DER MUSLIMISCH-AKADEMISCHE HEIRATSMARKT (TEIL 2)

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(Dieser Text baut auf den Artikel Der neue muslimische Mann + die Frau und die Gesellschaft auf. Es empfiehlt sich ihn vorher zu lesen. Darin wird erklärt, warum dieser Text sich nur mit Mann-Frau-Beziehungen innerhalb der muslimisch-akademischen Szene beschäftigt.)

Wichtiger Disclaimer:

Bevor ich den Text beginne, möchte ich eine Tatsache nicht unerwähnt lassen: Heiraten, einen Partner finden, ist in keiner Weise alleiniges Lebensziel und/oder definierender Lebensinhalt einer muslimischen Frau. Muslimische Frauen, die (noch) nicht geheiratet haben (an Gründen mangelt es nicht) oder nicht heiraten wollen(!), dürfen und sollten nicht darauf reduziert werden. Schon gar nicht sollte man sich das Recht herausnehmen solche, mit denen man nur flüchtig bekannt ist, immer wieder mit Fragen durchlörchern und mit achso gut gemeinten Ratschlägen belehren zu dürfen.

 Bei einer entsprechend stabilen Beziehungs- und Vertrauensbasis kann man sich eventuell näher über Beweggründe unterhalten, aber selbst das hat seine Grenzen.

Manchmal liegt es nicht in der Hand eines Menschen, einen geeigneten Partner zu finden. In dem Fall ist es ein Affront, einen Menschen immer wieder darauf anzusprechen oder gar zu bemitleiden. 



Manchmal entschließt sich ein Mensch bewusst dazu, nicht (mehr) heiraten zu wollen. Diese Entscheidung muss man respektieren. Und auch hier ist es ein Affront, einen Menschen immer wieder darauf anzusprechen oder gar zu bemitleiden.



Aber du möchtest doch nur helfen? Auch in bester Absicht kann man Menschen verletzen. “Herşeyin bir yolu yordamı var”, sagt man im Türkischen. Es gibt für alles eine Art und einen Weg – auch für das Helfen.

Zuletzt ein Zitat der Leserin Müzeyyen Bek hierzu:

“Ich habe schon gar keine Lust mehr auf Hochzeiten zu gehen, genau aus diesem Grund! Ich finde es auch einfach nur unverschämt und vor allem unsensibel diese Haltung: Eine Frau ist nur dann vollwertig, wenn sie geheiratet hat. Wenn nicht, dann stimmt was nicht mit ihr. Das wird selbstverständlich nicht so geäußert, aber häufig ist es eine Botschaft, die mitschwingt.”

Der muslimisch-akademische Heiratsmarkt – Teil 2

Ich muss eingestehen: Ich bin an das Thema muslimisch-akademischer Heiratsmarkt zwar sehr kritisch, an die Lösungen aber anscheinend zu idealistisch herangegangen. Es muss doch eine systematische, größere Lösung geben für die vielen muslimischen Single-AkademikerInnen, die man innerhalb eines Projektes angehen kann, dachte ich mir. Ich war damit nicht die einzige: Mit ein paar FreundInnen zusammen bauten wir ein System auf, bei dem wir ausgewählte Singles interviewten, in eine interne Datenbank einpflegten und dann, ganz klassisch, Verkuppeln wollten. Aber (jeder von uns ist da unterschiedlicher Meinung, warum es nicht klappt/wie es besser klappen könnte) ich finde man kann zwei Menschen, von denen man mindestens eine nicht persönlich oder näher kennt, schlecht verkuppeln. Vor allem dann nicht, wenn man kein Gefühl dafür hat wie sie sind, was sie ausstrahlen und eventuell sogar wie sie fühlen. Hinzu kommt, dass es ein großer Zeit- und Organisationsaufwand ist, bei der Arbeitsteilung und Management nicht so einfach zu strukturieren sind.

Wenn ich privat verkupple, dann klappt es meistens viel besser. Ich kann nicht recht in Worte fassen, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Ich agiere hauptsächlich auf Gefühlsbasis und es funktioniert so relativ zufriedenstellend. Aber eine gut funktionierende größere Lösung, mit der man mehr Menschen erreichen kann, aber dennoch den einzelnen Menschen gerecht wird und zudem effektiv ist, habe ich bislang noch nicht entdeckt.

Das hat mich am Traum der größeren Lösung zweifeln lassen. Für mich gibt es bisher deshalb derzeit folgende (individuelle/lokale) Lösungen, von denen ich weiß, dass sie funktionieren (können): Continue reading

#2 UMBRÜCHE | 50

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Writing this thought down, I felt the need to do it in German. It is about those times in which you eagerly work towards a certain aim, whilst knowing that you’ll have to wait for that change in your life. You know it’ll come one day. But it’s not there yet. Hence you continue with your life the way it is. And all of the sudden you fear: What if I, whilst waiting, forget what it was that I was waiting for? What if I lose my aim while on my way?

Those moments remind me of “The Alchemist” by Paul Coelho. This book made me think about my past, about my ambitions and the reasons and motivations I’ve had when I started my journey. I wonder if I got lost on my way. I wonder if I’ve lost sight. But as Coelho says: “And, when you want something, all the universe conspires in helping you to achieve it.”

I’ll just have to remember what it is that I wanted. When I was 17 these were my dreams (in German).

One thought every Friday for a year #2 | 50

 

 

EVERY FRIDAY: A THOUGHT | 50

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There are thoughts in my head seeking ways to be heard & seen. I started drawing a lot recently. But still, there are so many thoughts unshared, for different reasons. Sometimes I fear it’s incompletion:

After all, aren’t all our thoughts, whether we consider them complete or not, just a state of mind? Aren’t we in constant change, revising and rethinking who we are, want to be and what we think is right? Or at least: Shouldn’t we aim to be in constant development? Being full of energy and ease – full of energy to develop ourselves; full of ease about our flaws and imperfection. Aren’t we just on our way anyways? We will never be complete. And not even death will bring this to an end.
But it is us all who neglect our imperfection. We – as a whole – don’t give each other the freedom to be a traveller on the path of change.

(an excerpt from “Thoughts On Their Way”)

Sometimes simply because I didn’t know I have had this thought. And sometimes because I didn’t have the courage to write it down. Hence this year I have decided to share a thought with you, words, sometimes clear and meaningful, sometimes maybe not so much – every Friday for a year. I decided to write them on my Turkish typewriter not because it looks nice (which I believe it does) but because I don’t want to care about spelling, grammar, structure of the sentences, I want to write carelessly and just let the thought flow without me looking back at it and editing it until it has become something different. I might write in English, in German or Turkish, depending on my mood. I want the thought to be out there, naked, incomplete and vulnerable. Sometimes wrong, silly and even dumb. But at the end of the day it’s a moment I’ve lived. A thought I found worthy to share with you.

EIN SEMI-ABSCHIED: ZAHNRÄDER

ali und ich

2010 gründeten mein Mann Ali Aslan Gümüşay und ich zusammen mit Abdulkadir Topal und anderen engagierten Muslimen das Zahnräder Netzwerk. Bis vor wenigen Wochen war Ali Vorstandsvorsitzender, Abdulkadir sein Stellvertreter und ich Leiterin von Presse und Kommunikation. Doch jetzt ist es Zeit für frische Gesichter!

Vor knapp 4 Jahren, Anfang 2010, gründeten wir das Netzwerk Zahnräder – fast zeitgleich startete ich mit meiner Tuch-Kolumne in der Taz. Ein Netzwerk, dass es sich zum Ziel gemacht hat, aktive und engagierte Muslime zusammenzubringen, Social Entrepreneurship (also: Soziales Unternehmertum) zu fördern und bestehende Projekte der Öffentlichkeit und in den Communities bekannt zu machen. Und nun, nach knapp vier Jahren, wieder fast zeitgleich mit dem Ende meiner Kolumne, endet auch meine Zeit als Presse- und Kommunikationsleiterin bei Zahnräder.

2013 brachte viel Wechsel in mein Leben, nach meiner Tuch-Kolumne war Zahnräder der zweite große Abschied. Ich verabschiedete mich bereits im Sommer, vor einigen Wochen fand er dann auch offiziell beim Mitgliedertreffen statt. Auch mein Mann Ali Aslan Gümüşay und Abdulkadir Topal verabschiedeten sich vom Vorstand – es war ein tränenreicher, wunderschöner und vor allem hoffnungsvoller Abschied. Ein Wochenende voller Energie, Ideen und Emotionen. Viele werden nach den Gründen fragen. Warum jetzt gehen? Schließlich läuft es bei Zahnräder doch großartig!

Als wir Zahnräder damals gründeten, war mein Ziel mein Team und meinen Arbeitsbereich so zu leiten, dass alles auch ohne mich und meine Leitung funktioniert. Zahnräder sollte sich nicht um Einzelpersonen drehen, nicht um Egos, nicht um Persönlichkeiten und auch nicht abhängig von ihnen sein. Mein Anspruch war es, so zu arbeiten, dass diejenigen, die nachrücken, auf meine Arbeit aufbauen und Großartigeres, Besseres erreichen können. Mein Ziel war nachhaltige Arbeit. Und: Kontinuierliche Offenheit für Innovation. Nie wollte ich mich den Satz sagen (oder auch nur denken) hören: “Aber das haben wir schon immer so gemacht.” Das versperrt Ideen, Neuerungen und den Atem der Zeit.

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#MIPSTERZ & THE STATE WE’RE IN

mipsterz screenshot

Habib Yazdi / Somewhere in America

I was holding my tongue. Trying to ignore the #Mipsterz (≈ Muslim Hipsters) debate, hoping it would be over soon. Frankly, how long and intensely could the Muslim community (mainly in the US & some Western European countries) possibly discuss a two minute video about some Muslim fashionistas in the US driving skateboards, motorbikes, jumping and posing on trees? But it continued and continued and got worse…

Yes, the (original) music was inappropriate. Yes, you might have a different take on how a Muslim veiled woman should dress. Yes, there was a (apparently controversial) man behind the camera but it wasn’t entirely produced by men. Yes, I, too, am very concerned about our societies’ materialistic approach to fashion, wealth and life in general. So, yes, some things have been rightly criticised.

But nothing felt more disturbing than some of the arrogant, judgemental and hateful comments I’ve read in the last couple of days. Hence, I do not want to discuss the video, but our reaction to it. I want to discuss our behaviour. The way we treat each other. Because I believe, this debate says less about the producers of the video and the protagonists, but more about the Muslim community in the West and the state we are in.

Why can’t we (happily, but that’s probably too much to ask for) accept that there are US American Muslim fashionistas celebrating their lifestyle in a video – like every other fashion scene – with its flaws and mistakes?

I believe it is, amongst another reasons, due to two problems.

One: Controlling Our Public Image

For a long time others were telling us Muslims in the West what we are, how we are and who we were going to be. Western media talked a lot about but rarely with Muslims. Having Muslims speak on mainstream TV channels or write in national newspapers was a novelty, a rare opportunity for “our image” to be corrected. Keeping that in mind, I understand the urge to control how “we Muslims” are being portrayed in media. But we need to stop being exaggeratedly self aware. We need to stop doing to our people what others have been doing to us for too long: Forcing every public (and private) Muslim to be the representative of an entire religion, mistake them for an advocate of Islam, expect them to speak for “us” and wrongly be mad at them for not having sought our approval before speaking on “our behalf”. With this we not only take away their individuality, but neglect our very own nature:
We Muslims are not uniform, we are not homogenous, we are diverse. This is our asset. This is what makes us unique. And the only way we can demonstrate this, is to stop being control freaks. Eventually, having multiple voices and faces of the Muslim community in the public will correct “our image”.

Two: The Choice Not To Be Political

But beyond that, and more importantly, I feel an underlying problem is our inability to accept that a public Muslim might choose not to talk about “hard facts”, politics, Islamophobia, discrimination and racism in our societies but “give in” to popular mainstream culture, even if for a two minutes video. It is somehow regarded as a “betrayal” if a public Muslim is not acting first and foremost as a Muslim but seems to be carelessly enjoying the amenities of comfortably living in the West, glorying in it’s wealth, celebrating fashion and life in general – “while our brothers and sisters in (insert a country & problem) “…

To be honest, I understand this reaction. Again, being a religious minority, subjected to racism (often hidden as “rational” and “intellectual” criticism of Islam) has not given most of us the choice not to care. We had to. Especially as visible Muslim women wearing the Islamic headscarf we were constantly reminded of being the “Other”. Our loyalty, belonging, intellectual ability and independent thought were constantly questioned. So of course, there were times I felt betrayed when other Muslims did not carry the burden I chose (and was very often forced) to carry. But there were also times in which I was told, I had a responsibility to talk about problem x and y, because I had access to mainstream media and hence a responsibility to address x and y.

It was my (more or less conscious) decision to tackle Islamophobia and racism in our society, to publicly pursue my cause in becoming a writer, journalist, storyteller and activist. It’s tiresome, at times it took away all my energy and positivity, it was and still is a heavy burden. But why did I choose this path, sacrificing the luxury of not caring when I could?

When I started my activism in my teenage years, it was because I aspired to live in a society in which we Muslims did not have to fight stereotypes and prejudices anymore, in which we could choose not to fight daily battles about who we are – but just be. Back in those teenage years I had dreamed of going into arts and design. At 15 I sent my fashion design sketches to competitions, at 16 I worked with an haute couture designer and a milliner, where I designed my very own hat for veiled women. Art and design have had always been a deep passion of mine I haven’t followed publicly – yet. Because I felt it wasn’t the right time. Some problems needed to be addressed first. The public image of Muslims needed to be corrected. It was my very own decision to battle, but why would I want others – or everyone! –  sacrifice the same? Hadn’t I first started off pursuing my dream of a society in which I didn’t have to do what I did: Defending, fighting and battling? Why would I want every other Muslim to carry this burden? Don’t I do it, so that our future generations hopefully don’t have to? Haven’t you had the same aspirations? I believe some of the rants are routed in this inability to let others enjoy what you are fighting for. And I find this very bitter.

Despite all, I am happy to see our sisters in fashion, arts & design. It makes me proud, it makes me smile. These women (and men) are important to the Muslim community, not more or less than our advocates, fighters and battlers, because they give back some of the positivity, hope and ease we sometimes lack.

And as my husband likes to quote C S Lewis: Poetry and art might have no survival value. But they give value to survival.

DAS PERFEKTE REZEPT FÜR GERÖSTETE MARONEN, DIE SICH SUPERLEICHT SCHÄLEN & HERAUSPULEN LASSEN

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Ich habe sehr lange überlegt, ob ich dieses Rezept mit der Welt teilen soll oder nicht. Denn ich liebe Maronen. Sogar mehr als Lakritze. Und, so meine Rechnung, wenn auch andere davon erfahren, wie man Maronen so kochen/schneiden/rösten kann, sodass sie kinderleicht herauszupulen sind, könnte sich der Maronenkonsum drastisch erhöhen, die Nachfrage würde steigen und damit auch die Preise, die in die Unendlichkeit treiben würden. Womöglich würden der Welt die Maronen ausgehen und ich stände schön blöd da mit meiner nimmersatten Liebe.

Andererseits, dachte ich mir, gäbe es dann eventuell mehr Menschen in meinem Umfeld, die nach einem Abendessen als Snack Maronen anbieten oder Maronen-Röst-Abende und -Partys veranstalten, und so käme ich eventuell sogar häufiger in den Maronen-Genuss.

Doch das Argument überzeugte mich nicht ganz. Und so hätte ich dieses Rezept fast für mich behalten, wenn ich nicht fände, dass das ganz schön egoistisch wäre. Zumindest würde ich es ganz schön egoistisch finden, hätte jemand dieses Rezept bewusst zurückgehalten.

Also lange Rede, kurzer Sinn: Hier kommt mein aktuell (! denn ich finde, es geht sicher immer besser) bestes Rezept für geröstete Maronen, die das nervige Herumpulen minimieren und oft gar ganz verhindern.

1. Schneidet die Maronen auf – der Schlitz ist in der Mitte und reicht von einer Seite bis zur anderen (siehe Bild)

2. Kocht die Maronen in einem Topf mit (anfangs kaltem) Wasser und einem Esslöffel Salz (vorzugsweise Meeressalz) bei mittlerer Hitze solange bis das Wasser brodelt.

3. Legt die Maronen auf ein Backblech mit Backpapier und gießt ein halbes Teeglas Wasser auf das Blech (manchmal braucht es gar kein zusätzliches Wasser, hängt von der Maronensorte ab. Überlasst das sonst auch einfach eurem Gefühl bzw. wenn die Maronen nach Schritt 4 noch feucht sind, lasst sie einfach etwas länger im Ofen).

4. Röstet die Maronen darin ca. 10 bis 15 Minuten bei 200 Grad.

5. Legt ein feuchtes Tuch über die Maronen und lasst sie 5 bis 10 Minuten abkühlen.

6. Genießen! Aber bitte nicht zu viele Kastanien konsumieren, weil… ehm… man davon krank wird. Echt.

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SEINE NÄHE

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Fragte man mich jetzt nach dem Tod, ich würde sagen: Der Tod war mir immer fern. Fragte man mich ein zweites Mal, würden mir ein, zwei Beispiele einfallen, in denen ich ihn mittelbar fühlte. Und fragte man ein drittes Mal nach, würde mir klar werden, dass er manchmal sehr nah war, aber nie fern. Dass ich oft genau das fühlte, was ich dieser Tage fühle: Seine Nähe. Aber immer wieder vergaß.

Vor einem Jahr, fast um die gleiche Zeit schrieb ich diese Worte, ein unbeendeter Text. Ich betitelte ihn mit “Nah”.

NAH

Die Endlichkeit war mir noch nie so nah. So bewusst. So präsent.

Es gab Menschen, die ich kannte, die ich liebte, die ich liebe, die starben, ich trauerte. Aber die Endlichkeit war mir nicht nah.
Es gibt Menschen, die ich kenne, die ich liebe, die noch leben, ich weine. Und die Endlichkeit ist mir nah.
Und es weiß doch jeder von dem Tod. Wir alle werden sterben.

Ich weiß nicht einmal, wer damals starb. Oder ob ich ihn in Erinnerung an N. schrieb, die an einem kalten Wintermorgen 2010 auf dem Weg zur Frühschicht im Krankenhaus auf einer Hamburger Autobahn verstarb. Sie war eine sehr junge Ärztin, ein wunderbarer, herzlicher, bodenständiger, hilfsbereiter Mensch, sie war mir wichtig. Sie ist mir wichtig. Seit einigen Wochen denke ich wieder an sie, lese mir alte Beiträge in der Facebook-Gruppe durch, die Freunde damals für sie gründeten. Und entdecke überrascht, dass auch andere an sie denken, zur gleichen Zeit. Ich will sie nicht vergessen. Und ich glaube, den Text schrieb ich, um mich an sie zu erinnern. Und an den Tod.

Denn der Mensch verdrängt ihn. Und jedes Mal, wenn er nah ist, tut er überrascht, perplex. Er ärgert sich über seine unangenehme, lästige Erinnerung an die Endlichkeit. Diese Erinnerung, die Angst macht. Die den Blick auf die Welt, auf das eigene Leben verändern kann. Diese Erinnerung, die niemals folgenlos bleibt, bleiben sollte.

Wie würde ich heute leben, wenn der Tod präsenter wäre in meinem Leben? Und leben diese Damen in der Dokumentation “Fabulous Fashionistas” ihr Leben anders, weil nicht nur sie, sondern auch die Gesellschaft sie ständig daran erinnert, dass sie nicht irgendwann, sondern womöglich ganz bald sterben könnten? Sollten nicht wir alle genau so leben?

Doch genauso, wie wir den Tod ignorieren, ignorieren wir auch das Leben. Das Leben nach dem Leben im Mittelpunkt. Das hohe Alter. Wir leben nicht nur so als würden wir nie sterben, wir leben auch so als würden wir niemals altern. Ich wollte nie lange leben. Meine Träume für meine Zukunft reichten nie über 50 oder 60 hinaus. Dabei weiß ich doch, das liegt das nicht in meiner Hand. Weder das Leben noch der Tod.

Und ich fühle ihn dieser Tage wieder, nah. Heute ist der Mann einer Freundin verstorben, nach über 13 Jahren Krebs. Letzte Woche die Großmutter eines Kollegen. Und ich, ich erwarte ihn für einen nahen Menschen. Noch kann ich nicht trauern, denn er war nicht da. Ich kann ihn aber auch nicht vergessen, denn er könnte jeden Moment da sein. Er ist präsent, aber nicht da. Ich fühle ihn, kann ihn aber nicht fassen.

Ich weiß einfach nicht, wie ich mit ihm umgehen soll. Weder mit seiner Nähe, noch mit seiner Abwesenheit.

Es bleibt mir nur eine Gewissheit:  إِنَّا لِلّهِ وَإِنَّـا إِلَيْهِ رَاجِعونَ

Nachtrag.

Ich habe mir meinen Text “Nah” von damals noch mehrmals durchgelesen. Warum schrieb ihn? Und warum genau dann? In einer Zeit, in der es in meinem nahen Umfeld keinen Todesfall gab. Ich erinnere nun. Es waren Tage, in denen ich viel reiste, durch die Welt zog und flog, auf Achse, in meinem Element, über Wochen hinweg. Weit entfernt von den Menschen, die ich liebte. Es waren Tage, an denen ich viel nachdachte, über sie, ihr Leben, seine Nähe und N.

Tage, an denen ich seine Nähe, die Endlichkeit zum ersten Mal fürchtete. Die Endlichkeit derer, die ich liebe.

NEMRUT.

It was around 3 or maybe 4 in the morning after a long journey, climbing and hiking, when we finally sat down on top of the mountain Nemrut. We sat down to watch the sun rise, lighten the dark, announce itself through sparks and light shadows, grow and warm us – like so many of our kind before us. It was probably the most magical moment of our trip through the East of Turkey, a trip that made me discover another face of my country, another face of mine.

In a slightly quicker timelapse I would like to share with you a moment that happens every day, everywhere around the world. But it’s beauty lies in your eye, in your heart.

Music: The Cinematic Orchestra – First Light

DIE DEUTSCH-MUSLIMISCHE BLOGOSPHÄRE

Blogkarneval

Unser Logo für den Deutsch-Muslimischen Blogkarneval. Der liegt derzeit zwar noch brach, aber wer weiß, was an diesem Wochenende so passiert?

Es ist mittlerweile Ewigkeiten her, dass wir den letzten deutsch-muslimischen Blog-Karneval (Muslimkarneval.de) veranstalteten, der damals von TooMuchCookies initiiert, gegründet und lange Zeit betrieben wurde. Mit einer losen Gruppe Blogger (und dem Zahnräder Netzwerk) haben wir das Projekt zwar auf’m Schirm, nur leider nicht auf der aktuellen To-Do-Liste. Am Freitag wird es nun ein Fachgespräch geben, zu dem zahlreiche deutsch-muslimische Blogger eingeladen sind. Anlass für mich, den Blogger-Topf mal wieder vorsichtig zu öffnen.

Auf der Re:Publica 2011 sprach ich zusammen mit Sebastian Mraczny und Urmila Goel, moderiert von Verena Reygers, auf dem Panel “Guck mal wer da spricht – Wieviel Pluralismus kann die deutsche Blogosphäre?” über den Pluralismus in der deutschen Blogosphäre, insbesondere die muslimische Blogosphäre, die zum Teil als alternative Öffentlichkeit entstand und in vielen Punkten ein Gegengewicht zu den islamophoben Tendenzen in der allgemeinen Öffentlichkeit wurde. Stine Eckert machte dann Nägel mit Köpfen und forschte gleich dazu: “Muslim Bloggers in Germany: An Emerging Counterpublic?” Auf der Re:Publica 2013 stellte sie ihre sehr interessante und spannende Forschungsarbeit (auf Deutsch) vor. Wer die Arbeit nicht lesen kann, dem empfehle ich unbedingt zumindest ihren wirklich sehr sehenswerten und informativen Vortrag anzuschauen.

Seitdem (2011/2012) hat sich die muslimische Blogsphäre gewandelt, sie ist gewachsen. Es sind neue Themen hinzugekommen, unter anderem muslimische Modeblogs. Die Gut-Betucht-Autorin hat bereits eine kleine Liste mit deutsch-muslimsichen Mode-Bloggern erstellt (siehe unten). Allerdings drängt sich hier die Frage der Kanäle auf: Eine der aufgelisteten Modebloggerinnen betreibt statt eines Blogs ein Facebook-Account. Würde man nun Facebook in die Suche einbeziehen, würde man auf sehr viel mehr muslimische Seiten stoßen. Beispielsweise erfreuten sich muslimische Fb-Seiten in der Kategorie Fotografie & Lifestyle in den vergangenen 2 Jahren besonders großer Beliebtheit in Deutschland. Prominentestes Beispiel hierfür ist vermutlich Emine von Butterfly Photography. Als weiterer Kanal kommt Instagram hinzu, auch dort sind spannende muslimische Mode-, Fotografie-, Einrichtungs-, Design- und Lifestyle-Szenen entstanden.

Ein anderer Topf: YouTuber! Younes Al-Amayra, Gründer von I,Slam (muslimische Poetry Slams), sucht nach muslimischen YouTubern. Auch hierfür: Empfehlungen? Tipps? Ich fänd’s sehr spannend, auch hier einen groben Überblick über die Szene zu schaffen!

Zurück zur deutsch-muslimischen Blogosphäre: Einige der Blogs, die ich mir in den vergangenen Jahren notiert habe, findet ihr hier. Welche anderen Blogs gibt es noch? Wen habe ich vergessen (sorry for that!)? Habt ihr selber eines? Dann postet es doch bitte in den Kommentaren, ich werde die Liste regelmäßig aktualisieren.

Deutsch-Muslimische Blogs (aktualisierte Version 29. Oktober 2014)

Blogs

Modeblogs

YouTuber