DES MENSCHENS WEG UND DES LEBENS PLAN


An manchen Morgen wacht man auf und hat einen Plan. Während man sich vergeblich zum Ziel bemüht, wird einem irgendwann klar, dass das Leben heute einen ganz anderen Plan hat. Der Mensch, hilflos, erstaunt und neugierig zugleich, sieht dann dem neuen Weg zu.

Heute ist ein solcher Tag. Um 5 Uhr früh fängt der Tag in Oxford an, an dem wir den 10.05-Uhr-Flieger in Birmingham kriegen wollen. Aus dem Haus – in der Zeit. Obwohl wir im Stadtzentrum wohnen, gibt es an diesem Morgen überraschenderweise weit und breit keine Taxen. Nach zehn Minuten geben wir auf und beschliessen zu Fuss zur Zugstation zu gehen. Schaffen wir bestimmt – in der Zeit.

Auf dem Weg treffen wir einen Freund und unterhalten uns kurz mit ihm – in der Zeit. Am Bahnhof holen wir uns eine Jahreskarte für Studenten. In der Zeit, denken wir. Bis wir mit den Tickets in der Hand vor dem Zug stehen, der uns vor der Nase abfährt. Unsere Uhren waren um wenige Minuten falsch gestellt und im Internet hatte es eine falsch Zeitangabe gegeben. Langsam dämmert’s.

Eine Stunde später sitzen wir im Zug. Wir können es noch immer schaffen, in der Zeit. 9.36 Uhr sollten wir laut Zugplan am Flughafen ankommen. Wir haben schliesslich schon eingecheckt, Koffer haben wir keine aufzugeben. Dann fährt der Zug plötzlich langsamer und langsamer und langsamer und kommt zum Halten. Eine Ansage ertönt, der Fahrer entschuldigt sich für den Verzug. Wir würden uns verspäten. Langsam dämmert’s.

Mit dem letzten Funken Hoffnung rasen wir, angekommen am Flughafen, aus der Station, durch die Sicherheitskontrollen – wo man uns ungewöhnlich lange aufhält – zum Gate, nur um festzustellen, dass der Bus zum Flugzeug gerade eben abgefahren ist. Durch das Fenster sehen wir das Flugzeug und die Gäste. Die Türen schliessen. “Wäre, hätte, wenn” schiessen uns durch den Kopf. Dann fällt der Groschen.

Es soll halt nicht sein. Jetzt sitzen wir einen Tag in Birmingham fest. Und der ist noch lang. Mal sehen, was das Leben hier mit uns vorhat. Ich bin gespannt.

An manchen Morgen wacht man auf und hat einen Plan. Und während man sich vergeblich zum Ziel bemüht, wird einem klar, dass das Leben heute einen ganz anderen Plan hat. Der Mensch, hilflos, erstaunt und neugierig zugleich, sieht dann dem neuen Weg zu.

Dabei versucht er die Zeichen zu sehen und zu verstehen. Das Warum beantwortet sich übrigens erst im Nachhinein.

Nachtrag: Es ist kurz vor Mitternacht. “Ein seltsamer Tag”, sagt mein Mann. Ja, seltsam und aufregend. Es ist viel geschehen in den letzten Stunden.

MODE. WENIGER IST MEHR, QUALITÄT STATT QUANTITÄT UND ANDERE FLOSKELN, DIE EINFACH MAL STIMMEN.

avatars myspace at Gickr.com

Eigentlich wollte ich schon vor Ewigkeiten einen Modeblog starten. So einen ethisch-politischen Modeblog, der sich kritisch und beizeiten humorvoll mit der Modeszene auseinander setzt, Ästhetik und Kunst diskutiert – gleichzeitig aber auch einfach schön anzusehen ist. Außerdem wollte ich muslimische Mode vorstellen, Frauenbilder dekonstruieren und schreiben, dass Mode nur ein Medium ist – so wie Internet oder Messer. Gut eingesetzt nützlich oder selbstverwirklichend, schlecht eingesetzt zerstörerisch.

Nun gehe ich zudem selten Klamotteneinkaufen. Einerseits deshalb, weil mir die (medial unterstützte) Vorstellung des in Einkaufszentren und vor Schaufenstern massiv Zeit verschwendenden Menschen missfällt, und andererseits, weil ich meistens ohnehin in dem Grossteil der Läden sofort wieder den Laden verlassen und das Weite suchen muss.

Das liegt an dem eigentlichen Grund dieses Blogeintrags.

Mir ist Qualität wichtig. Nicht die Marke, der Preis oder das Label. Sondern die Stoffqualität und –mischung. Wenn ich mir ein Abendkleid kaufen will, dann kann ich vielleicht schnell fündig werden und ein wunderschönes Seidenkleid entdecken – bis ich dann enttäuscht feststellen muss: Der Futter ist aus Polyester/Acryl/…. Außen hui, Innen pfui: Aber es geht doch gerade um das Innere.

In synthetischen Stoffen wie Polyester, Acryl und Co fühle ich mich wie in einer teuren Plastiktüte. Das Gefühl hatte ich insbesondere im letzten Jahr bei der Suche nach einem Hochzeitskleid. Sehr viel Tütü, Tata, hier aufgepolstert, da aufgebauscht und Glitzerblitzersteinchen überall. Man schaute mich entgeistert an, als ich nach schlichten Brautkleidern fragte. „Du heiratest doch nur einmal!“, empörte man sich. Leider musste ich feststellen, dass es bei vielen Hochzeiten weniger um das Zelebrieren der Liebe und das Zusammenkommen mit den geliebten Menschen geht, als um das Präsentieren und Schaustellen (Protzen ist ein hartes, aber wahres Wort). So kam es, dass meist alle Kleider reich geschmückt, aber aus synthetischen Stoffen bestanden. Ich will aber Stoffe nicht tragen. Ich will Kleidung nicht tragen. Ich will, dass Kleidung und Stoffe ihre Aufgabe tun: Mich umhüllen und kleiden. Oder mir zumindest nicht schaden.

Denn dass synthetische Stoffe Hautkrankheiten erzeugen, sollte kein Geheimnis mehr sein. Hinzu kommt aber der stechende Geruch, den sie erzeugen, weil sie den menschlichen Schweiß nicht aufsaugen, sondern gerade zu anfeuern (da häufig nur schlecht luftdurchlässig).

So will ich lieber wenige, aber hochwertige Kleidungsstücke haben statt viele, aber schlechte, die ich nach zwei Mal waschen ohnehin nicht mehr anziehen kann oder mich krank machen. Ich weiß, das sagen alle Mütter. Aber sie haben da eben auch Recht.
Das Problem ist nämlich, dass Produkte durch synthetische Stoffe täuschend echt wie teure Designerkleidung aus Hochglanzmagazinen aussehen können. Und wir leben nun mal in einer Konsumgesellschaft, die darauf abzielt, reich zu sein oder zumindest reich auszusehen und Reiche zu imitieren. Alles zu haben, mehr zu haben und noch dazu als erstes. Kleidung ist Status. Kleider machen Leute, wir erinnern uns an den Hauptmann von Köpenick.

Warum aber soll gesunde Kleidung nur Reichen vorbehalten sein? Warum zwingt unsere Gesellschaft Menschen, die sich diesen Lebensstil nicht leisten können, dazu nach krankmachender Imitation zu greifen? Warum sind die Leidtragenden unseres Konsumwahns wieder jene, die sich dagegen nicht wehren können (in einem intellektuellen und wirtschaftlichen Sinne)?

Deshalb gehe ich so ungern Einkaufen. Nur ungern mag ich das ansehen.

Mir behagt auch nicht der Gedanke, Kleidung zu tragen, weil irgendwelche Menschen das für modisch erklärt haben oder mir damit ein bestimmter Status zugesprochen wird. Ich kleide mich gerne so wie ich will. Darüber hinaus ist Kleidung für mich Kunst. Punkt. Selbstverständlich bin ich in meinem ästhetischen Bewusstsein von eben jenen Faktoren beeinflusst, die ich hier problematisierte. Das weiß ich. Genauso wie wir auch sonst in unserem Leben und Denken von veralteten Denkmustern, Konventionen und konstruierten Bedürfnissen gelenkt und beeinflusst werden. Das ist ein ewiger Kampf im eigenen Kopf und Herzen.

Übrigens: In den drei Monaten, die mein Mann und ich in Kairo lebten, hat mich eine Sache besonders glücklich gemacht: Dass wir nur wenig hatten. Wir hatten zwei Töpfe, eine Pfanne, zwei flache Teller, zwei tiefe und zwei kleine. Drei Gläser und ein bisschen (Koch-)Besteck. Das war’s in der Küche. Und ich war glücklich, ich brauchte nicht mehr. Das war eine der wenigen Male in meinem Leben, wo Eigentum mein Eigentum war und ich nicht das Eigentum des Eigentums.

SEZER MUSS GEHEN


Sezer ist eine Frau*, hat aber ihren männlichen Namen aus einem früheren Leben behalten. Ich sitze mit ihr in einem Istanbuler Café und trinke Tee. Sezer erzählt. Ich höre zu.

Sie hat sich nicht geschminkt und ist schlicht angezogen. Ihre Nase ist schmal, die Lippen etwas aufgespritzt, die Brüste wirken zu groß für ihren zierlichen Körper. Sie verschränkt schützend ihre Arme davor. Sezer möchte sich verstecken, zumindest nicht herausstechen.

“Ich mag das nicht, laut und auffällig”, sagt sie fast flüsternd. So spricht sie die ganze Zeit, leise und vorsichtig.

Ein schlaksiges Kind muss sie einmal gewesen sein. “Zu schlaksig für meine sieben Brüder”, erzählt Sezer. Sie war das jüngste Kind einer großen Familie in einem Dorf im Osten der Türkei. Blond, schmal und mädchenhaft sah sie aus. Ganz anders als ihre Brüder, die sie deshalb schlugen und hänselten.

“Sie wollten mich psychisch fertigmachen, damit ich mich selbst umbringe. Damit sie das nicht selbst tun mussten”, sagt sie. Glücklicherweise ergatterte sie nach der Schule einen Platz an einer Universität, das war ihr Fluchtweg.

Seit fünf Jahren ist sie nun in Istanbul, ihre Familie hat sie seitdem nicht gesehen. Dafür aber viel Leid. “Wie ein Sack” lag vor zwei Jahren eine ihrer Freundinnen tot auf der Straße, die Kehle von einem Freier durchschnitten.

Die Polizei kümmerte das kaum, sie stellte keine Nachforschungen an, ließ lediglich die Leiche entsorgen. Sezer sagt, Transvestiten seien hier Freiwild.

Sie geht nicht mehr auf Partys, sie nahm ohnehin nie Drogen, hat jetzt aufgehört zu rauchen. Einen Plan hat sie nicht, aber sie würde gerne “normal” sein.

“Ich will einen Alltag, einen unauffälligen Job, Routine. Das wilde Leben ist nichts für mich”, sagt Sezer. Sie sagt, sie wolle wieder ein Mann sein.

Sie erzählt von ihren Freundinnen, die man umbrachte, die im Gefängnis sitzen, und jenen, die sich selbst töteten. “Ab einem bestimmten Alter vereinsamen wir. Schau dir Bülent Ersoy an”, sagt sie. Bülent Ersoy ist die prominente Transvestitin der Türkei, eine berühmte und beliebte Sängerin.

“Viele meiner Freunde ahmen sie nach, aber wir alle wissen, wie unglücklich sie bei all dem Ruhm ist.” Viele beenden ihr Leben früh, wenn ihnen nicht Drogen oder Freier zuvorkommen.

Sezers Freundinnen gehen anschaffen, um Geld nach Hause zu schicken. Dann fragen die Eltern beim nächsten Feiertag am Telefon nicht wieder, wann das Kind denn endlich wieder nach Hause kommt.

Damit sie nie erfahren, dass der Sohn nun eine Tochter ist. Während wir reden, sucht Sezer vorsichtig den Blick der Männer, die an uns vorbeigehen. Auch Sezer arbeitet heute.

“Ich wollte eigentlich nie eine Frau sein”, sagt sie und lächelt mich an. Ich weiß nicht, ob sie das sagt, weil sie glaubt, ich wolle das hören. Ich weiß nicht, ob sie wirklich wieder ein Mann sein möchte oder sich einfach danach sehnt, ihr Leben möge der Mehrheit als normal gelten.

Sie erzählt von Freundinnen, die heiraten, von manchen, die religiös werden und gar das Kopftuch tragen.

Dann nickt ihr ein Mann zu, sie schaut mich an. Sezer atmet tief durch. Sie muss jetzt los.

taz, Tuch-Kolumne, 14. September 2011

* Sezer wählte in unserem Gespräch auf Türkisch das Wort “travesti”, um sich zu beschreiben, nicht transgender. Mir ist bewusst, dass beides nicht zu verwechseln ist. Ich möchte ihr allerdings nicht in den Mund legen, was sie wohl gemeint haben könnte. Heute würde ich diesen Text anders schreiben (und das Gespräch vermutlich anders führen). Damals (2011) war mein Wissensstand und Sensibilität bezüglich der LGBTQI Gemeinden noch sehr begrenzt.

ZWEI EURO

Ich stehe in Köln am Bahnsteig und ziehe mir ein Ticket am Ticketautomaten – per Kartenzahlung. Als ich in das Ticketfach greife, entdecke ich ein zwei Eurostück. Soll ich es da lassen? Oder mitnehmen und einem Obdachlosen geben? Obwohl ich mir unsicher bin, ob ich das nicht vergessen werde, nehme ich das Geld mit.

Am nächsten Tag stehe ich am gleichen Bahnsteig, am gleichen Ticketautomaten. 2,50 Euro kostet das Ticket, ich werfe ein 2 und ein 1 Euro-Stück ein. Kurz vor Ticketkauf steht am Bildschirm „Verkehrsbund fehlgeschlagen“. Was soll das denn heißen? Ich klopfe gegen den Automaten. Keine Reaktion. Das Geld ist weg.

GEFAENGNISGESCHICHTEN

Wir sitzen an einem wackeligen Tisch vor einem Fastfood-Stand. Die Sonne knallt, ausserdem ist es sehr schwül in Minneapolis. Ich esse den zigsten und hoffentlich letzten fettigen Veggie-Burger meines Lebens. Mein Stuhl steht zwischen Irak (Qais) und Portugal (Paula) zusammen mit Palästina (Ziad) und Armenien (Samvel). Unsere 24-köpfige Blogger-Truppe ruft sich spasseshalber bei den Ländernamen.

Palästina, Armenien und Irak plaudern aus dem Nähkästchen, sie erzählen Gefängnisgeschichten. Portugal und ich hören gespannt zu. Es ist eine andere Welt. Es sind andere Welten.

Kirkuk in Irak. Es ist 3 Uhr nachts.* Die Türen klopfen und führen Iraks Freund nach draussen. Stockdunkel ist es. Nur ein Militärhubschrauber steht hell erleuchtet vor seinem Haus – “Blackhawk.”
Die US-amerikanischen Soldaten zerren ihn in den Hubschrauber und brüllen ihn an. Er lächelt, grinst. Dann lacht er. Seine Augen leuchten. “Danke. Danke euch!”, sagt er. Die Soldaten sind irritiert. “Ich bin noch nie in meinem Leben geflogen, das ist mein erstes Mal!”, sagt er und er meint es ernst. Seine Freude ist echt. Während ihn die Soldaten anbrüllen und zusammenschreien, schaut er aus dem Fenster, die Ohren taub, die Augen auf seiner Stadt. Er fliegt.

Im Gefängnis beobachtet er die Soldaten intensiv. Interessant findet er sie. 45 Tage werden sie ihn unschuldig festhalten. Als klar wird, dass nichts gegen ihn vorliegt, werden die Soldaten freundlicher. Dann wagt er es und fragt: “Darf ich mit euch Basketball spielen?” Wieder irritiert er die Soldaten. Doch statt ein Brüllen, antwortet ihm dieses Mal ein “Ok, aber nur kurz.”

Iraks Freund berichtet ihm voll Glück von diesen Ereignissen. Irak erzählt sie uns so weiter. Ich lache und amüsiere mich.

“Er hat bis heute Angst, dass ihn die US-Amerikaner wieder holen und inhaftieren”, sagt Irak über seinen Freund. “Er ist paranoid geworden. Aber wir müssen lachen, was sonst können wir tun?”

*(“3 Uhr nachts? So haben das auch die Sowjets gemacht”, sagt Armenien. “Ja, auch die Israelis. Um die Uhrzeit kann man fast sichergehen, dass alle schlafen”, fuegt Palästina hinzu. “Welch Zufall. Jesus starb um 3 Uhr nachts”, sagt Portugal. Dann ist das wohl Tradition, beschliessen wir.)

QAIS, IRAQ

Qais ist ein kluger Mann. Ein Laecheln auf dem Gesicht, ein warmes Herz. Seit fuenf Tagen reisen wir gemeinsam mit einer Grupper Blogger und Aktivisten aus der ganzen Welt durch verschiedene Staedte der USA. Wir sprechen ueber alle moeglichen Konflikte in der Welt, wir diskutieren und lachen viel. Wir essen und trinken. Wir hoeren zu und sprechen.

Nicht ein einziges Mal habe ich Qais nicht laecheln sehen. “Kennst du Ibrahim Tatlises?”, fragt er mich. Dann zaehlt er seine vielen tuerkischen Lieblingssaenger auf. Bei Mahsun Kirmiziguel macht er halt und zwinkert. Kirmiziguel ist Kurde, sowie Qais.

Wir landen in Atlanta. Qais’ Namensschild haengt noch an seinem Hemd. Auch “Iraq” steht auf dem Schild. “Yeah, you’re free now!”, ruft ein Amerikaner, der sein Schild entdeckt. Wir bleiben schockiert stehen. Sollen wir etwas sagen? Wird Qais etwas sagen? “Ok, come to my country. You will see”, sagt Qais. Und laechelt.

Er sitzt auf dem Podium und diskutiert mit anderen Panelisten aus unserer Gruppe auf einer Bloggerkonferenz ueber den arabischen Fruehling. Eine Frage zu der kritischen Beziehung zum Iran wird gestellt. Man will dass er sich feindlich dazu aeussert. Qais Augen huschen durch das Publikum, er entdeckt Mehdi, den iranischen Blogger in unserer Gruppe. “Schaut”, sagt er, “das ist mein Freund Mehdi. Wir waren gestern Abend zusammen Schischa rauchen. Dieser Konflikt ist ein Konflikt der Politik, nicht der Menschen.” Qais laechelt.

Dann, irgendwann im Laufe des Panels, erzaehlt er von Videos, die er nie veroeffentlicht hat. Von Toten und Verletzten. “Sie sind so schlimm, dass sie die Videos nicht ertragen wuerden. Und ich habe so viele.” Qais Gesicht ist freundlich. “Mein Schwager wurde vor zwei Wochen umgebracht. Ich habe ihn in zwei Teilen wiedergefunden”, sagt er. Und er laechelt.

Dann entdecke ich die Trauer in seinen Augen. Sie war die ganze Zeit schon da.

IMPRESSIONEN

Die letzten Tage waren voller intensiver Eindruecke, Impressionen und Erfahrungen. Menschen, die ich traf, Orte, die ich sah, Woerter, die ich hoerte. Das American Indian Museum in Washington D.C. war nur ein Teil dieser Zeit, die noch andauert. Um die ersten Eindruecke zu verarbeiten und mich erstmals am Videoschneiden zu probieren, habe ich dieses Video zu der Musik von Philip Glass zusammengestellt. Jetzt aber muss ich mich erstmal sputen, zur Konferenz “Netroots Nation” in Minneapolis. Je oefter ich das Video mir ankucke, umso mehr Fehler entdecke ich. Schnell weg.

NOCH WENIGE STUNDEN BIS MITTERNACHT

Ich hocke hier gerade in einer anderen Zeitzone auf einer Konferenz über “Blogging for Social and Political Change” und bin deshalb etwas rechenfaul – ein paar Stunden sind es jedenfalls bis zum Ende des Publikumsvoting fuer den Grimme Online Award, so viel konnte ich errechnen.Egal, ob es klappt oder nicht, die Nominierung ist mir eine riesengrosse Ehre. Und die Blogger-Kollegen auf der Konferenz hatten die grandiose Idee das tolle Video zu machen. Danke an Sana Saleem fuer das Zusammenschneiden. (Ich lerne langsam – aber sicher!, – wie das Ganze funktioniert.)

Ich sende liebste Gruesse und Salams von Minneapolis nach Deutschland und allen anderen Laendern der Welt. Ahoi!

MEIN 1. LIEBLINGSPLATZ IN KAIRO: DER SUPERMARKT


Also ich spreche nur ein bisschen Hocharabisch (Fusha), jedenfalls eine Sprache, die in Konversationen mit den meisten Ägyptern vollkommen unnütz ist. Da kommt man selbst mit Englisch weiter. Aber eben auch nicht besonders weit.

Kurzum: Mit Worten kann ich hier nur schwer kommunizieren. Aber seitdem ich einmal kurz vor einer Klassenfahrt die Stimme verlor und meine Freunde mir zuliebe mehrmals am Tag unermüdlich Pantomime (Scharade) spielten, bin ich Pantomime-Profi. Eine wunderbare Alternative zu Worten.

Nun habe ich einen Spielplatz gefunden, wo ich meine perfektionierte Pantomime-Expertise einsetzen kann: Der riesengroße Allerlei-Supermarkt El Mahmal, hier bei uns in um die Ecke. Fast jeden Tag war ich dort. Ich fing an mit der pantomimischen Beschreibung von Töpfen, Flip-Flops und Besteck. Daraufhin folgten Handtücher, Waschmittel, Weichspüler, Zucker, Wegwerf-Handschuhe, Speisestärke und Falafel – eine lange Liste.

Mein bisheriger Höhepunkt: Mit stolz darf ich verkünden, dass ich der El Mahmal-Mitarbeiterin in kürzester Zeit erfolgreich das Wort “Duftsäckchen” beschrieben habe.

Ein tolles Gefühl ist das, wenn die Mitarbeiter einen mit leuchtenden Augen anblicken, weil sie verstanden haben, was ich meine; dann glänzen meine Augen, wenn sie mir das gesuchte Wort zeigen, weil sie mich tatsächlich und wirklich verstanden haben; dann staunen die Augen meines Mannes, wenn ich breit grinsend an der Kasse antanze, mit all den Produkten, die ich alleine niemals gefunden hätte.

Hach. Ich liebe El Mahmal.

AUCH AUS KAIRO KANN MAN DIE WERBETROMMEL RÜHREN


Meine Damen und Herren, noch zehn Tägchen ein Klickchen bittchen.

Weil man mich mehrmals fragte, erkläre ich mal – selbstlos, wie ich halt so bin. Also für den Grimme Online Award kann man so abstimmen:

1. Klick auf den Link http://www.tvspielfilm.de/gewinnspiele/grimme/wahl/
2. Suche dir eine Webseite aus und klicke sie an
3. Gebe unten rechts deine Stimme ab

Zack! Damit ist gewählt. So einfach geht das. :)

Man muss also nicht drei Stimmen abgeben (jede Stimme wird sofort gezählt) und auch nicht die persönlichen Daten eingeben, um am Gewinnspiel teilzunehmen.

Ja, und wenn ihr für ein fremdwörterbuch stimmt, wäre das natürlich besonders toll. Der direkte Link hierfür: http://www.tvspielfilm.de/gewinnspiele/grimme/wahl/die-nominierten-websites,4537607,ApplicationCategoryVoting.html?tab=0&contentId=4537750

Noch ZEHN Pupsitage (bis zum 15. Juni 0.00 Uhr) darf nämlich gewählt werden, dann steht der Gewinner fest und wird am 20. Juni verkündet!

Huy, ich bin ein bisschen aufgeregt. Die Preisverleihung fällt übrigens genau in die eine Woche, die ich in Deutschland bin. Freu mich dabei zu sein. Werde dann aus der Bloggerparallelwelt berichten.

Sonnige Grüße aus der bunten Kairoer City!

Wer oder was ist Grimme Online Award? Hier zum Nachlesen!