TEDX Berlin: ORGANISED LOVE

Dear readers of this blog,

this past year has been a difficult one for me (as it was for many others). I saw hate grow, hateful people occupy our public agenda, rise into power and I fear that more is to come.

I grew tired, tired of responding to hateful people.
I got sick, sick of watching hate dictate our lives.

So I chose to react on my terms. Live my life on my terms.
As pathetic as it may sound to some:
I have chosen to organise LOVE.

Love,
A former intellectual cleaning lady

PS: To read more about organised love, go on organisedlove.com

PPS: Thanks to all of you for your overwhelming support & love! I truly appreciate it and do not take it for granted…

MUSLIM MINORITIES & RELIGIOUS FREEDOM – BERKLEY CENTER, GEORGETOWN UNIVERSITY

Last year, the Georgetown Universities’ Berkley Center for Religion, Peace & World Affairs hosted a conference on Muslim Minorities & Religious Freedom, featuring some of my favourite people and teachers such as Sheikh Hamza Yusuf and John Esposito – a true honour to be allowed to speak along those brilliant minds. I enjoyed discussing the situation in Europe with Jocelyne Cesari (Berkley Center) and Maajid Nawaz (former LIB Candidate, UK), moderated by Jennifer Bryson (Zephyr Institute).

It was important to me to point out how not only anti-Muslim racists and Muslim extremists play into the same narrative, but also ex-Muslims and Muslims who serve as “native informants” by building a career on the back of the Muslim community, giving credebility to racists by supporting their views about Muslims, taking advantage of their existing problems and/or misleadingly ascribing social issues to Islam and Muslims. Akif Pirincci, Necla Kelek and others are only a few of the many German examples. I also argued that it – unfortunately – takes damage caused at other minorities for mainstream society to notice racist pushes against the Muslim community as such:

“Every time other minorities are collateral damage of Islamophobic pushes, the debate shifts.
Only then it is revealed that those pushes against Muslims are not based on certain honest and sicere intellectual concerns (as pretended) with certain practices, but are simply symbolic and populist acts.”

 

WIE INKLUSIV IST DIE NETZFEMINISTISCHE SZENE?

Abschrift des Vortrags bei der FES Veranstaltung “Wessen Internet? Geschlechterverhältnisse und Gender-Debatten im Netz” im April 2015

Die feministische Netzszene lebt in der Illusion inklusiv zu sein – denn tatsächlich bietet uns das Internet bis dahin ungekannte Möglichkeiten der Teilhabe und Partizipation. Minderheiten müssen nicht mehr darauf warten, dass ihnen jemand aus der dominanten Netzöffentlichkeit ein Mikrofon hinhält, um zu sprechen – sie können sprechen, indem sie es einfach tun.

Die Inklusivität in der feministischen Netzszene macht sich deshalb an ganz anderen Punkten fest, als wie außerhalb des Netzes: Kleidung, Äußerlichkeiten spielen kaum eine Rolle, ebenso geographische Lokalisation sind weniger ein Ausschlusskriterium und auch das geheime Undergroundwissen darum, wo in welchen versteckten Szenelokalen und Orten die wichtigen Debatten stattfinden – sie finden im Netz nämlich relativ öffentlich statt. Das Netz bietet Neufeministinnen und Interessierten die Möglichkeit, Debatten zu verfolgen und langsam, mit der Zeit, die unausgesprochenen Regeln der Netzcommunity zu verstehen und ein Gefühl für den Habitus zu bekommen. Wer ist wichtig? Welche Themen dominieren? Was sollte man wissen? Wie wird gesprochen? Was kommt gut an, was nicht?

Rein theoretisch also gute Grundvoraussetzungen für die Stimmenfindung und Diskurspartizipation von Minderheitenperspektiven. In der Praxis hakt es – zum einen deshalb, weil die netzfeministische Szene einen selbstbewussten Umgang mit dem Netz voraussetzt – für uns im Internet sozialisierte „Digital Natives“ kein Problem, durchaus aber eines für solche, die nicht schon in jungen Jahren mit Bloggen, Netzkultur, Technik und Co vertraut waren und sind. Der sogenannte Digital Divide.

Zum anderem ist es das fehlende Bewusstsein für die Privilegien, die wir innehaben: Unser Wissen, unsere Bildung, unsere Sprache, unsere Hautfarbe, ethnische Zugehörigkeit, unsere sexuelle Orientierung, unsere Bildungshintergrund, unsere soziale Schicht, unsere Religion, unsere Körper – alles Faktoren, die uns Privilegien bescheren bzw. benachteiligen können.

Dass zu einigen der Punkte niemand etwas sagt, sich darüber beschwert, heißt nicht, dass es keine sich Beschwerenden, Benachteiligten gibt, sondern lediglich, dass wir nicht im Stande sind, sie zu hören.

Während wir in der netzfeministischen Szene für die allermeisten hier aufgelisteten Punkte Bereitschaft zeigen, reflektiert darauf zu reagieren, scheitern wir häufig an einem unserer womöglich wichtigsten politischen Machtinstrumente: Unsere Call-Out-Kultur. Dazu gehören Shitstorms, Empörung und Proteste, Instrumente also, die wir gegen das Etablissement verwenden, um Machtstrukturen aufzubrechen und die Gesellschaft zu bewegen. Wir können auf Missstände hinweisen, auch wenn man unsere Kritik lieber nicht hören möchte. Wir müssen uns nicht mehr im Stillen ärgern; wir können das öffentlich tun und Druck ausüben – erfolgreich. Positionen, für die wir vor drei Jahren noch belächelt worden sind, sind heute mehrheitsfähig. Das haben wir vor allem den unermüdlichen Aktivist_innen unter uns zu verdanken, die genau von diesen Instrumenten Gebrauch machten, trotz persönlicher Einbußungen und Abstriche. So sind wir es gewohnt, vieles – zurecht – in Argwohn, Skepsis und kritisch zu betrachten. So sehr, dass wir es aber nicht mehr schaffen, unsere Kampfausrüstung abzulegen, wenn wir untereinander sind. Und falls wir es doch tun, haben wir sie schwupdiwupp wieder an, weil wir fürchten, unsere (vormals) Verbündeten könnten unsere Ideale verraten.

Handeln bedeutet immer auch einen Kompromiss mit der Realität einzugehen.

Die Ideale, die wir als Aktivist_innen vertreten, sind nämlich genau das: Ideale. Eine Zukunft, nach der wir streben. Nicht aber eine gesamtgesellschaftliche Realität, in der wir uns bewegen, und womöglich eine, die wir nie erleben werden. Deshalb ist es das Streben, der Weg, die den Aktivismus ausmachen. Das unermüdliche Streben. Streben wiederum bedeutet Handeln, Bewegen und Anstoßen. Unsere Gedanken, unsere Kritik, fassen wir in Worte, starten Kampagnen und organisieren Aktionen. Und jedes Mal, wenn wir in der dominanten Öffentlichkeit handeln, jedes mal, wenn wir dort einen Text veröffentlichen, sind wir genötigt – vorerst – Teile unserer Ideale aufzugeben, um die Brücke zwischen der Realität und der gewünschten Zukunft zu schlagen. Zu weit liegen beide noch auseinander.

Doch genau dafür kritisieren wir einander. Wir schauen nicht darauf, wohin wir uns bewegen, sondern darauf, wo wir sind. Unverzeihlich sind wir dabei. Intolerant gegenüber den Menschen, die uns am nächsten sind. Wir kritisieren einander beizeiten so gehässig als wären wir Feinde, als sei das Kritisieren an sich eine Tugend. Wir baden uns im Wissensfetisch, Kampfeslust und einer arroganten Erhabenheit gegenüber jenen, die noch nicht das Wissen erlangt haben, mit dem wir uns heute stolz schmücken. Die Einsichten, die wir heute haben, setzen wir bei anderen als Mindestwissen voraus. Das macht uns ängstlich und stumm. Nicht nur Anfänger_innen, sondern auch alte Hasen.

Und jetzt wollte ich übergehen zu dem Punkt, dass wir mehr Raum für Schwäche zeigen müssen, um inklusiver zu werden. Doch die ganze Zeit über steht ein riesengroßer rosa Elefant im Raum. So groß, dass ich diesen ganzen Vortrag umschmeißen und über etwas ganz anderes reden wollte.

Wenn ich Inklusion fordere, was fordere ich speziell für die muslimische Frau? Ich merkte: Mir genügt das Bemühen der feministischen Netzcommunity. Das Bemühen genügt mir. Wenn man mich fragt, ob der Netzfeminismus inklusiv ist, würde ich sagen: Ja. Er ist der inklusivste mehrheitlich weiße Raum, den ich kenne. Ich könnte kritisieren, dass ich auf vielen Panels die einzige Muslima bin, (und häufig auch die einzige PoC) und dass ich in unseren Diskursen die Berücksichtung der muslimischen Perspektive vermisse usw usf. Aber nein, es fällt mir schwer, diesen Raum zu kritisieren. Ohne den Netzfeminismus hätte ich zum Beispiel nie meinen Raum im Feminismus gefunden. Warum bin ich so genügsam? Hätte ich nicht die Verantwortung – gerade weil ich in vielen Punkten privilegiert bin – mehr einzufordern?

Mich wurmt das.

Einer der Gründe hierfür ist: Weil die muslimische Frau in Deutschland ganz existentielle Kämpfe führt. Es geht nicht um Anerkennung in der netzfeministischen Community, sondern um die simple Akzeptanz der Existenz als denkender, eigenständig handelnder, selbstständiger Mensch mit einem eigenen Willen. Nicht mehr nur die infantil, schwachen Frauen ohne Denkvermögen, die leeren Kopfes das tun, was ihnen ihre Männer befehlen.

Im Gegensatz zu Queer-Feministinnen oder Schwarzen/PoC Feministinnen haben wir eine ganz andere Ausgangssituation im Feminismus. Während der Feminismus sie immer mit meinte – sie aber nicht berücksichtigte, ihre Stimmen unterdrückte, aber das ist eine ganz andere und lange Geschichte – war die muslimische, religiös praktizierende, kopftuchtragende Muslima nie mitgemeint. Sie war im Gegensatz zu den anderen Formen die Versinnbildlichung des Antifeminismus.

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Taz Podiumsdiskussion zum Lehrerinnenkopftuch in Bremen – Niko Wolff, Fotoetage

Als ich kürzlich in Bremen zur Aufhebung des pauschalen Kopftuchurteils für Lehrerinnen auf einem Panel saß, wurde ich später im Flur von einer Gruppe Altfeministinnen aufgehalten, die auf mein Kopftuch zeigend sagten: „Dafür! Haben wir nicht gekämpft!“

Das ist der Punkt, an dem wir stehen.
Wir werden als das Gegenteil von dem gelesen, was der Feminismus abzielt.
Frauen, unterwürfig, unterdrückt, ohne eigenen Willen.

Das heißt, in einem Raum zu sein, in dem eine muslimische Frau als denkender Mensch wahr und ernst genommen wird, wird noch als Erfolg verbucht, nicht als Selbstverständlichkeit.

Denn es geht für die muslimische, kopftuchtragende Frau in Deutschland noch um einfachste, existentielle Dinge: Arbeiten dürfen, im Leben stehen dürfen, sichtbar sein dürfen. Nicht an den Rand gedrängt werden.

Deshalb tue ich mich so schwer, die klassischen Inklusionsthemen einzufordern: Mehr Sichtbarkeit in den Debatten und andere Dinge, die muslimische Feministinnen daran hindern, sich vermehrt in der netzfeministischen Community willkommen zu fühlen.

Wenn ich Inklusion fordere, was fordere ich speziell für die muslimische Frau?

Wenn die stärksten Stimmen gegen das Lehrerinnenkopftuch Altfeministinnen ala Schwarzer sind und die stärksten, aber insgesamt schwachen Stimmen dafür, diejnigen Frauen sind, die davon betroffen sind, dann läuft etwas falsch. Wir alle wissen, was Intersektionalität bedeutet, wir alle wissen, dass die nachhaltige Minderung von einer Form der Diskriminierung nicht ohne die Bekämpfung von anderen Formen erfolgen kann. Dass Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus etc. alle stark miteinander verflochten sind.

Deshalb wünsche ich mir, dass die netzfeministische Szene diesen Frauen den Rücken stärkt, in Räumen, in denen sie keinen Zugang hat, ihre Anliegen weiterträgt – nicht an ihrer Stelle oder in ihrem Namen spricht, sondern ihrer Stimme Gehör verschafft.

Es kann nicht sein, dass wir 2015 in einem Land leben, wo wir noch immer darüber diskutieren, ob wir einer Frau aufgrund eines Kleidungsstücks, das sie trägt, und unserem damit assoziierten Bild und unseren Vorurteilen, ein Berufsverbot verhängen, sie aus der Mitte unserer Gesellschaft ausgrenzen, sie unsichtbar machen. Und dass diese ad absurdum geführte Diskussion an sich nicht für furchtbar großen Aufschrei sorgt.

Ist der Netzfeminismus inklusiv? Sie hat noch einen langen Weg vor sich, aber ich bin zuversichtlich.

#MIPSTERZ & THE STATE WE’RE IN

mipsterz screenshot

Habib Yazdi / Somewhere in America

I was holding my tongue. Trying to ignore the #Mipsterz (≈ Muslim Hipsters) debate, hoping it would be over soon. Frankly, how long and intensely could the Muslim community (mainly in the US & some Western European countries) possibly discuss a two minute video about some Muslim fashionistas in the US driving skateboards, motorbikes, jumping and posing on trees? But it continued and continued and got worse…

Yes, the (original) music was inappropriate. Yes, you might have a different take on how a Muslim veiled woman should dress. Yes, there was a (apparently controversial) man behind the camera but it wasn’t entirely produced by men. Yes, I, too, am very concerned about our societies’ materialistic approach to fashion, wealth and life in general. So, yes, some things have been rightly criticised.

But nothing felt more disturbing than some of the arrogant, judgemental and hateful comments I’ve read in the last couple of days. Hence, I do not want to discuss the video, but our reaction to it. I want to discuss our behaviour. The way we treat each other. Because I believe, this debate says less about the producers of the video and the protagonists, but more about the Muslim community in the West and the state we are in.

Why can’t we (happily, but that’s probably too much to ask for) accept that there are US American Muslim fashionistas celebrating their lifestyle in a video – like every other fashion scene – with its flaws and mistakes?

I believe it is, amongst another reasons, due to two problems.

One: Controlling Our Public Image

For a long time others were telling us Muslims in the West what we are, how we are and who we were going to be. Western media talked a lot about but rarely with Muslims. Having Muslims speak on mainstream TV channels or write in national newspapers was a novelty, a rare opportunity for “our image” to be corrected. Keeping that in mind, I understand the urge to control how “we Muslims” are being portrayed in media. But we need to stop being exaggeratedly self aware. We need to stop doing to our people what others have been doing to us for too long: Forcing every public (and private) Muslim to be the representative of an entire religion, mistake them for an advocate of Islam, expect them to speak for “us” and wrongly be mad at them for not having sought our approval before speaking on “our behalf”. With this we not only take away their individuality, but neglect our very own nature:
We Muslims are not uniform, we are not homogenous, we are diverse. This is our asset. This is what makes us unique. And the only way we can demonstrate this, is to stop being control freaks. Eventually, having multiple voices and faces of the Muslim community in the public will correct “our image”.

Two: The Choice Not To Be Political

But beyond that, and more importantly, I feel an underlying problem is our inability to accept that a public Muslim might choose not to talk about “hard facts”, politics, Islamophobia, discrimination and racism in our societies but “give in” to popular mainstream culture, even if for a two minutes video. It is somehow regarded as a “betrayal” if a public Muslim is not acting first and foremost as a Muslim but seems to be carelessly enjoying the amenities of comfortably living in the West, glorying in it’s wealth, celebrating fashion and life in general – “while our brothers and sisters in (insert a country & problem) “…

To be honest, I understand this reaction. Again, being a religious minority, subjected to racism (often hidden as “rational” and “intellectual” criticism of Islam) has not given most of us the choice not to care. We had to. Especially as visible Muslim women wearing the Islamic headscarf we were constantly reminded of being the “Other”. Our loyalty, belonging, intellectual ability and independent thought were constantly questioned. So of course, there were times I felt betrayed when other Muslims did not carry the burden I chose (and was very often forced) to carry. But there were also times in which I was told, I had a responsibility to talk about problem x and y, because I had access to mainstream media and hence a responsibility to address x and y.

It was my (more or less conscious) decision to tackle Islamophobia and racism in our society, to publicly pursue my cause in becoming a writer, journalist, storyteller and activist. It’s tiresome, at times it took away all my energy and positivity, it was and still is a heavy burden. But why did I choose this path, sacrificing the luxury of not caring when I could?

When I started my activism in my teenage years, it was because I aspired to live in a society in which we Muslims did not have to fight stereotypes and prejudices anymore, in which we could choose not to fight daily battles about who we are – but just be. Back in those teenage years I had dreamed of going into arts and design. At 15 I sent my fashion design sketches to competitions, at 16 I worked with an haute couture designer and a milliner, where I designed my very own hat for veiled women. Art and design have had always been a deep passion of mine I haven’t followed publicly – yet. Because I felt it wasn’t the right time. Some problems needed to be addressed first. The public image of Muslims needed to be corrected. It was my very own decision to battle, but why would I want others – or everyone! –  sacrifice the same? Hadn’t I first started off pursuing my dream of a society in which I didn’t have to do what I did: Defending, fighting and battling? Why would I want every other Muslim to carry this burden? Don’t I do it, so that our future generations hopefully don’t have to? Haven’t you had the same aspirations? I believe some of the rants are routed in this inability to let others enjoy what you are fighting for. And I find this very bitter.

Despite all, I am happy to see our sisters in fashion, arts & design. It makes me proud, it makes me smile. These women (and men) are important to the Muslim community, not more or less than our advocates, fighters and battlers, because they give back some of the positivity, hope and ease we sometimes lack.

And as my husband likes to quote C S Lewis: Poetry and art might have no survival value. But they give value to survival.

SEINE NÄHE

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Fragte man mich jetzt nach dem Tod, ich würde sagen: Der Tod war mir immer fern. Fragte man mich ein zweites Mal, würden mir ein, zwei Beispiele einfallen, in denen ich ihn mittelbar fühlte. Und fragte man ein drittes Mal nach, würde mir klar werden, dass er manchmal sehr nah war, aber nie fern. Dass ich oft genau das fühlte, was ich dieser Tage fühle: Seine Nähe. Aber immer wieder vergaß.

Vor einem Jahr, fast um die gleiche Zeit schrieb ich diese Worte, ein unbeendeter Text. Ich betitelte ihn mit “Nah”.

NAH

Die Endlichkeit war mir noch nie so nah. So bewusst. So präsent.

Es gab Menschen, die ich kannte, die ich liebte, die ich liebe, die starben, ich trauerte. Aber die Endlichkeit war mir nicht nah.
Es gibt Menschen, die ich kenne, die ich liebe, die noch leben, ich weine. Und die Endlichkeit ist mir nah.
Und es weiß doch jeder von dem Tod. Wir alle werden sterben.

Ich weiß nicht einmal, wer damals starb. Oder ob ich ihn in Erinnerung an N. schrieb, die an einem kalten Wintermorgen 2010 auf dem Weg zur Frühschicht im Krankenhaus auf einer Hamburger Autobahn verstarb. Sie war eine sehr junge Ärztin, ein wunderbarer, herzlicher, bodenständiger, hilfsbereiter Mensch, sie war mir wichtig. Sie ist mir wichtig. Seit einigen Wochen denke ich wieder an sie, lese mir alte Beiträge in der Facebook-Gruppe durch, die Freunde damals für sie gründeten. Und entdecke überrascht, dass auch andere an sie denken, zur gleichen Zeit. Ich will sie nicht vergessen. Und ich glaube, den Text schrieb ich, um mich an sie zu erinnern. Und an den Tod.

Denn der Mensch verdrängt ihn. Und jedes Mal, wenn er nah ist, tut er überrascht, perplex. Er ärgert sich über seine unangenehme, lästige Erinnerung an die Endlichkeit. Diese Erinnerung, die Angst macht. Die den Blick auf die Welt, auf das eigene Leben verändern kann. Diese Erinnerung, die niemals folgenlos bleibt, bleiben sollte.

Wie würde ich heute leben, wenn der Tod präsenter wäre in meinem Leben? Und leben diese Damen in der Dokumentation “Fabulous Fashionistas” ihr Leben anders, weil nicht nur sie, sondern auch die Gesellschaft sie ständig daran erinnert, dass sie nicht irgendwann, sondern womöglich ganz bald sterben könnten? Sollten nicht wir alle genau so leben?

Doch genauso, wie wir den Tod ignorieren, ignorieren wir auch das Leben. Das Leben nach dem Leben im Mittelpunkt. Das hohe Alter. Wir leben nicht nur so als würden wir nie sterben, wir leben auch so als würden wir niemals altern. Ich wollte nie lange leben. Meine Träume für meine Zukunft reichten nie über 50 oder 60 hinaus. Dabei weiß ich doch, das liegt das nicht in meiner Hand. Weder das Leben noch der Tod.

Und ich fühle ihn dieser Tage wieder, nah. Heute ist der Mann einer Freundin verstorben, nach über 13 Jahren Krebs. Letzte Woche die Großmutter eines Kollegen. Und ich, ich erwarte ihn für einen nahen Menschen. Noch kann ich nicht trauern, denn er war nicht da. Ich kann ihn aber auch nicht vergessen, denn er könnte jeden Moment da sein. Er ist präsent, aber nicht da. Ich fühle ihn, kann ihn aber nicht fassen.

Ich weiß einfach nicht, wie ich mit ihm umgehen soll. Weder mit seiner Nähe, noch mit seiner Abwesenheit.

Es bleibt mir nur eine Gewissheit:  إِنَّا لِلّهِ وَإِنَّـا إِلَيْهِ رَاجِعونَ

Nachtrag.

Ich habe mir meinen Text “Nah” von damals noch mehrmals durchgelesen. Warum schrieb ihn? Und warum genau dann? In einer Zeit, in der es in meinem nahen Umfeld keinen Todesfall gab. Ich erinnere nun. Es waren Tage, in denen ich viel reiste, durch die Welt zog und flog, auf Achse, in meinem Element, über Wochen hinweg. Weit entfernt von den Menschen, die ich liebte. Es waren Tage, an denen ich viel nachdachte, über sie, ihr Leben, seine Nähe und N.

Tage, an denen ich seine Nähe, die Endlichkeit zum ersten Mal fürchtete. Die Endlichkeit derer, die ich liebe.

NEMRUT.

It was around 3 or maybe 4 in the morning after a long journey, climbing and hiking, when we finally sat down on top of the mountain Nemrut. We sat down to watch the sun rise, lighten the dark, announce itself through sparks and light shadows, grow and warm us – like so many of our kind before us. It was probably the most magical moment of our trip through the East of Turkey, a trip that made me discover another face of my country, another face of mine.

In a slightly quicker timelapse I would like to share with you a moment that happens every day, everywhere around the world. But it’s beauty lies in your eye, in your heart.

Music: The Cinematic Orchestra – First Light

BLAU ÄUGIG (1996) // RASSISMUS, DEN WIR NICHT SEHEN KÖNNEN

maxresdefault1968. Martin Luther King wurde ermordet. “Als unser Führer (John F. Kennedy) vor einigen Jahren ermordet wurde, hat uns seine Witwe zusammengehalten und vereint. Wer wird eure Leute kontrollieren?”, fragt ein weißer Reporter im Fernsehen. Eine junge Lehrerin in Riceville, Iowa wird Zeuge dieser Szene und ist verwirrt. Ist John F. Kennedy nicht auch Präsident der Schwarzen gewesen? Und sollte uns Weiße Martin Luther Kings Ermordung nicht auch entsetzen? So fängt die Geschichte von der Anti-Rassismus-Aktivistin (& Feministin) Jane Elliott an, deren Erkenntnisse noch heute von höchster Relevanz sind.

Schon vor Kings Tod hatte sich Elliott lange mit Rassismus beschäftigt, recherchiert, Bücher über die NS-Zeit gelesen, als sie schließlich beschloss mit ihrer Schulklasse ein Experiment durchzuführen. Sie fragte ihre Schüler, ob sie herausfinden wollten, wie es ist ein schwarzes Kind zu sein. Die Kinder bejahten.

An diesem Tag behandelte sie alle ihre blau-äugigen Schüler wie Weiße, privilegiert und überlegen gegenüber den nicht-blau-äugigen Schülern, die sie so behandelte wie schwarze Kinder in den USA behandelt wurden, so als seien sie weniger intelligent, weniger fleißig und fähig. Schon bald übernahmen die Kinder diesen Umgang, die “Überlegeneren” verhielten sich arrogant und überheblich gegenüber ihren Klassenkameraden. Ihre Leistungen verbesserten sich, sie wurden selbstbewusster. Auch die “Unterlegeneren” veränderten sich; selbst jene, die vorher dominant und durch ihre guten Leistungen hervorstachen, nahmen sich zurück, ihre Leistungen wurden schlechter.

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İSTANBUL’DA BİR RAMAZAN | A RAMADAN IN ISTANBUL


Ramazan’ın her günü için şartlandırdım bu sene kendimi, bir saniye bile olsa kısa bir çekim yapacağım. Bazı zamanlar sahura kadar aksıyor, bazı günler çekip çekip doyamıyorum. Yine en güzel görüşmelerin, gezilerin bir çoğu kayıtsız kalıyor çünkü onlara kamera lensinden değil bizzat kendim şahit olmak istiyorum. Böylece bu hatıralarla dolu güzelim İstanbulumuzun Ramazan videosu oluştu. Hoşgelmiş.

This year I decided to record at least one second a day during the month of Ramadan while wandering through the mystical city of Istanbul. However some of the most beautiful scenes and experiences haven’t been recorded as I wanted to witness them with my very own eyes, rather than filtered through a lense.
This is how this video full of memories and beautiful moments in the mesmerizing city of Istanbul was born.

Music: John Zorn – Mispar

THE POWER OF STORIES – MUSLIMS ON THE WEB | TEDX

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A few months ago, I had the honour to speak at TEDx Oxbridge in Oxford. When I thought about what I’d like to share most, what lessons life had given me and what had touched me most, I decided on “The Power of Stories.” After years of debating, political and social activism, I came to realise that although these are important and essential tools for a healthy discourse, there was something more important to me, something more powerful: stories. A lesson taught to me by a man I have never met.

As the talk went online yesterday, I was and still am overwhelmed by the wonderful and beautiful e-mails, comments & words from family, friends & strangers all around the world. My husband Ali and I are currently traveling through the East of Turkey, discovering new stories, new worlds & lives. What a beautiful place this world can be.

And I’d like to thank Him, my family & loving husband Ali, Niraj & the rest of the awesome TEDx Oxbridge team, my supportive friends (you know who you are)  & maybe most importantly: All the people not only I have met, but who have also met me, who have opened the doors to their lives and stories, made me wander around their world and see through their eyes. Although I might never have truly understood how it is to be them, never fully grasped what I saw through their lenses, walking in their shoes made me walk past horizons I didn’t even know existed. Thank you.


PS: On Fb, I had promised to share a juicy behind-the-scene-story about elephants & bicycles. Here we go!

LENA MAKES A MOVIE

Lena Khan is young, sympathetic, ambitious, talented and has an awesome plan: Producing a mainstream movie! She’s almost got all it needs, except for a little bit of financial support maybe. In this video she explains why. Any questions? No? Well, then here you go.
Lena Khan ist jung, sympathisch, ambitioniert, talentiert und hat Großes vor: Einen Mainstream-Film drehen! Sie hat schon fast alles zusammen, fast. Ein bisschen Geld fehlt ihr noch. Im Video erklärt sie warum. Noch Fragen? Nein? Dann bitte hier spenden.

TRAVEL

 
Traveling teaches you to give, to love and to move. It makes you give love and move your love. Travels give love to you and move you around the world. Travel. Give. Love. Move.

 I love coming home, relishing the steadiness and then slowly discovering how those stories you’ve heard, people you’ve met, experiences you’ve had, pop up in your mind. Ready to be written down. Or put together in a short film.
I have had been traveling a lot recently, hence the few updates. When my camera got stolen in Berkeley, California (that’s another story…) I had nothing but my iPhone left to capture those beautiful landscapes I was quickly moving by. And to my surprise, it turned out to work quite well.
The two last trips to the US have changed my perception of this country. Leaving the big cities to be with the people, to look behind closed sparkling doors to discover darkness, pain, poverty, discovering strength and determination alongside indulgence.

The beautiful and thoughtful music is “Remembrance” by the minimalist instrumental ensemble Balmorhea from Texas.

FRAGEN IM FERNSEHEN

Eva hat Abdul Zuhause besucht, hat mit seiner Schwester ein Kopftuch anprobiert, ist mit ihm durch Berlin gelaufen, in eine Moschee und hat neugierig Fragen gestellt. Miteinander sprechen, einfach mal aufeinander zugehen, einfach mal den Menschen im Gegenüber sehen. Das ist schön.
Darüber haben dann Franziska, Eva und ich im Münchner Klub Konkret Studio geredet. Ein großartiger Tag war das. Danke!(Und heute Morgen sprach ich im DeutschlandRadio Kultur darüber, dass Islamophobie mehr ist als nur eine Angst vor eine Religion: Klick zum Nachhören!)

HIDDEN STORYSYMBOLS FOR THOSE WHO SEE

one of the countless awesome dialogues (edited screenshot from “twelve angry men”).
It was the title that prevented me from watching this movie for all those years: Twelve Angry Men. I could only think of boring adventures by pseudo-heroic action figures. At one point I bothered researching the movie and realised that it might actually be interesting. Twelve jurors are about to file an 18-year-old Mexican-American, guilty of murdering his father. When one juror questions the decision, he opens up a discussion and in its course each juror is confronted with his preconceptions and prejudices.

However when I suggested my husband to watch the movie together, he gave me a painful look, a look generally given when you’ve listened to your favourite song a little too often and you are just about on the edge of disliking it for the rest of your life. When I then finally watched the 1957 version of the movie – alone – he ended up sitting next to me. “12 Angry Men” can be watched over and over again. Why is that?

At times, movies were understood as another form of storytelling, such as a book, poem or picture would do. Embroidered and enriched with symbols and metaphors, every time you watch it, you would dive deeper and discover more of the movie’s secret messages.

I remember watching the 1979-movie adaptation of the book “Woyzeck” by Georg Büchner in school together with our drama-teacher. He would stop every five minutes and ask us to analyse the scene. First annoyed by these ever-chronic-interruptions, we would find it more and more fun discovering the hidden symbols in a scene. I do even recall a small bug that reappeared again and again throughout the movie and our joy whenever we’d encounter it.

I was amazed by this approach on watching (and making) movies. Until then, movies, to me, were representatives of a more simplistic art, taking away the freedom of interpretation, the imagination, dictating the speed, the colours and images. Whereas books would challenge my mind, I felt movies were limiting me. So I found it interesting how “Woyzeck” would give back power to its audience. The power to make more of the movie and the freedom to stay on the surface, if you like.

Ever since, I found independent cinema more entertaining than mainstream/Hollywood movies, which made me feel exploited, dismissed, not taken seriously and even intellectually insulted. Watching “12 Angry Men” reminded me of “Woyzeck” and of the thoughts I had back then.

The last time I really felt both challenged and entertained by a movie was “Incendies” by Denis Villeneuve. “Incendies” is a devastating fiction-drama (“with no historical value” as the director says) about a pair of siblings who undertake “a journey to an unnamed, sectarian-violence-riddled Middle Eastern country in order to fulfil their late mother’s final request.” In a unique way, this film manages to explore symbolically the mysteries of a vicious cycle. You don’t know where evil started and you don’t know where it will end. You don’t even really know how to stop it. And the deeper you dig, the more complex it gets. You stumble upon more holes and more subterranean passageways that again lead to more holes and more subterranean passageways, leading seemingly to the infinite. A vicious cycle.

“Incendies” is worth watching twice, even three times or more – for those who see more than the obvious.

will not tell more about this scene to avoid spoilers :) – screenshot from “incendies”

screenshot from the opening scene “incendies”

another screenshot from the opening scene of “incendies”

I find the following scene – which is the opening scene of the movie – very intriguing. Especially if you watch it again, after having watched the movie. Radio Head!