ISLAMISCHER FEMINISMUS – INTERNATIONALE ANNÄHERUNGEN

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Unsere internationalen Gäste Anse Tamara Gray, Hind Makki, Malika Hamidi und Hanane Karimi im Kulturzentrum der Sehitlik Moschee, Berlin. credit: Nafisa.de

Diese Woche fand endlich eine Konferenz zum Thema Islamischer Feminismus statt ausgerichtet von der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Aktionsbündnis muslimischer Frauen. An der Erstellung des Konzeptes habe ich im Auftrag der FES mitgewirkt. Bei dieser ersten Konferenz war uns mir wichtig, zunächst eine internationale Perspektive einzuholen und die Thematik in einen internationalen Kontext zu setzen bevor wir uns auf der nächsten auf Deutschland fokussieren. Anse Tamara Gray aus den USA, die den Eröffnungsvortrag hielt, erklärte den islamischen Zugang zum Feminismus (ihr Vortrag wird demnächst auf der FES Seite veröffentlicht). Sie selbst setzt in ihrer Arbeit auf Bildung, Bildung, Bildung – insbesondere auch religiöse Bildung. Und ist der festen Überzeugung: Erst wenn Frauen (gilt natürlich auch für Männer) selbst die Schriften lesen, verstehen und kennen, können sie verhindern, dass ihnen ihre religiösen Rechte (wie zum Beispiel das Recht auf Bildung, eigenes Geld zu verdienen oder politisch aktiv zu sein – von FGM und anderen Mißständen ganz zu schweigen) entzogen werden und ihre Religion missbraucht wird. Mehr zu ihrem Vortrag findet ihr auch hier.

Hind Makki aus den USA, Malika Hamidi aus Belgien und Hanane Karimi aus Frankreich gaben Einblicke in die Debatten in ihren jeweiligen Ländern, die Bewegungen, Herausforderungen und Entwicklungen. Schnell wurde deutlich, dass sie sich hierbei ähneln.20160206002133 Islamophobie bzw. antimuslimischer Rassismus prägen die Arbeit muslimischer Feministinnen – während sie einerseits versuchen Mißstände in muslimischen Communities anzugehen, versuchen sie gleichzeitig die Instrumentalisierung dieser zu verhindern. Das kann manchmal lähmend wirken. Und – wie auch in Deutschland der Fall – den Eindruck erwecken, Probleme würden verschwiegen oder ausgeblendet werden. Hind Makki erzählte in ihrem Vortrag eindrucksvoll, welchem Gegenwind muslimische Feministinnen ausgesetzt sind, wenn sie genau diese Mißstände offenlegen und wie sie der potentiellen Instrumentalisierung durch rechte Gruppen trotzen. In den USA kam ihnen die feministische Arbeit religiöser Christinnen und Jüdinnen zu Gute, in deren Reihen sie medial verortet worden sind.

Es war womöglich das erste Mal, dass internationale muslimische Feministinnen auf einem öffentlichen Podium in Deutschland saßen und miteinander über diese Themen diskutierten, ohne dass ihnen von anderen Vortragenden entweder der Islam oder der Feminismus abgesprochen werden, in denen sie nicht ihre intellektuelle Existenz beweisen und verteidigen müssen. Es gibt zahlreiche akademische Konferenzen zu diesen Themen, wenige aber, die sich auf die Praxis fokussieren, die Intellektuellen, die Handelnden – jene, die ihre feministische und gesellschaftliche Arbeit, ihren Einsatz für Gerechtigkeit theologisch begründen.

Deshalb bin ich gespannt auf die Folgekonferenz, bei der wir uns auf Deutschland fokussieren und einige der Verbesserungsvorschläge, die bereits angeklungen sind, bestmöglich umsetzen werden. Übrigens: Dr. Kathrin Klausing und Nina Mühe werden demnächst auf Nafisa.de einige Interviews mit den Referentinnen veröffentlichen – auch darauf bin ich sehr gespannt!

Alle Bilder haben die Damen von Nafisa.de zur Verfügung gestellt. Dankeschön!

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WIE INKLUSIV IST DIE NETZFEMINISTISCHE SZENE?

Abschrift des Vortrags bei der FES Veranstaltung “Wessen Internet? Geschlechterverhältnisse und Gender-Debatten im Netz” im April 2015

Die feministische Netzszene lebt in der Illusion inklusiv zu sein – denn tatsächlich bietet uns das Internet bis dahin ungekannte Möglichkeiten der Teilhabe und Partizipation. Minderheiten müssen nicht mehr darauf warten, dass ihnen jemand aus der dominanten Netzöffentlichkeit ein Mikrofon hinhält, um zu sprechen – sie können sprechen, indem sie es einfach tun.

Die Inklusivität in der feministischen Netzszene macht sich deshalb an ganz anderen Punkten fest, als wie außerhalb des Netzes: Kleidung, Äußerlichkeiten spielen kaum eine Rolle, ebenso geographische Lokalisation sind weniger ein Ausschlusskriterium und auch das geheime Undergroundwissen darum, wo in welchen versteckten Szenelokalen und Orten die wichtigen Debatten stattfinden – sie finden im Netz nämlich relativ öffentlich statt. Das Netz bietet Neufeministinnen und Interessierten die Möglichkeit, Debatten zu verfolgen und langsam, mit der Zeit, die unausgesprochenen Regeln der Netzcommunity zu verstehen und ein Gefühl für den Habitus zu bekommen. Wer ist wichtig? Welche Themen dominieren? Was sollte man wissen? Wie wird gesprochen? Was kommt gut an, was nicht?

Rein theoretisch also gute Grundvoraussetzungen für die Stimmenfindung und Diskurspartizipation von Minderheitenperspektiven. In der Praxis hakt es – zum einen deshalb, weil die netzfeministische Szene einen selbstbewussten Umgang mit dem Netz voraussetzt – für uns im Internet sozialisierte „Digital Natives“ kein Problem, durchaus aber eines für solche, die nicht schon in jungen Jahren mit Bloggen, Netzkultur, Technik und Co vertraut waren und sind. Der sogenannte Digital Divide.

Zum anderem ist es das fehlende Bewusstsein für die Privilegien, die wir innehaben: Unser Wissen, unsere Bildung, unsere Sprache, unsere Hautfarbe, ethnische Zugehörigkeit, unsere sexuelle Orientierung, unsere Bildungshintergrund, unsere soziale Schicht, unsere Religion, unsere Körper – alles Faktoren, die uns Privilegien bescheren bzw. benachteiligen können.

Dass zu einigen der Punkte niemand etwas sagt, sich darüber beschwert, heißt nicht, dass es keine sich Beschwerenden, Benachteiligten gibt, sondern lediglich, dass wir nicht im Stande sind, sie zu hören.

Während wir in der netzfeministischen Szene für die allermeisten hier aufgelisteten Punkte Bereitschaft zeigen, reflektiert darauf zu reagieren, scheitern wir häufig an einem unserer womöglich wichtigsten politischen Machtinstrumente: Unsere Call-Out-Kultur. Dazu gehören Shitstorms, Empörung und Proteste, Instrumente also, die wir gegen das Etablissement verwenden, um Machtstrukturen aufzubrechen und die Gesellschaft zu bewegen. Wir können auf Missstände hinweisen, auch wenn man unsere Kritik lieber nicht hören möchte. Wir müssen uns nicht mehr im Stillen ärgern; wir können das öffentlich tun und Druck ausüben – erfolgreich. Positionen, für die wir vor drei Jahren noch belächelt worden sind, sind heute mehrheitsfähig. Das haben wir vor allem den unermüdlichen Aktivist_innen unter uns zu verdanken, die genau von diesen Instrumenten Gebrauch machten, trotz persönlicher Einbußungen und Abstriche. So sind wir es gewohnt, vieles – zurecht – in Argwohn, Skepsis und kritisch zu betrachten. So sehr, dass wir es aber nicht mehr schaffen, unsere Kampfausrüstung abzulegen, wenn wir untereinander sind. Und falls wir es doch tun, haben wir sie schwupdiwupp wieder an, weil wir fürchten, unsere (vormals) Verbündeten könnten unsere Ideale verraten.

Handeln bedeutet immer auch einen Kompromiss mit der Realität einzugehen.

Die Ideale, die wir als Aktivist_innen vertreten, sind nämlich genau das: Ideale. Eine Zukunft, nach der wir streben. Nicht aber eine gesamtgesellschaftliche Realität, in der wir uns bewegen, und womöglich eine, die wir nie erleben werden. Deshalb ist es das Streben, der Weg, die den Aktivismus ausmachen. Das unermüdliche Streben. Streben wiederum bedeutet Handeln, Bewegen und Anstoßen. Unsere Gedanken, unsere Kritik, fassen wir in Worte, starten Kampagnen und organisieren Aktionen. Und jedes Mal, wenn wir in der dominanten Öffentlichkeit handeln, jedes mal, wenn wir dort einen Text veröffentlichen, sind wir genötigt – vorerst – Teile unserer Ideale aufzugeben, um die Brücke zwischen der Realität und der gewünschten Zukunft zu schlagen. Zu weit liegen beide noch auseinander.

Doch genau dafür kritisieren wir einander. Wir schauen nicht darauf, wohin wir uns bewegen, sondern darauf, wo wir sind. Unverzeihlich sind wir dabei. Intolerant gegenüber den Menschen, die uns am nächsten sind. Wir kritisieren einander beizeiten so gehässig als wären wir Feinde, als sei das Kritisieren an sich eine Tugend. Wir baden uns im Wissensfetisch, Kampfeslust und einer arroganten Erhabenheit gegenüber jenen, die noch nicht das Wissen erlangt haben, mit dem wir uns heute stolz schmücken. Die Einsichten, die wir heute haben, setzen wir bei anderen als Mindestwissen voraus. Das macht uns ängstlich und stumm. Nicht nur Anfänger_innen, sondern auch alte Hasen.

Und jetzt wollte ich übergehen zu dem Punkt, dass wir mehr Raum für Schwäche zeigen müssen, um inklusiver zu werden. Doch die ganze Zeit über steht ein riesengroßer rosa Elefant im Raum. So groß, dass ich diesen ganzen Vortrag umschmeißen und über etwas ganz anderes reden wollte.

Wenn ich Inklusion fordere, was fordere ich speziell für die muslimische Frau? Ich merkte: Mir genügt das Bemühen der feministischen Netzcommunity. Das Bemühen genügt mir. Wenn man mich fragt, ob der Netzfeminismus inklusiv ist, würde ich sagen: Ja. Er ist der inklusivste mehrheitlich weiße Raum, den ich kenne. Ich könnte kritisieren, dass ich auf vielen Panels die einzige Muslima bin, (und häufig auch die einzige PoC) und dass ich in unseren Diskursen die Berücksichtung der muslimischen Perspektive vermisse usw usf. Aber nein, es fällt mir schwer, diesen Raum zu kritisieren. Ohne den Netzfeminismus hätte ich zum Beispiel nie meinen Raum im Feminismus gefunden. Warum bin ich so genügsam? Hätte ich nicht die Verantwortung – gerade weil ich in vielen Punkten privilegiert bin – mehr einzufordern?

Mich wurmt das.

Einer der Gründe hierfür ist: Weil die muslimische Frau in Deutschland ganz existentielle Kämpfe führt. Es geht nicht um Anerkennung in der netzfeministischen Community, sondern um die simple Akzeptanz der Existenz als denkender, eigenständig handelnder, selbstständiger Mensch mit einem eigenen Willen. Nicht mehr nur die infantil, schwachen Frauen ohne Denkvermögen, die leeren Kopfes das tun, was ihnen ihre Männer befehlen.

Im Gegensatz zu Queer-Feministinnen oder Schwarzen/PoC Feministinnen haben wir eine ganz andere Ausgangssituation im Feminismus. Während der Feminismus sie immer mit meinte – sie aber nicht berücksichtigte, ihre Stimmen unterdrückte, aber das ist eine ganz andere und lange Geschichte – war die muslimische, religiös praktizierende, kopftuchtragende Muslima nie mitgemeint. Sie war im Gegensatz zu den anderen Formen die Versinnbildlichung des Antifeminismus.

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Taz Podiumsdiskussion zum Lehrerinnenkopftuch in Bremen – Niko Wolff, Fotoetage

Als ich kürzlich in Bremen zur Aufhebung des pauschalen Kopftuchurteils für Lehrerinnen auf einem Panel saß, wurde ich später im Flur von einer Gruppe Altfeministinnen aufgehalten, die auf mein Kopftuch zeigend sagten: „Dafür! Haben wir nicht gekämpft!“

Das ist der Punkt, an dem wir stehen.
Wir werden als das Gegenteil von dem gelesen, was der Feminismus abzielt.
Frauen, unterwürfig, unterdrückt, ohne eigenen Willen.

Das heißt, in einem Raum zu sein, in dem eine muslimische Frau als denkender Mensch wahr und ernst genommen wird, wird noch als Erfolg verbucht, nicht als Selbstverständlichkeit.

Denn es geht für die muslimische, kopftuchtragende Frau in Deutschland noch um einfachste, existentielle Dinge: Arbeiten dürfen, im Leben stehen dürfen, sichtbar sein dürfen. Nicht an den Rand gedrängt werden.

Deshalb tue ich mich so schwer, die klassischen Inklusionsthemen einzufordern: Mehr Sichtbarkeit in den Debatten und andere Dinge, die muslimische Feministinnen daran hindern, sich vermehrt in der netzfeministischen Community willkommen zu fühlen.

Wenn ich Inklusion fordere, was fordere ich speziell für die muslimische Frau?

Wenn die stärksten Stimmen gegen das Lehrerinnenkopftuch Altfeministinnen ala Schwarzer sind und die stärksten, aber insgesamt schwachen Stimmen dafür, diejnigen Frauen sind, die davon betroffen sind, dann läuft etwas falsch. Wir alle wissen, was Intersektionalität bedeutet, wir alle wissen, dass die nachhaltige Minderung von einer Form der Diskriminierung nicht ohne die Bekämpfung von anderen Formen erfolgen kann. Dass Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus etc. alle stark miteinander verflochten sind.

Deshalb wünsche ich mir, dass die netzfeministische Szene diesen Frauen den Rücken stärkt, in Räumen, in denen sie keinen Zugang hat, ihre Anliegen weiterträgt – nicht an ihrer Stelle oder in ihrem Namen spricht, sondern ihrer Stimme Gehör verschafft.

Es kann nicht sein, dass wir 2015 in einem Land leben, wo wir noch immer darüber diskutieren, ob wir einer Frau aufgrund eines Kleidungsstücks, das sie trägt, und unserem damit assoziierten Bild und unseren Vorurteilen, ein Berufsverbot verhängen, sie aus der Mitte unserer Gesellschaft ausgrenzen, sie unsichtbar machen. Und dass diese ad absurdum geführte Diskussion an sich nicht für furchtbar großen Aufschrei sorgt.

Ist der Netzfeminismus inklusiv? Sie hat noch einen langen Weg vor sich, aber ich bin zuversichtlich.

LUDIN, ULUSOY – SIE SPRICHT, DIE MUSLIMISCHE FRAU.

fereshta

Ich kenne sie. Ich kenne sie als Frau, die ihre Worte mit Bedacht wählt, ruhig und balanciert. Eine weise Frau, stark und mit aufmerksamen Blick, klug und liebevoll. Eine Frau mit einer herzlichen Familie, die wiederum meine kleine Familie unterstützte als wir unsere Zelte in Berlin abbauten, um nach Kairo zu ziehen.

“Das erste Mal in meinem Leben saß ich sprachlos vor Gott” – Fereshta Ludin

Ich kannte jedoch nicht die Details des Lebens, der Jahre, die Geschichte, die Gesellschaft, die sie zu der Frau machte, die sie heute ist. Ich kannte nicht die Hintergründe der zermürbenden Jahre, in denen sie Freiwild für Presse und Politik war: Verspottet als sture, bockige Islamistin, Kopftuchfrau, die – statt zu danken, hier überhaupt studiert haben zu dürfen – nun dreisterweise auch noch an deutschen Schulen deutsche Kinder unterrichten wollte. Die Lehrerin Fereshta Ludin, die aufgeregt den Gerichtssaal betrat, um für die Ausübung ihres Berufs einzustehen und auf der Empore im Saal von zwei Frauen in pinken Burkas begrüßt wurde, die gegen sie protestierten. Die Studentin Ludin, die sich gegen ihre diskriminierende Dozentin wehrt, um an anderer Stelle dafür zu büßen. Die Referendarin Ludin, die in Tränen ausbricht, als das Oberschulamt ihr wegen vermeintlicher “mangelnder persönlicher Eignung” den Weg zur Ausübung des Lehrberufs versperrt. Die starke Kämpferin Ludin, die unter dem öffentlichen Druck zusammenbricht – nach Jahren der Demütigung, Erniedrigung, Bevormundung und Drohungen… Aber auch das kleine Mädchen Ludin, die mit dem plötzlichen Tod ihres Vaters zu Gott findet; die Jugendliche Ludin, die diszipliniert Deutsch lernt und sich den Weg ins Gymnasium hart erarbeitet und sich in einen jungen Mann verliebt.

Der Mensch Ludin hält in ihrem Buch die Verletzungen fest, die kleinen und großen; die Eindrücke, die weltbewegenden und persönlichen. Der Anfang des Buchs, ihre Kindheit, liest sich romantisiert und idealisiert – so wie vermutlich bei vielen, die aus den unbeschwerten Kindsjahren Kraft und Energie ziehen.

Ich kannte Fereshta Ludin so nicht. Und obwohl ich schon vorher großen Respekt vor ihr hatte, ist er nun mit einem Mal, nach dem Lesen ihrer Autobiographie, um einiges größer geworden. Meine Bewunderung für diese starke Frau ist einmal mehr gewachsen. Beim Erzählen ihrer ganz persönlichen Geschichte, hält sie unserer Gesellschaft einen Spiegel vor, nackt und ungeschminkt, direkt und ungefiltert, greifbar und unbegreifbar zugleich. In was für einem Land lebten wir eigentlich, fragte ich mich immer wieder beim Lesen. Und in was für einem Land werden wir künftig leben?

“Und wie gern hätte ich ihnen nahegebracht, dass sich Gott hinzugeben für mich absolute Freiheit bedeutete.” – Fereshta Ludin

Letztlich war Ludins Kampf auch einer gegen die Stille, die verstummte muslimische Frau. Das Buch “Die Enthüllung der Fereshta Ludin” ist nur der (vorerst) letzte Schritt im Bemühen nicht die, wie sie schreibt, “mundtote” 14-Jährige zu sein, die nach Deutschland kam, ohne Deutsch zu sprechen. Das Mädchen, das hier nicht für sich sprechen konnte, hier nicht verstanden wurde.

Während ich diesen Text schrieb, stellte ich fest: Knapp 13 Jahre später beginnt nun der Kampf einer anderen muslimischen Frau. Der Rechtsreferendarin Betül Ulusoy. Ihr wird vom Neuköllner Bezirksamts eine Station ihrer Ausbildung verwehrt:

“#‎schauhin‬, wenn du als Rechtsreferendarin eine Station in der Verwaltung machen m u s s t, dir eine Stelle im Bezirksamt ‪#‎Neukölln‬ telefonisch bereits zugesagt wird, du heute Morgen lediglich zur Unterzeichnung deines Formulars zum Rechtsamt fährst und dir der Herr dort dann munter erzählt, er sehe ja nun, dass man ein ‪#‎Kopftuch‬ trüge und dass das leider problematisch sei. Er selbst sei da zwar “völlig leidenschaftslos”, das Bezirksamt fahre da aber eine “ganz klare Linie” und stelle selbst Praktikanten mit Kopftuch im höheren Dienst nicht ein. Darum müsse er nun doch noch einmal mit der Personalabteilung und “höheren Stellen” sprechen, das würde nun wohl “ganz hoch diskutiert” werden und ich solle mich doch morgen noch einmal bei ihm melden.

Wenn morgen die Linie des Bezirksamts Neukölln immer noch ganz klar ist, dürfen sich sehr gern Journalisten aus meiner Freundesliste bei mir melden.

Das wirklich traurige an der Geschichte ist, dass ich mir als erwachsene Juristin gerade vorkomme wie das kleine Mädchen, das damals heulend von der Schule wegen ähnlicher Erfahrungen nach Hause rannte. Man sollte meinen, man müsste sich doch über die Jahre an immer die selben Diskriminierungen gewöhnt haben und damit rechnen, wenn man mit Kopftuch irgendwo aufschlägt und ich bin wirklich wütend auf mich, weil mir das noch immer so nah geht und ich ein mal mehr zitternd einen blöden Text über das Leben mit Kopftuch tippe(n muss)…”

Auch Ulusoy kämpft nun gegen das Verstummen, Bevormundung, die Infantilisierung an, stark und klug. Ihre Stimme ist laut und wird gehört. Denn Frauen wie Ludin haben Ulusoy, mir und etlichen anderen Frauen den Weg geebnet in dieser Gesellschaft eine Stimme zu finden und Unrecht zu benennen. Wir lassen uns nicht mehr aus der Mitte an die Ränder dieser Gesellschaft drängen.

Es liegt an uns, der Gesellschaft, Ulusoy in ihrem Kampf für ihr Recht zu unterstützen, sie nicht alleine zu lassen. Es geht hier nicht um sie als Person oder um eine persönliche Befindlichkeit, sondern um einen Wandel in unserer Gesellschaft; die Entpolitiserung des Kopftuchs und um die Frage: Wen lassen wir in unsere Mitte, wen nicht?

Wie man Ulusoy unterstützen kann? Lest hier.

RAUM FÜR SCHWÄCHE | MISSY MAGAZINE 01/15

Netzfeminismus

Im aktuellen Missy Magazine (01/15) geht es um großartige Themen – unter anderem aber auch um eines, das längst überfällig war: Hass im Netz. In meinem Beitrag (Bild zeigt Auszüge daraus) geht es um unseren Umgang innerhalb der netzfeministischen Szene. Wie kritisieren wir & warum? Die Gehässigkeit und Missgunst führt zuweilen zur Lethargie, lässt uns verstummen. Sie sind aber nicht einzigartig und lassen sich in ähnlicher Form auch in zahlreichen anderen Netzcommunities (in welcher nicht?) wiederfinden. Deshalb kann sich hier jede/r Mal an die eigene Nase fassen und sich fragen: Wie gehen wir miteinander um?

STOFF FÜR VERKRAMPFTE | DIE ZEIT 13/2015

Die Zeit Schwarzer Zitat KopieAls Karlsruhe im letzten Monat nach 12 Jahren endlich das pauschale Kopftuchverbot für Lehrerinnen aufhob, war auch ich sehr froh darüber. Gleichzeitig war klar: Nun liegt es an uns, der Zivilgesellschaft, den weiteren Verlauf dieser Debatte und unserer Normen zu prägen – sie zu Freiheit oder Verboten zu führen. Empörte Stimmen wurden lauter – paternalistische Finger, hoch gestreckt und belehrend. Sigh. Eine Antwort, die musste sein.

Nun auch online und hier nachzulesen.

IS ISLAM COMPATIBLE WITH GENDER EQUALITY? – DEBATING AT OXFORD UNION

Oxford Union Debate Winners

A few weeks ago (23rd of May 2014), I was debating at the Oxford Union along with i.a. Myriam Francois Cerrah & Adam Deen opposing the motion “This house believes Islam is incompatible with gender equality.” We won the debate with great results: 166 opposition : 51 proposition!

I was waiting for the audio recording to be released, but that doesn’t seem to happen anytime soon. So, here we go, this is the transcript of my speech:

Ladies & Gentleman,

Here I am, claiming that Islam is compatible with gender equality. And it might seem a little absurd saying that – looking at our world today.

After all, isn’t Islam seen as the religion of sexual oppression? Not only tolerating but fuelling violence towards women? The religion of forced marriages, death stoning, female genital mutilation, polygamy, depriving young girls of their right for education – a women hating ideology? – As the proposition might indicate in the following hour.

I am not arguing today that misogyny in Muslim communities does not exist. Because it does exist. However, many women today here in this room and around the world have not only witnessed these awful practices, but have also fought against them – based, encouraged and empowered by their religion, their faith, Islam.

Today I will start by providing you with three common examples which are misused to argue that Islam is to blame for misogyny:

1 – Forced Marriages
2 – Female Genital Mutilation (FGM)
3 – Women’s Deprivation From Education

Forced Marriages

At least half of the forced marriages that have been reported to UK’s forced marriage unit in 2012 involved communities that are predominantly Muslim. And unfortunately, in many cases, Islam is being misused to justify this awful custom.

However, forced marriage is a cultural practice. And it violates your right as a woman and – surprise surprise! – as a Muslim. The vast majority of theologians, scholars, Sheikhs and Imams condemn this practise and agree: Islam does not allow anyone – male or female – to be married without his or her own consent. According to a Hadith, narratives detailing the life and practise of the Prophet (Peace Be Upon Him), when a girl who was married off against her will, came crying to our Prophet (PBUH) saying she hadn’t agreed to the marriage, he promptly declared the marriage invalid.

Female Genital Mutilation

And scholars, Sheikhs and Imams have also condemned many times female genital mutilation.

Let’s have a look at the case of Khalid Adem, an Ethiopian American, who was convicted for female genital mutilation (FGM) in the United States in 2006. He is charged for personally removing his 2-year-old daughter’s clitoris with a pair of scissors. At court his wife explained his motivation: “He said it was the will of God.” FGM however, does not come from the scripture of Islam, but in fact from an age old tradition in many regions in Africa, based on the assumption that women’s enjoyment of sexual intercourse might turn them “immoral.”

And up until a few decades ago nearly 4 out of 5 women in Ethiopia were victims of FGM. In a country whose population is 63 percent Christian. Can we now blame Christianity for FGM – when Christians in Ethiopia argued it was the will of God? No. This inexcusable custom that is unfortunately practised today in many other regions in Africa predates, Islam, Christianity and even recorded history.

Women’s Deprivation From Education

In April this year the militant Nigerian group “Boko Haram” caused outrage around the world when they kidnapped around 276 female students from their school – again, inexcusable. I will leave their use of violence and terror aside and focus on their justification for stealing these children:

They claim that education for girls goes against Islam. This, however, has no basis whatsoever in Islamic scripture. On the contrary, the Prophet Muhammad (PBUH) wisely emphasised that every Muslim man and woman has a duty to seek education. In fact, the very first command that was revealed was “Iqra!”, “Read!” symbolising the duty of every Muslim: to pursue and seek knowledge. And there is no difference being made between men and women.

As a matter of fact, women of the Prophets community had the right to comment forthrightly on any topic, even the Quran. And both God and the Prophet (PBUH) assumed their right to speak out and readily respond to their comments. They, too, have participated actively in the creation of religious knowledge in the early days of Islam.

Muslim women have been scholars, Muftiyahs and Qari’ahs for centuries. Some of the greatest male scholars, like Hasan alBasri, Ibn Hajar and Ibn Taymiyyah, all had female scholars as teachers and contemporaries – like Rabia al-Adawiyya, one of Islam’s first mystics.*

And I could give you hundreds of other examples, starting from the first person to convert to Islam, Prophet Muhammad’s (PBUH) wife Khadijah. A woman who was married three times and had children from all her marriages. A successful business woman, 15 years older than her husband Prophet Muhammad (PBUH). Imagine the reactions today, a young man marrying his 15 years older boss and single mother.

What I argue

I am not denying that Islam can be (and is) read in patriarchal modes and be misused to justify privileges to men and inhumane practises against women. But I firstly point out that those readings are being challenged by respected religious scholars and are disputable. Secondly I argue that Islam can and is being read in anti-patriarchal modes and hence is indeed compatible with gender equality.

And thirdly I argue that the readings I am referring to are not a tool to belittle and sugar-coat Islam and please a Western audience – it is an appeal to certain Muslim communities to look at the texts, keeping in mind that the readings are not the words of God, but the holy Quran is. The readings, tafsir of the Quran are interpretations of humans, influenced by society, history and politics. Who has dominated the readings of the Quran in the past decades? Men. Men who have lived and were socialised in patriarchal societies. Naturally, their readings have been influenced by those factors, too.

Nevertheless, male and female scholars have been challenging in the past and continue to do so in the present, patriarchal readings of Islam.

Yes, as I have said earlier, misogyny does exist in Muslim communities. And it also does exist in communities of other faith and no faith. These practises are not unique to Islam, they are not rooted in the Islamic scripture.

By eliminating religion, you cannot eliminate misogyny.
By clinging on to a “misogynistic Islam”, you will not bring any change to society.

Conclusion

When I’m talking here to you today, I am not primarily addressing a Western audience explaining the misuse of Islam; I am also talking to a Muslim audience explaining our misuse of Islam. And that it is us and the way we read the Holy Scripture that will bring an end to misogyny.

If the motion today were: Many Muslims are not acting in compatibility with gender equality, yes, I would wholeheartedly agree.

But the motion today is: Islam is not compatible with gender equality. That is, to put it simply, wrong.

By voting for the motion today, you are turning on the volume for those misogynist Muslims who misuse Islam to justify their practices. You are turning on the volume of orientalist and euro-centric Islamophobes who reduce Islam to those who misuse it.

By voting against the motion today, you say that, yes, Islam is compatible with gender equality. And you will turn on the volume for thousands of men and women around the world, who have been and are fighting against misogyny. on. a. daily. basis.

Thank you.

*Great read: Women in history who rock – by woodturtle

#7 LEGITIMACY | 50

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I know I’m not the first to discover this. I know that there have been loads of other women, minorities & “social climber” who have experienced and reflected on this. But I feel, you have to go through it to truly understand it. It is the fear of arrogance, of becoming someone you never wanted to become, that has always stopped me. But you will never not be in danger of arrogance. It is a constant challenge.

Seeking humbleness & claiming space at the same time – it doesn’t need to be an oxymoron.

PS: I know the thought has been delayed, I wrote it last week but I was traveling so I didn’t have the typewriter with me. And my husband was giving me that look when I asked him if he thinks it’s a good idea to take it with me. :)

I will be traveling this week & the next weeks, too – so I hope I can manage to write the thoughts in advance.

One thought every Friday for a year #7 | 50

DER MUSLIMISCH-AKADEMISCHE HEIRATSMARKT (TEIL 2)

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(Dieser Text baut auf den Artikel Der neue muslimische Mann + die Frau und die Gesellschaft auf. Es empfiehlt sich ihn vorher zu lesen. Darin wird erklärt, warum dieser Text sich nur mit Mann-Frau-Beziehungen innerhalb der muslimisch-akademischen Szene beschäftigt.)

Wichtiger Disclaimer:

Bevor ich den Text beginne, möchte ich eine Tatsache nicht unerwähnt lassen: Heiraten, einen Partner finden, ist in keiner Weise alleiniges Lebensziel und/oder definierender Lebensinhalt einer muslimischen Frau. Muslimische Frauen, die (noch) nicht geheiratet haben (an Gründen mangelt es nicht) oder nicht heiraten wollen(!), dürfen und sollten nicht darauf reduziert werden. Schon gar nicht sollte man sich das Recht herausnehmen solche, mit denen man nur flüchtig bekannt ist, immer wieder mit Fragen durchlörchern und mit achso gut gemeinten Ratschlägen belehren zu dürfen.

 Bei einer entsprechend stabilen Beziehungs- und Vertrauensbasis kann man sich eventuell näher über Beweggründe unterhalten, aber selbst das hat seine Grenzen.

Manchmal liegt es nicht in der Hand eines Menschen, einen geeigneten Partner zu finden. In dem Fall ist es ein Affront, einen Menschen immer wieder darauf anzusprechen oder gar zu bemitleiden. 



Manchmal entschließt sich ein Mensch bewusst dazu, nicht (mehr) heiraten zu wollen. Diese Entscheidung muss man respektieren. Und auch hier ist es ein Affront, einen Menschen immer wieder darauf anzusprechen oder gar zu bemitleiden.



Aber du möchtest doch nur helfen? Auch in bester Absicht kann man Menschen verletzen. “Herşeyin bir yolu yordamı var”, sagt man im Türkischen. Es gibt für alles eine Art und einen Weg – auch für das Helfen.

Zuletzt ein Zitat der Leserin Müzeyyen Bek hierzu:

“Ich habe schon gar keine Lust mehr auf Hochzeiten zu gehen, genau aus diesem Grund! Ich finde es auch einfach nur unverschämt und vor allem unsensibel diese Haltung: Eine Frau ist nur dann vollwertig, wenn sie geheiratet hat. Wenn nicht, dann stimmt was nicht mit ihr. Das wird selbstverständlich nicht so geäußert, aber häufig ist es eine Botschaft, die mitschwingt.”

Der muslimisch-akademische Heiratsmarkt – Teil 2

Ich muss eingestehen: Ich bin an das Thema muslimisch-akademischer Heiratsmarkt zwar sehr kritisch, an die Lösungen aber anscheinend zu idealistisch herangegangen. Es muss doch eine systematische, größere Lösung geben für die vielen muslimischen Single-AkademikerInnen, die man innerhalb eines Projektes angehen kann, dachte ich mir. Ich war damit nicht die einzige: Mit ein paar FreundInnen zusammen bauten wir ein System auf, bei dem wir ausgewählte Singles interviewten, in eine interne Datenbank einpflegten und dann, ganz klassisch, Verkuppeln wollten. Aber (jeder von uns ist da unterschiedlicher Meinung, warum es nicht klappt/wie es besser klappen könnte) ich finde man kann zwei Menschen, von denen man mindestens eine nicht persönlich oder näher kennt, schlecht verkuppeln. Vor allem dann nicht, wenn man kein Gefühl dafür hat wie sie sind, was sie ausstrahlen und eventuell sogar wie sie fühlen. Hinzu kommt, dass es ein großer Zeit- und Organisationsaufwand ist, bei der Arbeitsteilung und Management nicht so einfach zu strukturieren sind.

Wenn ich privat verkupple, dann klappt es meistens viel besser. Ich kann nicht recht in Worte fassen, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Ich agiere hauptsächlich auf Gefühlsbasis und es funktioniert so relativ zufriedenstellend. Aber eine gut funktionierende größere Lösung, mit der man mehr Menschen erreichen kann, aber dennoch den einzelnen Menschen gerecht wird und zudem effektiv ist, habe ich bislang noch nicht entdeckt.

Das hat mich am Traum der größeren Lösung zweifeln lassen. Für mich gibt es bisher deshalb derzeit folgende (individuelle/lokale) Lösungen, von denen ich weiß, dass sie funktionieren (können): Continue reading

#MIPSTERZ & THE STATE WE’RE IN

mipsterz screenshot

Habib Yazdi / Somewhere in America

I was holding my tongue. Trying to ignore the #Mipsterz (≈ Muslim Hipsters) debate, hoping it would be over soon. Frankly, how long and intensely could the Muslim community (mainly in the US & some Western European countries) possibly discuss a two minute video about some Muslim fashionistas in the US driving skateboards, motorbikes, jumping and posing on trees? But it continued and continued and got worse…

Yes, the (original) music was inappropriate. Yes, you might have a different take on how a Muslim veiled woman should dress. Yes, there was a (apparently controversial) man behind the camera but it wasn’t entirely produced by men. Yes, I, too, am very concerned about our societies’ materialistic approach to fashion, wealth and life in general. So, yes, some things have been rightly criticised.

But nothing felt more disturbing than some of the arrogant, judgemental and hateful comments I’ve read in the last couple of days. Hence, I do not want to discuss the video, but our reaction to it. I want to discuss our behaviour. The way we treat each other. Because I believe, this debate says less about the producers of the video and the protagonists, but more about the Muslim community in the West and the state we are in.

Why can’t we (happily, but that’s probably too much to ask for) accept that there are US American Muslim fashionistas celebrating their lifestyle in a video – like every other fashion scene – with its flaws and mistakes?

I believe it is, amongst another reasons, due to two problems.

One: Controlling Our Public Image

For a long time others were telling us Muslims in the West what we are, how we are and who we were going to be. Western media talked a lot about but rarely with Muslims. Having Muslims speak on mainstream TV channels or write in national newspapers was a novelty, a rare opportunity for “our image” to be corrected. Keeping that in mind, I understand the urge to control how “we Muslims” are being portrayed in media. But we need to stop being exaggeratedly self aware. We need to stop doing to our people what others have been doing to us for too long: Forcing every public (and private) Muslim to be the representative of an entire religion, mistake them for an advocate of Islam, expect them to speak for “us” and wrongly be mad at them for not having sought our approval before speaking on “our behalf”. With this we not only take away their individuality, but neglect our very own nature:
We Muslims are not uniform, we are not homogenous, we are diverse. This is our asset. This is what makes us unique. And the only way we can demonstrate this, is to stop being control freaks. Eventually, having multiple voices and faces of the Muslim community in the public will correct “our image”.

Two: The Choice Not To Be Political

But beyond that, and more importantly, I feel an underlying problem is our inability to accept that a public Muslim might choose not to talk about “hard facts”, politics, Islamophobia, discrimination and racism in our societies but “give in” to popular mainstream culture, even if for a two minutes video. It is somehow regarded as a “betrayal” if a public Muslim is not acting first and foremost as a Muslim but seems to be carelessly enjoying the amenities of comfortably living in the West, glorying in it’s wealth, celebrating fashion and life in general – “while our brothers and sisters in (insert a country & problem) “…

To be honest, I understand this reaction. Again, being a religious minority, subjected to racism (often hidden as “rational” and “intellectual” criticism of Islam) has not given most of us the choice not to care. We had to. Especially as visible Muslim women wearing the Islamic headscarf we were constantly reminded of being the “Other”. Our loyalty, belonging, intellectual ability and independent thought were constantly questioned. So of course, there were times I felt betrayed when other Muslims did not carry the burden I chose (and was very often forced) to carry. But there were also times in which I was told, I had a responsibility to talk about problem x and y, because I had access to mainstream media and hence a responsibility to address x and y.

It was my (more or less conscious) decision to tackle Islamophobia and racism in our society, to publicly pursue my cause in becoming a writer, journalist, storyteller and activist. It’s tiresome, at times it took away all my energy and positivity, it was and still is a heavy burden. But why did I choose this path, sacrificing the luxury of not caring when I could?

When I started my activism in my teenage years, it was because I aspired to live in a society in which we Muslims did not have to fight stereotypes and prejudices anymore, in which we could choose not to fight daily battles about who we are – but just be. Back in those teenage years I had dreamed of going into arts and design. At 15 I sent my fashion design sketches to competitions, at 16 I worked with an haute couture designer and a milliner, where I designed my very own hat for veiled women. Art and design have had always been a deep passion of mine I haven’t followed publicly – yet. Because I felt it wasn’t the right time. Some problems needed to be addressed first. The public image of Muslims needed to be corrected. It was my very own decision to battle, but why would I want others – or everyone! –  sacrifice the same? Hadn’t I first started off pursuing my dream of a society in which I didn’t have to do what I did: Defending, fighting and battling? Why would I want every other Muslim to carry this burden? Don’t I do it, so that our future generations hopefully don’t have to? Haven’t you had the same aspirations? I believe some of the rants are routed in this inability to let others enjoy what you are fighting for. And I find this very bitter.

Despite all, I am happy to see our sisters in fashion, arts & design. It makes me proud, it makes me smile. These women (and men) are important to the Muslim community, not more or less than our advocates, fighters and battlers, because they give back some of the positivity, hope and ease we sometimes lack.

And as my husband likes to quote C S Lewis: Poetry and art might have no survival value. But they give value to survival.

#SCHAUHIN – WARUM?

Bildschirmfoto 2014-02-23 um 19.37.25“Ein Freund hört mit seinem Polizisten-Job auf wegen des Alltagsrassismus”, schreibt mir gerade Tamim Swaid, ein guter Familienfreund, während ich an diesem Text hier sitze. “Stell dir vor”, fährt er fort, “8 Jahre Ausbildung und Beamtenstatus.” “Oh krass…”, antworte ich. Dann schreibt er: “SchauHin ist sehr gut.”

#SchauHin ist eigentlich nichts Neues. Schon seit etlichen Jahren bloggen und twittern Menschen in Deutschland online zu den Themen Rassismus im Beruf, in der Schule, in den Medien – im Alltag halt. Denn Rassismus ist nicht etwas, auf das wir entspannt mit weit ausgestrecktem Finger in der weiten, weiten Ferne zeigen können. Etwas, das irgendwo am rechten Rand der Gesellschaft geschieht, wo die Glatzen glänzen und die Springerstiefel stampfen. Nein. Rassismus ist hier. Mitten unter uns. Jeden Tag. Überall. Continue reading

ES WAR SCHÖN MIT DIR, LIEBE KOLUMNE!

WorldUnd dann stand es fest. Ich würde fortan eine Kolumne in der taz führen. Panik brach in mir aus. Eine Kolumne in der taz, einer deutschen, bundesweit erscheinenden Tageszeitung – und die sollte ausgerechnet ich schreiben, eine junge Deutschtürkin, muslimisch und noch dazu mit Kopftuch. Ja, klar. „Schreib von dir, erzähl aus deinem Leben, deine Gedanken“, sagte der Ressortleiter. Ich hörte nur: „Schreib von der muslimischen Community, erzähl aus deren Leben, deren Gedanken.“

Wie eine kleine Pressesprecherin der Muslime in Deutschland fühlte ich mich. Jahrelang hatte ich mich über die mediale Darstellung der Muslime geärgert, jetzt hatte ich die Gelegenheit, es besser zu machen. Verkrampft schrieb ich den ersten Text und las ihn am Telefon einem befreundeten Imam vor. „Hm, ja, guter Text“, sagte er, ein bisschen überfordert, was ich denn nun genau von ihm wollte. Ich wusste es ja auch nicht. Eine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, dass das, was ich schrieb, wirklich korrekt war – vielleicht?

Es brauchte noch so einige Kolumnen, bis ich verstand: Ich muss in meinen Texten nicht die Stimme der Muslime repräsentieren, sondern höchstens von einer der vielen Stimmen erzählen. Mehr ist in 3.400 Zeichen auch nicht machbar.

Über drei Jahre schreibe ich nun schon die Tuch-Kolumne. Sie begleitete mich in den bislang prägendsten Lebensjahren. Ich zog mit ihr von Hamburg nach London zum Studieren, schüttete dem Mann meines Lebens Salz in den Kaffee und heiratete ihn, zog nach Berlin, dann Kairo, Istanbul und zuletzt nach Oxford. Ich lachte mit dem Spiegel-Autor Matthias Matussek im ICE und stritt mit Sarrazin im Radio, bis er schließlich sagte: „I want yu tu intekräyt.

In den Kolumnen schrieb ich Dinge, die ich zuvor nicht auszusprechen gewagt hatte: Darf man das überhaupt sagen? Ich entdeckte, dass wir über viel zu viel schweigen. Mal wurde ich fuchsteufelswild, mal lachte ich oder wurde sentimental. Ich feierte Baynachten, wurde auch öffentlich zur Feministin und verbrachte lange Abende mit Lebenskünstlern, beeindruckenden Frauen und Männern – und jenen dazwischen. Ich lauschte den Weisheiten der Älteren, der Stimme der Stillen. Ich verlor meine Wut. Denn die Kolumne öffnete mir den Blick für die Geschichten anderer. Minderheiten. Menschen, die sich anders fühlen, ausgeschlossen.

Mit dieser Kolumne bin auch ich gewachsen. Sie umfasste nie wirklich nur mein Leben, sondern auch das der Menschen, deren Leben ich streifte und beobachtete. So viele Themen und Leben, wie sie unter „Das Tuch“ eigentlich gar nicht mehr passen. Vielleicht bin ich in dieser Zeit nicht nur mit, sondern auch aus der Kolumne herausgewachsen.

Bis spät in die Nacht hinein blickte ich auf diesen Text und wusste nicht, wie man ihn schreibt. Was schreibt man in einer letzten Kolumne? Wie verabschiedet man sich?

Diese Woche werde ich ein Vierteljahrhundert alt. Das nächste Vierteljahrhundert werde ich ohne diese Kolumne antreten. Es ist, als würde man den besten unsichtbaren Freund loslassen. Ein bisschen ungern, aber auch wohl wissend, dass es weitergehen muss, für neue Abenteuer und neue Leben.

Es war schön mit dir, liebe Tuch-Kolumne. Es war schön mit euch, liebe Leserinnen und Leser. Danke, liebe taz! Danke für drei großartige Jahre!

Tschüß, ahoi & liebe Salams!

Die allerletzte Tuch-Kolumne erschien am 24.06.2013 in der Taz. Hach ja :)

Wie geht’s weiter?, haben viele gefragt. Einiges ist unsicher, anderes ist fast in trockenen Tüchern. Deshalb kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel dazu sagen, aber sehr bald hoffentlich hier mehr dazu! :)