeutungshoheit über das Deutschsein nicht den Biodeutschen überlassen.

Selbstverständlich ist Wulff auch ihr Bundespräsident. Sie wollen, dass man es ausspricht. Sie tun es. Er tut es. Und plötzlich wird eine Selbstverständlichkeit so ad absurdum diskutiert.

Ich bewundere meine Freunde für ihr selbstbewusstes Einstehen für ihre deutsche Identität. Mir bleibt das fremd. Vielleicht nur, bis ich innerlich ein wenig härter werde. Vielleicht aber auch für immer.

taz, Tuch-Kolumne, 13.10.2010

Reaktionen: Dybth erklärt den Unterschied zwischen
Özil und den anderen, Akif Abi will ein Mecker-Monopol :) und Bilal fragt sich, wieviel Rassismus Muslime vertragen

YEAH! BURQA IN FRANKREICH!*



Ich war schon ganz enttäuscht, dass nichts aus Frankreich kam. Princess Hijab (siehe oben) kennen wir alle schon, die Graffiti-Künstlerin, die Reklamepüppchen ein Niqab verpasste. Aber nach dem Niqab-Verbot im Juli dieses Jahres war künstlerisch-rebellisch nichts Nenneswertes zu verzeichnen. (Vom Gegenteil lasse ich mich in den Kommentaren nur zu gern überzeugen.)

Jedenfalls war ich ganz entzückt, als ich ein Video der Niqabitches entdeckte. Zwei rebellische Französinnen – obenrum vollverschleiert mit Niqab, untenrum Minirock und Stöckelschuhe. So liefen sie durch Paris und posierten vor diversen Regierungsgebäuden. Ein toller Protest. Darauf hatte ich gewartet.


Nun gewinnen meine Bilder nämlich endlich auch an Bedeutung. Als ich kürzlich in Frankreich unterwegs war, hampelte ein kleiner Rebellionszwerg in meinem Bauch herum. Es kribbelte und ich konnte nicht anders als mich in ein schwarzes Tuch zu hüllen und es überall dort anzulegen, wo ich meinte, die Leute seien verkrampft.

Meine Mitreisenden sorgten sich ein wenig um meine Sicherheit. Aber das war gar nicht nötig. Später vor dem Eifelturm (Schande über mich. Ja, ich habe einen Tag lang auch Tacky-Tourist-Krams gemacht. Siehe hier.) entdeckte ich nämlich eine Gruppe von Frauen, die ein Niqab trugen. Da musste ich natürlich fragen, wie sie das Gesetz finden und ob sich etwas für sie geändert hat. Leider spreche ich kein Französisch und sie kein Englisch, dafür aber ihr Sohn, der mir erklärte: Seine Mutter und Tante trügen weiterhin ihr Niqab, das sei kein Problem. Sie wären auch noch nie angesprochen worden.

Das ist interessant. Ich hätte gerne ein Beweisfoto gemacht, aber ich will ja niemanden in Bredouille bringen. Das, was ich sah, müsst ihr mir jetzt also einfach glauben. Und da fragte ich mich, ob das nun der endgültige Beweis für die schamhaft-peinliche anti-islamische Symbolpolitik der französischen Regierung ist.

“Je ne sais pas!”, sage ich da nur. So wie die Franzosen, wenn man sie auf einer Fremdsprache anspricht.

Und hier meine kleine Pseudo-Rebellion, die zugegebenermaßen nichts bewirkte außer der Zufriedenstellung meines kleinen Rebellionszwerges.

Nachtrag: Außerdem interessant, dass beide Rebellionen im Ghetto-Style sind. Ist Ghetto der neue französische Punk?!

*Das muss selbstverständlich Niqab heißen. Aber “Burqa” erregt schneller die Gemüter als “Niqab”.








ZAHNRÄDER


Wochenlang saßen wir im Skype-Kämmerchen und planten und organisierten. Ich saß mangels häuslichen Internets in der Londoner Uni-Bibliothek, setzte mich in eine laute Arbeitsecke (weil ich anderswo ja nicht reden darf). Aber weil es bei mir viel zu laut war, musste immer auf “Stumm” drücken, wenn ich den anderen Konferenzteilnehmern gerade nichts mitzuteilen hatte. Doch ich wollte eigentlich immer etwas sagen. Teufelskreis. Schwere Zeiten. Ich saß da also mit Kopfhörern in einer Ecke und sprach in einer “really ugly and harsh” Sprache mit meinem Laptop und erntete irritierte Blicke von meinen Londoner Kommilitonen.

Heraus kamen: “Zahnräder” – Netzwerk junger muslimischer Köpfe. Eine Idee, die anfangs im Kopf von Ali und mir schwirrte. Wir sprachen miteinander, infizierten die Ayse und so kamen immer mehr wirklich tolle Menschen, die die gleiche Idee hatten, zusammen. Ein Hirngespinst fand seinen Weg in die Realität. Schritt für Schritt.

Seit einer Woche läuft nun die erste Bewerbungsfrist für die Initiative. Unser Ziel ist es junge, engagierte und aktive Muslime zusammenzubringen. Sie sollen sich austauschen, voneinander lernen, Visionen entwickeln und erste Schritte tun, um diese zu realisieren. Dabei ist es irrelevant welcher islamischen Strömung man angehört, welchem Verein oder welcher Organisation. Das Individuum und die Visionen – das ist uns wichtig.

Denn wir alle spürten irgendwann in unserem Leben den Bedarf andere aktive junge Muslime kennenzulernen. Menschen, die die gleiche Tatkraft fühlen, etwas bewegen wollen und einen wichtigen Beitrag für diese Gesellschaft leisten wollen. Menschen, die in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen aktiv sind. Genau diesen Bedarf soll “Zahnräder” nun versuchen zu decken. Wir wollen uns gegenseitig motivieren, inspirieren und helfen.

Ilhaam, eines unserer Team-Mitglieder, überzeugte uns alle von der Weltmetropole Wuppertal. So findet die Konferenz (im BarCamp-Stil) vom 24. bis 26. September in einer Wuppertaler Jugendherberge statt. Ich schreibe das ganz ohne Ironie (vom Weltmetropole-Satz mal abgesehen), Wuppertal ist wirklich toll. Vor allem die Stadthalle – ein Traum.

Aber zurück zum Thema. Bewerbt euch mit eurer Idee, eurer Vision! Am Ende der Konferenz werden nämlich Fördergelder von insgesamt 4.500 Euro vergeben!

So. Das war jetzt mein Totschlagargument. Wenn noch Fragen da sind, dann diese bitte in den Kommentaren stellen. Ich freue mich auf viele (neue) Gesichter, vor allem aus der Bloggerwelt.

Apropos: Ihr dürft die Veranstaltung gerne weiterpromoten. Das wäre großartigst! Und gibt bestimmt Pluspunkte im Gute-Taten-Register. Und hier: Zahnräder auf Facebook.

Und sonst so:

Die Kolumne fiel die letzten Male wegen der WM aus. Deshalb gab es keine bahnbrechenden Neuigkeiten aus der Tuch-Welt. Das wird sich bald aber ändern.

Damit verabschiede ich mich! Ahoi und Salams!

SEIT DEM MORD REDEN WIR OFFENER

Und wieder ist die taz Vorreiter. Vor allem, wenn es darum geht, auch mal jene zu Wort kommen zu lassen, die noch nicht gehört worden sind. Vor einigen Wochen erschien bereits das Interview mit Melih Kesmen von StyleIslam zu dem Thema Islamophobie. Gestern erschien nun das taz-Interview mit mir, als kopftuchtragende Muslimin und Bloggerin, zum gleichen Thema: Islamophobie.
Hier einige Auszüge:

taz: Die öffentliche Debatte über den Mord an Marwa ist fast verstummt. Spielt das Ereignis für kopftuchtragende Frauen noch eine Rolle?

Kübra Yücel: Auch wenn man über den Fall von Marwa kaum mehr spricht, ist das Thema innerhalb der muslimischen Gemeinde immer noch präsent. Es ist viel geschehen: Wir sind uns durch diesen Mord bewusst geworden, dass die Diskriminierungen, die wir erfahren, keine Ausnahmen sind. Es gibt mittlerweile zu viele Ausnahmen. Seit dem Mord an Marwa reden wir offener über unsere Diskriminierungserfahrungen und tauschen uns aus.

/…/Und wie soll sich das ändern?

Ich habe mit meinen Freundinnen sehr viel darüber diskutiert, wie wir dafür sorgen können, dass der Islam in den Medien angemessen dargestellt wird. Zunächst müssen Muslime als gleichberechtigte Gesprächspartner anerkannt werden. Bisher war es so: Wenn ein Muslim sich – auch in akademischen Kreisen – zu islamischen Themen äußerte, so wurde er nicht als eine akademische Person, sondern als Muslim wahrgenommen. Man muss Muslime, wenn sie sich als akademische Personen äußern, auch als solche wahrnehmen.

Wenn man als Muslim über den Islam forscht, ist es dann überhaupt möglich, die muslimische Identität vom wissenschaftlichen Anliegen zu trennen?

Das kann man selbstverständlich nicht trennen. Das ist aber in allen Wissenschaften so. Wenn sich eine Frau zu feministischen oder ein Christ zu christlichen Themen äußert, sind sie natürlich nicht neutral. Sie werden aber trotzdem als gleichberechtigte Partner wahrgenommen und akzeptiert. Genau das fehlt bisher – auch in akademischen Kreisen – in der Diskussion mit Muslimen.

/…/Fühlen Sie sich bedroht als kopftuchtragende Frau?

Nein. Ich fühle mich nicht bedroht oder eingeschüchtert. Ich merke vielmehr, dass es noch viel zu tun gibt; es besteht viel Aufklärungsbedarf.

Was möchten Sie denn tun?

Das Wichtigste ist, dass man ständig im Dialog ist. Die Debatte sollte nicht abebben und wir sollten nicht auf den nächsten Mord warten. Ich sehe es als meine Aufgabe an, als Journalistin und durch meinen Blog aus dem Leben einer Muslimin zu berichten. Ich versuche darzustellen, wie es ist, als muslimische Deutsche hier zu leben. Ich will zeigen, dass ich keine Gefahr für die Gesellschaft darstelle und ein ganz normaler Mensch bin. Allein diese Tatsache sorgt, so glaube ich, bei vielen Menschen dafür, dass sie ihre Vorurteile nochmal überdenken.(…)

ihr hier lesen.

Yesterday an interview with me about islamphobia in Germany was published on the website of the daily newspaper Die Tageszeitung (taz). The interview is basically about how the Muslim community has reacted to the murder of Marwa a couple of weeks ago and islamophobia in Germany in general.

WAS TUN WIR JETZT? – DER FALL MARWA?


Der Fall Marwa E. hat eine hohe Symbolkraft. Das haben nur Wenige verstanden und nur die Wenigsten richtig zu Nutzen gewusst.

Wer eine Zusammenfassung des Falls Marwa E. lesen möchte, Kathrin hat hier eine sehr gute geschrieben.

Omar hat auf seinem Blog bereits einen wichtigen Schritt gemacht und die Muslime zur Besonnenheit aufgerufen. Einige sind emotional geladen, andere erzürnt. Zum Teil verständlich. In den vergangenen Tagen wurde in Deutschland viel versäumt. Der Fall Marwa E. hätte zum Wendepunkt des deutsch-islamischen Dialogs werden können. Die Gesellschaft hätte sich über die Tat lautstark empören, sie verdammen und durch Aufklärung und Diskussion geschlossen gegen die Diskriminierung der muslimischen Minderheit in Deutschland vorgehen können. Hätte.

Karim El-Ghawhary kommentiert eines der größten Versäumnisse (9. Juli 2009, taz) wie folgt:

“Wann immer es einen Anschlag muslimischer Fanatiker gab, wurden die deutschen Politiker nicht müde, Deutschlands Muslime aufzufordern, Stellung zu beziehen, um den Generalverdacht von sich abzuwenden. Nun stehen die Deutschen zumindest in Ägypten unter dem Generalverdacht der Islamophobie. Wo waren in der vergangegen Woche die Stimmen in Deutschland, die den Anschlag im Gericht verurteilen? Sie waren nicht zu hören.”

Wir haben es mit mindestens drei Versäumnissen zu tun:

1. Die Bundespolitiker und die Bundesregierung verspäteten sich mit der Verurteilung und Empörung dieser Tat. Die islamaphob motivierte Tat wurde gesellschaftlich nur ungenügend sanktioniert.

2. Dass es sich bei der Tat um eine – offensichtlich – islamophobe Tat handelt, wurde nur in den wenigsten Medien auch so dargestellt. Das Thema wurde mal auf das Thema der Sicherheit in Gerichtssälen reduziert, mal auf das Bestreben der NPD gezielt Russlandsdeutsche anzuwerben.

3. Die Islamaphobie wird von der Mehrheitsgesellschaft und der Bundespolitik nicht als Problem – bzw. gesellschaftlicher Missstand – erkannt.

Josef Winkler, der migrationspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, sagte der taz (9. Juli 2009) hierzu, “verkappt islamfeindliche Positionen” seien bis in höchste Regierungskreise verbreitet.
Sevim Dagdelen, migrationspolitische Sprecherin der Linken zum gleichen Thema: “Die Bundesregierung macht den Fehler, Rassismus nur als Problem der extremen Rechten zu sehen. Rassismus reicht aber bis in die Mitte der deutschen Gesellschaft und Übergriffe gehören zum Alltag dieser Republik.”

Trotz oder gerade wegen dieser Versäumnisse, müssen Muslime ruhig und sachlich bleiben. Das Thema ist emotional geladen, darf aber nicht emotional diskutiert werden. Vor allem deshalb nicht, weil Nichtmuslime sich der symbolischen Bedeutung des Falles Marwa E. gar nicht bewusst sind. Das liegt nicht an mangelndem Verständniswillen, sondern schlicht und einfach daran, dass sich Nichtmuslime nur selten über 9/11 hinaus mit dem Thema Islam beschäftigt haben bzw. daran, dass es für einen Menschen der Mehrheitsgesellschaft nur mäßig nachvollziehbar ist, wie es sich als Minderheit in Deutschland lebt.

Muslime müssen in Diskussionen die genannten Punkte im Hinterkopf behalten. Andernfalls treten sie mit hohen Erwartungen an ihre Gesprächspartner heran, es entstehen Konflikte. In den letzten Tagen habe ich mit vielen Nichtmuslimen über den Fall Marwa E. gesprochen. Sie waren schockiert darüber, wie viele wichtige Details ihnen über die Medien nicht weitergegeben worden waren Sie wurden darüber kaum informiert. Auch die Diskriminierung, die kopftuchtragende Musliminnen im öffentlichen Alltag erfahren, ist ihnen nicht bewusst gewesen.

Was sollte also getan werden?

Muslime sollten ruhig und sachlich bleiben, ihre Erwartungen herunterschrauben (auch um nicht enttäuscht und damit emotional zu werden) und unermüdlich an die Medien herantreten, um über Missstände zu diskutieren und damit zu bekämpfen. Diskussion, Diskurs, Aufklärung, Sachlichkeit und zielorientiertes, friedliches Handeln sind die einzigen Möglichkeiten, der Diskriminierung ein Ende zu setzen.

Nichtmuslime sollten sich den Diskussionen öffnen, die Missstände als solche verstehen. Der Mord an Marwa E. sollte genauso empören, wie es ein antisemitisch-motivierter Mord an einem Juden getan hätte. Dies setzt selbstverständlich voraus, dass die Medien über die Vorkommnisse berichten und die Bevölkerung informieren.

Die Bundesregierung sollte in erster Linie ihre Versäumnisse eingestehen. (Dass dies unsere Bundeskanzlerin trotz Wahlkampf bisher nicht getan hat, sollte uns jedoch zu denken geben.)

Wir alle dürfen die Diskussion nicht auf den Fall Marwa E. reduzieren. Marwas Fall hat Diskussionen ausgelöst, die nicht gleich abebben und auf den nächsten Mord warten dürfen. Wir müssen es schaffen, konstant miteinander im Dialog zu bleiben.

Karim El-Ghawary beendet sein Kommentar übrigens mit einer Ausnahme, die nicht schwieg wie der Rest Deutschlands:
`Man muss kein Muslim sein, um sich gegen antimuslimisches Verhalten zu wenden, und man muss kein Jude sein, um gegen Antisemitismus vorzugehen’, sagt der Generalsekretär des Zentralrats der Juden. Danke, Stephan Kramer, für diese deutlichen Worte. So selbstverständlich sie eigentlich sind, so selbstherrlich wurden sie in der letzten Woche von der deutschen Politik übergangen.“

Herr Kramer zeigt mit diesen Worten außerdem: Eine Minderheit ist eigentlich keine Minderheit, dafür gibt es zu viele von ihnen.

So könnt ihr aktiv werden: Fordert eine Stellungnahme der Bundeskanzlerin Merkel zu dem Mord an Marwa E., indem ihr hier unterschreibt. Eine Intiative von Melih Kesmen.

Möge Allah Schwester Marwa mit dem Himmel und ihre Familie mit Ausdauer und Geduld segnen. Amin.

Mehr zu diesem Theme hier: ZEIT- Ein Opfer islamfeindlicher Hitze; ZEIT – Der neue Hass; taz – Merkel soll über Marwa reden; tagesschau – Der Mord an Marwa betrifft uns alle

This article is about an terrible incident that has happened at a court room in Dresden (Germany) a week ago. An Egyptian Muslima (and mother of a 3-years-old child) was stabbed to death by an islamophobic Russian-German after insulting her and calling her “terrorist”, “bitch” etc. Read more about the tragic death/murder of Marwa E. here.
German media has unfortunately reacted very strangely to her death and the islamophobic murderer: The public was very late informed about the details of her death (that she was 3-month pregnant, her husband was accidently shot by a police officer etc.). German politicans did not condemn this murder at once, but only a few days later when Muslims in Germany and Egypt started to protest. Muslims in Germany became more and more emotional about the case of Marwa E. I am criticizing this development as emotional debates will not lead to peaceful conclusions. I have made suggestions to all parties – Muslims, Non-Muslims, politicians and media – in order to abolish islamphobia from German society and prevent murders like Marwa E.’s. What happened is really sad, but we need to stay rational.
May Allah bless our sister Marwa E. and help her family.

STRANGERS

Unterschiede trennen uns nicht, sie verbinden uns
Strangers (2002) ist ein wunderbarer Kurzfilm von den zwei talentiersten Jung-Regisseuren Israels, Erez Tadmor und Guy Nattiv. Die beiden Regisseure arbeiten ganz ohne Worte und erzeugen mit viel Symbolik eine Spannung zwischen den Charakteren: Zwei junge Männer in der Pariser U-Bahn finden sich inmitten des israelisch-arabischen Konfliktes wieder – bis ihre Unterschiede sie nicht trennen, sondern verbinden. Strangers gehört zu jenen Filmen, von denen man sich nicht nur mehr wünscht, sondern auch inständig hofft, dass sie gesehen werden.STRANGERS by Erez Tadmor, Guy Nattiv

 

AN TAGEN WIE DIESEN

An Tagen wie diesen, da möchte man mitten auf der Straße, mitten im Menschenstrom, stehen bleiben und rempeln. Schütteln und rütteln. Aufwecken. Verdammt nochmal! schreien, warum vergessen und verdrängen wir? Am liebsten jemandem eine scheuern, die Wut aufkochen lassen, innerlich brodeln und doch resignieren. Die Luft ist raus.

Es ist immer das Gleiche: Ein Unrecht, ein Krieg geschieht. Die Zahlen und Bilder richten die Härchen auf den Armen auf. Kaum ist der anfängliche Schock überwunden, senken sich die Härchen wieder und der Krieg wird zum Alltag.

Ich will nicht, dass sich meine Härchen senken, nicht an den Krieg gewöhnen, nicht resignieren.

Julia Deeg erinnert. Sie ist im Westjordanland und unterstützt dort den friedlichen Widerstand gegen die israelische Besatzung. Einige ihrer Briefe wurden nun im Freitag veröffentlicht. Unbedingt lesen.

Wir erinnern uns doch an den Krieg, oder?
Und die Sonne lacht so schadenfroh.


Bildcredit: Jeremyville

TODENHÖFER ÜBER NAHOST-POLITIK

Mit Ehrfurcht las ich heute morgen am Küchentisch den Text “Der Geisterkrieg” von Jürgen Todenhöfer im SZ-Magazin. Ich kann nicht anders, als ihm für diesen Text zu danken und zu hoffen, dass er von genügend Mächtigen gelesen wird:

Der Geisterkrieg

Der Westen versucht, den internationalen Terrorismus in Afghanistan zu bekämpfen. Aber gegen die Attentäter der nächsten Generation helfen keine Bomben – denn sie sind längst unter uns.

Von Jürgen Todenhöfer

Sie können uns Rebellen nennen und sagen, wir verdienten keine bessere Behandlung. Aber denken Sie daran, dass wir auch als Rebellen Gefühle haben und dass wir an denen Vergeltung üben werden, die wir als ungerechte Invasoren unserer Rechte und Freiheiten betrachten. (George Washington in einem Brief an den britischen General Lord Howe während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges)

»Terrorismus« ist das am meisten missbrauchte Wort der neueren Geschichte – vor allem, seit George W. Bush nach dem 11. September 2001 begann, all seinen Gegnern im Mittleren Osten das Terroris-musetikett aufzukleben. Wer aber ist unser wirklicher Feind? Der nationale Terrorismus muslimischer Volksaufstände gegen die westliche Besatzung in Afghanistan und im Irak? Der internationale Wanderterrorismus, der seit der Vertreibung der Sowjets aus Afghanistan auf der Suche nach weiteren »heiligen Kriegen« durch die muslimische Welt vagabundiert? Oder der islamisch maskierte Diaspora-Terrorismus, der den Westen in seinen eigenen Städten angreift?

Nach der sowjetischen und der amerikanischen Invasion habe ich Afghanistan und Pakistan immer wieder bereist. Im vergangenen August war ich in Kabul und in den Stammesgebieten der Paschtunen, des stolzen, kriegerischen Volkes diesseits und jenseits der afghanisch-pakistanischen Grenze. Hier versteckt sich angeblich noch immer Bin Laden. Meine Gesprächspartner waren der afghanische Präsident, Ex-Talibanchefs, Geheimdienstler sowie einfache Bürger. Was ich erlebt habe, hat wenig mit dem zu tun, was unsere Politiker nach Truppenbesuchen aus Afghanistan berichten. Es lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:

1. Der Westen hat sich aus der Rolle des Befreiers in die Rolle des Besatzers gebombt.
2. Afghanistan spielt im globalen, antiwestlichen Terrorismus keine Rolle mehr.
….

>>Weiterlesen hier

Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/28004


SHOE-REVOLUZZER ll

Shoe-Revoluzzer ll wird regelmäßig erweitert um Schuh-Bildchen.
Dankeschön an Vanne für den mutigen Anfang und an Lotti und Ina für das zweite Bildchen.
Nehmet euch die Damen als Vorbild.


Vanne weiß, die Gummischlappe tut besonders weh. Gute Wahl!

Und Ina schickt Küsschen hinterher. Den Schuhen natürlich.