EIN TRAUMMANN

Yeondoo Jung macht Kinderträume wahr.

Yeondoo Jung nimmt Kinder ernst. Auf wunderbare Art und Weise realisiert er krakelige Kinderbilder und schafft wahre Kunstwerke. „Wonderland“ heißt die Fotostrecke. Der koreanische Künstler beweist: Nichts ist zu schön um wahr zu sein.

Television was so funny


Rabbit Family Hopping Around

Afternoon Nap

Copyright: Yeondoo Jung

Der 39-jährige Koreaner Yeondoo Jung hat in London studiert und wurde mit zahlreichen Awards ausgezeichnet. Die Wonderland-Serie wurde 2005 veröffentlicht.
Mehr Wunderbilder von Jung gibt es auf seiner Webseite.

REZEPT



Man nehme: Eine Rapperin, die sich „Bitch“ nennt, und lasse sie über ihr 50-jähriges Vorbild Madonna und das Kopftuch schreiben. Yeah.


Lady Bitch Ray gehört nicht zu den Menschen, von denen ich intelligente Worte erwartet hatte. Dann erfuhr ich: Sie promoviert, ist Dozentin an der Uni Bremen und spielt ein schlaues Spiel mit den skandal-besessenen Medien: Schaut her, es ist so einfach berühmt zu werden. Ich brauche nur die Pseudo-Tabus brechen und anstößige, provokante Texte rappen. Gesagt, getan. Zack, jetzt ist sie „berühmt“ und die Medien nur noch lächerlich.


Nun hat Lady Bitch Ray vor einigen Wochen im spex-Magazin geschrieben, warum sie Madonna so toll findet und – jetzt kommt die Überraschung – schreibt über das Kopftuch als religiöses Symbol. Was mich deshalb überrascht, weil es einfach nicht zu ihrem Spiel mit den Medien passt – der „Bitch“, die nur über das Eine reden will.


In ihrem Ausflug in die Kopftuchdebatte schrieb sie folgende Worte:

[Madonna habe durch Videos wie „Like A Virgin“ oder „Like A Prayer“ das Kreuz als Accessoire benutzt und entmystifiziert.]

„Ich wünschte mir, dass etwas Ähnliches bald mit dem Kopftuch passiert. Denn das Kopftuch ist heute als religiöses Symbol dermaßen aufgeladen, dass es dringend einer Mode bedarf, um es zu entpolitisieren. Es muss einen weiblichen Star geben, der das Kopftuch neu besetzt und zum Massentrend macht. Jede Frau muss ein Kopftuch tragen wollen, bis man Musliminnen nicht mehr von anderen Frauen unterscheiden kann. Die Frage, ob das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung ist oder nicht, wird sich dann gar nicht mehr stellen – denn Mode ist Mode, nicht Unterdrückung. In den fünfziger Jahren war es ja schon mal so: flottes Cabrio, Sonnenbrille, Kopftuch – damals war das ein cooles Accessoire. Religiöse Symbole müssen entzaubert werden, damit die Leute sich nicht mehr um ein Stück Stoff streiten, sondern sich endlich mal auf die wirklich wichtigen Fragen konzentrieren.“

Man kann viel über Reyhan Sahin (ihr bürgerlicher Name) diskutieren. Nach wie vor gehöre ich nicht zu ihren Fans. Sie spricht aber über das Kopftuch ohne die gängigen Vorurteile über kopftuchtragende Frauen zu schüren oder die Religion zu dämonisieren, sondern rein als ein Stück Stoff – mit einem interessanten Ansatz. 
Und das rechne ich ihr hoch an.


Der ganze Text? Hier.

EXEMPLARISCH, VORREITEND, SCHÖN

Ach würd‘ er noch leben, wir könnten viel lernen.

Am 06. August, vor fast einer Woche, wäre Andy Warhol achtzig geworden.
Zu diesem Anlass schrieb das spex-Magazin über Warhols wunderbare Interviews im Interview-Magazine. Bitte ganz fette Scheibe abschneiden. Einfach zu schön.

Exemplarisch:

Park Avenue, New York. Andy Warhol interviewt den damals achtzehnjährigen Michael Jackson für sein Interview Magazine. Der Kaviar wird serviert. Michael Jackson: »Ist das Kaviar?!« – Andy Warhol: »Ja, hättest du gerne welchen?« – Michael Jackson: »Ich brenne nicht gerade darauf …!« – Andy Warhol: »Warum probierst du nicht? Na, komm schon!« – Michael Jackson: »Hm, vielleicht ein bisschen …?« – Andy Warhol: »Es ist richtig gut. Du musst probieren!« – Susan Blond (Michael Jacksons Publizistin): »Das ist viel zu viel! Wenn ich Kaviar esse, nehme ich immer nur ein ganz kleines Bisschen. Gebt ihm ganz wenig, einfach damit er den Geschmack im Mund hat.«

Bitte lesen. Hier.
Foto: http://skullcull.wordpress.com/2008/05/05/take-art-andy-warhol/

KLUGE WORTE

Was wir in den Medien wahrnehmen, ist ein klitzekleiner Bruchteil dessen, was in der Welt geschieht. Schlimmer noch ist, dass viel um diesen klitzekleinen Bruchteil gekämpft wird. Nachrichtenselektion – lernte ich von meinem Prof. Die klugen Worte hier. Und der zuender.zeit-Klugewörterautor, Selim Özdogan, ist ein wunderbarer Kolumnist. Ich les ihn furchtbar gern.

NATIONAL IRGENDWAS

„Don’t be proud of anything you couldn’t influence“ ist eine meiner Standardfloskeln.„But what if you don’t have anything else to be proud of?“ frage ich mich nun. Gedankensplitter.stolz2In der Süddeutschen vom Mittwoch las ich einen Artikel über junge nationalistische Deutschtürken, die schon in dritter Generation hier leben, sich nicht integrieren konnten und sich nun in ihren türkischen Nationalstolz flüchten. Ein klitzekleiner Anteil der hier lebenden Deutschtürken/Türken/Türkdeutschen fühlen so. Leider kenne ich einige, die sich genau so fühlen wie im Artikel beschrieben.

 

Die, denen ich begegnet bin, waren oder sind frustiert von der deutschen Gesellschaft. Sie haben viel getan, um sich zu integrieren, aber haben immer und immer diesen Unterschied zwischen sich und den anderen gespürt. Auch ich fühle mich manchmal wie ein Gast, der sich aufdrängt – zum Beispiel wenn Dinge geschehen, wie in diesem Post. Aber ich würde mich deshalb niemals auf das Türkentum berufen. Vielleicht deshalb nicht, weil ich meine Religion habe? Meine Religion, so habe ich den Eindruck, löst mich vom Nationalitätsgedanken. Hautfarbe, Herkunft – whatever. Vor Gott bist du gleich.
 
Außerdem besteht zwischen der Religion und der Nationalität ein gravierender Unterschied: Einen Glauben kann man sich aussuchen, die Herkunft nicht.
 
Wer also keinen Glauben hat, der klammert sich an seine Herkunft, weil er nichts anderes zum Klammern hat?

—-

Man kann es sich aber auch einfacher machen. Meine Mutter sagte immer (auf Türkisch) „Halte deinen Stolz stets unter deinen Füßen“. Soll heißen:
You don’t need to be proud of anything!

Der Artikel in der Süddeutschen, hier.

KÄSEKUCHEN

Von Käsekuchen über Mr. T zu Mr. Jackson.


Wanne hat uns erpresst: Nur wer im 80er-Jahre-Stil verkleidet zu ihrem 21. Geburtstag kam, würde auch Käsekuchen bekommen. Da wir allesamt käsekuchensüchtig sind, beugten wir uns Wannes Bedingung. Auf der Suche nach 80er-Fashion-Tipps googlete, wikipediate und youtubete ich.

So stieß ich auf Mr. T, den muskulösen Afro-Amerikaner mit dem Iro, dreimillionen Goldketten am Hals, ärmellosem Sweatshirt und Schmuck an Fingern und Handgelenk. Mr. T sollten die in den 90ern Sozialisierten unter uns aus mehr oder weniger unterhalten amerikanischen Filmen kennen oder der Serie „A-Team“ (als B.A. = „Bad Attitude“).

Hier sind Mr.Ts Fashion-Tipps (bzw. die von „Xena and Zena“ und Marta und….):


Die 80er waren komische Fernsehjahre. Das beweist die Existenz des folgenden Videos. „Dancin‘ Kim“ von „Totally Rad Dances“ möchte uns zu lauter Jacksons aka. Zombies machen.


„Thriller“ Michael Jackson in sieben Schritten

1. Rights out
2. Lefts out
3. Zombie stomp
4. Zombie stomp back
5. Zombie claws up
6. Zombie march across
7. Swing claws

„Euphorisch“ und im Detail zeigt uns Dancin‘ Kim die Schritte in ihrem Video.


Allerdings hat die liebe Kim das Allergrundlegendste vergessen: Das Auf-den-Kopf-Fallen. Ohne eine Gehirnerschütterung wird man sich niemals so „zombie“-like und toll bewegen können wie Kim – geschweige denn Mr. Jackson.

So viel zu den 80ern. Ohne Wannes Käsekuchen gäbe es diesen Post nicht und wir hätten nie so 80er-schick ausgesehen. Dafür danke liebste Wanne und noch mal: Herzlichen Glückwunsch!

OHNE MUSLIME KEIN EUROPA


„Ohne Muslime kein Europa“ lautet der Titel eines Artikels in der Frankfurter Rundschau. Anlass: Jürgen Habermas trifft auf Tariq Ramadan. Thema der Diskussion: Muslime in Europa.Viele von euch werden den Soziologen Jürgen Habermas kennen, wenige aber nur den Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan (auf Platz 8 der „The World’s Top 20 Public Intellectuals“;
Umfrage von Foreign Policy). Unter jungen Muslimen ist er ziemlich populär: Immer wieder motiviert und drängt er junge Muslime sich am gesellschaftlichen Geschehen zu beteiligen und zu paritizipieren – ohne sich aber zu assimilieren. Mittlerweile gilt er als einer der Vordenker des „europäischen Islams“.So trafen die beiden am 23. Juni 2008 in Elmau auf der Tagung „Muslims and Jews in Christian Europe“ aufeinander und diskutierten. Ramadan kritisierte in seinem Vortrag die Situation der Muslime in Europa. Vor kurzem erst hatte ich darüber gebloggt, warum ich „deutscher“ sein muss als „Deutsche“ um „deutsch“ zu sein. Eine ähnliche Problematik scheint sich nun also bis auf die europäische Ebene hinzuziehen: „Hat man eine andere Hautfarbe, trägt man einen fremden Namen, tut man sich gar schwer mit der Landessprache, werden immer neue Loyalitätsbeweise verlangt.“ Am Ende steht die These: Muslime werden die ersten Europäer!
Ein höchst interessanter Artikel und wenn ihr herausfinden sollt, warum Muslime die ersten Europäer werden, dann bitte lesen:

Frankfurter Rundschau 25.06.2008

Ohne Muslime kein Europa

VON ARNO WIDMANN

Am 23. Juni 2008 um 15.05 Uhr ist es zu einer denkwürdigen Begegnung
gekommen. Tariq Ramadan, einer der umstrittensten Kämpfer für die
europäischen Muslime, begrüßte mit einem Handschlag Jürgen Habermas,
den Cheftheoretiker der Neuen Unübersichtlichkeit. Danach kam es nicht
etwa zu einem Streitgespräch oder zu einem Dialog. Das hatte die Regie
der auch sonst höchst prominent besetzten Tagung "Muslims and Jews in
Christian Europe" nicht vorgesehen. Ramadan hielt einen etwa
zwanzigminütigen Vortrag, und Habermas stellte ihm im Anschluss daran
ein paar Fragen. Habermas sprach von einer nicht gerade gleichwertigen
Verteilung der Rollen. Es war dennoch eine sehr eindrückliche
Veranstaltung.

Tariq Ramadan ging aus von Umfragen, die ergeben, dass 80 Prozent der
in Europa lebenden Einwanderer aus muslimischen Ländern keine
praktizierenden Moslems sind. Für sie stellen sich also die meisten der
so gern als Integrationsprobleme ins Feld geführten religiösen Fragen
nicht. Sie werden dennoch argwöhnisch beobachtet und einem Klima des
Verdachts ausgesetzt. Es genügt nicht, Steuern, Kranken- und
Sozialversicherung zu bezahlen, seine Pflichten als Staatsbürger zu
erfüllen, gesetzestreu zu sein. Hat man eine andere Hautfarbe, trägt
man einen fremden Namen, tut man sich gar schwer mit der Landessprache,
werden immer neue Loyalitätsbeweise verlangt. ...

Fortsetzung hier.

 

WARUM TÖTEST DU, BUSH?

… müsste man den derzeitigen US-Präsidenten fragen und bekäme ausweichend zur Antwort, er weine jede Nacht.

 

 

„I’ve got God’s shoulder to cry on. And I cry a lot. I do a lot of crying in this job. I’ll bet I’ve shed more tears than you can count, as president.“ –George W. Bush, as quoted by author Robert Draper in Dead Certain

Tagein, tagaus weinen tausende unschuldiger Menschen im Irak. Unschuldig – wohlgemerkt. Da liegt ein zentraler Unterschied zwischen Bushs Tränendüsenproduktion und dem menschlichsten und deutlichsten Schmerzensausdruck der Irakerinnen und Iraker. Unverschämt, was Bush damals von sich gab. Unverschämt ist es aber auch, den Krieg auf Bush zu reduzieren und ihn als „seinen“ Fehler darzustellen. Dass Bush nur eine Marionette ist, dürfte jedem bekannt sein. Also wollen wir nicht weiter auf Bush herumtrampeln oder auf seinen „ass kicken“.

(All jene, die sich der Bush-Trampel-Aktionen trotzdem erfreuen, beklatscht den britischen Künstler Mark McGowan, der so durch New York lief.)



Nicht Bush sollte nunmehr im Mittelpunkt der Irak-Debatte stehen, sondern die Iraker:

Bitter, schnörkellos und direkt. Traurig, aber wahr. Der nackte Krieg. Der wahre Krieg. Unzensiert. Anders.
Das ist das Buch „Warum tötest du, Zaid?“ von Jürgen Todenhöfer
(hier).


Der irakische Widerstand bekommt ein Gesicht. Wir lernen zu unterscheiden zwischen Widerstand und Terrorismus. Den Krieg haben wir bislang nur aus amerikanischer Perspektive wahrgenommen. Todenhöfer reist in den Irak, lebt bei einer irakischen Familie und interviewt Widerstandskämpfer. Er kommt zurück und erzählt (hier). Wir lernen Zaid kennen.

„Zaid ist der älteste von drei Brüdern. Haroun ist ein Jahr jünger als er, Karim zwei Jahre. Im Juli 2006 verbringt Haroun einige Nächte bei seinem Onkel im Zentrum von Ramadi. Haroun, der damals neunzehn Jahre alt ist, studiert Ingenieurwissenschaften. Er hat Semesterferien und genießt diese, so gut das in diesen Kriegszeiten eben geht.

 

Mit dem Widerstand hat er wie seine beiden Brüder wenig zu tun. Er hilft, wie alle Jugendlichen von Ramadi, den Widerstandskämpfern, wenn sie einen Unterschlupf suchen oder eine Information brauchen. Von sich aus aktiv wird er nicht.

Am 14. Juli 2006 macht sich Haroun früh morgens im Haus seines Onkels auf, um zu seiner Familie nach Al-Sufia zurückzukehren, bevor es zu heiß wird. Es ist kurz nach sieben Uhr, als er in die kleine Straße einbiegt, in der seine Familie wohnt.

Er kickt einen kleinen alten Ball vor sich her, den er irgendwo gefunden hat.

In der rechten Hand trägt er eine weiße Buschrose, die er im Morgengrauen für seine Mutter gepflückt hat. Einem Nachbarjungen, Jarir, der ihm auf der gegenüberliegenden Straßenseite entgegenkommt, ruft er ein freundliches Salam – Friede – zu.

Genau in diesem Augenblick – Haroun hat gerade das Wort Salam ausgesprochen – peitscht ein Schuss durch die Straße. Haroun fasst sich ungläubig an den Hinterkopf, geht wie in Zeitlupe in die Knie und fällt vornüber mit dem Gesicht in den Staub.

 

Leblos bleibt er im Dreck der Straße liegen. In seiner rechten Hand hält er die kleine weiße Rose, die er seiner Mutter schenken wollte.“

(Ausschnitt aus dem Kapitel „Zaids Brüder“)

 

Unbedingt lesens- und empfehlenswert. An jeden und vor allen denen, die bisher nur die eine Seite des Krieges kannten.

STOLPERGEFAHR

Schrecklich, was einem immer alles so passieren kann. Ich müsste mittlerweile eine platte Boxernase haben – so oft bin ich nun schon über tolle Bücher und Filme gestolpert.
Ab und an will ich euch also mit Buch- und Filmempfehlungen zuposten. Nehmt es mir nicht übel, schließlich riskiere ich beim Stolpern Nas‘ und Aug‘ für euch.
Also gebt Acht und fallt nicht selbst auf die Nase! Sonst seht ihr so aus:(Für den leider sehr unwahrscheinlichen Fall das Cher das lesen sollte: Liebe Cher, das, was ich eben schrieb, ist nicht abwertend gemeint. Ich rechne dir deine pädogogisch höchst wertvolle Absicht, durch deine OPs der Jugend ein abschreckendes Beispiel sein zu wollen, sehr hoch an. In Liebe, Qüpra)