ARRANGED MARRIAGE

Den Film kostenlos anschauen: hier.
Arrangierte Ehe klingt irgendwie immer auch nach Zwangsehe. Ein allgemeines Missverständnis. Um das mal festzuhalten: Zwangsehen sind Ehen, bei denen mindestens eine Seite zum Heiraten gezwungen wird. Arrangierte Ehen hingegen sagen lediglich aus, dass in das Kennenlernen der Partner andere, meistens die Familien oder sogar die gesamte Gemeinde, involviert sind.Ein typischer Ablauf einer arrangierten Ehe in muslimischen Familien kann so aussehen: Äußert ein junger Mensch seinen Heiratswillen, gehen Familie und Gemeinde auf Suche und stellen dem Heiratswilligen potentielle Partner vor. Sollte es funken, lernen sich die potentiellen Eheleute und auch die Familien näher kennen. Und wenn auch dann alles passt, die beiden Heiratswilligen wirklich willig sind mit der Person zu heiraten, dann – ja, dann wird gefeiert.Die arrangierte Ehe gibt es jedoch nicht nur bei Muslimen, sondern in fast identischer Form auch bei Juden. Und genau dazu gibt es den wunderbaren Film “Arranged”Die beiden jungen Lehrerinnen Rochel (Zoe Lister-Jones), orthodoxe Jüdin, und Nasira (Francis Benhamou), praktizierende Muslimin, lernen sich an einer Grundschule in Brooklyn, New York kennen. Beide sind in ihrem ersten Lehrjahr, moderne Frauen, die sich über ihre Religion definieren und sich dadurch von den übrigen Lehrerinnen unterscheiden. So entwickelt sich nach und nach eine vorsichtige Freundschaft zwischen den beiden. Als sie auf der Suche nach einem Partner sind – hauptsächlich auf die traditionelle Art – merken sie, wie viel sie trotz unterschiedlicher Religion gemeinsam haben. “Friendship Has No Religion” heißt es dazu sehr passend im Untertitel.Arranged is unbedingt empfehlenswert. Der Film ist unterhaltsam und lehrreich, vor allem der dokumentarische Charakter macht ihn authentisch. Das liegt vermutlich an der Ideengeberin Yuta Silverman, eine orthodoxe Jüdin aus Brooklyn. Der Film basiert auf ihren Erfahrungen und ihrer Freundschaft zu einer Muslimin. Sie ist es auch, die penibel darauf achtet, dass beide Religionen nicht nur in ihren Facetten sondern auch in ihren Details korrekt wiedergegeben werden. Im Making-of erfahren wir, dass sie jeden Tag am Set dabei war. Überhaupt waren anscheinend alle Beteiligten leidenschaftlich dabei, um einen Film mit viel friedlicher Smybolik zu produzieren.Während der Produktion brach der Krieg zwischen Israel und dem Libanon aus. Die Macher trotzten aber der Zeit und produzierten weiter, einmal mehr darin bestätigt, wie wichtig solche Filme sind.Den Film kann man sich übrigen kostenlos hier anschauen. Klicken!Arranged (2007)

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Arranged (2007) is a great film about two young first-year teachers at a public school in Brooklyn. Both having their religiosness in common – but one being an Orthodox Jew, the other a Syrian-born Muslim – learn they share much more than they ever thought they would. Mainly because they are both going through arranged marriages. A wonderful film, building bridges and sending out peaceful messages – especially given that the film was produced during the Israel-Libanon war.

Learn more about the film on their website. Watch for free here. And the Making ofhere.

Bildcredit: Film Movement

DIE STERNCHENKRANKHEIT

Irgendwann in diesem Text wird es um Autolichter gehen.

Letzte Woche lobte ich Martensteins Kolumne im ZEITMagazin. Und jetzt weiß ich auch, warum:

Martenstein, genauso wie Hacke vom SZMagazin, haben eine auf Dauer nervtötende Eigenheit entwickelt. Nämlich die, zusammenhangslose Aneinanderreihungen von Anekdötchen als Kolumnen zu verkaufen. Sind sie aber nicht. Sie sind eine, wie bereits erwähnt, zusammenhangslose Aneinanderreihung von Anekdötchen. Anfangs fand ich das noch toll. Mal was anderes, dachte ich. Bald aber verspürte ich beim Kolumnenlesen eine endlos gähnende Langeweile. Ich kämpfte mich durch die Texte, ward unglücklich und wusste nicht, warum.

Was war denn los? Martenstein versuchte in kleine langweilige Erlebnisse, Weltbewegendes hineinzuinterpretieren. Hacke haute einfach überall, wo es keinen Zusammenhang gab, Sternchen rein.

Hatten Hacke und Martenstein keine Zeit mehr für ihre Leser? Klatschten sie deshalb Erlebnisse zusammen? Sind sie an Sternchen erkrankt? Der Kolumnisten-Krankheit, die (inhaltliche) Überleitungen verschwinden lässt und mancherorts durch Sternchen ersetzt?

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Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass Martenstein geheilt ist. Der Kolumnentext der letzten Woche ist nämlich nicht nur inhaltlich hervorragend, sondern einfach mal ohne Krampf-Überleitungen. Yey!
Und das, meine Lieben, muss der Grund gewesen sein, warum ich die Kolumne so euphorisch lobte. Ganz, ganz toll ist übrigens sein Expertenrat »www.lebtdennderalteholzmichelnoch.com«

*

Hackes Kolumne in dem aktuellen SZMagazin ist aber auch ganz nett. Trotz Sternchen. Denn: Es gibt dieses Mal statt zehn Sternchen nur EIN Sternchen. Das macht Hoffnung auf Heilung.
Kleiner Rückschlag: Hacke fängt die Kolumne mit (lustigen) Polizei-Kontrolle-Anekdötchen seiner Frau an, die nur entfernt zum Resttext passen.

*

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mit einem Polizei-Kontrolle-Anekdötchen enden. Also mit der EINEN Polizei-Kontrolle, die ich in meinen drei Jahren Führerschein hatte.

Bildcredit: mastermediait


Rabo, Rabos Freundin, Disha
und ich (ich wollte euch schon immer mal namentlich erwähnen. So kommentiert ihr vielleicht endlich mal, ihr Hühner) fuhren nach Hause, ich am Steuer, als die Polizei neben uns an der Ampel anhielt und uns per Handzeichen bat, das Fenster runterzukurbeln. Hierzu müsst ihr wissen, dass es langsam dämmerte und ich meine Autolichter nicht angeschaltet hatte, was in erster Linie daran lag, dass diese nicht funktionierten.

Jedenfalls beugten sich beide Polizisten nach vorne und der eine fragte: „Können Sie Ihre Lichter bitte anschalten?“ Ich: „Ja, ich fahre gleich rechts ran und schalte sie an.“ Währenddessen stellte ich mir vor, wie sich mich gleich wegen Licht-nicht-Funktionierens verhaften und in die Zelle sperren. Der Beifahrer beugte sich nun noch weiter aus dem Autofenster und fragte: „Naa, seid ihr auch alle angeschnallt?“ Wie in einem Kinderchor riefen meine Freundinnen „Jaaaa!“ Nur ich ironisch: „Neeeinnnn.“ Ich lachte. Die Polizisten nicht.

Schnell fuhr ich rechts ran und wartete mit dem Licht-Nicht-Anschalten darauf, dass sie weit, weit weg waren.

Dieser Text ist ein Exempel für zusammenhangslose Texte, in denen krampfhaft versucht wird einen Zusammenhang herzustellen. Das Nichtgelingen wird durch * markiert. Andere solche Texte finden sich als „Kolumnen“ in den letzten SZ- und ZEITMagazinen.

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Übrigens würde ich Roger Willemsen wirklich gerne mal fragen: Warum machen Sie das?

NICOS ZWEIT-ICH WILL INS FERNSEHEN


Nicos depressives Zweit-Ich ist zum NDR-Comedycontest angetreten
. Und das obwohl Ärzte und Nicos Erst-Ich schwer dagegen waren. Eine weiteres Scheitern im immerscheiternden Leben wird das schwache Herz des Zweit-Ichs nämlich kaum überleben. Nicos Erst-Ich rief mich daher an, bat um schnelle Hilfe. Und hier eile ich!


Wählt! Wählt für Nicos depressives Zweit-Ich!
(hier)


Und nicht nur aus Mitleid: Das depressive Zweit-Ich ist nämlich trotz Dauerpessimismus, Schwarzmalerei und Melancholie höchst unterhaltsam. Oder gerade deshalb.

Überzeugt euch selbst!

Scheitern

EIN ♥ FÜR BLOGS / BLOGGERVALENTINSTAG

Ich vergaß fast: Heute ist Ein-♥-für-Blogs-Tag! Und nun sitze ich auf der Campuswiese, aß soeben Mittagsfrühstück und soll schreiben, welche deutschsprachigen Blogs ich gerne lese.
Das sind eigentlich alle, die bei mir unter FREUNDESWOERTER stehen: Akifs Welt, Alex’ Giraffe, Christophs Leben, Lenas Dreisekunden, Marias Fernweh, Nicos Geslamme, Oigns Osten, Omars Kekse, und ganz besonders gerne Oskars Milliarden.

Aber außerdem: Lauras Tagträumerei, Nicoles Mädchen, Evas Hurra, Christophs ki, Romans Elefanten, das Überding, Kaminers Geschichten, Inas Filme und eigentlich würde ich diese Liste fortsetzen wollen, doch mein Rücken braucht Bewegung. Nach einer Stunde Lehne werden Bäume eher ungemütlich.

Sonne, Wiese, Baum, Uni, Baum, Wiese, Sonne

KRIMSKRAMSPOST

Wer lange nicht bloggt, kann nur Krimskrams-Posts schreiben. Es passiert einfach zu viel im Leben. Oder man möchte zu viel sagen.

 

An der Uni und am Bachelor herumnörgeln – darin war ich in den vergangenen drei Semestern einsame Spitze. Doch dann kam die ultimative Wende…

Letzte Woche fing nämlich das vierte Semester an. Und – oh Wunder! – ich habe nun endlich das Gefühl, so richtig zu studieren. Wissen vertiefen, nach Interessen gehen, Schwerpunkte setzen!

Ich habe so tolle Fächer wie “Islam und Politik”, “Angst in der modernen politischen Theorie und im modernen politischen Denken” oder “European Neighbourhood Policy”. Wie funktioniert Politik in mehrheitlich islamischen Ländern wie der Türkei, Indonesien oder Pakistan? Wie wird mit Angst Politik gemacht? Wie ist die EU-Außenpolitik zu Israel und Palästina? Alles Fragen, die mich brennend interessieren. Ich bin furchtbar gespannt. Weitere euphorische Meldungen werden sicher folgen.

Und sonst gibt es jede Menge Terminchen:

Die Jugendmedientage 2009
Die JMT sind jedes Mal ein Abenteuer. Letztes Jahr beim ZDF in Mainz, starten sie in diesem Jahr auf dem Expo-Gelände in Hannover. Thema in diesem Jahr: “Ethik in den Medien – Eine Frage der Ehre”
Unbedingt hinkommen, denn ich werde auch da sein und einen Workshop leiten.
Start: 11.-14. Juni, Anmeldeschluss: 22. April, mehr Infos:
jugendmedientage.de
Der Myumma.de Blog-Wettbewerb
Es war ja fast schon eine Schande. Muslime in Deutschland zeichnen sich durch eine gewisse Träää…ägheit aus – zumindest im Vergleich zu den britischen Muslimen, die alles ratzfatz machen. Auch in der Bloggerszene entstehen nur laaangsam deutschsprachige Blogs von Muslimen. Das soll nun beschleunigt werden. Myumma.de ruft zum Blog-Wettbewerb auf! Es gibt total tolle Preise zu gewinnen, wie zB ein Umra-Reisegutschein, ein Netbook oder ein Jerusalem-Reisegutschein!
Unbedingt mitmachen! Ich hab nämlich ein kleines Wörtchen mitzureden.
Einsendeschluss: 20. Mai, mehr Infos: myumma.de

Muslimische Jugend: Coole Muslime?
Die Evangelische Akademie Loccum engagiert sehr im christlich-islamischen Dialog. So gibt es bald wieder ein sehr interessantes Seminar zu dem Thema “Coole Muslime? Was wollen und können muslimische Jugendorganisationen zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen?”
Drei Tage lang wird diskutiert, analysiert und nochmal diskutiert. Das Programm könnt ihr euch hier anschauen.
Start: 15. bis 17. Mai, Anmeldeschluss: 07. Mai, mehr Infos auf loccum.de

Und weil mich mein Bloggergewissen plagt, da ich mein Blog so lange ruhen ließ: Hier kommt der erste Kurzfilm von Baba Ali, dem muslimisch-amerikanischen Typen auf dem Bürostuhl, der auf YouTube so lustig kritisierte. Er twittert und bloggt übrigens.

TOMORROW NEVER COMES

DIE SACHE MIT DEM URLAUB

Ich mache das ja auch. Diese Urlaubssache.
Zu Hochmittelalterzeiten sagten Ritter Urloup, wenn sie nach Erlaubnis fragten, um in die Schlacht zu ziehen. Heute sagen wir Urlaub, wenn wir in die Schlacht ziehen. Ist doch so. Urlaub = Schlacht. Was bitte sollen denn die Reisen nach New York, London, Paris, Madrid, Barcelona, Istanbul, Mumbai, Kairo, Amsterdam, … in die reizüberflutenden Großstädte dieser Welt sonst sein?
Also machen wir uns nichts vor.
Zack Zack, Flash Flash, Tack Tack, Brumm Brumm.
Die Augen sind weit aufgerissen und der Mund auch ein bisschen. Die übergroße digitale Spiegelreflex-Kamera baumelt vor dem Bauch herum, der Körper müsste eigentlich nach vorne kippen, doch der dicke Rucksack zieht nach hinten. Stehaufmännchen-ähnlich steht er dann da. Der Mensch im Urlaub.Der Urlaub-Mensch ist aber nicht nur Stehaufmännchen, sondern auch Schwamm. Ein Monsterschwamm, der alles Wissen, alle Wörter und Reize absorbiert. Unaufhaltsam stampft er von Museum zu Museum und lichtet alles ab. Auch Michelangelos Deckengemälde im Vatikan – aber nur heimlich, da verboten. Alles: Die Mind-the-Gap-Bepinselung am Londoner Bahnsteigrand, die nichtvorhandene Lücke zwischen Pariser Stoßstangen, die gelben New Yorker Taxen und die müden Männer vor türkischen Cafes.Der schwamm-artige, stehaufmännische Urlaub-Mensch mit seinen starren Blicken lässt jede Mumie im Londoner National Museum einen zweiten Tod sterben.

Und er frisst. Frisst sich durch die Essenschlacht der Nationalgerichte.
Und er kauft. Dem Euro-Teuro-Prinzip Folge leistend kauft der Urlaub-Mensch ganze Einkaufstraßen auf. So viel wie nur geht, alles viel billiger hier.

Noch ist der Schwamm nicht voll. Ein bisschen Lifestyle muss her. Bisschen Einheimische kennenlernen hier, Konzert da und unaufgeregt, gelangweilt oder “von-den-blöden-Touris-genervt” kucken. Auch Szene-Lokale, Insider-Restaurants und Underground-Bars wollen warmgesessen werden. Da gewesen sein. Das ist alles.

Stress.

Dieser Großstadtdschungelkampf ist Pseudo-Urlaub, das muss mal in die Köpfe. Spätestens dann, wenn man Zuhause ohne Umwege ins Bett fällt und den Tag durchpennt, ist klar: Urlaub ist was ganz anderes. Urlaub ist, was ich an diesem Wochenende anfangen werde. (Nach zwei Pseudo-Urlauben bitter nötig)

Entspannt von Kopf bis Fuß unter der warmen Sonne liegen mit Büchern, die man schon immer lesen wollte, Bildern, die man schon immer zeichnen wollte, Fotos, die man schon immer machen wollte, Wörtern, die man schon immer schreiben wollte. Ein Urlaub für den Kopf, den Körper und für die Sinne.

Ein Urlaub, der mich schon beim Schreiben ins Schwärmen bringt und entspannt. Das, meine Lieben, ist Urlaub.

Davon sollten wir uns öfters mal was gönnen. So haben wir genug Energie für den nächsten Pseudo-Urlaub, der einfach zu viel Spaß macht, als dass man ihn aufgeben könnte.

Dieser Song ist übrigens wie ein Kurzurlaub: Einfach mal Augen schließen und anhören.

The Pied Piper by Yoriyos.

AN TAGEN WIE DIESEN

An Tagen wie diesen, da möchte man mitten auf der Straße, mitten im Menschenstrom, stehen bleiben und rempeln. Schütteln und rütteln. Aufwecken. Verdammt nochmal! schreien, warum vergessen und verdrängen wir? Am liebsten jemandem eine scheuern, die Wut aufkochen lassen, innerlich brodeln und doch resignieren. Die Luft ist raus.

Es ist immer das Gleiche: Ein Unrecht, ein Krieg geschieht. Die Zahlen und Bilder richten die Härchen auf den Armen auf. Kaum ist der anfängliche Schock überwunden, senken sich die Härchen wieder und der Krieg wird zum Alltag.

Ich will nicht, dass sich meine Härchen senken, nicht an den Krieg gewöhnen, nicht resignieren.

Julia Deeg erinnert. Sie ist im Westjordanland und unterstützt dort den friedlichen Widerstand gegen die israelische Besatzung. Einige ihrer Briefe wurden nun im Freitag veröffentlicht. Unbedingt lesen.

Wir erinnern uns doch an den Krieg, oder?
Und die Sonne lacht so schadenfroh.


Bildcredit: Jeremyville

DÄR FRAYTAG!

Relaunch deluxe. Seit gestern gibt es die tolle (Ex-Ost-West-)Wochenzeitung Freitag auch zeitgemäß – ergo: online.


“Wir sind unkonventionell, wird sind respektlos und geben Antwort auf Fragen, die andere schon längst für gelöst halten”


sagte Philip Grassmann, Chefredakteur von Freitag. Letzteres stimmt unbedingt: Auf die Frage nach der Zukunft der Print-Medien im Web 2.0 glaubten viele, SpOn sei eine schöne Alternative. Ist er aber nicht. SpOn ist mittlerweile langweilig, öde und Niveau macht Urlaub.
Die Wochenzeitung Freitag wird – so hoffe ich – zeigen, wie Internet und Print wunderbar funktionieren/harmonieren können:
So können Leser zu Nutzern werden, indem sie sich anmelden, kommentieren und bloggen. Auf dem deutschen Markt ein kleines bisschen revolutionär: Blogger-Beiträge – sollten sie der Redaktion gefallen – können in der Print-Version gedruckt werden. Das ist neu, das ist mutig. Ich bin gespannt.

Und worüber ich mich noch viel mehr freute, ist die Kooperation mit The Guardian. Meiner Lieblings-Zeitung aus England. Ich könnt springen vor Freude und Neugier. Noch ist nämlich nur die Ankündigung zu sehen.

Nachtrag:
Mir fällt auf, die neue Freitag-Seite sieht der Guardian-Seite ganz schön ähnlich. Komisch, oder?

TODENHÖFER ÜBER NAHOST-POLITIK

Mit Ehrfurcht las ich heute morgen am Küchentisch den Text “Der Geisterkrieg” von Jürgen Todenhöfer im SZ-Magazin. Ich kann nicht anders, als ihm für diesen Text zu danken und zu hoffen, dass er von genügend Mächtigen gelesen wird:

Der Geisterkrieg

Der Westen versucht, den internationalen Terrorismus in Afghanistan zu bekämpfen. Aber gegen die Attentäter der nächsten Generation helfen keine Bomben – denn sie sind längst unter uns.

Von Jürgen Todenhöfer

Sie können uns Rebellen nennen und sagen, wir verdienten keine bessere Behandlung. Aber denken Sie daran, dass wir auch als Rebellen Gefühle haben und dass wir an denen Vergeltung üben werden, die wir als ungerechte Invasoren unserer Rechte und Freiheiten betrachten. (George Washington in einem Brief an den britischen General Lord Howe während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges)

»Terrorismus« ist das am meisten missbrauchte Wort der neueren Geschichte – vor allem, seit George W. Bush nach dem 11. September 2001 begann, all seinen Gegnern im Mittleren Osten das Terroris-musetikett aufzukleben. Wer aber ist unser wirklicher Feind? Der nationale Terrorismus muslimischer Volksaufstände gegen die westliche Besatzung in Afghanistan und im Irak? Der internationale Wanderterrorismus, der seit der Vertreibung der Sowjets aus Afghanistan auf der Suche nach weiteren »heiligen Kriegen« durch die muslimische Welt vagabundiert? Oder der islamisch maskierte Diaspora-Terrorismus, der den Westen in seinen eigenen Städten angreift?

Nach der sowjetischen und der amerikanischen Invasion habe ich Afghanistan und Pakistan immer wieder bereist. Im vergangenen August war ich in Kabul und in den Stammesgebieten der Paschtunen, des stolzen, kriegerischen Volkes diesseits und jenseits der afghanisch-pakistanischen Grenze. Hier versteckt sich angeblich noch immer Bin Laden. Meine Gesprächspartner waren der afghanische Präsident, Ex-Talibanchefs, Geheimdienstler sowie einfache Bürger. Was ich erlebt habe, hat wenig mit dem zu tun, was unsere Politiker nach Truppenbesuchen aus Afghanistan berichten. Es lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:

1. Der Westen hat sich aus der Rolle des Befreiers in die Rolle des Besatzers gebombt.
2. Afghanistan spielt im globalen, antiwestlichen Terrorismus keine Rolle mehr.
….

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Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/28004