DELUXE HAARE

“Irgendwann erzählte mir meine Großmutter, dass sie mir als Kind jeden Abend ganz lange die Haare streichelte – damit sie nicht kraus werden.”

Eine Anekdote aus dem Leben eines Deutsch-Sudanesen, der mit weißer Großmutter, weißer Mutter, weißem Stiefvater und weißer Steifschwester im Bonzenviertel Eppendorf der einzige Schwarze weit und breit war. Die Großmutter, in Nazi-Deutschland aufgewachsen, kürte den Jungen zum Lieblingsenkelkind.
Die abendlichen Haarestreicheleinheiten sind vorbei: Das Lieblingsenkelkind hat heute tatsächlich glattes Haar und ist bekannt unter dem Künstlernamen Samy Deluxe.

Zu sehen in Gangster-Pose: Oign (hinter der Kamera), sein Bruder Ahläx, ich, Sämi Delühks und Ex-Freihafen-Chefköchin Miehrte.

Für die taz führte ich ein Interview mit ihm. Lesen? Hier.

DIE SONNE IST SCHULD

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1. Mai in Hamburg 2008, Bild von Evgeny Makarov

Die Sonnenbrille, wo ist sie nur? Die UV-Wellen prallten voll auf mein Gesicht und verwehrten mir den Blick auf die andere Straßenseite. Kaum hatte ich sie tief in meiner Tasche gefunden, da sprang das Ampelmännchen auf grün. Mir radelte eine etwas ältere, bonzige Dame entgegen. Bonzig, weil klischeehaft: Polo-Shirt, pinker Pullover über die Schultern geworfen und vorne lässig-reich zugeknotet, Perlenkette am Hals und -stecker an Ohren. Da fiel ich aus allen Wolken, als sie tatsächlich mitten auf der Straße stehen blieb, den Fuß absetzte, mir “Schleiereule” zurief und eiligst davon fuhr. Ich war wirklich so baff, dass mir (!) die Worte fehlten. Was war geschehen, mitten in Hamburg, der Metropole, der weltoffenen Stadt, dem “Tor zur Welt”?

1. Mai 2008, überall Sonnenschein, überall blitzte das Sonnenlicht. Kein Wunder, Glatzköpfe reflektieren besonders gut und davon waren heute sehr viele in Hamburg: Der Naziaufmarsch in Hamburg, Barmbek.
Mit zwei Fotografen aus der FREIHAFEN-Redaktion, Oign und Andi, und dank Presseausweis waren wir durch die Polizeiabsperrung direkt zu den Springstieflern gegangen, ich wollte sie nämlich interviewen. Ich hab dann leider gekniffen und ihnen dafür aber zugewunken. Nachdem sie mich und mein Kopftuch fast zu Tode angestarrt hatten und ich klugerweise entschied, sie durch ein glückliches Winken zu irritieren.

Worauf ich eigentlich hinaus will, ist die Sonne. Jegliche Methodenforschung ignorierend stelle ich fest: Bei beiden Ereignissen war die Sonne dabei. Ergo: Die Sonne ist Schuld an der Bräune.