MAHMOUD, CAIRO

Mahmoud war der erste in Kairo, der uns nach Geld fragte. Nach drei Tagen in dieser Großstadt. Wir waren vorbereitet. Freunde hatten uns gesagt, wir sollten immer Kleingeld dabei haben – die Kinder würden sich freuen. Mahmoud schenkte uns ein wunderbares Lächeln. Nicht des Geldes wegen, sondern wegen der wenigen Worte, die wir wechselten. Und noch immer steckt mich sein Lächeln an, wenn ich das Bild sehe. Und ich finde, er hat mir mehr gegeben, als ich ihm.

In Berlin fragte man mich jeden Tag in der U-Bahn und auf der Straße nach Geld. Aufdringlich waren die meisten. Und viele nicht glücklich über das, was ich ihnen gab. Einer sagte, er hätte seit Tagen nichts gegessen. Ich gab ihm meine selbstgebackenen Pogca (türkische Brötchen mit Hackfleisch), die ich zufällig dabei hätte. Er schaute mich angewidert an und drehte sich weg.

In Granada saßen wir auf einer Bank. Ich lauschte der Flamenco-Musik von Straßenmusikern. Es war schön, ich genoss die Atmosphäre. Einige tanzten, andere schauten sich die wunderbare Aussicht auf die südspanische Stadt an – rot umflutet durch untergehende Sonne. Als die Straßenmusiker ihre Gitarrenkästen aufklappten, gaben einige ihnen Geld. Ich hatte nicht gefragt, ob sie für mich spielen wollen, sie hatten mich nicht um Geld gebeten, aber sie gaben Musik und ich nahm sie. Freiwillig und unfreiwillig zugleich hatten wir gehandelt. Ich fand, sie hatten ein Recht auf das Geld.

In Berlin traf ich immer wieder einen alten Mann in der U-Bahn, der Gedichte vortrug. Manchmal Liebesgedichte und manchmal anzügliche Zeilen von Goethe. Dann entschuldigte er sich bei den Damen und den Männern mit Frauen im Arm zwinkerte er zu. Ich habe ihm nie Geld gegeben. Mir gefiel seine Auswahl nicht. Aber seine Art, die gefiel mir. Einmal hätte ich ihm dafür etwas in den Hut legen können, finde ich.

Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Die meisten Menschen nehmen mehr, als sie geben.

GRUSELKINDER

Kürzlich war mein Henna-Abend. Das ist ein Abend vor der Hochzeit, an dem sich die Frauen versammeln, gemeinsam singen, tanzen und feiern. Mit Ritualen und traditionellem Gesang verzieren die Frauen die Hand der Braut und verabschieden sie in den Morgenstunden. Auch ich hatte einen wunderschönen Hennaabend. (An dieser Stelle Danke an meine Freundinnen, Familie und vor allem meine geliebte Schwester!) Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Sondern um die Kinder, die merkwürdigen.

Auf türkischen Hennaabenden sind ganz viele Frauen, damit auch viele Mütter und konsequenterweise auch viele, sehr viele Kinder. Sie rennen umher, machen ab und an etwas kaputt und zerstören die ein oder andere Vase. In den romantischsten, wichtigsten, emotionalsten Momenten des Abends wird die Melancholie und Romantik kurz durch ein “Anneee” eines eben auf das kleine Näschen gefallenen Kindes unterbrochen. Man schielt kurz in Richtung Geräuschkulisse und vertieft sich aber schnell wieder in Emotionalität. Das gehört dazu. Ohne wild umherirrende Kinder, keine authentische türkische Feier.

Als ich, die Braut, den Saal betrat wurde ich also umringt von kleinen Mädchen, die alle bei mir – „der Prinzessin“ wie sie riefen und ahhten während sie mein Kleid berührten – sein wollten. Ein wunderbares Gefühl. Auch ich hatte als kleines Kind die Braut bewundert und wollte sie zumindest einmal gesehen haben, um etwas von ihrem Zauber mitzunehmen. Eine kindlich unschuldige Neugier und Bewunderung. Es gibt aber auch ganz andere Kinder. Gruselige Kinder.

Kleine Mädchen in hübschen Kleidchen kamen zu mir, tuschelten und kicherten mit ihren Freundinnen. Manche setzten sich zur mir, strichen sich durch die Haare, lächelten stolz ins Publikum und gingen dann aber bald wieder spielen. Ein kleines stilles Mädchen mit schwarzen Haaren und rotem Kleid jedoch wich mir den ganzen Abend nicht von der Seite. Nach zwei Stunden kontinuierlicher Dauerverfolgung warf es ihre kurzen schwarzen Haare nach hinten, schaute mit ihren dunklen Augen zu mir nach oben und sagte mit einem aufgesetzten Grinsen: „Kuck! (schauderhafte Sprechpause) ich bin noch immer hier. (Eine noch schauderhaftere Pause) Bei dir!“ Gänsehaut.

Dieses kleine Mädchen mit dem stechenden Blick war merkwürdig. Es verfolgte mich auf Schritt und Tritt, beobachtete all meine Bewegungen und grinste dabei. Ahh! Sah denn niemand anderes dieses Kind? Kann es jemand bitte wegschicken? Ich verzweifelte. Irgendwann zischte ich dem Publikum zulächelnd: „Willst du nicht ein bisschen zu deiner Mutter?“ Bitte Gruselkind, bitte! Es grinste mich Chucky-Mörderpuppen-artig an und flüsterte: „Ich habe keine Mutter.“ Ahh, ich war in einem trashigen R.L. Stine-Gänsehaut-Fearstreet-Jugendbuch- Gruselroman gelandet.

„Mit wem bist du denn dann hier?“, fragte ich – wehleidig. „Mit meiner Großmutter.“ – „Oh, na dann geh doch zu ihr!“ Ich schöpfte Hoffnung. War das ein Licht am Ende des Gruseltunnels? Zu meinem Entsetzen schüttelte es den Kopf. „Nein“, sagte es mit ihrem aufgesetzten Grinsen, „ich bleibe hier, bei dir.“ Es trat noch einen Schritt näher mich heran und klammerte sich an meinem Kleid fest.

Irgendwann – urplötzlich – war das Mädchen verschwunden und ich erleichtert. Ausgelassen feierte ich und genoss den Abend. Während der Henna-Zeremonie als der Raum verdunkelt war und nur durch Kerzenlicht erhellt wurde, spürte ich eine kleine Hand auf meinem Knie. Es war wieder da, das Gruselmädchen. Leise sang es „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne…“

Kinder haben so eine gruselige Art manchmal. So eine lustige, aber vor allem gruselige Art, manchmal.

Bildcredit geht an die wunderbare Fotografin meines Henna-Abends “Sekire”.

HAUBENRENNEN

Das sind die Herzballons mit Glückwünschen unserer Freunde auf dem Weg in den Himmel.

Und hier ein unveröffentlichter Text aus meiner Single-Zeit. Meine Güte, wie die Zeit rennt.

Es ist Samstagmorgen, die Vögel zwitschern. Die Sonne scheint durch das WG-Fenster. Ich wache glücklich auf. Gestern hat die stressige Uni-Prüfungszeit endlich ihr Ende gefunden. Yey! Um das zu Feiern versammelten wir uns mit Freunden im WG-eigenen Garten. Ich kochte ganz viel Essen mit echtem (!) Gemüse. Und wir tranken marokkanischen Tee mit frisch gepflückten Minzblättern. So entspannt, so stressfrei. Heute Morgen habe ich eigentlich allen Grund glücklich zu sein. Aber man soll den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben.

Auf meinem Weg ins Bad werde ich von meinen Mitbewohnerinnen aufgehalten. „Kübra, schau! Arzus Cousine hat geheiratet“, rufen sie. Oh nein. Ich sehe es kommen. Das wird ein langer Morgen. Ich lasse mich also ins Zimmer zerren und erblicke vier junge Mädchen in Pyjama, um die Zwanzig, die vor dem Laptop hocken und Hochzeitsbilder analysieren. Serra, mit 19 die Jüngste und Kleinste in unserer Runde, gibt eine detaillierte Kritik des Brautkleides zum Besten. Das kann sie, das quirlig, selbstbewusste Mädchen ist schließlich Expertin. Ihr Verlobungskleid hat sie bereits ausgesucht, das Hochzeitskleid sowieso. Die Band auch. Karmate aus der türkischen Schwarzmeerregion soll es werden. Eigentlich ist alles vorbereitet, nur der passende Mann fehlt. (Den Front-Sänger in Karmate findet sie verdächtig toll.)

Den will Serra in fünf Jahren kennenlernen, nachdem sie idealerweise ihren Master in Harvard beendet hat und zur Promotion nach Oxford zieht. Sie hat Träume, sie ist ambitioniert. Genau wie ihre Hochzeit sind nämlich auch die nächsten zehn Jahre ihrer Karriere bis ins letzte Detail verplant. Ihr Zukünftiger soll ein junger, praktizierender Muslim, intelligent und voller Energie sein. Und wenn sie ihn trifft, dann will sie um seine Hand anhalten. Warum nicht? Khadijah, die erste Frau des Propheten Muhammed, hatte es ja auch so gemacht.

Mittlerweile haben sich meine Mitbewohnerinnen vor dem Laptop darauf geeinigt, dass das Make Up okay, die Braut selber hübsch, das Brautkleid aber ein Desaster ist. Wow, das ging schnell. Meine Mitbewohnerinnen werden immer professioneller – es gibt aber in letzter Zeit unheimlich viele Hochzeiten zu analysieren. Gefühlte hundert Freundinnen haben sich verliebt, verlobt und geheiratet.

Erst vor einigen Tagen ging das Gekreische an der Uni los, als eine äthiopische Freundin ihren Verlobungsring hochhielt – ihr Freund hatte ihr einen romantischen Antrag in einem Schloss in der Nähe von London gemacht. Und meine beste Uni-Freundin gestand mir, dass sie endlich Mr. Right gefunden habe – auf einer muslimischen Partnervermittlungsseite. Ach ja, einer anderen Freundin hatten die Eltern letzten Sommer „zufällig“ jemanden vorgestellt. Seit zwei Monaten sind die beiden nun glücklich verheiratet und ziehen durch die Welt. Meine Güte. Alle rennen unter die Haube. Ist denn da so viel Platz?

Ich bin irritiert. Manche sagen mir, dass es doch noch viel zu früh ist, um über das Heiraten überhaupt nachzudenken – „Du bist doch erst 21!“ – und andere geben mir zu verstehen, dass ich mich beeilen sollte. „Als ich so alt war wie du, dachte ich auch, dass ich noch ewig Zeit hätte. Aber glaub mir, kaum dass du dich versiehst bist du 30. Und dann gefällt dir kein Mann mehr.“ Ach, das stresst mich alles so. Ich will doch nur meinen ersten Prüfungs-freien Tag genießen. Ist das zuviel verlangt? Und wenn ich jemanden kennenlerne, dann lerne ich halt jemanden kennen. Basta. Wie das alles genau ablaufen soll, weiß ich auch nicht. Aber das weiß man eh nie vorher.

Ich stehe auf und gehe ins Bad. Einige Minuten später bin ich aber wieder draußen im Flur. Grinsend und mit der Zahnbürste im Mund beobachte ich meine geliebten Mitbewohnerinnen: Sie tanzen in Pyjama und mit zerzausten Haaren an einem Samstagmorgen einen türkischen Volkstanz zu türkischer Volksmusik, die das Haus beben lässt. Ich glaube, da baut jemand Stress ab.

SALZIGER KAFFEE

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Es war ein sonniger Tag in Istanbul. Eine junge Frau saß allein in einem Café und blickte auf den Bosporus. Ein schöner Anblick. Das fand auch der junge Mann, der sie beobachtete. Er wollte sie ansprechen. Als er sich zögernd zu ihr setzte, schreckte sie hoch.

“Warte!”, bat er. “Trink doch bitte einen Kaffee mit mir.” Er lächelte sie an. Aufmunternd. Und bestellte Kaffee. Sie schaute zurück. Misstrauisch. Und setzte sich.

Der Kaffee wurde serviert. Der junge Mann war ganz aufgeregt. Sein Herz pochte immer schneller. Ganz benommen und zitternd vor Aufregung nahm er sich den Salzstreuer und füllte seine Tasse mit Salz. Irritiert runzelte die junge Frau die Stirn. “Einen interessanten Geschmack hast du”, bemerkte sie. Verdammt. Salz im Kaffee. Er schämte sich. Wie konnte ihm das passieren?

“Ich bin am Meer aufgewachsen”, erklärte er in Not. “Ich liebe den salzigen Geschmack des Meeres. Er erinnert mich an die Menschen, die ich liebe.”

Vierzig Jahre später war der junge Mann inzwischen ein alter, kranker Mann. Seine Frau, die junge Frau von damals aus dem Istanbuler Café, kümmerte sich um ihn und pflegte ihn liebevoll. Wie jeden Morgen brachte sie ihm auch heute einen Kaffee ans Bett. Schön salzig, genau so, wie er es mochte.

Er wusste, er würde nicht mehr lange weilen auf dieser Welt. “Verzeih mir, mein Schatz”, sagte der alte Mann und gestand: “Ich mag keinen salzigen Kaffee.” So erzählte er seiner Frau von damals. Davon, wie er sich schämte und deshalb diese kleine Notlüge erfand. Vierzig Jahre hatte sie ihm deshalb salzigen Kaffee gekocht. Vierzig Jahre hatte er ihn geduldig und still ausgetrunken. “Allein aus Liebe zu dir”, sagte er. Und trank seinen letzten salzigen Kaffee aus.

Oh. Wer verliebt ist, findet diese Liebesgeschichte romantisch und toll. Alle anderen werden bei diesem Kitsch wild den Kopf schütteln. Diese Geschichte ist eine der vielen Legenden, die sich um den salzigen Kaffee der türkischen Mädchen ranken. Wenn ein Mann bei einer türkischen Familie um die Hand ihrer Tochter anhält, muss er nämlich mit salzigem Kaffee rechnen.

Gefällt der Junge dem Mädchen, schüttet es dem zukünftigen Bräutigam kräftig Salz in den reich geschäumten Kaffee und serviert ihn anschließend dem aufgeregt im Wohnzimmer sitzenden Jungen. Er muss dann – als Zeichen der Zuneigung – den Kaffee austrinken. Ohne auch nur ein bisschen das Gesicht zu verziehen. Alle anderen Beteiligten schielen grinsend zum Bräutigam hin und genießen ihren süßen Kaffee.

Vor einigen Wochen habe auch ich einem jungen Mann Salz in den Kaffee gestreut. Ein Teelöffel, um genau zu sein. Er hat den Kaffee schön umgerührt, mutig ausgetrunken und dabei keine Miene verzogen. Ich bin beeindruckt. Diese Woche gebe ich dem besagten jungen Mann mein Jawort. Und bei meiner nächsten Kolumne habe ich deshalb einen anderen Nachnamen.

Bis dahin genieße ich den Brautschutz und werde ganz ungeniert kitschige Liebesgeschichten lesen. 2011 fängt gut an.

Tuch-Kolumne, taz, 05.01.2011

An Freunde und Verwandte: Einladungen zur Hochzeitsfeier (März/April) erreichen euch bald.

DANKE, TESEKKÜRLER UND JAZAKALLAHU KHAIRAN

Das Video der ZDF-Redaktion ist leider nicht mehr online (mit zuletzt über 400.000 Views).

Irgendwann am Mittwoch (letzter Woche) erreichte mich eine E-Mail, dann ein Anruf und schließlich eine Mailbox-Nachricht. Inhalt: Einladung zur Talksendung von Maybritt Ilnner zu dem Thema “Ein Jahr Schwarz-Gelb”. Schon am nächsten Abend soll das Ganze losgehen. Puh. Erste Reaktion: Duschen gehen.

Kurz vor der Sendung schrieb ich SMS wie “Ich sterbe…” und hatte kaum jemandem Bescheid gegeben: Es musste ja nicht jeder Zeuge meines gesellschaftlichen Suizids werden. Deshalb betete ich nur und bat geheimnisvoll um Daumendrücken und Dua (Gebete).

Nun. Die Gebete wurden wohl erhört. Jedenfalls lief alles überraschend gut. Ich bekam davon allerdings nur wenig mit, weil ich die darauffolgenden Tage außer Landes war und von der ganzen Internet-Video-Welle nichts mitbekam. Umso erschrockener war ich, als ich die Flut an lieben E-Mails, motivierenden Facebook-Nachrichten und tendenziell eher nicht so schönen Blogkommentaren entdeckte.

Danke, wirklich herzlichsten Dank für die lieben Nachrichten, Fragen und auch Kritiken! Ich bin gerade dabei, alles durchzuarbeiten und gebe mir viel Mühe. Das kann nur leider etwas dauern. Man möge es mir nachsehen.

Und das alles macht mich auch sehr nachdenklich. Viele schreiben davon, wie unwohl sie sich in Deutschland fühlen. Fast jede zweite Nachricht handelt von Diskriminierungserfahrungen und Auswanderungsplänen. Das sind traurige Zeichen einer traurigen Zeit.

Ich hoffe, dass uns eine schöne Zukunft bevorsteht. Und ich habe – trotz allem – viel Hoffnung. Denn ich sehe in diesem Land wunderbare junge Menschen heranwachsen, die sich den Herausforderungen stellen, die Fehler der Vergangenheit wett machen und ihre Zukunft in diesem Land mitgestalten wollen.

Danke dafür und überhaupt: Danke. Ich habe viel gelernt.

DER GRÖSSTE MANN DER WELT

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Es ist der zweite Tag des Ramadanfestes. Wir haben uns schick angezogen und besuchen die Freunde meiner Großeltern. Schon lange war ich nicht mehr in dem Hamburger Arbeiterviertel, wo meine Großeltern damals wohnten. Hier ziehen reihenweise Wohnblöcke durch die Landschaft, unterbrochen durch kleine Wiesenflächen und Spielplätze.

Der Riesenfels auf der Wiese auf dem wir als Kinder spielten ist nur noch ein mittelgroßer Stein und die Häuser sind auch nicht mehr so hoch, stelle ich überrascht fest. Und Tante Serife, die ehemalige Nachbarin und Familienfreundin, ist viel kleiner als ich, sie reicht mir gerade mal bis zur Brust. Zuletzt haben wir uns vor Jahren gesehen. Tante Serife ist seitdem noch etwas rundlicher geworden, hat aber immer noch das freundliche Gesicht von damals. „Ihr seid aber groß geworden“, sagt sie, als sie mich und meine Schwester sieht und umarmt uns herzlich. Im Wohnzimmer erwarten uns Tee und Gebäck.

Dort sitzen ältere Damen in einer Runde und erzählen von früher. Früher, da konnte ich bei meiner Oma nie einschlafen, weil die alte Wanduhr im Wohnzimmer so laut tickte. Manchmal auch weil am nächsten Tag das Ramadanfest anstand und Flugzeuge in meinem Bauch Landeübungen machten.

Am Morgen des Festes aber liefen wir Kinder trotz Schlafmangel voller Energie durch die Wohnung meiner Großeltern und küssten die Hände der Erwachsenen, ein Zeichen des Respekts. Dafür gab es dann Kleingeld und Süßigkeiten. Nach und nach füllte sich die Wohnung mit Nachbarn und Freunden. Es wurde voll, laut und lebendig.

Wie alle Großmütter war auch meine Großmutter eine großartige Köchin. Sie kümmerte sich um die Gäste, versorgte sie mit ihrem beliebten Blätterteiggericht und schmierte mir heimlich Schokoladenbrötchen.

Mein Großvater wusste anscheinend von unserem kleinen Geheimnis: Bei ihm gab es immer Obst. Jedem Enkelkind steckte er Apfelstückchen in den Mund und reichte Weintrauben nach. Für mich war er der größte und längste Mann auf der Welt. Das lag am gesunden Obst, da war ich mir sicher. Ich habe es geliebt an seinem dichten Bart zu ziehen, an ihm herumzuklettern und auf seinem Schoß zu sitzen. Heute ist er krank und tragen kann er mich auch nicht mehr – wobei das eher an mir liegt als an ihm.

Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Feste wir nun schon ohne meine Großeltern feiern mussten. Sie sind in der Türkei, wo sie die Hälfte des Jahres verbringen. Früher machte mir das nichts aus – sie wollen einfach nur ihr Leben genießen und urlauben, dachte ich. Jetzt weiß ich es besser. Nach vierzig Jahren harter Arbeit hier, fühlt mein Großvater, dass er keinen Platz mehr in Deutschland hat. Wir, Kinder und Enkel, sind der einzige Grund, warum beide jedes Jahr aufs Neue nach Deutschland kommen. Noch viel mehr als wir, sind sie hin- und hergerissen zwischen zwei Ländern und Welten. Ihr Herz ist im ewig fremden Deutschland bei ihrer Familie, schlägt aber für die Türkei, ihre Heimat.

Kürzlich las ich „Ganz unten“ von Günter Wallraff. Ich weiß, dass auch mein Großvater ähnliche Erlebnisse wie Wallraff (oder „Ali“) hatte. Uns gegenüber hat er Deutschland aber nie schlecht geredet, nie hat er ein schlechtes Wort über die „Deutschen“ verloren. Er ist der größte Mann der Welt für mich.

Im Wohnzimmer sitzen noch immer die alten Damen und schwelgen in Erinnerungen. Es werden immer weniger von ihnen. Sie fehlen.

taz, Tuch-Kolumne, 15.09.2010

Übrigens: Leider ist die Kolumne dieses Mal auf der taz-Webseite nicht online, wird aber vielleicht in den nächsten Tagen nachgeholt. Die Seite verlinke ich dann hier.

Nachtrag: Hier der Link zur Kolumne auf der taz-Seite.

WAS MÖCHTEN SIE?

“Was ich möchte? Ich möchte… ich möchte viel. Vor allem aber möchte ich nicht in eine Kategorie gesteckt und einfach abgestempelt werden.

Ich möchte in den Bundestag und unsere Bundeskanzlerin kurz bei einer Rede stören, um allen zu sagen, dass ich keine Terroristin bin, weil ich ein Kopftuch trage und Muslimin bin. Dass im Kuran nicht steht, dass wir unschuldige Menschen töten dürfen. Dass ich mein Kopftuch freiwillig trage und von keinem unterdrückt werde. Und das soll mir auch keiner versuchen auszureden.

Ich werde eine Aufklärerin. Ich bin frei und möchte frei bleiben. Ich werde eine freie Aufklärerin. Ich möchte Menschen zum Nachdenken bewegen. Sie sollen nicht alles glauben, was ihnen in den Medien gesagt wird. Wenn den Menschen etwas nicht passt, dann sollen sie auch etwas tun und nicht ständig darüber diskutieren. Ich will sie dazu bewegen. Ich werde eine freie bewegende Aufklärerin.

Dann werde ich Medizin studieren, um in Palästina und im Irak den Kindern zu helfen, die nichts für den Krieg, für den Kampf können. Ich werde eine freie helfende bewegende Aufklärerin.

Ich werde auch Mode machen. Mode, die zeigt, dass auch das Kopftuch schön ist. Ich werde kreativ sein. Ich werde eine freie kreative helfende bewegende Aufklärerin.

Und ich werde Mutter. Eine Mutter, die nie in Vergessenheit gerät, weil sie ihre Kinder so gut und liebevoll erzogen hat, dass sie in ihnen weiterlebt. Ich werde eine freie kreative helfende bewegende unsterbliche Aufklärerin.

Und ich werde Muslimin bleiben – so Gott es erlaubt. Ich werde – so Gott es erlaubt – eine freie kreative helfende bewegende unsterbliche muslimische Aufklärerin.”

Ich war siebzehn Jahre alt, als ich diesen Text schrieb. Im Mai 2006 trug ich ihn in einem Literaturzentrum vor. Meine Träume und Ziele haben sich seither kaum geändert. Nur die Wege dorthin, die sind anders.

Heute bin ich 22 Jahre alt geworden.

GARTEN MIT CHILLI

Das sind nicht alle

Pfercht man eine britische Amerikanerin, eine amerikanische Bengalin, eine indische Kenyanerin, eine pakistanische Britin, eine britische Nigerianerin und mich in einen wunderschönen Londoner Garten, dann philo-diskutieren wir über Identitätsprobleme, Schuldkomplexe, Täterpsychologie, Radikalisierung und die Evolutionstheorie. Wir laufen barfuß und klettern auf Bäume. Oder liegen im Gras und üben Kanga-Bindetechniken. Und am Ende des Tages geben wir unser Essen Obdachlosen, um dann in der Bahn erschrocken zu erinnern, dass das verschenkte Gericht nicht nur scharf gewürzt, sondern auch in XXL-hot-Chilli-Soße getunkt war.

(Ich lächle hier gezwungen und unecht.
Das hat den Grund, dass die Sonne volle Kanne auf mein Gesicht prallte
und ich die Augen gerade so noch aufbekam.)

















MIT DEM KLAVIER ZUR MUTTER JESU


Es ist dunkel. Ein bisschen violett, dann färbt ein blaues Licht die Bühne und die Silhouette einer Frau wird sichtbar. Sie trägt ein langes weißes Kleid und einen weißen Schal. Leise ertönt Geigenmusik, dann eine Querflöte, dann Klavier. Die Bühne erhellt sich und ich erkenne nun ein Gesicht. Die tiefschwarzen Haare sind zu einem losen Dutt zusammengebunden, prüfend schaut sie ins Publikum. Alia beginnt zu erzählen.

Klatsch! Rotes Licht flutet die Bühne. Mit Schwung schellt Alias Hand in die Höhe. Sie beschreibt, wie Abu Jehil mit voller Wucht Fatima schlug. “Vater der Ignoranz”, so nennen Muslime diesen Mann, der Fatima, die Tochter des Propheten Mohammed, grundlos ohrfeigte, als er ihr zufällig auf der Straße begegnete.


Die Musik hält inne.

Alia schaut in das Publikum und lässt uns den Schmerz fühlen, den die kleine Fatima spürte. Wie sie ihre Tränen unterdrückte und mit erhobenem Kopf den Ort der Erniedrigung verließ.


Ich bin in einem Kulturzentrum im Osten Londons und höre mir traditionell islamische Geschichten zu westlicher klassischer Musik an. Alia, die Erzählerin, spricht von starken Frauen im Koran. Von der Jungfrau Maria und der Liebe, mit der sie ihren vaterlosen Sohn, den Propheten Jesus, aufzog.


Wir reisen viele Jahrhunderte zurück zu Asiya, der Frau des Pharaos, die das Kind vom Nil, den späteren Propheten Moses, bei sich aufnahm, ihn aufzog. Eine Frau, die für ihn und ihren Glauben viel ertrug. Und wir reisen zu Hatice, der erfolgreichen Geschäftsfrau und ersten Frau des Propheten Mohammed, die selbstbewusst dem Propheten einen Heiratsantrag machte.


Der Klang von Alias Stimme trägt meine Gedanken in einem Tagtraum fort. Zu meiner Freundin Myriam, einer quirligen französischen Britin: Als Kind eine Schauspielerin, setzt sie sich heute als Akademikerin und Journalistin für Frauen, den Islam und Gleichberechtigung ein. Sie ist direkt, ehrlich und schlagfertig. Genau wie Sultana, die hübsche Anwältin, die seit einigen Tagen auf Postern in ganz London zu sehen ist – als Teil einer Kampagne gegen Islamophobie in Großbritannien.


Da ist Hacer, die alleinerziehende Mutter von drei Söhnen, die sich gegen ihren Exmann durchsetzte und heute auf eigenen Beinen steht. Da sind die beiden Schwestern, die sich dem Kopftuchverbot an türkischen Universitäten nicht beugen wollten und heute in England ohne Eltern und Bekannte ein neues Leben aufbauen und studieren. Und da ist …


Klatsch! Wieder ist Alias Hand oben. Dieses Mal war es Abu Jehil, der perplex dastand und nicht wusste, wie ihm geschah. Fatima hatte sich beim Stammesführer beschwert. “Führ mir genau vor, was vorgefallen ist”, bat er. So ging das kleine Mädchen zurück zu Abu Jehil und schlug ihm ins Gesicht. Nicht aber die Ohrfeige schmerzte Abu Jehil, sondern von einem kleinen Mädchen vor seinen Stammesleuten bloßgestellt zu werden. Von der kleinen Fatima wusste man seitdem, dass sie Ungerechtigkeit nicht duldet. Von den muslimischen Frauen heute sollte man auch noch mehr hören. Es wäre schön, wenn das kein Traum bliebe.


taz, Tuch-Kolumne, 09.06.2010

SO SIEHT’S AUS. DIE NÄXTE WOCHE.

Oh, Mitleidsrunde. Erbarme dich meiner. Eine anstrengende Zeit hat heute ihr Ende gefunden (Danke lieber Gott!). Ich musste letztes Wochenende plötzlich umziehen – und das mitten in der Examenszeit. Kein Internet, kein Telefon – und zwischendurch weder warmes Wasser, noch Heizung. Dabei war unser Londoner Haus noch nicht einmal besonders alt.

Aber das ist Schnee von gestern, kalter Kaffee, Knäckebrot. Heute habe ich meine letzte Prüfung überstanden und wohne in einem warmen Haus, mit warmen Wasser, aber weiterhin ohne Internet und Telefon. Was insofern blöd ist, als dass ich noch Essays zu schreiben habe. Das heißt, ich werde noch ein Weilchen die Bibliothek hüten müssen.

Bevor ich aber wieder im Dunklen zwischen Büchern sitzend die Sonne erzürne: Morgen geht es nach Oxford auf diese Konferenz. Am Freitag kommt meine geliebte Schwester und wir gehen dahin. Am Samstag werde ich mit ihr in meinen Lieblingscafes sitzen und Brick Lane unsicher machen – oder einfach nur das, worauf sie Lust hat. Am Sonntag werde ich mit dicken und verheulten Augen versuchen Texte für meine Essays zu lesen, weil sie an just jenem Morgen wieder zurück in Heidelberg sein wird. Am Montag lese ich die Texte dann nochmal (siehe Sonntag).
Am Dienstag reden wir über Araber in Israel, danach treffe ich Elif Safak. Und dann ruhe ich mich aus. InshAllah. So Gott will.

Und eben war ich hier. Deshalb das Video. Hach!

IN MEINEM ZIMMER STEHT EIN KICKERTISCH

Luxusobst. Also Obst ist Luxus. Siehe Text.
Zieht man aus dem Elternhaus, ändert sich nicht nur die Umgebung sondern auch das Zuhause. Eva von Hurra! schrieb hier davon. Und ich wollte auch mal davon erzählen. Vom Kickertisch in meinem Zimmer.

Als ich im September letzten Jahres mein Zimmer verließ, drehte ich mich noch ein letztes Mal um und sah es mir an: Mein frisch bezogenes Bett, das Sofa mit den vielen, vielen Kissen, die Truhe mit den exotischen Instrumenten, die mir mein Vater aus aller Welt mitgebracht hat, mein Schreibtisch, und mein Bücherschrank. Alles an seinem Platz. Außer einem Haufen Bücher, Klamotten und kleiner Kleinigkeiten fehlte nichts.Eigentlich sah alles genauso aus wie vor einem Kurzurlaub.

Angekommen in London hielt das Gefühl konsequent an: Gefühlsmäßig war mein Zuhause immernoch mein Elternhaus in Hamburg, das Londoner WG-Leben hingegen hatte Urlaubs-Züge. So richtig Ausziehen ist doch anders, dachte ich. Wir hatten schließlich keine richtigen Ernst-des-Lebens-Probleme. Obwohl: Obst ist Luxusware! Einzig überboten durch die heißgeliebte Nutella. Nutella, müsst ihr wissen, hat in WGs ungefähr den gleichen Stellenwert wie anderorts Kaviar. (Dabei mochte ich früher Nutella noch nicht einmal, sondern die billige Schmiernussschokolade von Aldi.) Diese dekadenten Luxusprobleme. Ts.

Bei meiner ersten Rückkehr war ich schockiert. Nicht, weil mein Zimmer kalt war. Nein, zusammen mit meiner Schwester, die zeitgleich ausgezogen war, standen wir vor dem Kühlschrank und ergötzten uns an der Auswahl. Und am Brot. Und am Hamburger Leitungswasser, das so klar und unchlorig aus dem Hahn strömt.
Außerdem verweigerte ich jegliche Erkenntnisse. Ich ignorierte alles, was auch nur im Ansatz darauf hindeuten könnte, dass das Leben in meiner Familie weitergeht – ohne mir und meiner Schwester im Haus.

Beim nächsten Mal war mein Zimmer vorsorglich vorgewärmt. Kuschelig. Und Überraschung! Meine Eltern hatten mein Zimmer gestrichen. Dazu sage ich nichts, außer dass ich meine Eltern trotz allem furchtbar lieb habe. So schlimm ist es nicht. Ich finde die Farbe mittlerweile sehr schön – ist schließlich mit Liebe gestrichen. Danke Babacim! :)

Vor zwei Tagen bin ich wieder hier angekommen, in der Heimat. Mich wunderte, dass alles unverändert war. Zu früh gewundert. Man hatte einen Plan. Als ich gestern Abend nach Hause kam, stand ein riesengroßer Kickertisch in meinem Zimmer.

Beim Einschlafen dachte ich:
Das Zimmer verändert sich und trotzdem ist es meins. Genauso wie meine Familie.

MIGRANTOGRAMME

Mehr solcher Bildchen? Hier.


Mein Schwesterlein empfahl mir kürzlich eine kleine tolle Seite mit diesem wunderbaren
Projekt: Die “Migrantas”-Piktogramme.

Piktogramme erklären uns die Welt. Sie sagen uns, wo die Damen- und Herrentoilette, das Wickelzimmer, die Sportanlage, das Bord-Restaurant oder unser Herz ist. Und sie erklären uns auch, was Migrantinnen bewegt.

Bei einigen Bildchen musste ich ganz schön grinsen. Beispiel: Das erste Piktogram in der zweiten Reihe, einfach zum Kugeln. Menschen aus dem temperamentvollen Ausland reden tatsächlich tendenziell lauter, passionierter und emotionaler als manch Deutscher. Und das macht sich nicht nur, wie in dem Bildchen, beim Kaffee-Kränzchen bemerkbar, wo der/die Nachbar/in mit dem Besenstiel die Wand durchbohrt und sich die Kaffeekränzler “Noch leiser?!?!” fragen, nein:

Eine Szene aus einer Fernseh-Dokumentation, die in die Türkei führte, werde ich niemals vergessen. Der Reporter und sein Kamera-Team waren in Istanbul und fragten einen Taxi-Fahrer nach dem Weg. Der nahm die Aufgabe selbstverständlich ernst und fing daraufhin an mit den Händen herumzufuchteln und erklärte laut und deutlich, wie man zur gesuchten Straße findet. Ich fand das alles ganz normal, er eklärt halt den Weg – bis die Stimme aus dem Off kommentierte: “Keine Angst, der Fahrer ist nicht wütend und streitet sich hier nicht mit unserem Reporter, auch wenn es so aussieht. Er gibt ihm lediglich eine Wegbeschreibung.”

Düdümm. Realitätsverschiebung 360°. Meine Güte, dachte ich, so hatte ich das noch nie gesehn.

Solche und andere Themen wie Migration, Identität und interkulturellen Dialog behandeln die fünf wunderbaren Initiatorinnen und Leiterinnen des Kollektivs Migrantas, die zum Teil selber Migrantinnen sind. Sie bedienen sich der Kunst, des Designs und der Sozialwissenschaften, um Migrantinnen eine Stimme zu verleihen. Für das Piktogramm-Projekt arbeiteten sie zusammen mit Frauen aus verschiedenen Ländern. Sie sollten Erfahrungen austauschen und diese dann zeichnerisch festhalten. Resultat sind diese tollen Bildchen. 2005 konnte man die tollen Piktogramme in einigen deutschen Großstädten bewundern – als Teil der städtischen Landschaft.

Im kommenden Monat (5. März bis 25. April) gibt es die Migrantas-Bilder auf der Ausstellung “Neue Heimat – Zwischen den Welten” im Zeppelin Museum in Friedrichshafen zu sehen. Und nicht nur das, man darf auch mitmachen: “In einer „Workshopstation“ sind Besucherinnen und Besucher eingeladen, ihre eigenen Alltagserfahrungen und Gefühle zur „neuen Heimat“ zu zeichnen,” heißt es auf der Webseite. Wer kann, nur hin. Und nicht irgendwann, sondern am 04. März zur Ausstellungseröffnung – da werden nämlich 1.000 Taschen verteilt, die mit dem Piktogramm “Hier und dort Heimat” bedruckt sind. (Ich will auch so eine!)

Nebst des “Noch leiser?”-Bildchens brachte mich heute ein weiteres Netz-Werk zum Lachen: Dieses tolle Interview mit dem muslimischen Professor Harry Harun Behr zu dem Thema Islam und Humor. Man beachte seine Antwort auf die Frage, ob der Islam tatsächlich wenig humorfreundlich ist. (via Kathrin)

credit: Screenshots via Webseite www.migrantas.org/

HOME IS WHERE YOUR HEART IS


Liebes
Sehr geehrtes Deutschland,

ich erinnere mich. Es brauchte lange bis Du die Veränderung akzeptieren konntest. Du bist ein Einwanderungsland. Aber Du veränderst Dich.

Summende, brummende Worte. Stechende Worte. Ein Stich. Du änderst Dich.

Summende, brummende Stimmung. Stechende Gesten. Ein Stich. Du wirst anders.

Du wirst ein Auswanderungsland. Ein Stich.

Und wusstest Du, eine Wespe regiert Dich, keine Biene. Bienen sterben, wenn sie stechen. Wespen nicht. Ein Stich.

Und wusstest Du, Wespenstiche tun mir heute nicht mehr so weh wie früher.

Ein Text für die Nachwelt. So ist die Stimmung.