WIE INKLUSIV IST DIE NETZFEMINISTISCHE SZENE?

Abschrift des Vortrags bei der FES Veranstaltung “Wessen Internet? Geschlechterverhältnisse und Gender-Debatten im Netz” im April 2015

Die feministische Netzszene lebt in der Illusion inklusiv zu sein – denn tatsächlich bietet uns das Internet bis dahin ungekannte Möglichkeiten der Teilhabe und Partizipation. Minderheiten müssen nicht mehr darauf warten, dass ihnen jemand aus der dominanten Netzöffentlichkeit ein Mikrofon hinhält, um zu sprechen – sie können sprechen, indem sie es einfach tun.

Die Inklusivität in der feministischen Netzszene macht sich deshalb an ganz anderen Punkten fest, als wie außerhalb des Netzes: Kleidung, Äußerlichkeiten spielen kaum eine Rolle, ebenso geographische Lokalisation sind weniger ein Ausschlusskriterium und auch das geheime Undergroundwissen darum, wo in welchen versteckten Szenelokalen und Orten die wichtigen Debatten stattfinden – sie finden im Netz nämlich relativ öffentlich statt. Das Netz bietet Neufeministinnen und Interessierten die Möglichkeit, Debatten zu verfolgen und langsam, mit der Zeit, die unausgesprochenen Regeln der Netzcommunity zu verstehen und ein Gefühl für den Habitus zu bekommen. Wer ist wichtig? Welche Themen dominieren? Was sollte man wissen? Wie wird gesprochen? Was kommt gut an, was nicht?

Rein theoretisch also gute Grundvoraussetzungen für die Stimmenfindung und Diskurspartizipation von Minderheitenperspektiven. In der Praxis hakt es – zum einen deshalb, weil die netzfeministische Szene einen selbstbewussten Umgang mit dem Netz voraussetzt – für uns im Internet sozialisierte „Digital Natives“ kein Problem, durchaus aber eines für solche, die nicht schon in jungen Jahren mit Bloggen, Netzkultur, Technik und Co vertraut waren und sind. Der sogenannte Digital Divide.

Zum anderem ist es das fehlende Bewusstsein für die Privilegien, die wir innehaben: Unser Wissen, unsere Bildung, unsere Sprache, unsere Hautfarbe, ethnische Zugehörigkeit, unsere sexuelle Orientierung, unsere Bildungshintergrund, unsere soziale Schicht, unsere Religion, unsere Körper – alles Faktoren, die uns Privilegien bescheren bzw. benachteiligen können.

Dass zu einigen der Punkte niemand etwas sagt, sich darüber beschwert, heißt nicht, dass es keine sich Beschwerenden, Benachteiligten gibt, sondern lediglich, dass wir nicht im Stande sind, sie zu hören.

Während wir in der netzfeministischen Szene für die allermeisten hier aufgelisteten Punkte Bereitschaft zeigen, reflektiert darauf zu reagieren, scheitern wir häufig an einem unserer womöglich wichtigsten politischen Machtinstrumente: Unsere Call-Out-Kultur. Dazu gehören Shitstorms, Empörung und Proteste, Instrumente also, die wir gegen das Etablissement verwenden, um Machtstrukturen aufzubrechen und die Gesellschaft zu bewegen. Wir können auf Missstände hinweisen, auch wenn man unsere Kritik lieber nicht hören möchte. Wir müssen uns nicht mehr im Stillen ärgern; wir können das öffentlich tun und Druck ausüben – erfolgreich. Positionen, für die wir vor drei Jahren noch belächelt worden sind, sind heute mehrheitsfähig. Das haben wir vor allem den unermüdlichen Aktivist_innen unter uns zu verdanken, die genau von diesen Instrumenten Gebrauch machten, trotz persönlicher Einbußungen und Abstriche. So sind wir es gewohnt, vieles – zurecht – in Argwohn, Skepsis und kritisch zu betrachten. So sehr, dass wir es aber nicht mehr schaffen, unsere Kampfausrüstung abzulegen, wenn wir untereinander sind. Und falls wir es doch tun, haben wir sie schwupdiwupp wieder an, weil wir fürchten, unsere (vormals) Verbündeten könnten unsere Ideale verraten.

Handeln bedeutet immer auch einen Kompromiss mit der Realität einzugehen.

Die Ideale, die wir als Aktivist_innen vertreten, sind nämlich genau das: Ideale. Eine Zukunft, nach der wir streben. Nicht aber eine gesamtgesellschaftliche Realität, in der wir uns bewegen, und womöglich eine, die wir nie erleben werden. Deshalb ist es das Streben, der Weg, die den Aktivismus ausmachen. Das unermüdliche Streben. Streben wiederum bedeutet Handeln, Bewegen und Anstoßen. Unsere Gedanken, unsere Kritik, fassen wir in Worte, starten Kampagnen und organisieren Aktionen. Und jedes Mal, wenn wir in der dominanten Öffentlichkeit handeln, jedes mal, wenn wir dort einen Text veröffentlichen, sind wir genötigt – vorerst – Teile unserer Ideale aufzugeben, um die Brücke zwischen der Realität und der gewünschten Zukunft zu schlagen. Zu weit liegen beide noch auseinander.

Doch genau dafür kritisieren wir einander. Wir schauen nicht darauf, wohin wir uns bewegen, sondern darauf, wo wir sind. Unverzeihlich sind wir dabei. Intolerant gegenüber den Menschen, die uns am nächsten sind. Wir kritisieren einander beizeiten so gehässig als wären wir Feinde, als sei das Kritisieren an sich eine Tugend. Wir baden uns im Wissensfetisch, Kampfeslust und einer arroganten Erhabenheit gegenüber jenen, die noch nicht das Wissen erlangt haben, mit dem wir uns heute stolz schmücken. Die Einsichten, die wir heute haben, setzen wir bei anderen als Mindestwissen voraus. Das macht uns ängstlich und stumm. Nicht nur Anfänger_innen, sondern auch alte Hasen.

Und jetzt wollte ich übergehen zu dem Punkt, dass wir mehr Raum für Schwäche zeigen müssen, um inklusiver zu werden. Doch die ganze Zeit über steht ein riesengroßer rosa Elefant im Raum. So groß, dass ich diesen ganzen Vortrag umschmeißen und über etwas ganz anderes reden wollte.

Wenn ich Inklusion fordere, was fordere ich speziell für die muslimische Frau? Ich merkte: Mir genügt das Bemühen der feministischen Netzcommunity. Das Bemühen genügt mir. Wenn man mich fragt, ob der Netzfeminismus inklusiv ist, würde ich sagen: Ja. Er ist der inklusivste mehrheitlich weiße Raum, den ich kenne. Ich könnte kritisieren, dass ich auf vielen Panels die einzige Muslima bin, (und häufig auch die einzige PoC) und dass ich in unseren Diskursen die Berücksichtung der muslimischen Perspektive vermisse usw usf. Aber nein, es fällt mir schwer, diesen Raum zu kritisieren. Ohne den Netzfeminismus hätte ich zum Beispiel nie meinen Raum im Feminismus gefunden. Warum bin ich so genügsam? Hätte ich nicht die Verantwortung – gerade weil ich in vielen Punkten privilegiert bin – mehr einzufordern?

Mich wurmt das.

Einer der Gründe hierfür ist: Weil die muslimische Frau in Deutschland ganz existentielle Kämpfe führt. Es geht nicht um Anerkennung in der netzfeministischen Community, sondern um die simple Akzeptanz der Existenz als denkender, eigenständig handelnder, selbstständiger Mensch mit einem eigenen Willen. Nicht mehr nur die infantil, schwachen Frauen ohne Denkvermögen, die leeren Kopfes das tun, was ihnen ihre Männer befehlen.

Im Gegensatz zu Queer-Feministinnen oder Schwarzen/PoC Feministinnen haben wir eine ganz andere Ausgangssituation im Feminismus. Während der Feminismus sie immer mit meinte – sie aber nicht berücksichtigte, ihre Stimmen unterdrückte, aber das ist eine ganz andere und lange Geschichte – war die muslimische, religiös praktizierende, kopftuchtragende Muslima nie mitgemeint. Sie war im Gegensatz zu den anderen Formen die Versinnbildlichung des Antifeminismus.

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Taz Podiumsdiskussion zum Lehrerinnenkopftuch in Bremen – Niko Wolff, Fotoetage

Als ich kürzlich in Bremen zur Aufhebung des pauschalen Kopftuchurteils für Lehrerinnen auf einem Panel saß, wurde ich später im Flur von einer Gruppe Altfeministinnen aufgehalten, die auf mein Kopftuch zeigend sagten: „Dafür! Haben wir nicht gekämpft!“

Das ist der Punkt, an dem wir stehen.
Wir werden als das Gegenteil von dem gelesen, was der Feminismus abzielt.
Frauen, unterwürfig, unterdrückt, ohne eigenen Willen.

Das heißt, in einem Raum zu sein, in dem eine muslimische Frau als denkender Mensch wahr und ernst genommen wird, wird noch als Erfolg verbucht, nicht als Selbstverständlichkeit.

Denn es geht für die muslimische, kopftuchtragende Frau in Deutschland noch um einfachste, existentielle Dinge: Arbeiten dürfen, im Leben stehen dürfen, sichtbar sein dürfen. Nicht an den Rand gedrängt werden.

Deshalb tue ich mich so schwer, die klassischen Inklusionsthemen einzufordern: Mehr Sichtbarkeit in den Debatten und andere Dinge, die muslimische Feministinnen daran hindern, sich vermehrt in der netzfeministischen Community willkommen zu fühlen.

Wenn ich Inklusion fordere, was fordere ich speziell für die muslimische Frau?

Wenn die stärksten Stimmen gegen das Lehrerinnenkopftuch Altfeministinnen ala Schwarzer sind und die stärksten, aber insgesamt schwachen Stimmen dafür, diejnigen Frauen sind, die davon betroffen sind, dann läuft etwas falsch. Wir alle wissen, was Intersektionalität bedeutet, wir alle wissen, dass die nachhaltige Minderung von einer Form der Diskriminierung nicht ohne die Bekämpfung von anderen Formen erfolgen kann. Dass Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus etc. alle stark miteinander verflochten sind.

Deshalb wünsche ich mir, dass die netzfeministische Szene diesen Frauen den Rücken stärkt, in Räumen, in denen sie keinen Zugang hat, ihre Anliegen weiterträgt – nicht an ihrer Stelle oder in ihrem Namen spricht, sondern ihrer Stimme Gehör verschafft.

Es kann nicht sein, dass wir 2015 in einem Land leben, wo wir noch immer darüber diskutieren, ob wir einer Frau aufgrund eines Kleidungsstücks, das sie trägt, und unserem damit assoziierten Bild und unseren Vorurteilen, ein Berufsverbot verhängen, sie aus der Mitte unserer Gesellschaft ausgrenzen, sie unsichtbar machen. Und dass diese ad absurdum geführte Diskussion an sich nicht für furchtbar großen Aufschrei sorgt.

Ist der Netzfeminismus inklusiv? Sie hat noch einen langen Weg vor sich, aber ich bin zuversichtlich.

RAUM FÜR SCHWÄCHE | MISSY MAGAZINE 01/15

Netzfeminismus

Im aktuellen Missy Magazine (01/15) geht es um großartige Themen – unter anderem aber auch um eines, das längst überfällig war: Hass im Netz. In meinem Beitrag (Bild zeigt Auszüge daraus) geht es um unseren Umgang innerhalb der netzfeministischen Szene. Wie kritisieren wir & warum? Die Gehässigkeit und Missgunst führt zuweilen zur Lethargie, lässt uns verstummen. Sie sind aber nicht einzigartig und lassen sich in ähnlicher Form auch in zahlreichen anderen Netzcommunities (in welcher nicht?) wiederfinden. Deshalb kann sich hier jede/r Mal an die eigene Nase fassen und sich fragen: Wie gehen wir miteinander um?

STOFF FÜR VERKRAMPFTE | DIE ZEIT 13/2015

Die Zeit Schwarzer Zitat KopieAls Karlsruhe im letzten Monat nach 12 Jahren endlich das pauschale Kopftuchverbot für Lehrerinnen aufhob, war auch ich sehr froh darüber. Gleichzeitig war klar: Nun liegt es an uns, der Zivilgesellschaft, den weiteren Verlauf dieser Debatte und unserer Normen zu prägen – sie zu Freiheit oder Verboten zu führen. Empörte Stimmen wurden lauter – paternalistische Finger, hoch gestreckt und belehrend. Sigh. Eine Antwort, die musste sein.

Nun auch online und hier nachzulesen.

IS ISLAM COMPATIBLE WITH GENDER EQUALITY? – DEBATING AT OXFORD UNION

Oxford Union Debate Winners

A few weeks ago (23rd of May 2014), I was debating at the Oxford Union along with i.a. Myriam Francois Cerrah & Adam Deen opposing the motion “This house believes Islam is incompatible with gender equality.” We won the debate with great results: 166 opposition : 51 proposition!

I was waiting for the audio recording to be released, but that doesn’t seem to happen anytime soon. So, here we go, this is the transcript of my speech:

Ladies & Gentleman,

Here I am, claiming that Islam is compatible with gender equality. And it might seem a little absurd saying that – looking at our world today.

After all, isn’t Islam seen as the religion of sexual oppression? Not only tolerating but fuelling violence towards women? The religion of forced marriages, death stoning, female genital mutilation, polygamy, depriving young girls of their right for education – a women hating ideology? – As the proposition might indicate in the following hour.

I am not arguing today that misogyny in Muslim communities does not exist. Because it does exist. However, many women today here in this room and around the world have not only witnessed these awful practices, but have also fought against them – based, encouraged and empowered by their religion, their faith, Islam.

Today I will start by providing you with three common examples which are misused to argue that Islam is to blame for misogyny:

1 – Forced Marriages
2 – Female Genital Mutilation (FGM)
3 – Women’s Deprivation From Education

Forced Marriages

At least half of the forced marriages that have been reported to UK’s forced marriage unit in 2012 involved communities that are predominantly Muslim. And unfortunately, in many cases, Islam is being misused to justify this awful custom.

However, forced marriage is a cultural practice. And it violates your right as a woman and – surprise surprise! – as a Muslim. The vast majority of theologians, scholars, Sheikhs and Imams condemn this practise and agree: Islam does not allow anyone – male or female – to be married without his or her own consent. According to a Hadith, narratives detailing the life and practise of the Prophet (Peace Be Upon Him), when a girl who was married off against her will, came crying to our Prophet (PBUH) saying she hadn’t agreed to the marriage, he promptly declared the marriage invalid.

Female Genital Mutilation

And scholars, Sheikhs and Imams have also condemned many times female genital mutilation.

Let’s have a look at the case of Khalid Adem, an Ethiopian American, who was convicted for female genital mutilation (FGM) in the United States in 2006. He is charged for personally removing his 2-year-old daughter’s clitoris with a pair of scissors. At court his wife explained his motivation: “He said it was the will of God.” FGM however, does not come from the scripture of Islam, but in fact from an age old tradition in many regions in Africa, based on the assumption that women’s enjoyment of sexual intercourse might turn them “immoral.”

And up until a few decades ago nearly 4 out of 5 women in Ethiopia were victims of FGM. In a country whose population is 63 percent Christian. Can we now blame Christianity for FGM – when Christians in Ethiopia argued it was the will of God? No. This inexcusable custom that is unfortunately practised today in many other regions in Africa predates, Islam, Christianity and even recorded history.

Women’s Deprivation From Education

In April this year the militant Nigerian group “Boko Haram” caused outrage around the world when they kidnapped around 276 female students from their school – again, inexcusable. I will leave their use of violence and terror aside and focus on their justification for stealing these children:

They claim that education for girls goes against Islam. This, however, has no basis whatsoever in Islamic scripture. On the contrary, the Prophet Muhammad (PBUH) wisely emphasised that every Muslim man and woman has a duty to seek education. In fact, the very first command that was revealed was “Iqra!”, “Read!” symbolising the duty of every Muslim: to pursue and seek knowledge. And there is no difference being made between men and women.

As a matter of fact, women of the Prophets community had the right to comment forthrightly on any topic, even the Quran. And both God and the Prophet (PBUH) assumed their right to speak out and readily respond to their comments. They, too, have participated actively in the creation of religious knowledge in the early days of Islam.

Muslim women have been scholars, Muftiyahs and Qari’ahs for centuries. Some of the greatest male scholars, like Hasan alBasri, Ibn Hajar and Ibn Taymiyyah, all had female scholars as teachers and contemporaries – like Rabia al-Adawiyya, one of Islam’s first mystics.*

And I could give you hundreds of other examples, starting from the first person to convert to Islam, Prophet Muhammad’s (PBUH) wife Khadijah. A woman who was married three times and had children from all her marriages. A successful business woman, 15 years older than her husband Prophet Muhammad (PBUH). Imagine the reactions today, a young man marrying his 15 years older boss and single mother.

What I argue

I am not denying that Islam can be (and is) read in patriarchal modes and be misused to justify privileges to men and inhumane practises against women. But I firstly point out that those readings are being challenged by respected religious scholars and are disputable. Secondly I argue that Islam can and is being read in anti-patriarchal modes and hence is indeed compatible with gender equality.

And thirdly I argue that the readings I am referring to are not a tool to belittle and sugar-coat Islam and please a Western audience – it is an appeal to certain Muslim communities to look at the texts, keeping in mind that the readings are not the words of God, but the holy Quran is. The readings, tafsir of the Quran are interpretations of humans, influenced by society, history and politics. Who has dominated the readings of the Quran in the past decades? Men. Men who have lived and were socialised in patriarchal societies. Naturally, their readings have been influenced by those factors, too.

Nevertheless, male and female scholars have been challenging in the past and continue to do so in the present, patriarchal readings of Islam.

Yes, as I have said earlier, misogyny does exist in Muslim communities. And it also does exist in communities of other faith and no faith. These practises are not unique to Islam, they are not rooted in the Islamic scripture.

By eliminating religion, you cannot eliminate misogyny.
By clinging on to a “misogynistic Islam”, you will not bring any change to society.

Conclusion

When I’m talking here to you today, I am not primarily addressing a Western audience explaining the misuse of Islam; I am also talking to a Muslim audience explaining our misuse of Islam. And that it is us and the way we read the Holy Scripture that will bring an end to misogyny.

If the motion today were: Many Muslims are not acting in compatibility with gender equality, yes, I would wholeheartedly agree.

But the motion today is: Islam is not compatible with gender equality. That is, to put it simply, wrong.

By voting for the motion today, you are turning on the volume for those misogynist Muslims who misuse Islam to justify their practices. You are turning on the volume of orientalist and euro-centric Islamophobes who reduce Islam to those who misuse it.

By voting against the motion today, you say that, yes, Islam is compatible with gender equality. And you will turn on the volume for thousands of men and women around the world, who have been and are fighting against misogyny. on. a. daily. basis.

Thank you.

*Great read: Women in history who rock – by woodturtle

YOU. ACCORDING TO SOCIAL MEDIA.

Who are you, digitally?

We present ourselves differently on every social media platform – they highlight another feature of our life and character. Each platform has its own rules and norms we adjust and comply to – to their stars, topics and dynamics. It is fascinating how different kinds of people flourish and become influential on each platform. People with seemingly interesting lives will float Facebook, if words are your strength you’d go for Twitter and Instagram is for the visually talented amongst us who look at life not in words but through images.

We all behave (even if only slightly) differently, depending on where we are. However, the spaces on the internet – unlike the different spaces we act in real life – are not autarkic, they interact and can be viewed simultaneously. Are we coherent in who we present to be on the Internet? Do we take this into consideration when (inter)acting?

Sometimes, when we become aware of this, we censor ourselves. We reduce ourselves to our common denominator to hide those opinions and perspectives of our life that would be conflicting with certain circles of friends, groups or audiences – fearing their judgement, disagreement, disapproval and maybe even arguments. But more often than not, we reveal more than we normally would, falsely imagining to be speaking to a private audience. It is like shouting through a bullhorn on stage at a crowded stadium and misbelieving no one would hear us, except for the five people in the front row who are applauding you.

We know more about each other than we want to. This, however, we only realise when we actually meet. Have you ever met in real life a person you were “friends” with online and had to pretend not to know what that person did last week because you weren’t really “friends”? Not to know that he/she had just split up, lost his/her grandmother, went on a vacation in X and finally found a job? If you have experienced a similar situation, you know the awkward feeling I’m talking about. The moment you meet that person, it feels so wrong to know so much.

I felt very alienated from Facebook for a long time, as the amount of information some people were posting was overwhelming and they gradually occupied more and more space on my timeline and consequently in my life and privacy. People who I wouldn’t meet up with in real life. It was, as if Facebook was forcing people into my life. Those on the other hand who mattered to me ended up being quite and sometimes even invisible. As I was yearning their presence in my life, e-mails and phone conversations grew to be more important.

Twitter serves as my daily newspaper, the platform I use most actively. The fact that you are not – at least in theory – limited to friends and acquaintances in your conversations but could address anyone who is on the platform and engage in a discussion, is unique. It is always fascinating to watch how people come together and leave through conversations – those who would’ve never met otherwise (speaking of social bubbles).

Instagram - to me – is a creative space that challenges me to look at life from a visual angle. I love sharing stories, but I usually change names and places to keep people anonymous. How can I continue telling stories? I’m still figuring that out. How can words become images?  I think I’ve found my personal answer. The 50 thoughts project has turned into a playful way to combine both visuality, thoughts and texts into one piece: Adding another layer of meaning to your words through the way you choose to place them on a sheet of paper. I thoroughly enjoy experimenting with this.

But the 50 thoughts project has also turned into a wonderful opportunity for me to leave my self-constructed boxes about what I am legitimised to speak and write about and what not. I love the freedom it unintentionally gives: I have a space to fill. Every single week. One thought I can share. This project has allowed me to communicate myself differently and made me more conscious about how I let myself be defined in the digital space.

As I observe my presences and actions on different platforms, as I observe the actions of others, I discover a world in which we tell different stories of who we consider we are, slowly uncovering ourselves, standing in front of each other – naked and vulnerable. Almost as if we were waiting for a little child to wake us up and scream ”But they aren’t wearing anything at all!”

But we will not stop any time soon, I guess.

MUSLIMISCHE KÜNSTLERINNEN IN DEUTSCHLAND | ZEIT CAMPUS #3

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In der aktuellen Zeit Campus (#3 | 2014 – seit heute im Handel) findet ihr eine Reihe muslimischer Künstlerinnen in Deutschland. Wunderbare Damen wie Neslihan Kapucu, Tasnim Baghdadi, Seren Başoğul, Soufeina Hamed und Ayşe Kılıç - sie alle sind Zeichen eines Wandels in Deutschland, symbolisch stehen sie für Umbrüche und neue Herausforderungen und prägen einen neuen Zeitgeist. Sie sind durch ihr Kopftuch als Muslima sichtbar, gleichzeitig drängen sie aber mit ihrer Identität als Künstlerin in die Öffentlichkeit. Mancherorts scheint das zu irritieren – aber nicht mehr lange. Wer, wie und auch warum ich mit dem Text haderte findet ihr im Heft.

#MIPSTERZ & THE STATE WE’RE IN

mipsterz screenshot

Habib Yazdi / Somewhere in America

I was holding my tongue. Trying to ignore the #Mipsterz (≈ Muslim Hipsters) debate, hoping it would be over soon. Frankly, how long and intensely could the Muslim community (mainly in the US & some Western European countries) possibly discuss a two minute video about some Muslim fashionistas in the US driving skateboards, motorbikes, jumping and posing on trees? But it continued and continued and got worse…

Yes, the (original) music was inappropriate. Yes, you might have a different take on how a Muslim veiled woman should dress. Yes, there was a (apparently controversial) man behind the camera but it wasn’t entirely produced by men. Yes, I, too, am very concerned about our societies’ materialistic approach to fashion, wealth and life in general. So, yes, some things have been rightly criticised.

But nothing felt more disturbing than some of the arrogant, judgemental and hateful comments I’ve read in the last couple of days. Hence, I do not want to discuss the video, but our reaction to it. I want to discuss our behaviour. The way we treat each other. Because I believe, this debate says less about the producers of the video and the protagonists, but more about the Muslim community in the West and the state we are in.

Why can’t we (happily, but that’s probably too much to ask for) accept that there are US American Muslim fashionistas celebrating their lifestyle in a video – like every other fashion scene – with its flaws and mistakes?

I believe it is, amongst another reasons, due to two problems.

One: Controlling Our Public Image

For a long time others were telling us Muslims in the West what we are, how we are and who we were going to be. Western media talked a lot about but rarely with Muslims. Having Muslims speak on mainstream TV channels or write in national newspapers was a novelty, a rare opportunity for “our image” to be corrected. Keeping that in mind, I understand the urge to control how “we Muslims” are being portrayed in media. But we need to stop being exaggeratedly self aware. We need to stop doing to our people what others have been doing to us for too long: Forcing every public (and private) Muslim to be the representative of an entire religion, mistake them for an advocate of Islam, expect them to speak for “us” and wrongly be mad at them for not having sought our approval before speaking on “our behalf”. With this we not only take away their individuality, but neglect our very own nature:
We Muslims are not uniform, we are not homogenous, we are diverse. This is our asset. This is what makes us unique. And the only way we can demonstrate this, is to stop being control freaks. Eventually, having multiple voices and faces of the Muslim community in the public will correct “our image”.

Two: The Choice Not To Be Political

But beyond that, and more importantly, I feel an underlying problem is our inability to accept that a public Muslim might choose not to talk about “hard facts”, politics, Islamophobia, discrimination and racism in our societies but “give in” to popular mainstream culture, even if for a two minutes video. It is somehow regarded as a “betrayal” if a public Muslim is not acting first and foremost as a Muslim but seems to be carelessly enjoying the amenities of comfortably living in the West, glorying in it’s wealth, celebrating fashion and life in general – “while our brothers and sisters in (insert a country & problem) “…

To be honest, I understand this reaction. Again, being a religious minority, subjected to racism (often hidden as “rational” and “intellectual” criticism of Islam) has not given most of us the choice not to care. We had to. Especially as visible Muslim women wearing the Islamic headscarf we were constantly reminded of being the “Other”. Our loyalty, belonging, intellectual ability and independent thought were constantly questioned. So of course, there were times I felt betrayed when other Muslims did not carry the burden I chose (and was very often forced) to carry. But there were also times in which I was told, I had a responsibility to talk about problem x and y, because I had access to mainstream media and hence a responsibility to address x and y.

It was my (more or less conscious) decision to tackle Islamophobia and racism in our society, to publicly pursue my cause in becoming a writer, journalist, storyteller and activist. It’s tiresome, at times it took away all my energy and positivity, it was and still is a heavy burden. But why did I choose this path, sacrificing the luxury of not caring when I could?

When I started my activism in my teenage years, it was because I aspired to live in a society in which we Muslims did not have to fight stereotypes and prejudices anymore, in which we could choose not to fight daily battles about who we are – but just be. Back in those teenage years I had dreamed of going into arts and design. At 15 I sent my fashion design sketches to competitions, at 16 I worked with an haute couture designer and a milliner, where I designed my very own hat for veiled women. Art and design have had always been a deep passion of mine I haven’t followed publicly – yet. Because I felt it wasn’t the right time. Some problems needed to be addressed first. The public image of Muslims needed to be corrected. It was my very own decision to battle, but why would I want others – or everyone! –  sacrifice the same? Hadn’t I first started off pursuing my dream of a society in which I didn’t have to do what I did: Defending, fighting and battling? Why would I want every other Muslim to carry this burden? Don’t I do it, so that our future generations hopefully don’t have to? Haven’t you had the same aspirations? I believe some of the rants are routed in this inability to let others enjoy what you are fighting for. And I find this very bitter.

Despite all, I am happy to see our sisters in fashion, arts & design. It makes me proud, it makes me smile. These women (and men) are important to the Muslim community, not more or less than our advocates, fighters and battlers, because they give back some of the positivity, hope and ease we sometimes lack.

And as my husband likes to quote C S Lewis: Poetry and art might have no survival value. But they give value to survival.

DIE DEUTSCH-MUSLIMISCHE BLOGOSPHÄRE

Blogkarneval

Unser Logo für den Deutsch-Muslimischen Blogkarneval. Der liegt derzeit zwar noch brach, aber wer weiß, was an diesem Wochenende so passiert?

Es ist mittlerweile Ewigkeiten her, dass wir den letzten deutsch-muslimischen Blog-Karneval (Muslimkarneval.de) veranstalteten, der damals von TooMuchCookies initiiert, gegründet und lange Zeit betrieben wurde. Mit einer losen Gruppe Blogger (und dem Zahnräder Netzwerk) haben wir das Projekt zwar auf’m Schirm, nur leider nicht auf der aktuellen To-Do-Liste. Am Freitag wird es nun ein Fachgespräch geben, zu dem zahlreiche deutsch-muslimische Blogger eingeladen sind. Anlass für mich, den Blogger-Topf mal wieder vorsichtig zu öffnen.

Auf der Re:Publica 2011 sprach ich zusammen mit Sebastian Mraczny und Urmila Goel, moderiert von Verena Reygers, auf dem Panel “Guck mal wer da spricht – Wieviel Pluralismus kann die deutsche Blogosphäre?” über den Pluralismus in der deutschen Blogosphäre, insbesondere die muslimische Blogosphäre, die zum Teil als alternative Öffentlichkeit entstand und in vielen Punkten ein Gegengewicht zu den islamophoben Tendenzen in der allgemeinen Öffentlichkeit wurde. Stine Eckert machte dann Nägel mit Köpfen und forschte gleich dazu: “Muslim Bloggers in Germany: An Emerging Counterpublic?” Auf der Re:Publica 2013 stellte sie ihre sehr interessante und spannende Forschungsarbeit (auf Deutsch) vor. Wer die Arbeit nicht lesen kann, dem empfehle ich unbedingt zumindest ihren wirklich sehr sehenswerten und informativen Vortrag anzuschauen.

Seitdem (2011/2012) hat sich die muslimische Blogsphäre gewandelt, sie ist gewachsen. Es sind neue Themen hinzugekommen, unter anderem muslimische Modeblogs. Die Gut-Betucht-Autorin hat bereits eine kleine Liste mit deutsch-muslimsichen Mode-Bloggern erstellt (siehe unten). Allerdings drängt sich hier die Frage der Kanäle auf: Eine der aufgelisteten Modebloggerinnen betreibt statt eines Blogs ein Facebook-Account. Würde man nun Facebook in die Suche einbeziehen, würde man auf sehr viel mehr muslimische Seiten stoßen. Beispielsweise erfreuten sich muslimische Fb-Seiten in der Kategorie Fotografie & Lifestyle in den vergangenen 2 Jahren besonders großer Beliebtheit in Deutschland. Prominentestes Beispiel hierfür ist vermutlich Emine von Butterfly Photography. Als weiterer Kanal kommt Instagram hinzu, auch dort sind spannende muslimische Mode-, Fotografie-, Einrichtungs-, Design- und Lifestyle-Szenen entstanden.

Ein anderer Topf: YouTuber! Younes Al-Amayra, Gründer von I,Slam (muslimische Poetry Slams), sucht nach muslimischen YouTubern. Auch hierfür: Empfehlungen? Tipps? Ich fänd’s sehr spannend, auch hier einen groben Überblick über die Szene zu schaffen!

Zurück zur deutsch-muslimischen Blogosphäre: Einige der Blogs, die ich mir in den vergangenen Jahren notiert habe, findet ihr hier. Welche anderen Blogs gibt es noch? Wen habe ich vergessen (sorry for that!)? Habt ihr selber eines? Dann postet es doch bitte in den Kommentaren, ich werde die Liste regelmäßig aktualisieren.

Deutsch-Muslimische Blogs (aktualisierte Version 29. Oktober 2014)

Blogs

Modeblogs

YouTuber

BLAU ÄUGIG (1996) // RASSISMUS, DEN WIR NICHT SEHEN KÖNNEN

maxresdefault1968. Martin Luther King wurde ermordet. “Als unser Führer (John F. Kennedy) vor einigen Jahren ermordet wurde, hat uns seine Witwe zusammengehalten und vereint. Wer wird eure Leute kontrollieren?”, fragt ein weißer Reporter im Fernsehen. Eine junge Lehrerin in Riceville, Iowa wird Zeuge dieser Szene und ist verwirrt. Ist John F. Kennedy nicht auch Präsident der Schwarzen gewesen? Und sollte uns Weiße Martin Luther Kings Ermordung nicht auch entsetzen? So fängt die Geschichte von der Anti-Rassismus-Aktivistin (& Feministin) Jane Elliott an, deren Erkenntnisse noch heute von höchster Relevanz sind.

Schon vor Kings Tod hatte sich Elliott lange mit Rassismus beschäftigt, recherchiert, Bücher über die NS-Zeit gelesen, als sie schließlich beschloss mit ihrer Schulklasse ein Experiment durchzuführen. Sie fragte ihre Schüler, ob sie herausfinden wollten, wie es ist ein schwarzes Kind zu sein. Die Kinder bejahten.

An diesem Tag behandelte sie alle ihre blau-äugigen Schüler wie Weiße, privilegiert und überlegen gegenüber den nicht-blau-äugigen Schülern, die sie so behandelte wie schwarze Kinder in den USA behandelt wurden, so als seien sie weniger intelligent, weniger fleißig und fähig. Schon bald übernahmen die Kinder diesen Umgang, die “Überlegeneren” verhielten sich arrogant und überheblich gegenüber ihren Klassenkameraden. Ihre Leistungen verbesserten sich, sie wurden selbstbewusster. Auch die “Unterlegeneren” veränderten sich; selbst jene, die vorher dominant und durch ihre guten Leistungen hervorstachen, nahmen sich zurück, ihre Leistungen wurden schlechter.

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#SCHAUHIN – WARUM?

Bildschirmfoto 2014-02-23 um 19.37.25“Ein Freund hört mit seinem Polizisten-Job auf wegen des Alltagsrassismus”, schreibt mir gerade Tamim Swaid, ein guter Familienfreund, während ich an diesem Text hier sitze. “Stell dir vor”, fährt er fort, “8 Jahre Ausbildung und Beamtenstatus.” “Oh krass…”, antworte ich. Dann schreibt er: “SchauHin ist sehr gut.”

#SchauHin ist eigentlich nichts Neues. Schon seit etlichen Jahren bloggen und twittern Menschen in Deutschland online zu den Themen Rassismus im Beruf, in der Schule, in den Medien – im Alltag halt. Denn Rassismus ist nicht etwas, auf das wir entspannt mit weit ausgestrecktem Finger in der weiten, weiten Ferne zeigen können. Etwas, das irgendwo am rechten Rand der Gesellschaft geschieht, wo die Glatzen glänzen und die Springerstiefel stampfen. Nein. Rassismus ist hier. Mitten unter uns. Jeden Tag. Überall. Continue reading

THE POWER OF STORIES – MUSLIMS ON THE WEB | TEDX

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A few months ago, I had the honour to speak at TEDx Oxbridge in Oxford. When I thought about what I’d like to share most, what lessons life had given me and what had touched me most, I decided on “The Power of Stories.” After years of debating, political and social activism, I came to realise that although these are important and essential tools for a healthy discourse, there was something more important to me, something more powerful: stories. A lesson taught to me by a man I have never met.

As the talk went online yesterday, I was and still am overwhelmed by the wonderful and beautiful e-mails, comments & words from family, friends & strangers all around the world. My husband Ali and I are currently traveling through the East of Turkey, discovering new stories, new worlds & lives. What a beautiful place this world can be.

And I’d like to thank Him, my family & loving husband Ali, Niraj & the rest of the awesome TEDx Oxbridge team, my supportive friends (you know who you are)  & maybe most importantly: All the people not only I have met, but who have also met me, who have opened the doors to their lives and stories, made me wander around their world and see through their eyes. Although I might never have truly understood how it is to be them, never fully grasped what I saw through their lenses, walking in their shoes made me walk past horizons I didn’t even know existed. Thank you.


PS: On Fb, I had promised to share a juicy behind-the-scene-story about elephants & bicycles. Here we go!