RETTET EIN BISSCHEN PLURALITÄT!

Die deutsche Medien- und Politiklandschaft ist weiß, männlich und so zwischen Anfang 30, Ende 40.

9,2 % der deutschen Bevölkerung bestehen aus Frauen mit Migrationshintergrund. Das sind die amerikanische Hausfrau, die türkische Managerin, die japanische Sängerin, die nigerianische Akademikerin, die tunesische Schriftstellerin, die französische Künstlerin oder die rumänische Ärztin.

Rein quantitativ müsste also fast jeder zehnte Artikel von diesen Frauen handeln. Müsste. Die multikulturellen Frauen tauchen medial nicht nur selten, sondern außerdem auch überzogen oft in einem negativen und problematisierten Kontext auf. Als “Migranten” werden nur die Osteuropäerin, die Muslimin/Türkin oder die “Schwarze” benannt. Genauer: die osteuropäische Prostitutierte, die muslimische Unterdrückte, das schwarze Menschenhandel- und Zwangsprostitutionsopfer. Ein stark verzerrtes Bild.

So war meine Freude groß als ich damals das multikulturelle Frauenmagazin Gazelle entdeckte – ein Magazin, das der multikulturell(en) (interessierten) Frau Raum, Bild und Stimme gibt. Sie ist endlich nicht nur Opfer und Problem, sondern auch Mensch und Lösung. Gazelle ist kein Medium für die Nische, sondern für alle.

Jetzt aber steht das Magazin kurz vor dem Aus. Das gibt’s doch nicht!

Das dachten sich auch die Mädchenmannschaft, der Philibuster und andere und wagen den Versuch Gazelle zu retten – mittels einer Abo-Aufruf-Aktion:

“Das multikulturelle Frauenmagazin Gazelle braucht insgesamt 1000 neue Leser­_innen, um das Magazin weiterhin am Leben zu halten und sogar vier mal im Jahr zu erscheinen.”

Mehr Infos hier.

Rettet ein bisschen Pluralität, Mensch!

BEIM POSIEREN FÜR DAS FERNSEHEN

04.03.2011 – 15:01 (Kübra sitzt vor einem PC der Uni Hamburg und tippt wild herum)

Ich sitze gerade mit einem Kamerateam vom Hessischen Rundfunk in der Rechtsbibiliothek der Uni Hamburg und tue so, als würde ich studieren und arbeiten. In Wirklichkeit aber schreibe ich diesen Blogeintrag, was ja irgendwie passt – schließlich geht es neben der Vorstellung des Buches “Manifest der Vielen” mit Hilal Sezgin mitunter auch um meine Arbeit als Bloggerin.

Wir sitzen also in der Bibliothek, einen Mitstudenten haben wir dazu verdonnert als Komparse neben mir sitzend zu arbeiten (Solltest du diesen Text jemals lesen, Student in blau, dann: Danke und liebe Grüße!). Ich glaube im Gegensatz zu mir arbeitet er wirklich. Ich ja hiermit auch. Also ist das Ganze damit nun wieder total authentisch. Uyuy, sonst hätte ich Schauspielern müssen und damit schwer scheitern können.

Aber zu dem was heute so geschah und dem, worum es geht:

Hilal Sezgin, Herausgeberin des Buches “Manifest der Vielen” und ich, eine der dreißig Autoren, wurden vom Hessischen Rundfunk zu dem Buch und generell zu unserer Arbeit interviewt. Hilal ist schon weg, beim nächsten Shooting für ihr anderes Buch. Ich darf hier noch einige letzte Szenen drehen und drei Mal ganz locker, lässig und natürlich an den Schreibtisch setzen.

Übrigens, eben beim Außendreh: Ein etwas älterer Mann kam an uns vorbei. Er blieb stehen, schaute mich an und sagte dann: “Du bist doch Kübra, oder?” Ich nickte, erstaunt. Und dann sagte er Augenzwinkernd: “Ich kenne dich.”

Uf. Wisst ihr, so mit einer Riesenkamera im Gesicht konzentriert auf den Bildschirm zu blicken und einen einigermaßen lesbaren, ja vielleicht sogar informativen, Text zu schreiben ist gar nicht so einfach. Ich habe Angst, dass ich vor lauter Konzentration die Kontrolle über mein Gesicht verliere. Oh wei!

Jetzt muss ich so tun, als würde ich tippen. Und jetzt tippe ich, tippe ich, tippe ich.

Ich schreibe ein Gedicht über das Tippen.

Nicht.

Diesen Quatschblogeintrag habt ihr der folgenden Sendung zu verdanken:

RILKE WAR EIN MUSLIM

War er nicht. Ist ja auch nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass Worte Kunst sein können und Kunst verbindet.

Deshalb liebe ich Poetry Slams, die moderne Wort- und Sprachkunst. Sie machen unsere Wörter durch merkwürdige Aneinanderreihungen, kunstvolle Wiederholungen und überraschende Betonungen zu neuen Wörtern mit neuen Bedeutungen. Einige geben den Worten eine Seele. Andere Poetry Slammer reduzieren Worte auf das nackte Wort und spielen mit der Entblößung.

Um Überraschen, Fühlen, Umdenken und Nachdenken geht es beim Poetry Slam. Ein Spiel mit der Sprache.

Und nicht zuletzt: Poetry Slam ist eine kunstvoller Umgang mit der Realität, dem Alltag, dem Erlebten und Gedachten. Sie kann einen wunderbaren Einblick in die Gedankenwelt eines Menschen geben, sie bricht die Realtität runter auf die Welt hinter den Augen eines Menschen.

Was geschieht hinter muslimisch-deutschen Augen? Was sehen diese Augen? Wie werden sie gesehen? Welche Gedanken, wollen gesagt und gesprochen werden. Welche Wort gefasst?

Kunst ist unsere gemeinsame Sprache. Sie verbindet.

So bin ich in allergrößter Vorfreude auf die Ergebnisse von “Poet gesucht – Muslimische Sprachkunst aus der Republik”, einem Wettbewerb von Waymo und der Muslimischen Jugend Deutschland. Bewerbungsschluss: 15. April. Lest hier und mach die Augen auf! Vielleicht entdecken wir doch noch den muslimischen Rilke.

MANIFEST DER VIELEN HEIßT EIN BUCH.


Gestern Abend habe ich zum allersten Mal vor Publikum vorgelesen. Nein, eigentlich zum zweiten Mal. Beim ersten Mal, da war ich siebzehn Jahre alt, las den Text “Was möchten Sie?” und musste beim Lesen auf der Bühne weinen. Seitdem habe ich das Vorlesen vor Publikum tunlichst vermieden. Außer in der Schule. Da habe ich immer gerne vorgelesen und man hat mich auch immer gerne Vorlesen lassen. Das lag vor allem an der Geschwindigkeit meines Vorlesens bzw. an den Atempausen, die ich nicht einlegte.
So fand ich mich gestern Abend auf der Bühne wieder mit einem Buch auf dem Schoß, das sich “Manifest der Vielen” nannte, und sollte mit anderen Menschen daraus vorlesen. Tat ich dann auch. Ich schaute auch ab uns zu ins Publikum um Atempausen vorzutäuschen. Ich weiß nicht, ob es funktioniert hat. Ich jedenfalls glaubte Sauerstoff zu riechen.
Aber was ich eigentlich sagen wollte, ist dass das Buch nun draußen ist. Und ein Text von mir ist auch drin und damit auch draußen. Ich finde die anderen Texte echt cool. Das ist keine Kaufempfehlung, sondern eine Leseempfehlung. Wobei die Klugen unter euch natürlich ein Kaufempfehlung hier rauslesen könnten. Könnten.
Außerdem wollte ich mitteilen, dass der Abend gestern echt toll war. Da kamen viele tolle Menschen zusammen, die irgendwie und irgendwas mit MigrantInnen und dem Islam zu tun haben. Das war quasi eine Mini-Islamkonferenz, obwohl ich viele Menschen vermisst habe, die auch und sehr gut in diese Mini-Islamkonferenz gepasst hätten. Aber so ist es ja auch in der echten Islamkonferenz, damit war das Ganze wieder richtig authentisch.
Und ich durfte Menschen
, die ich aus unzähligen Mail- und Facebook-Unterhaltungen kannte, nun endlich in echt (neudeutsch: “real life”) sehen. Das war ganz merkwürdig. Zum Beispiel Migazin-Gründer Ekrem Senol, den kannte ich bis dahin nur in Schwarzweiß. Und andere Menschen, die viel kleiner, viel größer und sowieso ganz anders aussahen, als ich mir immer vorstellte. Das war so wie wenn dein Lieblingsbuch verfilmt wird. Es wird nie mehr so sein wie früher.

Ich möchte diesen Text mit einem Video abschließen, das ich oben eingebaut habe, aber erst hier unten erkläre – um euch zu verwirren. Statt eines Buchtrailers gibt es ein exklusives Musikvideo. “Tanz den Sarrazin” gerappt von Volkan T. (Mein Lieblingssatz in dem Lied ist “Ich integrier mich mit dir.”) Die Sängerin Sesede Terzyan finde ich wunderbar, wunderbar gelassen. Sie spielt übrigens die Hauptrolle in dem Theaterstück “Verrücktes Blut”. Habe das Stück noch nicht gesehen, muss es aber tun. Weil hat ja mit Migranten zu tun – und soll außerdem auch großartig sein!

Ich tauche in dem Video auch kurz auf und tue so als würde ich Lesen. Nein, ich lächle beim Lesen normalerweise nicht. Ich wollte bloß nett aussehen.

Jetzt kurz ohne Ironie und so: “Manifest der Vielen”, herausgegeben von Hilal Sezgin (Danke, danke und großartige Sache!) und mit Texten von vielen, vielen tollen Menschen. Blumenbar Verlag. Folget dem Link.

HMM… WAS NEHM ICH DENN?

Ich empfehle (seit Monaten, aber nun komme ich endlich dazu!) dringlichst die Reihe: “A Graphic Guide”. Denn Graphics sagen mehr als tausend Worte.

Oh ja, auch den Islam kann man mit Zeichnungen! und Comics! darstellen. Und es wurde noch niemand deshalb gemordet oder bedroht. Uhh. Welch Überraschung. Nicht. Ich habe keine Lust auf einen Karikatur-Exkurs (alles, was ich dazu möchte, sagte ich bereits), nur so viel: Ich liebe dieses kleine Comic-”Ich erklär dir mal den Islam”-Heftchen.

Den Islam Guide hat übrigens inhaltlich einer meiner englischen Lieblingsdenker Ziauddin Sardar mitgestaltet, ergo: Qualitätssiegel. Next on: All of them!

SARRAZIN UND ICH MACHEN SATIRE BEI BBC


Das war ein leichtes Spiel, letzten Dienstag. Da saß ich in Hamburg im Studio, zugeschaltet zur BBC Sendung “World Have Your Say” mit Thilo Sarrazin in Berlin. Eine Stunde durfte man den Herren befragen. Allerdings wartete und wartete und wartete ich, auf heißen Kohlen sitzend. Zwischendurch hielt ich es nicht mehr aus und sagte “May I interrupt?”, das Studio in London erklärte: “We’re lobbying for you, Kubra.” So viele Menschen wollten an diesem Abend mit dem Thilo sprechen.

Neben den vielen Anrufern aus aller Welt waren auch zwei Deutsche mit Migrationshintergrund dabei. Sie glänzten in ihrer Argumentation (und ihrem Englisch): Ulas Atay, Journalist, als Gast im Studio in Berlin und Elif Duygu Cindik, Psychiaterin – aus München zugeschaltet.

Dabei fiel mir auf: Dass Argumente schlecht sind, merkt man vor allem daran, dass sie in fremden Sprachen nicht funktionieren. Gute Inhalte hingegen können in jeder Sprache brillieren – ganz egal, wie gut oder schlecht man die Sprache spricht.

Deshalb hatte der Thilo eigentlich schon verloren bevor er überhaupt anfangen konnte. Als er dann auch noch satiresk akzentelte, war es um ihn geschehen. Auch um uns – zu lustig war das Ganze.

Ich kam also gegen Ende (ab 39.40) erst dran. Ich fragte ihn unter anderem, was er denn von mir erwarte. Als er dann allen Ernstes sagte: “I want yu tu intekräyt.” Da musste ich losprusten. Und auch sonst, waren seine Reaktionen (beileibe keine Antworten) auf meine Fragen nur lustig. Dybth beschreibt sehr schön, warum es für ze Jörmänies außerdem auch peinlich ist: Germany schafft sich away.

Thilo ist einfach traurig und lustig. Ich frage ihn mal, ob wir zusammen eine Satiresendung machen wollen. Ich als Produzentin, er der Hauptact. Das Tolle ist doch, er braucht sich nicht einmal verstellen.

Die BBC-Sendung hier (noch 6 Tage zum Download offen; also schnell ein Stück Satirehistorie sichern)
Auf Stream kann man sich die Sendung hier anhören (ab 43.00 schalte ich mich ein).
Spiegel Online schrieb auch etwas zu der Sendung: “I am Thilo Sarrazin from Börlin”

KÜNSTLICHE IDENTITÄT

Das Leben in London empfand ich in vielerlei Hinsicht inspirierend. Vor allem aber den künstlerisch spielerischen Umgang mit der Identität. Die überwältigende Größe der Stadt und die Anonymität des Alltags gibt den Menschen die Möglichkeit sich frei von gesellschaftlichen Zwängen neu zu erfinden und zu erproben. Nur die Wenigsten nehmen diese Möglichkeit wahr, aber die Wenigen kosten diese Möglichkeit in vollen Zügen aus.

An der Mode kann man diese Beobachtung festmachen. Beim Einkaufen schlenderte ich an Damen mit Ballonröcken und Männern in Windeln vorbei. Perfekt frisierte Jungshaare neben kahlrasierten Frauenhinterköpfen. Manche Gestalten stehen einfach nur da an der Straßenecke und sehen gut aus – in der Hoffnung, ein Modeblogger möge sie entdecken. Das Gesehen-werden-Wollen, der modische Schrei nach Aufmerksamkeit, gehört auch zu dieser Identitätsfindung. Erst eine Identität, die wahrgenommen und rezipiert wird, bestätigt den Menschen in seiner Identität.

Heute stieß ich auf den Künstler Ah Xia. Seine “China, China”-Reihe zeigt Skulpturen von Chinesen aus Porzellan (engl.: China). Sehr inspirierend.




Ah Xias Skulpturen erinnern mich an eine türkisch-spanische Künstlerin, die meine Freundin Mona und ich in einer Londoner Gallerie entdeckten. (Ihr Name ist mir leider entfallen) Eine sehr interessante Person.



Die beiden Porzellanfiguren hat sie mit “Identity I” und “Identity II” betitelt. Sie beschreibt die multiplen Identitäten, die die Künstlerin innehat. Das blaue Muster der rechten Figur ist traditionell türkisches Tulpenmuster und symbolisiert ihre türkische Identität.

Mein Freundeskreis in London war sehr bunt, anders und gegenteilig. Wir hatten oft nicht viel gemeinsam. Mindestens aber immer: Die Identitäten.

MINDERHEITEN-QUARTETT – DAS SPIEL!


Minderheiten: Spiel sie gegeneinander aus!

Das Spiel passt so wunderbar zur gestrigen Kolumne (“Ich reise per Anhalter durch die Galaxis. Endlich.”), in der es um Anderssein und das Rechtfertigenmüssen der eigenen Normabweichung ging. Eine Falle, in die ich selber auch immer wieder tappe, ist das bereitwillige Hergeben von eigentlich privaten Informationen, weil man – ganz egal wie bewusst man sich dieser Tatsache ist – glaubt, das Gegenüber häbe ein Anrecht darauf.

Ein Kommentator schrieb “Also man verliert direkt jede Lust Sie anzusprechen, sollte man Sie zufällig mal irgendwo treffen. Da fühlt man sich ja unterbewusst gleich der Diskriminierung verdächtig.” Nein. Die Frage ist vielmehr der Umgang und das Verständnis: Der Fragende muss sich klar sein, dass er kein Anrecht auf die Information hat. Dass es keine Selbstverständlichkeit sein darf, wenn der/die Gefragte, auf diese privaten Fragen antwortet.

Und überhaupt werden nur die wenigsten Minderheiten auf Ihre Fragen nicht antworten oder auf die Idee kommen, das könnte je etwas mit Diskriminierung zu tun haben. Denn sie leben alle mit dem Entschuldigungs-Gefühl – wachsen damit auf. “Entschuldige vielmals, meine Normabweichung. Mit welchen Informationen kann ich dienen und Ihnen den Umgang mit mir erleichtern?”

Aber zurück zum Kartenspiel. Ich find’s großartig. Will ich haben. Gefunden hier, in ZdM, “Zeitschrift – das Magazin”. Die Oktoberausgabe zur Onlineansicht, hier. Schande über mein Kopftuch, das ich das Magazin nicht vorher schon kannte. Lesen, lesen, lesen!

MUSLIME.TV – EIN INTERVIEW

Letztes Wochenende war ich in Madrid auf dieser Konferenz und traf dort Nuri Senay von Muslime.tv wieder, dem Gewinner der Zahnräder-Konferenz. Unglaublich toll, was er bisher als Podcaster und nun als Videocastler leistet. Er stellt Workshop-Ergebnisse vor, vermittelt die Atmosphäre der Orte, an denen er ist, interviewt Schüler, Studenten und Prominente der muslimischen Szene – wie Kristiane Backer oder die wunderbare Sängerin Hülya Kandemir.

Hier ist übrigens seine Bewerbungsrede (oder besser gesagt: Gewinnerrede) auf der Zahnräder-Konferenz. Großartig!

Liebsten Dank Nuri Abi für das Interview, es hat Spaß gemacht! Du machst tolle Arbeit. Meine Hochachtung!

JESUS IN BERLIN

Berlin ist neuerdings mein deutscher London-Ersatz. Vielleicht bin ich in letzter Zeit deshalb so häufig dort. Jedenfalls war ich vor einigen Tagen wieder auf Berliner Straßen und gerade dabei zum nächsten Termin zu hetzen, als ich abrupt stehen blieb. Ein beim ersten Blick unscheinbarer, aber beim zweiten Blick unglaublich interessanter Galerieladen hatte meine volle Aufmerksamkeit: Die Jesusboutique.

Das Ganze erinnerte mich an eine Szene, die ich vor einigen Wochen im Schaufenster eines Berliner Comicladens entdeckte:


Jesus und Charles Dickens Actionfiguren nebeneinander – oben rechts war übrigens Edgar Ellan Poe zu sehen. Die Figur (zu kaufen hier) gab es übrigens auch in der Jesusboutique – sie hatten sie vom Comicladen geschenkt bekommen, erzählten Manfred und Frank – zwei sehr angenehme Zeitgenossen und Künstler. Leider konnten meine Freundin Sara und ich nur kurz die Ausstellungsstücke bewundern, weil wir schnell von dannen ziehen mussten. Im Internet heißt es über die All You Need Is Lost-Ausstellung:

Die aktionistischen Künstler von jesusboutique stellen mit ihren Arbeiten politische und soziale Absurditäten in den Mittelpunkt ihres Schaffens. In dieser Beziehung entlarvt ihr Werk dabei auch das Subjektive als Spiegelung einer Täuschung und Verzerrung der eigenen Wahrnehmung. In ihren Objekten, Installationen und Performances agieren sie selbst als das eigentlich narrative Element in einer scheinbar erstarrten und entmystifizierten Außenwelt. So stellten die beiden die Temporäre Kunsthalle Berlin samt derzeitiger Ausstellungsinstallation (kuratiert von John Bock) und angeschlossenem Café und Buchladen beim Internetportal „immobilienscout24“ ein. Die Halle, die nun zum 31. August dieses Jahres endgültig schließen und danach abgerissen werden soll, könne, laut Künstlerduo, endlich einem sinnvollen Zweck zugeführt werden. Das Gebäude böte gerade jetzt mit seiner aktuellen Ausstellungsinstallation, mit drei eingebauten Etagen, ausreichend Platz zum Wohnen. (weiter)


Die Ausstellung findet ihr in der Schönleinstrasse 7, Dienstags bis Freitags und Sonntags hat die Galerie von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Da kann man gerne mal vorbeischauen.

Komischerweise begegne ich bei jedem noch so kurzen Berlin-Besuch Jesus. Mal in einer Kirche, die ich besuche, oder einer Zeugin Jehovas, die mir sein Bildchen in die Hand drücken will. Lustig.

MIGRANTOGRAMME

Mehr solcher Bildchen? Hier.


Mein Schwesterlein empfahl mir kürzlich eine kleine tolle Seite mit diesem wunderbaren
Projekt: Die “Migrantas”-Piktogramme.

Piktogramme erklären uns die Welt. Sie sagen uns, wo die Damen- und Herrentoilette, das Wickelzimmer, die Sportanlage, das Bord-Restaurant oder unser Herz ist. Und sie erklären uns auch, was Migrantinnen bewegt.

Bei einigen Bildchen musste ich ganz schön grinsen. Beispiel: Das erste Piktogram in der zweiten Reihe, einfach zum Kugeln. Menschen aus dem temperamentvollen Ausland reden tatsächlich tendenziell lauter, passionierter und emotionaler als manch Deutscher. Und das macht sich nicht nur, wie in dem Bildchen, beim Kaffee-Kränzchen bemerkbar, wo der/die Nachbar/in mit dem Besenstiel die Wand durchbohrt und sich die Kaffeekränzler “Noch leiser?!?!” fragen, nein:

Eine Szene aus einer Fernseh-Dokumentation, die in die Türkei führte, werde ich niemals vergessen. Der Reporter und sein Kamera-Team waren in Istanbul und fragten einen Taxi-Fahrer nach dem Weg. Der nahm die Aufgabe selbstverständlich ernst und fing daraufhin an mit den Händen herumzufuchteln und erklärte laut und deutlich, wie man zur gesuchten Straße findet. Ich fand das alles ganz normal, er eklärt halt den Weg – bis die Stimme aus dem Off kommentierte: “Keine Angst, der Fahrer ist nicht wütend und streitet sich hier nicht mit unserem Reporter, auch wenn es so aussieht. Er gibt ihm lediglich eine Wegbeschreibung.”

Düdümm. Realitätsverschiebung 360°. Meine Güte, dachte ich, so hatte ich das noch nie gesehn.

Solche und andere Themen wie Migration, Identität und interkulturellen Dialog behandeln die fünf wunderbaren Initiatorinnen und Leiterinnen des Kollektivs Migrantas, die zum Teil selber Migrantinnen sind. Sie bedienen sich der Kunst, des Designs und der Sozialwissenschaften, um Migrantinnen eine Stimme zu verleihen. Für das Piktogramm-Projekt arbeiteten sie zusammen mit Frauen aus verschiedenen Ländern. Sie sollten Erfahrungen austauschen und diese dann zeichnerisch festhalten. Resultat sind diese tollen Bildchen. 2005 konnte man die tollen Piktogramme in einigen deutschen Großstädten bewundern – als Teil der städtischen Landschaft.

Im kommenden Monat (5. März bis 25. April) gibt es die Migrantas-Bilder auf der Ausstellung “Neue Heimat – Zwischen den Welten” im Zeppelin Museum in Friedrichshafen zu sehen. Und nicht nur das, man darf auch mitmachen: “In einer „Workshopstation“ sind Besucherinnen und Besucher eingeladen, ihre eigenen Alltagserfahrungen und Gefühle zur „neuen Heimat“ zu zeichnen,” heißt es auf der Webseite. Wer kann, nur hin. Und nicht irgendwann, sondern am 04. März zur Ausstellungseröffnung – da werden nämlich 1.000 Taschen verteilt, die mit dem Piktogramm “Hier und dort Heimat” bedruckt sind. (Ich will auch so eine!)

Nebst des “Noch leiser?”-Bildchens brachte mich heute ein weiteres Netz-Werk zum Lachen: Dieses tolle Interview mit dem muslimischen Professor Harry Harun Behr zu dem Thema Islam und Humor. Man beachte seine Antwort auf die Frage, ob der Islam tatsächlich wenig humorfreundlich ist. (via Kathrin)

credit: Screenshots via Webseite www.migrantas.org/

GELD FÄLLT VOM HIMMEL

Das ist – unverkennbar – Amy Winehouse.
Bloggen ist erlebensgefährlich. Eine Gefahr für das Erleben. Mindestens so erlebensgefährlich wie Fotografieren oder Filme aufnehmen.

Der Blogger schlendert durch eine Berliner Einkaufsstraße als plötzlich Geld vom Himmel fällt. Der Bloggerlogik folgend schnappt er sich natürlich (!) seine Kamera und fotografiert die Passanten beim Geldsammeln. Während also das Licht seinen Weg in die Kameralinse findet, überlegt sich der Blogger, mittlerweile zum Twitterer mutiert, wie er das Foto betiteln könnte. “Berliner im Geldrausch.” soll das Bild betitelt werden, entscheidet er. Lächelt selig und geht seines Weges. Ohne Geld in der Tasche.

Ich möchte aber Erleben, den Moment genießen. Ja, im Endeffekt: Mit Himmelsgeld meinen Weg gehen.

Das also war der Grund für meine wochenlange Blog-Abstinenz. Der Grund, warum ich bislang nichts über meine Reisen durch Israel, Palästina, die Türkei, meine letzten Tage in Hamburg, ersten Wochen in London und all die Themen, die mich so bewegten, schrieb.

Dieses kleine Update gibt es deshalb, weil die Briefe, die ich schreibe, und Gespräche, die ich führe, meinen Erzähldrang einfach nicht stillen können.

Dieses Wochenende zum Beispiel hab ich Amy Winehouse getroffen. Noch unlebendiger als sonst lag sie auf einem Tisch, der diesem tollen Label gehört, das wiederum zu dieser tollen Firma gehört. Außerdem habe ich Sumo gerungen. Erfolglos leider. Dann war ich aus diesem Grund in Atlantis, dem Künstlershoppingparadies in meiner – ich kann mich nur wiederholen – Lieblingsstraße in London: Der Brick Lane.

Die Brick Lane ist ein Must-have-seen-and-done in London. Solltet ihr nach London reisen und nicht über die Brick Lane laufen, dann nehme ich das absolut persönlich. Überall leckeres Essen, tolle (selbstgemachte) Dinge, Kunst, Musik und tolle Menschen. Ein Kulturbanause, wer nicht meinem Befehl folgt und dahin pilgert. Whateva: Jetzt wisst ihr also, wo ich mich so herumtreibe, wenn ich nicht gerade in der tollsten Universität meiner Welt sitze.

Und das – ebefalls unverkennbar – sind Birti und ich auf einem Brick Laner Flohmarkt.
Wer der Mafiosi mit der Brille da hinten ist, weiß ich nicht.

BLOGGERVALENTINSTAG #2 – DAMENRUNDE


Der Blogger-Valentinstag ist kein normaler Valentinstag. Soll heißen, ihn gibt es nicht einmal im Jahr, sondern so oft man will. Man ist in diesem Fall der Style Spion. Und er will, dass der Blogger-Valentinstag heute ist. So sei es.

Meine Lieblings-Blogs-Liste ist seit dem letzten Mal ganz schön gewachsen. Es gibt mittlerweile viele wirklich gute und tolle deutschsprachige Blogs. Diesen Valentinstag möchte ich aber meiner Lieblings-Nische widmen – den muslimischen Bloggerinnen:

Sevdas Wahrheiten - ein süßer Blog, den ich nicht nur wegen der tollen Buchempfehlungen, sondern vor allem wegen der großartigen Person dahinter schätze.

Kathrins Musafira - ein Muss für jede politisch interessierte Muslimin: Kathrin kommentiert ausgewogen und intelligent alles rund um das Kopftuch, die Person darunter und Menschen, die meinen über sie urteilen zu müssen.

Adventures Of The Veiled - ein Blog mit vielen lustigen Geschichten, die Welt aus Sicht einer kleinen deutschen Muslima. Ach, würde sie bloß häufiger schreiben. Ich winke mit dem Zaunpfahl und ignoriere den Balken in meinem Auge.

Hasibes Alltäglichkeiten – der einzige deutschsprachig-muslimische Blog seiner Art. Ich liebe ihre selbtsgemachten Ohrringe, Ketten und Kleinigkeiten. Ganz oben in meiner Muss-ich-haben-Liste.

Nicht zuletzt: Die beiden Gewinnerinen des MyUmma-Blog-Contests Anfang dieses Jahres. Die beiden haben brav durchgehalten und einen tollen eigenen Stil entwickelt:

Fatmas Habse(e)ligkeiten - diesen Blog les ich immer häufiger gerne. Und zwar deshalb, weil die Autorin gerne mal direkt und ehrlich sagt, was so gar nicht geht in dieser Welt.

Canans Bloggen Statt Blocken - ein deutsch-türkischer Blog, durch und durch. Canan schreibt über ihre Erfahrungen mit Deutschland, der Türkei und ganz oft auch davon, was beide Länder verbindet – mit tollen (selbstgemachten) Illustrationen.