SKANDAL! DIE MACHT ÖFFENTLICHER EMPÖRUNG

Das sind wir im Gruppenfoto – Jens Bergmann und Prof. Pörksen in der Mitte und wir 28 Studenten drumherum.

Endlich, endlich – seit Freitag gibt es offiziell das Buch “Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung” und ab dem 09.02 im Handel. Ein Buch, zwei Herausgeber, 28 Studenten und 29 Interviews mit Prominenten, die Skandale produzierten, verursachten oder in jene verwickelt waren: Opfer, Täter, Beobachter.
Die beiden Herausgeber Prof. Bernhard Pörksen (Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen) und Jens Bergmann (brand eins) haben zusammen mit uns Studenten innerhalb von zwei Semestern ein tolles Interview-Buchband zu dem Thema Skandale produziert.

So berichtet Entführungsopfer Natascha Kampusch, wie sie ihre Privatsphäre gegen Übergriffe der Boulevardpresse verteidigt. Der Undercover-Reporter Günter Wallraff beschreibt die Kunst, Missständen Namen und Gesicht zu geben. Der Radrennfahrer Patrik Sinkewitz gibt Auskunft über die Folgen seiner Doping-Beichte und systematische Manipulationen im Leistungssport. Die Politikerin Gabriele Pauli enthüllt die gnadenlosen Machtkämpfe in ihrer ehemaligen Partei, der CSU. Der Soziologe Ulrich Beck spricht über das kulturelle Nervenkostüm der Gesellschaft und die befreiende Wirkung des Skandals. Der Lyriker Sascha Anderson redet über seine Stasi-Vergangenheit, die ihn nicht mehr loslässt…
Zur Pressemitteilung hier.

Ich führte zusammen mit anderen Interviews mit Sascha Anderson, Jürgen Todenhöfer und Darryn Lyons. Das Buchprojekt war und ist eine wunderbare Erfahrung – noch nie habe ich an der Uni so viel gelernt. Ein tolles Projekt! Herzlichsten Dank dafür an Herrn Pörksen und Herrn Bergmann.


Rike sagt schon sehr schön: Meine nächsten Geschenke stehen fest, ich werde jedem das Buch schenken. – Ich glaube, ich mach das auch so.


Fotocredit: Dennis Williamson

DÄR FRAYTAG!

Relaunch deluxe. Seit gestern gibt es die tolle (Ex-Ost-West-)Wochenzeitung Freitag auch zeitgemäß – ergo: online.


“Wir sind unkonventionell, wird sind respektlos und geben Antwort auf Fragen, die andere schon längst für gelöst halten”


sagte Philip Grassmann, Chefredakteur von Freitag. Letzteres stimmt unbedingt: Auf die Frage nach der Zukunft der Print-Medien im Web 2.0 glaubten viele, SpOn sei eine schöne Alternative. Ist er aber nicht. SpOn ist mittlerweile langweilig, öde und Niveau macht Urlaub.
Die Wochenzeitung Freitag wird – so hoffe ich – zeigen, wie Internet und Print wunderbar funktionieren/harmonieren können:
So können Leser zu Nutzern werden, indem sie sich anmelden, kommentieren und bloggen. Auf dem deutschen Markt ein kleines bisschen revolutionär: Blogger-Beiträge – sollten sie der Redaktion gefallen – können in der Print-Version gedruckt werden. Das ist neu, das ist mutig. Ich bin gespannt.

Und worüber ich mich noch viel mehr freute, ist die Kooperation mit The Guardian. Meiner Lieblings-Zeitung aus England. Ich könnt springen vor Freude und Neugier. Noch ist nämlich nur die Ankündigung zu sehen.

Nachtrag:
Mir fällt auf, die neue Freitag-Seite sieht der Guardian-Seite ganz schön ähnlich. Komisch, oder?

NICO, KAMINER UND SLUMDOG MILLIONAIRE


Nico ist derzeit pesoptimistisch – jedenfalls Krieg und Frieden betreffend. Also zynisch oder so.


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Das ist drei Mal ein bisschen Kaminer.

Yey, Kaminer bloggt! Wladimir Kaminer gehört zu den unterhaltsamsten lebenden Schriftstellern, die ich kenne. Seine Sätze sind schön, seine Geschichten auch. Ich habe ihn einmal interviewt – in einer Gruppe von acht (?) Personen und es war furchtbar ätzend. Ich war damals sehr unerfahren und ließ die anderen machen. So fragte einer furchtbar viele Fragen über den damals aktuellen Fall der ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja, ein anderer Uninteressantes über Russlands Energiepolitik, Blabla und so weiter und langweilig fort. Kaminer wirkte zunehmend genervt. Also versuchte ich ein paar triviale Fragen einzuschieben, doch die Vielfrager wollten auf dieser Schiene nicht fahren. Nach dem Interview verkündete Kaminer: Das Interview war langweilig und schlecht. Er hätte viel lieber darüber geredet, was er heute so gemacht hat, und vom Kaninchen seiner Tochter erzählt. Schade, das ich hätte auch gerne erfahren.


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Die Szene mit dem Plumpsklo ist so wunderbar naiv wie lustig. Zu sehen: Der kleine Jamal beim Geschäft. Copyright: imbd


Nochmal yey! Slumdog Millionaire hat abgeräumt. Einer meiner aktuellen Lieblingsfilme “Slumdog Millionaire”, die Verfilmung von Vikas Swarups “Q&A“, hat vier Golden Globes gewonnen: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch und Beste Filmmusik. Absolut verdient! Als ich den Film sah, hieß es noch, er würde nie in die deutschen Kinos kommen, doch nun der Durchbruch. Am 19. März läuft Slumdog Millionaire endlich auch in Deutschland.

City of God but with more heart, soul and magnetic pull”

so kommentierte ein Rezensent diesen Film. Ein Film im Herzen von Indien, zwischen den Slums und der boomenden Stadt. Mehr Infos hier.


SIEBEN LEBEN MIT WILL SMITH II

Meine überschwängliche Reaktion auf Sieben Leben war – na ja – überschwänglich. Damit ihr, solltet ihr den Film kucken, nicht maßlos enttäuscht werdet, hier noch eine Filmkritik, die sehr viel kritischer ist. Und vielen Kritikpunkten kann ich nur zustimmen. Die waren mir, der Ach-ich-rezensier-mal-Rezensentin, gar nicht so bewusst. Aber Achtung: Die verlinkte Rezension enthält Spoiler.

Manchmal verderben einem verreißende Filmkritiken die Lust auf einen Film. Nein, sie tun es immer. Denn während man den Film kuckt, hat man Hemmungen ihn gut zu finden und sucht ständig nach Bestätigungen für die Kritik des Kritikers. Und anschließend geht man raus und findet den Film genauso wie es der Kritiker schrieb. Das ist schade. So kann man keine Filme genießen.

Meine Rezension? Hier.

NEON UND MADAGASKAR


Ein bisschen Nostalgie: So sah die erste Neon aus.
Heute schaut sie zum Glück schöner drein.
Juni 2003
© neon.de


Gestern war ich auf einem Medienworkshop von AIESEC. Nach dem ersten Vortrag, wollte ich nur noch schnell raus: Alles deutete daraufhin, dass sich dieser Tag ausschließlich um Marketingstrategien und BWL-Krams kreisen würde. Nicht wirklich mein Lieblingsthema. Doch dann kam die Dame, die meinen Workshop leiten würde: Antje Schlünder, Verlagsleiterin von NEON. Sie hatte weder eine PPP, noch trug sie Anzug oder Bürokleidung und ward mir damit just sympathisch. So blieb ich sitzen.

In meinem Workshop (No 3) durften wir Widgets für das Magazin NEON entwickeln. Es hat sogar Spaß gemacht. Sahnehäubchen wäre noch, wenn man unseren Vorschlag übernehmen würde.
Übrigens: Die Verlagsleiterin hat ein Widget, der anzeigt, wann und wo was über NEON geschrieben wird, ergo: Vielleicht wird sie diesen Post hier lesen. In diesem Fall möchte ich ein wenig zur NEON senfen:

Es gibt einen Grund, warum ich die NEON nicht im Abo habe. NEON bemüht sich sehr darum, der Zielgruppe gerecht zu werden und Themen passend zu gestalten. Genau da liegt das Problem. Ich will nicht alles mundgerecht und vorgekaut präsentiert bekommen. NEON sollte öfters mal Ecken und Kanten haben, den Leser herausfordern, wagen und damit Charakter zeigen. Ich fühle mich unwohl, wenn uns alles gerecht gemacht werden soll. Ich will weniger von “Service” hören und mehr begeistert von Themen lesen, von denen ich nie gedacht hätten, dass sie mich interessieren würden. Und niemals sollte man sagen: „… für die Zielgruppe.“ Da hat man das lustig unwohle Bild von erwachsenen Menschen im Kopf, die sich den Kopf zermartern darüber, was uns gefallen könnte, und krampfhaft Zielgruppen-like denken. Vielleicht stimmt das ja auch, aber das solltet ihr uns lieber nicht stecken.

So. Ich hoffe, ich habe mir die Praktikumsstelle nicht vor der Bewerbung schon verbockt.

Nächstes Thema:
Mein Papa ist heute nach Madagaskar geflogen. Ohne mich. Zwar für einen guten Zweck, trotzdem kann ich meine unendliche Trauer über meinen Verbleib hier in Hamburg nicht unterdrücken. Das nächste Mal nimmt er mich mit. Bestimmt.

uPS: So persönlich habe ich noch nie gebloggt, aber wenn ich schon dabei bin: Ich war heute beim Zahnarzt.

MITTELMÄßIG

Was ich außerdem loswerden wollte: Das vorletzte Süddeutsche Zeitung Magazin ist hervorragend. Heft 45/2008 “100 unter 100″. Wunderbare Themen wie: Was denken seine Nächsten über den neuen SPD-Kanzlerkandidaten Steinmeier? (schöne Idee), das Geheimnis von Scheidegg (Der Bankangestellte Fridolin Pfanner verschwindet urplötzlich und spurlos. Was mit ihm geschah), der schlechteste Talentscout auf Erden und Donna Leon über Internationalen Tourismus bzw. Terrorismus (der tollste Versprecher ever).
So, da fragt sich der aufmerksame Leser: Wenn das Heft so toll ist, warum nennt Kübra diesen Post dann “mittelmäßig”?
Mittelmäßig ist exakt das Gefühl, das man hat, wenn man dieses Interview mit einem Genie liest.

Und dann gibt es noch etwas, was ich nicht im Netz finde, was man sich also hätte letzte Woche kaufen müssen. Einfach genial. Einfach traurig.

“Der tödliche Witz” ist Titel. Untertitel: “In den letzten acht Jahren haben wir uns daran gewöhnt, George W. Bush einfach als tapsigen Clown zu belächeln. Dabei sollten wir nicht vergessen: Wenn er im Januar sein Amt abgibt, wird der Clown mindestens 100.000 Menschen auf dem Gewissen haben – die Toten der Kriege, die er während seiner Amtstzeit angezettelt hat.” Und dann steht da noch “Eine Übersicht”.
Man schaut auf die rechte Seite und sieht lauter kleine Männchen. Jedes Männchen steht für einen Toten. Auf der ersten Seite sind 7000 Männchen für getötete Zivilisten in Afghanistan, 1000 Männchen für gefallene Soldaten in Afghanistan und der Rest, fast 3/4 der Seite, ist voll mit Männchen für zivile Opfer im Irak. Die Zahl: 88.400. Erschreckenderweise sagt mir die Zahl nichts, und auch die Seite voller Männchen löst noch keine nennenswerten Gefühle aus. Zu abgehärtet.
Dann blätter ich weiter: Noch mehr Männchen – 1 1/2 Seiten voll. Ein eiskalter Schauer läuft mir über den Rücken.
Die nächste Seite: Wieder voll.
Die nächste Seite: Wieder voll. Ich kann es nicht glauben. Wieviel sind 88.400? Ich schaue mir die Seite genauer an. Jedes Männchen ist eine Geschichte, ein Schicksal, ein Vater, ein Kind, eine Mutter, eine Freundin, ein Nachbar, ein Mensch.
Ein letztes Mal blättere ich: Noch mehr tote Zivilisten. Den letzten Drittel der Seite bilden gefallene Soldaten im Irak.

Nachtrag: Klickt hier. Schockierend.

EMEL, DUSSELDORF, NYT UND FREMDGEHEN

Jetzt, wo der Hausarbeitenstress beendet ist, Dinge, die in meinem Kopf herumschwirrten:

EMEL 50th ISSUE
Das muslimische Lifestyle Magazin aus London hat nun ihre Golden-Edition herausgebracht, weil 50. Ausgabe. Und ich war dabei! Aber: Meine Lieblingskolumnistin hört auf. Weil: Thema der Kolumne war das aufregend chaotische Singledasein in orientalischer Kultur (also Heiratskandidaten, die plötzlich neben Mama und Papa auf der Wohnzimmercoach sitzen; arrangierte Dates von Mama und ihren Freundinnen; arrangierte Dates von den eigenen Freundinnen; muslimisches Speed-Dating (Ja, das gibt es!!)) Und da sie nun endlich Mr. Perfect gefunden hat, findet mit dem Singelsein auch die Kolumne ihr Ende.
In der Reportage “Celebrating Best of Britian” werden random Muslime im Arbeitsalltag vorgestellt – vom British Airways-Piloten über die Polizistin bis hin zur Kopftuchtragenden Lehrerin.

Wo wir beim nächsten Thema wären: (Achtung Ironie)

In Düsseldorf sind Baskenmützen verboten. Jedenfalls dann, wenn man muslimische Lehrerin ist und die Baskenmütze als Surrogat für das Kopftuch verwendet. Deutschland ist nämlich ein Land, in dem Staat und Kirche strikt getrennt werden. Und weil wir konsequent sind, bleiben die Nonne und das Kreuz im Klassenzimmer, das Kopftuch und das ultimative Symbol der Unterdrückung, die Baskenmütze, müssen draußen bleiben.
Nachtrag: Hier schrieb man auch schon zu diesem Thema.

Ich hatte Collin Powell schon mal zitiert. Er sagte: “Is there something wrong with some seven-year-old Muslim-Amercian kid believing that he or she could be president?”
Und ich frage: Is there something wrong with some seven-year-old Muslim-German girl believing that she could be a teacher? Obviously yes in Dusseldorf.

Apropos Muslim-Americans:
Die New York Times schrieb diesen sehr interessanten Artikel und drückte damit aus, was ich fühlte, aber nicht aussprach.

Und sonst:
Ich habe überlegt umzuziehen. Nach WordPress. Weil ich auch so eine Tagwolke haben will. Nach ein bisschen Herumschnüffeln, ging ich fremd. Doch ich bereue, denn mein aktuelles Layout ist doch ganz schniecke. Nur mein Adresse finde ich zu lang. Was kann ich tun? Wer kann mir helfen?


SAMSTAGMORGEN 9UHR

Heute bei der Samstagmorgen-Lektüre des Cicero habe ich mich so richtig willkommen gefühlt.

Ganz entspannt las ich die Novemberausgabe des Cicero zu Ende und entdeckte auf der vorletzten Seite eine Anzeige. Nicht irgendeine sondern diese hier. Ausgerechnet im Cicero – “Magazin für politische Kultur” – von der ich mehr Seriösität auch in der Anzeigenakquise erwartet hätte.
Einfach nur peinlich und furchtbar enttäuschend. Toll.

Nachtrag: Und ich konnte es mal wieder nicht lassen, gleich herumzurecherchieren und weiterzulesen. Auf fürchterlichen Webseiten bin ich gelandet. Alle Einwanderer sind Muslime, alle Muslime sind Einwanderer – das ist nur das Grundgerüst ihres schrecklichen Schubladendenkens.

Nach-Nachtrag: Ich werde mein Cicero-Abo kündigen…

Nach-Nach-Nachtrag: Hiermit geschehen.

APOCALYPSE NOW


Oh, ein wunderbarer Text auf Seite 50 des aktuellen (dreiundvierzigsten) Süddeutsche Zeitung Magazins.
Axel Hackes Kolumne auf der vor-vor-letzten Seite des SZ-Magazins lese ich so furchtbar gerne, dass ich all die anderen tollen Texte auf den 49 Seiten davor nur flüchtig lese um ganz schnell auf Seite 50, zur Kolumne, zu gelangen. Dieses Mal fiel es mir besonders leicht, denn das Titelthema “Das ÄBC der Berge – 26 Gründe, den nächsten Urlaub ein paar Höhenmeter weiter oben zu verbringen – von Ätna bis Zugspitze” ist so gähnend langweilig – ich kann mich an kein anderes so uninteressantes Thema im SZ-Magazin erinnern, nicht einmal im Sommerloch – und so habe ich 34 Seiten in 10 Sekunden verschluckt/überflogen/erfolgreich ignoriert. Ja und dann war ich erst einmal enttäuscht als ich bemerkte: Wie sonst überall auch in der Zeitungs-/Magazinwelt ist wieder einmal das Thema die blöde Finanzkrise. Soll nicht heißen, man solle nicht davon berichten. Nur bitte nicht in meinen Lieblingskolumnen und Magazinen – dachte ich. Doch Herr Hacke schrieb und ich konnte nicht anders und musste mich kugeln vor Lachen.

Also bitte unbedingt lachen und die schönste Kolumne zu dem Thema Finanzkrise kesen. Apocalypse now. Hier.

Bildcredit: sz-magazin.sueddeutsche.de
Zu sehen ist Axel Hacke, der jeden Freitag auf der vor-vorletzten Seite des SZ-Magazins die Leserschaft mit Anekdötchen aus seinem Leben beglückt.

Nachtrag: Doch eigentlich ist es besser, man weiß nicht, wie ein Kolumnist in Wirklichkeit aussieht. Also zack, vergesst das Bild.

EXEMPLARISCH, VORREITEND, SCHÖN

Ach würd’ er noch leben, wir könnten viel lernen.

Am 06. August, vor fast einer Woche, wäre Andy Warhol achtzig geworden.
Zu diesem Anlass schrieb das spex-Magazin über Warhols wunderbare Interviews im Interview-Magazine. Bitte ganz fette Scheibe abschneiden. Einfach zu schön.

Exemplarisch:

Park Avenue, New York. Andy Warhol interviewt den damals achtzehnjährigen Michael Jackson für sein Interview Magazine. Der Kaviar wird serviert. Michael Jackson: »Ist das Kaviar?!« – Andy Warhol: »Ja, hättest du gerne welchen?« – Michael Jackson: »Ich brenne nicht gerade darauf …!« – Andy Warhol: »Warum probierst du nicht? Na, komm schon!« – Michael Jackson: »Hm, vielleicht ein bisschen …?« – Andy Warhol: »Es ist richtig gut. Du musst probieren!« – Susan Blond (Michael Jacksons Publizistin): »Das ist viel zu viel! Wenn ich Kaviar esse, nehme ich immer nur ein ganz kleines Bisschen. Gebt ihm ganz wenig, einfach damit er den Geschmack im Mund hat.«

Bitte lesen. Hier.
Foto: http://skullcull.wordpress.com/2008/05/05/take-art-andy-warhol/

WARUM TÖTEST DU, BUSH?

… müsste man den derzeitigen US-Präsidenten fragen und bekäme ausweichend zur Antwort, er weine jede Nacht.

 

 

“I’ve got God’s shoulder to cry on. And I cry a lot. I do a lot of crying in this job. I’ll bet I’ve shed more tears than you can count, as president.” –George W. Bush, as quoted by author Robert Draper in Dead Certain

Tagein, tagaus weinen tausende unschuldiger Menschen im Irak. Unschuldig – wohlgemerkt. Da liegt ein zentraler Unterschied zwischen Bushs Tränendüsenproduktion und dem menschlichsten und deutlichsten Schmerzensausdruck der Irakerinnen und Iraker. Unverschämt, was Bush damals von sich gab. Unverschämt ist es aber auch, den Krieg auf Bush zu reduzieren und ihn als “seinen” Fehler darzustellen. Dass Bush nur eine Marionette ist, dürfte jedem bekannt sein. Also wollen wir nicht weiter auf Bush herumtrampeln oder auf seinen “ass kicken”.

(All jene, die sich der Bush-Trampel-Aktionen trotzdem erfreuen, beklatscht den britischen Künstler Mark McGowan, der so durch New York lief.)



Nicht Bush sollte nunmehr im Mittelpunkt der Irak-Debatte stehen, sondern die Iraker:

Bitter, schnörkellos und direkt. Traurig, aber wahr. Der nackte Krieg. Der wahre Krieg. Unzensiert. Anders.
Das ist das Buch “Warum tötest du, Zaid?” von Jürgen Todenhöfer
(hier).


Der irakische Widerstand bekommt ein Gesicht. Wir lernen zu unterscheiden zwischen Widerstand und Terrorismus. Den Krieg haben wir bislang nur aus amerikanischer Perspektive wahrgenommen. Todenhöfer reist in den Irak, lebt bei einer irakischen Familie und interviewt Widerstandskämpfer. Er kommt zurück und erzählt (hier). Wir lernen Zaid kennen.

“Zaid ist der älteste von drei Brüdern. Haroun ist ein Jahr jünger als er, Karim zwei Jahre. Im Juli 2006 verbringt Haroun einige Nächte bei seinem Onkel im Zentrum von Ramadi. Haroun, der damals neunzehn Jahre alt ist, studiert Ingenieurwissenschaften. Er hat Semesterferien und genießt diese, so gut das in diesen Kriegszeiten eben geht.

 

Mit dem Widerstand hat er wie seine beiden Brüder wenig zu tun. Er hilft, wie alle Jugendlichen von Ramadi, den Widerstandskämpfern, wenn sie einen Unterschlupf suchen oder eine Information brauchen. Von sich aus aktiv wird er nicht.

Am 14. Juli 2006 macht sich Haroun früh morgens im Haus seines Onkels auf, um zu seiner Familie nach Al-Sufia zurückzukehren, bevor es zu heiß wird. Es ist kurz nach sieben Uhr, als er in die kleine Straße einbiegt, in der seine Familie wohnt.

Er kickt einen kleinen alten Ball vor sich her, den er irgendwo gefunden hat.

In der rechten Hand trägt er eine weiße Buschrose, die er im Morgengrauen für seine Mutter gepflückt hat. Einem Nachbarjungen, Jarir, der ihm auf der gegenüberliegenden Straßenseite entgegenkommt, ruft er ein freundliches Salam – Friede – zu.

Genau in diesem Augenblick – Haroun hat gerade das Wort Salam ausgesprochen – peitscht ein Schuss durch die Straße. Haroun fasst sich ungläubig an den Hinterkopf, geht wie in Zeitlupe in die Knie und fällt vornüber mit dem Gesicht in den Staub.

 

Leblos bleibt er im Dreck der Straße liegen. In seiner rechten Hand hält er die kleine weiße Rose, die er seiner Mutter schenken wollte.”

(Ausschnitt aus dem Kapitel “Zaids Brüder”)

 

Unbedingt lesens- und empfehlenswert. An jeden und vor allen denen, die bisher nur die eine Seite des Krieges kannten.