SEIT DEM MORD REDEN WIR OFFENER

Und wieder ist die taz Vorreiter. Vor allem, wenn es darum geht, auch mal jene zu Wort kommen zu lassen, die noch nicht gehört worden sind. Vor einigen Wochen erschien bereits das Interview mit Melih Kesmen von StyleIslam zu dem Thema Islamophobie. Gestern erschien nun das taz-Interview mit mir, als kopftuchtragende Muslimin und Bloggerin, zum gleichen Thema: Islamophobie.
Hier einige Auszüge:

taz: Die öffentliche Debatte über den Mord an Marwa ist fast verstummt. Spielt das Ereignis für kopftuchtragende Frauen noch eine Rolle?

Kübra Yücel: Auch wenn man über den Fall von Marwa kaum mehr spricht, ist das Thema innerhalb der muslimischen Gemeinde immer noch präsent. Es ist viel geschehen: Wir sind uns durch diesen Mord bewusst geworden, dass die Diskriminierungen, die wir erfahren, keine Ausnahmen sind. Es gibt mittlerweile zu viele Ausnahmen. Seit dem Mord an Marwa reden wir offener über unsere Diskriminierungserfahrungen und tauschen uns aus.

/…/Und wie soll sich das ändern?

Ich habe mit meinen Freundinnen sehr viel darüber diskutiert, wie wir dafür sorgen können, dass der Islam in den Medien angemessen dargestellt wird. Zunächst müssen Muslime als gleichberechtigte Gesprächspartner anerkannt werden. Bisher war es so: Wenn ein Muslim sich – auch in akademischen Kreisen – zu islamischen Themen äußerte, so wurde er nicht als eine akademische Person, sondern als Muslim wahrgenommen. Man muss Muslime, wenn sie sich als akademische Personen äußern, auch als solche wahrnehmen.

Wenn man als Muslim über den Islam forscht, ist es dann überhaupt möglich, die muslimische Identität vom wissenschaftlichen Anliegen zu trennen?

Das kann man selbstverständlich nicht trennen. Das ist aber in allen Wissenschaften so. Wenn sich eine Frau zu feministischen oder ein Christ zu christlichen Themen äußert, sind sie natürlich nicht neutral. Sie werden aber trotzdem als gleichberechtigte Partner wahrgenommen und akzeptiert. Genau das fehlt bisher – auch in akademischen Kreisen – in der Diskussion mit Muslimen.

/…/Fühlen Sie sich bedroht als kopftuchtragende Frau?

Nein. Ich fühle mich nicht bedroht oder eingeschüchtert. Ich merke vielmehr, dass es noch viel zu tun gibt; es besteht viel Aufklärungsbedarf.

Was möchten Sie denn tun?

Das Wichtigste ist, dass man ständig im Dialog ist. Die Debatte sollte nicht abebben und wir sollten nicht auf den nächsten Mord warten. Ich sehe es als meine Aufgabe an, als Journalistin und durch meinen Blog aus dem Leben einer Muslimin zu berichten. Ich versuche darzustellen, wie es ist, als muslimische Deutsche hier zu leben. Ich will zeigen, dass ich keine Gefahr für die Gesellschaft darstelle und ein ganz normaler Mensch bin. Allein diese Tatsache sorgt, so glaube ich, bei vielen Menschen dafür, dass sie ihre Vorurteile nochmal überdenken.(…)

ihr hier lesen.

Yesterday an interview with me about islamphobia in Germany was published on the website of the daily newspaper Die Tageszeitung (taz). The interview is basically about how the Muslim community has reacted to the murder of Marwa a couple of weeks ago and islamophobia in Germany in general.

KARNEVAL! – DIE ZUSAMMENFASSUNG

Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, meine Heldengeschichte über Tariq Ramadan zu schreiben. Er ist mein Denkheld. Also jemand, dessen Gedanken mich beeindrucken und beeinflussen.
Nun fing ich an zu schreiben – natürlich nicht ohne am Anfang ein bisschen herumzuphilosophieren. Ich schrieb davon, dass wir in jeder Lebensphase unterschiedliche Helden haben, da sich unsere Bedürfnisse und Sorgen ändern. Als kleines Kind zum Beispiel… erklärte ich und konnte nicht aufhören über meinen geliebten Opa zu schreiben. Mir fiel auf: Selbst Helden aus unserer Kindheit geben wir nicht auf. Das, was wir von ihnen damals lernten und an ihnen bewunderten, prägt uns heute noch.

So oder so ähnlich muss es auch den anderen muslimischen Bloggern ergangen sein, als sie Familienmitglieder (Mutter, Vater, Oma, Opa) als ihre persönlichen Helden porträtierten.

„Was für eine bessere Heldin als meine Mutter könnte es denn für mich geben?“, fragt Schwester Canan (bloggen statt blocken). Sehr schön beschreibt sie, wie viel ihr ihre Mutter bedeutet. „Eine Frau, die keine Mühen scheute und auch jetzt nicht scheut, um mir und meinen Geschwistern die schönen Facetten des Lebens zu zeigen.“ Außerdem stellt sie fest, dass ihre Mutter immer Recht hat. Canan, meine Mutter auch!


Auch Schwester Fatma (Habse(e)ligkeit) schreibt von einem Familienmitglied: Sehr einfühlsam beschreibt sie ihre Erinnerungen an ihre verstorbene Großmutter: „Meine allerletzte Erinnerung an meine Heldin ist viel Erde, ein weißer Stein und ihr Name auf diesem.“ Eine bewundernswerte Großmutter, die durch ihr Lächeln beglückte und kein schlechtes Gerede oder Verschwendung duldete. Canan schließt ab mit der Erkenntnis, dass Helden nicht immer fliegen. „Sie liegen irgendwann. Unter der Erde.“ Möge Allah sie mit dem Himmel segnen!

Bilal (Tugra e.V.) fängt zwar mit einem Familienmitglied, seinem Vater, an, der ihn in den ersten Jahres seines Lebens sehr prägte, beendet seine Suche nach einem Helden aber mit einer historischen Figur: Fatih Sultan Mehmed Han. Als Eroberer von Konstantinopel (heute Istanbul) wurde er zu einer zentralen Figur des Osmanischen Reiches. „Er selbst ist das Symbol der Gerechtigkeit, der Rechtschaffenheit, der Stärke, der Toleranz. Er ist Denker, Dichter, Künstler und Eroberer.“ Eine beeindruckende Person über die man unbedingt mehr lesen und erfahren sollte.

Von einem sehr starken Vater handelt das Video auf dem Blog der Mangoschalentier-Autorin. Der Vater eines körperlich-behinderten Jungen absolviert ihm zuliebe den Ironman-Wettkampf – mit dem Sohn auf dem Rücken, auf dem Fahrrad und im Boot. Unglaublich.

Eben entdeckte ich einen älteren, aber sehr witzig-kreativen Beitrag von Schwester Hasibe (Alltäglichkeiten), der auch von einem Helden handelt. Ihrem Vater. Es gibt außerdem ein Plakatentwurf für den nächsten Batman-Film. Ratet mal, mit wem in der Hauptrolle!

Das Heldenporträt über Umm Sabah, das Schwester Hidjabi (Adventures Of The Veiled) schrieb, hat mich persönlich sehr beeindruckt und berührt. Umm Sabah ist eine 78-jährige deutsche Muslima, die sich nach einer Palästina-Reise dem Land und den bedürftigen Menschen dort gewidmet hat. Aufopfernd und selbstlos sammelt sie Geld für Hilfsbedürftige und würde wohl auch ihr letztes Hemd aufgeben, würden ihre Mitmenschen sie aus Sorge nicht davon abhalten. Eine Frau, die nicht vergisst, obwohl wir anderen schon längst dem Rauschen des Alltags gefolgt sind.


Eine andere sehr beeindruckende Frau porträtiert Bruder Ethem Abdussamed (Das klare Wort): Rachel Corrie. Die junge Studentin aus den USA ließ mit 23 Jahren ihr Leben für den Frieden in Palästina. Am 16. März 2003 wurde sie von einem israelischen Panzer überrollt, als sie ein palästinensisches Haus vor der Zerstörung durch die Armee beschützen wollte. „Rachel Corrie hat ihr Leben mit 23 Jahren für ihren Glauben, ihre Hoffnungen und Träume gegeben. Sie glaubte an eine bessere Welt, an eine gute Seite im Menschen. Sie gab ihr Leben um andere zu beschützen die sie nicht kannte, ihre Sprache nicht sprach und mit ihnen keinerlei Ähnlichkeiten hatte.“

Schwester Meryem (Meryems Welt) richtet ihren Beitrag an alle Schwestern – Heldinnen, die uns tagtäglich umgeben. Sie öffnet uns die Augen für Mütter, die sich bewusst für das Zuhausebleiben entscheiden, oder Schwestern, die in schweren Zeiten konvertierten und mit vielen gesellschaftlichen Problemen und Hürden zu kämpfen hatten; ausländische Schwestern, die versuchen in Deutschland Fuß zu fassen. Sie alle bedeuten Schwester Meryem viel: „Ich bin so stolz auf Euch und so dankbar, dass ich Euch kennenlernen durfte, meine Schwestern. Alhamdulillah.“


Bruder Omar (Too Much Cookies) wirft die Frage auf, ob nicht auch Helden Fehler haben dürfen. So porträtiert er Omar Ibn Al-Khattab, den Gefährten des Propheten, der für seine anfangs jähzornige Art bekannt ist. Erst mit den Jahren und durch den Einfluss des Propheten überwand er seine Schwächen und entwickelte Stärken, für die er noch heute bewundert wird. Ein lesenswertes und sehr interessantes Porträt!

Und nicht zuletzt die etwas andere Herangehensweise an das Thema Helden von der Schwester Tekays (Tekays). Unter anderem fällt ihr auf, dass im Wiki-Helden-Artikel nur HeldEN (und nicht HeldINNEN) aufgelistet sind. Na, den Gedanken könnte man weiterführen und ergründen, warum das so ist. Aber Schwester Tekays deutet in einer Fußnote eh noch an, dass sie das Helden-Philosphieren irgendwann vielleicht fortführen wird. Wenn’s so weit ist, dann sag’ uns Bescheid. Wird sicher interessant!

Ups. Meine Zusammenfassung ist eigentlich gar keine, dafür ist sie viel zu lang. Aber Helden muss man nun mal viel Platz einräumen, sonst wird man ihnen nicht gerecht.

Herzlichen Dank an alle Brüdern und Schwestern, die bei dem 6. muslimischen Blogkarneval mitgemacht haben! Sehr tolle Beiträge! Ich freue mich schon sehr auf das nächste bunte virtuelle Zusammenkommen.

Bis bald und liebe Salams!


This is the summary of the “6th muslim blog carnival” (Germany). It was so exciting to choose a topic and see what people would develop from this. Our topic was “heroes” and bloggers wrote about their parents, grandparents, historical characters and random people who have served humanity. My article (see article below) is about my grandfather who has taught me alot about life, religion and – sounds funny – the importance of vegetables. I am so curious about the next blog carnival!

Thanks to all participants! Wassalam!

DIE APFELSTÜCKCHEN


Kaum dass sich die Tür öffnete, stürmten wir hinein. Vorbei an der nachts so laut tickenden Uhr, rein in das große Wohnzimmer, wo sie beide saßen. Sie drückte mich ganz lange und gab mir Schmatzer. Er saß neben ihr, groß und gemächlich. Ich küsste ihm die Hand und setzte mich auf seinen Schoß. Während er Äpfel schälte und in kleine Stückchen schnitt, erzählte er mir davon, wie gesund Obst ist. Obst macht groß und stark. Unheimlich groß! dachte ich und bewunderte ihn. Er ist der größte Mensch auf der ganzen Welt. Er ist so groß, er kann die Decke berühren, ohne zu springen. Er ist der Größte, er ist mein Held.

Ich liebte es zuzuschauen, wie er seinen weichen, tiefschwaren Bart kämmte und mit Düften aus einem fernem Land einmassierte. Dabei erzählte er von diesem fernen Land. Von der Stadt, die ihn immer wieder anzieht. Wo sich die Menschen alle vertragen, lächeln und glücklich sind. Eine Stadt, die auch ihn glücklich macht, weil sie ihn näher zu Allah bringt. Er ist der Größte, mein Held.

Bald wurde sein weicher Bart grau. Er schälte mir noch immer Obst. Noch immer hielt er mir kleine Äpfelstückchen hin und erzählte davon, wie groß und stark sie machen. Und dann erzählte er mehr. Wie er in ein fremdes Land mit einer fremden Kultur reiste und seine Familie zurückließ. Wie schwer die Arbeit war und wie gut er darin war. Davon, wie die Familie nachzog und bei ihm blieb. Wie sie in der Fremde wuchs und ihn stolz machte. Ich bewundere ihn. Seinen Mut, seinen Glauben, seine Geduld und seine Bescheidenheit. Die Art, wie er Herzen gewinnt und sie niemals bricht.

Er lebt jetzt mal hier, mal in der Heimat. Wenn er aber mal hier ist, dann klingelt er jeden Freitag nach dem Gebet ganz zufällig an unserer Haustür und trägt eine Obstkiste herein. Die stellt er dann in der Küche ab und setzt sich mit mir in unser Wohnzimmer. Dort schält er mir Äpfel und erzählt von früher.

Dieser Text ist für den 6. Muslimischen Blogkarneval zu dem Thema “Helden”.
Ursprünglich sollte die Zusammenfassung des Blogkarnevals morgen hier zu lesen sein. Ich muss das allerdings auf Sonntag verschieben, da ich heute Abend kurzfristig nach Köln reisen muss. Trotzdem bin ich sehr gespannt darauf, wer die Helden der anderen Blogger sind und kann es kaum erwarten, alle Beiträge zu lesen! (Einige habe ich schon gelesen und bin sehr beeindruckt von der Kreativität und persönlichen Art) Schaut hier nach, wer bereits Beiträge veröffentlicht hat und kommentiert fleißig andere Mitblogger.

WAS TUN WIR JETZT? – DER FALL MARWA?


Der Fall Marwa E. hat eine hohe Symbolkraft. Das haben nur Wenige verstanden und nur die Wenigsten richtig zu Nutzen gewusst.

Wer eine Zusammenfassung des Falls Marwa E. lesen möchte, Kathrin hat hier eine sehr gute geschrieben.

Omar hat auf seinem Blog bereits einen wichtigen Schritt gemacht und die Muslime zur Besonnenheit aufgerufen. Einige sind emotional geladen, andere erzürnt. Zum Teil verständlich. In den vergangenen Tagen wurde in Deutschland viel versäumt. Der Fall Marwa E. hätte zum Wendepunkt des deutsch-islamischen Dialogs werden können. Die Gesellschaft hätte sich über die Tat lautstark empören, sie verdammen und durch Aufklärung und Diskussion geschlossen gegen die Diskriminierung der muslimischen Minderheit in Deutschland vorgehen können. Hätte.

Karim El-Ghawhary kommentiert eines der größten Versäumnisse (9. Juli 2009, taz) wie folgt:

“Wann immer es einen Anschlag muslimischer Fanatiker gab, wurden die deutschen Politiker nicht müde, Deutschlands Muslime aufzufordern, Stellung zu beziehen, um den Generalverdacht von sich abzuwenden. Nun stehen die Deutschen zumindest in Ägypten unter dem Generalverdacht der Islamophobie. Wo waren in der vergangegen Woche die Stimmen in Deutschland, die den Anschlag im Gericht verurteilen? Sie waren nicht zu hören.”

Wir haben es mit mindestens drei Versäumnissen zu tun:

1. Die Bundespolitiker und die Bundesregierung verspäteten sich mit der Verurteilung und Empörung dieser Tat. Die islamaphob motivierte Tat wurde gesellschaftlich nur ungenügend sanktioniert.

2. Dass es sich bei der Tat um eine – offensichtlich – islamophobe Tat handelt, wurde nur in den wenigsten Medien auch so dargestellt. Das Thema wurde mal auf das Thema der Sicherheit in Gerichtssälen reduziert, mal auf das Bestreben der NPD gezielt Russlandsdeutsche anzuwerben.

3. Die Islamaphobie wird von der Mehrheitsgesellschaft und der Bundespolitik nicht als Problem – bzw. gesellschaftlicher Missstand – erkannt.

Josef Winkler, der migrationspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, sagte der taz (9. Juli 2009) hierzu, “verkappt islamfeindliche Positionen” seien bis in höchste Regierungskreise verbreitet.
Sevim Dagdelen, migrationspolitische Sprecherin der Linken zum gleichen Thema: “Die Bundesregierung macht den Fehler, Rassismus nur als Problem der extremen Rechten zu sehen. Rassismus reicht aber bis in die Mitte der deutschen Gesellschaft und Übergriffe gehören zum Alltag dieser Republik.”

Trotz oder gerade wegen dieser Versäumnisse, müssen Muslime ruhig und sachlich bleiben. Das Thema ist emotional geladen, darf aber nicht emotional diskutiert werden. Vor allem deshalb nicht, weil Nichtmuslime sich der symbolischen Bedeutung des Falles Marwa E. gar nicht bewusst sind. Das liegt nicht an mangelndem Verständniswillen, sondern schlicht und einfach daran, dass sich Nichtmuslime nur selten über 9/11 hinaus mit dem Thema Islam beschäftigt haben bzw. daran, dass es für einen Menschen der Mehrheitsgesellschaft nur mäßig nachvollziehbar ist, wie es sich als Minderheit in Deutschland lebt.

Muslime müssen in Diskussionen die genannten Punkte im Hinterkopf behalten. Andernfalls treten sie mit hohen Erwartungen an ihre Gesprächspartner heran, es entstehen Konflikte. In den letzten Tagen habe ich mit vielen Nichtmuslimen über den Fall Marwa E. gesprochen. Sie waren schockiert darüber, wie viele wichtige Details ihnen über die Medien nicht weitergegeben worden waren Sie wurden darüber kaum informiert. Auch die Diskriminierung, die kopftuchtragende Musliminnen im öffentlichen Alltag erfahren, ist ihnen nicht bewusst gewesen.

Was sollte also getan werden?

Muslime sollten ruhig und sachlich bleiben, ihre Erwartungen herunterschrauben (auch um nicht enttäuscht und damit emotional zu werden) und unermüdlich an die Medien herantreten, um über Missstände zu diskutieren und damit zu bekämpfen. Diskussion, Diskurs, Aufklärung, Sachlichkeit und zielorientiertes, friedliches Handeln sind die einzigen Möglichkeiten, der Diskriminierung ein Ende zu setzen.

Nichtmuslime sollten sich den Diskussionen öffnen, die Missstände als solche verstehen. Der Mord an Marwa E. sollte genauso empören, wie es ein antisemitisch-motivierter Mord an einem Juden getan hätte. Dies setzt selbstverständlich voraus, dass die Medien über die Vorkommnisse berichten und die Bevölkerung informieren.

Die Bundesregierung sollte in erster Linie ihre Versäumnisse eingestehen. (Dass dies unsere Bundeskanzlerin trotz Wahlkampf bisher nicht getan hat, sollte uns jedoch zu denken geben.)

Wir alle dürfen die Diskussion nicht auf den Fall Marwa E. reduzieren. Marwas Fall hat Diskussionen ausgelöst, die nicht gleich abebben und auf den nächsten Mord warten dürfen. Wir müssen es schaffen, konstant miteinander im Dialog zu bleiben.

Karim El-Ghawary beendet sein Kommentar übrigens mit einer Ausnahme, die nicht schwieg wie der Rest Deutschlands:
`Man muss kein Muslim sein, um sich gegen antimuslimisches Verhalten zu wenden, und man muss kein Jude sein, um gegen Antisemitismus vorzugehen’, sagt der Generalsekretär des Zentralrats der Juden. Danke, Stephan Kramer, für diese deutlichen Worte. So selbstverständlich sie eigentlich sind, so selbstherrlich wurden sie in der letzten Woche von der deutschen Politik übergangen.“

Herr Kramer zeigt mit diesen Worten außerdem: Eine Minderheit ist eigentlich keine Minderheit, dafür gibt es zu viele von ihnen.

So könnt ihr aktiv werden: Fordert eine Stellungnahme der Bundeskanzlerin Merkel zu dem Mord an Marwa E., indem ihr hier unterschreibt. Eine Intiative von Melih Kesmen.

Möge Allah Schwester Marwa mit dem Himmel und ihre Familie mit Ausdauer und Geduld segnen. Amin.

Mehr zu diesem Theme hier: ZEIT- Ein Opfer islamfeindlicher Hitze; ZEIT – Der neue Hass; taz – Merkel soll über Marwa reden; tagesschau – Der Mord an Marwa betrifft uns alle

This article is about an terrible incident that has happened at a court room in Dresden (Germany) a week ago. An Egyptian Muslima (and mother of a 3-years-old child) was stabbed to death by an islamophobic Russian-German after insulting her and calling her “terrorist”, “bitch” etc. Read more about the tragic death/murder of Marwa E. here.
German media has unfortunately reacted very strangely to her death and the islamophobic murderer: The public was very late informed about the details of her death (that she was 3-month pregnant, her husband was accidently shot by a police officer etc.). German politicans did not condemn this murder at once, but only a few days later when Muslims in Germany and Egypt started to protest. Muslims in Germany became more and more emotional about the case of Marwa E. I am criticizing this development as emotional debates will not lead to peaceful conclusions. I have made suggestions to all parties – Muslims, Non-Muslims, politicians and media – in order to abolish islamphobia from German society and prevent murders like Marwa E.’s. What happened is really sad, but we need to stay rational.
May Allah bless our sister Marwa E. and help her family.

DER 6. MUSLIMISCHE BLOGKARNEVAL


Es ist bald soweit: Am 17. Juli findet endlich, endlich, endlich der 6. muslimische Blogkarneval statt!


Helden! Die Welt ist voll (unentdeckter) Helden: Wir sehen sie im Fernsehen und lesen in ihren Büchern. Manchen von ihnen sitzen wir im Bus gegenüber oder wohnen mit ihnen gar unter einem Dach.

Helden inspirieren uns, machen uns Hoffnung oder stärken unseren Glauben. Sie sind Menschen mit Ideen und Visionen. Mit ihrer Art, ihren Reden und Taten, Büchern und Gedichten, Liedern und Geschichten verändern sie unser Weltbild. Sie machen uns Mut. Sie bewegen und verändern uns.

Genau diesen Menschen möchten wir uns iA am 17. Juli, beim sechsten muslimischen Blogkarneval, widmen. Mach mit! Schreib mit! Mobilisier andere!

Erzähl uns: Wer war dein Held? Wer hat dich inspiriert und bewegt? Wen bewunderst oder verehrst du?


Und so kannst du mitmachen:

  • veröffentliche am 17. Juli auf deinem Blog einen Beitrag zu dem Thema „Helden“
  • verlinke den Muslim Blogkarneval in deinem Artikel
  • verlinke deinen Artikel hier als Kommentar

Da ich dieses Mal die Ehre habe, Gastgeberin des Muslim Blogkarnevals zu sein, werde ich einen Tag später, am 18. Juli, auf Muslim Blogkarneval eure Beiträge moderieren und zusammentragen.

Mehr Infos findet ihr auf Omars Seite und hier.

Ich freue mich schon sehr auf den 17. Juli, wenn iA muslimische Blogger aus ganz Deutschland verraten, wer ihre Heldinnen und Helden sind! Auf zu Heldentaten!

Gespannte Grüße und liebe Salams,
Kübra

PS: Die Illustration zum 6. Muslim Blogkarneval ist von Alex. Das Bild dürft ihr zwecks Ankündigung gerne weiterverwenden. Hier in mittlerer und hier in Großauflösung. Das Ganze mit Datum in klein, mittel und groß.

GEBETSKETTENGESICHTER

Das, meine werten LeserInnen, ist ein Gebetskettengesicht.
Bilder aus der Kindheit machen melancholisch. Ich musste kürzlich an meine tollen Abende in der Moschee denken. Und an die Gebetskettengesichter.

Für uns Kinder waren Abende in der Moschee ein einziges Abenteuer. Die Erwachsenen trafen sich zu irgendwelchen Erwachsenen-Kultur-Sachen und wir saßen ganz brav neben unseren Müttern. Anfangs zumindest. Unsere Versuche, den Vorträgen zu folgen, scheiterten nämlich unheimlich schnell. Also gaben uns unsere Mütter Bücher zum Lesen, Hefte zum Malen oder Spielzeug zum Spielen. Aber auch damit hielten wir uns nicht lange auf. Denn kaum dass sich die ersten Kinder in einer Ecke zum Spielen versammelten, konnten auch meine Schwester und ich nicht still sitzen. Wir schauten unsere Mutter fragend an, sie wiederum nickte uns zu – nicht ohne “Aber leise bitte!” hinterher zu flüstern.

Spielen war das Größte! Wir spielten Verstecken, Ticken, Eis-Ticken, Catlak-Patlak, Charlie-Chaplin (ging nach Hamburg…), Ding-Ding-Doli, Yag Satarim Bal Satarim und – ach! – noch hundert andere (ausgedachte) Spiele. Ich kann mich daran erinnern, wie wir immer mehr in unsere Spielewelt eintauchten, alles um uns herum vergaßen (und damit auch, dass wir leise sein mussten). Wir spielten immer bis zur Erschöpfung und die alten Omis fragten uns, ob wir unsere Würmchen losgeworden waren. Im Türkischen sagt man nämlich “kurtlari dökmek”, wenn man etwas tut, was man schon lange tun wollte. Ich stellte mir also vor, wir würden uns so lange bewegen und herumlaufen bis die Spielelust-Würmchen, die sich an unserem Po festklammern, abfallen.

Wobei das nicht immer so war: “Kurtlar” kann nämlich sowohl Würmer als auch Wölfe bedeuten. Deshalb stellte ich mir eine Zeit lang vor, ich würde kleine Spielelust-Wölfe abschütteln, die sich an meinem Po festbeißen. Aber nur eine Zeit lang, denn die Spielelust-Würmchen-Vorstellung fand ich angenehmer.

Jedenfalls waren wir nach dem ganzen Spielelust-Würmchen-Abschütteln unglaublich müde, setzten uns wieder zu unseren Müttern und schliefen erschöpft ein. Und die Erwachsenen hatten endlich ihre Ruhe.

Zu meinen anderen Lieblings-Beschäftigungen in der Moschee gehörten die Gebetskettengesichter. Ich liebte es, Gebetsketten zu sammeln und Bildchen daraus zu formen. Dinosaurier und Autos waren einfach, am lustigsten waren aber Gesichter. Die Bändchen waren schließlich geradezu prädestiniert für Pferdeschwänze. Stundenlang konnte man mich damit unterhalten. Und nun, nach mehr als zehn Jahren, hab ich wieder ein Gebetskettengesicht gebastelt und bin die Würmchen losgeworden.

KRIMSKRAMSPOST

Wer lange nicht bloggt, kann nur Krimskrams-Posts schreiben. Es passiert einfach zu viel im Leben. Oder man möchte zu viel sagen.

 

An der Uni und am Bachelor herumnörgeln – darin war ich in den vergangenen drei Semestern einsame Spitze. Doch dann kam die ultimative Wende…

Letzte Woche fing nämlich das vierte Semester an. Und – oh Wunder! – ich habe nun endlich das Gefühl, so richtig zu studieren. Wissen vertiefen, nach Interessen gehen, Schwerpunkte setzen!

Ich habe so tolle Fächer wie “Islam und Politik”, “Angst in der modernen politischen Theorie und im modernen politischen Denken” oder “European Neighbourhood Policy”. Wie funktioniert Politik in mehrheitlich islamischen Ländern wie der Türkei, Indonesien oder Pakistan? Wie wird mit Angst Politik gemacht? Wie ist die EU-Außenpolitik zu Israel und Palästina? Alles Fragen, die mich brennend interessieren. Ich bin furchtbar gespannt. Weitere euphorische Meldungen werden sicher folgen.

Und sonst gibt es jede Menge Terminchen:

Die Jugendmedientage 2009
Die JMT sind jedes Mal ein Abenteuer. Letztes Jahr beim ZDF in Mainz, starten sie in diesem Jahr auf dem Expo-Gelände in Hannover. Thema in diesem Jahr: “Ethik in den Medien – Eine Frage der Ehre”
Unbedingt hinkommen, denn ich werde auch da sein und einen Workshop leiten.
Start: 11.-14. Juni, Anmeldeschluss: 22. April, mehr Infos:
jugendmedientage.de
Der Myumma.de Blog-Wettbewerb
Es war ja fast schon eine Schande. Muslime in Deutschland zeichnen sich durch eine gewisse Träää…ägheit aus – zumindest im Vergleich zu den britischen Muslimen, die alles ratzfatz machen. Auch in der Bloggerszene entstehen nur laaangsam deutschsprachige Blogs von Muslimen. Das soll nun beschleunigt werden. Myumma.de ruft zum Blog-Wettbewerb auf! Es gibt total tolle Preise zu gewinnen, wie zB ein Umra-Reisegutschein, ein Netbook oder ein Jerusalem-Reisegutschein!
Unbedingt mitmachen! Ich hab nämlich ein kleines Wörtchen mitzureden.
Einsendeschluss: 20. Mai, mehr Infos: myumma.de

Muslimische Jugend: Coole Muslime?
Die Evangelische Akademie Loccum engagiert sehr im christlich-islamischen Dialog. So gibt es bald wieder ein sehr interessantes Seminar zu dem Thema “Coole Muslime? Was wollen und können muslimische Jugendorganisationen zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen?”
Drei Tage lang wird diskutiert, analysiert und nochmal diskutiert. Das Programm könnt ihr euch hier anschauen.
Start: 15. bis 17. Mai, Anmeldeschluss: 07. Mai, mehr Infos auf loccum.de

Und weil mich mein Bloggergewissen plagt, da ich mein Blog so lange ruhen ließ: Hier kommt der erste Kurzfilm von Baba Ali, dem muslimisch-amerikanischen Typen auf dem Bürostuhl, der auf YouTube so lustig kritisierte. Er twittert und bloggt übrigens.

TOMORROW NEVER COMES

TARIK AUS DEM NETZ

Betül hat ihren Mann im Internet kennengelernt. Das ist nicht ungewöhnlich: Immer mehr junge, religiöse Muslime in Deutschland nutzen das Internet zur Partnersuche.

Betül* und Tarik* sind seit über einem Jahr glücklich verheiratet. Als sich das junge Pärchen vor zwei Jahren auf einer islamischen Veranstaltung begegnete, war es Liebe auf den ersten Blick. Alles passte, ihre Familien verstanden sich und sie heirateten.

Das ist jedenfalls die offizielle Version für die Eltern. Betül und Tarik haben aber ein kleines Geheimnis: Sie haben ihrem Schicksal nachgeholfen, sie haben sich im Internet kennen gelernt.

Was in England oder den USA längst zum „muslim lifestyle“ gehört, entsteht in Deutschland erst noch. Auf Online-Partnerseiten wie Muslima.com, Qantara.com oder Nasib.com suchen junge Muslime nach potentiellen Ehepartnern. Andere besuchen zusammen mit den Eltern muslimische Speed-Datings (die heißen dann aber nicht so, sondern: „matrimonial banquet“, denn „dating“ ist ein unliebsames Wort) oder schalten Heiratsannoncen in muslimischen Magazinen. Der muslimische Heiratsmarkt boomt.

2009 wird eine weitere Partnerbörse online gehen: Halfourdeen.com. Entwickelt von Ali Ardekani – besser bekannt als „Baba Ali“ – dem wohl beliebtesten Video-Blogger unter jungen Muslimen. Der 33-jährige Amerikaner persischer Herkunft gehört mit seinen Ask-Baba-Ali Ratschlägen für junge Muslime zur YouTube-Prominenz. Besonders begehrt waren seine Video-Ratschläge zu Heirat und Partnersuche.

Zahlreiche islamische Gelehrte sehen kein Problem in der Online-Partnersuche – aber nur solange sie im religiösen Rahmen läuft. So sollten die Partner beispielsweise ernste Absichten haben, also wirklich Heiraten wollen, und die Familie in die Partnerwahl einbeziehen.

„Als junger und praktizierender Muslim ist es nicht einfach einen Partner zu finden“, sagt Betül. Das Dilemma lässt sich in zwei Punkten zusammenfassen. Erstens: Die Auswahl an potentiellen Partnern ist gering. Zweitens: Es gibt nur wenige Gelegenheiten einen Partner überhaupt kennen zu lernen. Klassischerweise begegnet man sich an der Uni, auf einer Veranstaltung, oder die Eltern machen Vorschläge und stellen jemanden vor. Discos, gemischte Parties und andere Orte, an denen sich Nicht-Muslime kennen lernen, sind für einen gläubigen Muslim tabu. Außerdem untersagt: Ausprobieren, Küssen, Flirten.

So schießen in Deutschland Partnerbörsen für Muslime aus dem Boden. Neben Muslim-Heirat.de oder Islamisches-Heiratsinstitut.de gibt es das modern gestaltete Muslimlife.eu. „Der muslimische Heiratsmarkt in Deutschland ist aber noch lange nicht gedeckt“, sagt Kadir Yücel (keine Verwandschaft mit der Autorin dieses Textes, Anm. d. Red.), der 29-jährige Geschäftsführer von Muslimlife. 2007 entwickelte er zusammen mit zwei Freunden die deutsch-englisch-türkische Partnerbörse und war überrascht von dem Andrang. Bis zu 3.000 Klicks registrieren sie am Tag. Bald soll die Plattform um eine kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft erweitert werden.

Leila* aus Frankfurt war bis vor kurzem noch Mitglied in einer muslimischen Partnerbörse. Die 29-jährige Politik-Studentin und Mutter eines sechsjährigen Sohnes ist seit drei Jahren geschieden und war auf der Suche nach einem neuen Partner. „Die, die bei den Eltern anklopften waren nicht die Richtigen für mich“, sagt sie. Neben den klassischen Wegen war daher auch das Internet eine Option für Leila. Doch Ali*, ihren Bald-Ehemann, lernte sie – wider Erwarten – nicht in einer Partnerbörse kennen, sondern auf einem bekannten Online-Kontaktnetzwerk.

Durch einen lustigen Kommentar in einer Gruppe erregte der 30-jährige Elektroingenieur ihre Aufmerksamkeit. Wie Leila lebt auch Ali geschieden. Sie schrieb ihn an, er schrieb zurück, es ging hin und her und schon bald telefonierten sie. Die Eltern waren von Anfang an eingeweiht. „Uns ist es sehr wichtig, dass unsere Eltern bei der Partnerwahl mitentscheiden und uns ihren Segen geben“, sagt Leila. Probleme damit, dass ihre Tochter ihren Partner im Internet kennen gelernt hat, haben ihre Eltern nicht.

„Meine Eltern sind aber auch nicht repräsentativ für die muslimischen Eltern in Deutschland. Sie sind sehr religiös, aber gleichzeitig auch sehr offen“, sagt sie. Die oftmals kritische Einstellung von Eltern gegenüber dem Internet ist aber „nicht allein ein muslimisches Phänomen, sondern hängt mit der fehlenden Erfahrung mit dem Medium Internet zusammen“, erklärt Ali, Leilas zukünftiger Ehemann.

Das war auch der Grund, warum Betül und Tarik ein Geheimnis haben und ihren Eltern nicht die volle Wahrheit über ihr Kennenlernen sagten.

„Sie hätten es vermutlich nicht verstanden“, erklärt Betül. Genau wie Leila hat auch die 23-jährige Betül ihren Partner, den 27-jährigen Tarik, im Internet kennengelernt. Das war vor zwei Jahren und damals wollte Betül eigentlich weder heiraten noch jemanden kennen lernen. Entsprechend überrascht war nicht nur sie von sich selbst, sondern auch ihre Mutter – ihr verkündete Betül damals: „Mama, ich habe jemanden kennen gelernt. Er und seine Familie kommen uns nächste Woche besuchen.“

Wie sich die Partnersuche in Zukunft entwickeln wird? „Es wird sicherlich mehr und mehr Pärchen geben, die sich im Internet kennen gelernt haben werden“, sagt Leila. Auch Betül glaubt daran: „Es wird zur Normalität.“

* Namen von der Redaktion geändert.

12. Januar 2008, veröffentlicht im zuender, dem Netzmagazin der ZEIT – zuender.zeit.de
> Ihr dürft gerne (=sollt) auf der zuender-Seite kommentieren und viel herumklicken. Eine tolle Seite nämlich!

HELMUT SCHMIDT ÜBER RELIGIONEN UND TOLERANZ


Am 23. Dezember wird er 90 Jahre alt. Altkanzler Helmut Schmidt ist einer der weisesten, intelligentesten und bedeutensten Köpfe und Menschen Deutschlands.
Ich bewundere ihn unheimlich. Er spricht wie gedruckt und was er spricht, ist wunderbar durchdacht und differenziert – zu allen erdenklichen Themen. Dafür lese man “Auf eine Zigarette mit…” in ZEITLeben.
Und nun wird er, der Held aller Hamburger (spätestens seit der Sturmflut 1962), 90 Jahre alt und die ZEIT (wo er Mitherausgeber ist) widmet ihm zwei Extra-Beilagen (inklusive einer DVD: “Bewegende Gespräche mit Helmut Schmidt”).

Jedenfalls habe ich gerade ein Video von ihm gesehen. Darin spricht er von der (fehlenden) Toleranz gegenüber Religionen und Überzeugungen. Außerdem erfahren, wie man sich in den 20er Jahren in Hamburg so beschimpfte. “Bisscha….!” – Ja, bisscha was? Dafür siehe unbedingt Video.
Isch ma Si, lieber Herr Schmidt. Trotz Zigarettenwolke.

Bildcredit: Ralph Ueltzhoeffer (Und dort gibt es noch mehr cooler Textporträts!)

BAYNACHTEN

Eid mubarak! Bayraminiz mübarek olsun! Happy Eid!
Liebe Mitmenschinnen und Mitmenschen, heute sind die muslimischen Weihnachten! Das Opferfest also.
Heut Abend wird mit der Familie gefeiert und kurz vor Weihnachten gibt es Baynachten. Baynachten, die Bayram-Weihnachten-Kombination, dachten wir uns aus, um noch mehr Geschenke zu bekommen.
Außerdem fing gestern die Hajj-Saison an. Das ist die berühmte Pilgerreise der Muslime nach Mekka. Dieses Jahr sind es wohl fast drei Millionen Muslime. Unglaublich beeindruckend. Ali war vor drei Jahren dort und berichtete hier und eine Schwester auf Musafira.de.
Auch interessant: Der Brite Richard Francis Burton unternahm im 19. Jh. getarnt als Muslim die Pilgerreise nach Mekka und fasste seine Erfahrungen in dem Buch “Persönlicher Bericht einer Pilgerreise nach Mekka und Medina” zusammen. Denn eigentlich ist Nichtmuslimen die Einreise nach Mekka streng verboten.

Und wenn ihr heute Muslime trefft, dann könnt ihr Eindruck schinden, indem ihr – um es international zu halten – mit “happy eid” (häppie ied) grüßt.

Bildcredit: http://bahrainidiva.blogspot.com/

EMEL, DUSSELDORF, NYT UND FREMDGEHEN

Jetzt, wo der Hausarbeitenstress beendet ist, Dinge, die in meinem Kopf herumschwirrten:

EMEL 50th ISSUE
Das muslimische Lifestyle Magazin aus London hat nun ihre Golden-Edition herausgebracht, weil 50. Ausgabe. Und ich war dabei! Aber: Meine Lieblingskolumnistin hört auf. Weil: Thema der Kolumne war das aufregend chaotische Singledasein in orientalischer Kultur (also Heiratskandidaten, die plötzlich neben Mama und Papa auf der Wohnzimmercoach sitzen; arrangierte Dates von Mama und ihren Freundinnen; arrangierte Dates von den eigenen Freundinnen; muslimisches Speed-Dating (Ja, das gibt es!!)) Und da sie nun endlich Mr. Perfect gefunden hat, findet mit dem Singelsein auch die Kolumne ihr Ende.
In der Reportage “Celebrating Best of Britian” werden random Muslime im Arbeitsalltag vorgestellt – vom British Airways-Piloten über die Polizistin bis hin zur Kopftuchtragenden Lehrerin.

Wo wir beim nächsten Thema wären: (Achtung Ironie)

In Düsseldorf sind Baskenmützen verboten. Jedenfalls dann, wenn man muslimische Lehrerin ist und die Baskenmütze als Surrogat für das Kopftuch verwendet. Deutschland ist nämlich ein Land, in dem Staat und Kirche strikt getrennt werden. Und weil wir konsequent sind, bleiben die Nonne und das Kreuz im Klassenzimmer, das Kopftuch und das ultimative Symbol der Unterdrückung, die Baskenmütze, müssen draußen bleiben.
Nachtrag: Hier schrieb man auch schon zu diesem Thema.

Ich hatte Collin Powell schon mal zitiert. Er sagte: “Is there something wrong with some seven-year-old Muslim-Amercian kid believing that he or she could be president?”
Und ich frage: Is there something wrong with some seven-year-old Muslim-German girl believing that she could be a teacher? Obviously yes in Dusseldorf.

Apropos Muslim-Americans:
Die New York Times schrieb diesen sehr interessanten Artikel und drückte damit aus, was ich fühlte, aber nicht aussprach.

Und sonst:
Ich habe überlegt umzuziehen. Nach WordPress. Weil ich auch so eine Tagwolke haben will. Nach ein bisschen Herumschnüffeln, ging ich fremd. Doch ich bereue, denn mein aktuelles Layout ist doch ganz schniecke. Nur mein Adresse finde ich zu lang. Was kann ich tun? Wer kann mir helfen?