MEIN HERZ TANZT. DANKESCHÖN.

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Liebe Herzensmenschen,

Ich danke euch. Ich danke euch sehr für die große, herzliche und moralische Unterstützung in den letzten Monaten, die mich sehr berührt, bewegt und in meinem Weg bestärkt hat. Ohne euch, eure bestärkenden Worte und Spenden hätte ich diesen Weg nicht so gehen können.

Einige haben es mitbekommen: Nach einem Artikel im Magazin Emma, der zahlreiche Unwahrheiten und Unterstellungen enthielt, hatte ich Anfang des Jahres beschlossen, juristisch dagegen vorzugehen und eine Unterlassungsklage einzureichen. Inzwischen ist das Urteil rechtskräftig. Das Gericht urteilte in den für mich wesentlichsten Punkten (Zitate, die mir in den Mund gelegt worden sind; angebliche Verharmlosung von Salafismus; die Behauptung, ich hätte zu Missbrauchsvorwürfen gegen einen muslimischen Wissenschaftler geschwiegen), dass diese allesamt falsche Tatsachenbehauptungen sind. Ein für mich riesengroßer Erfolg! Es lohnt sich, sich zu wehren. Es lohnt sich, seine Rechte wahrzunehmen. (Ein paar mehr juristische Details für Interessierte findet ihr unten.)

In diesem Prozess habe ich einmal mehr gespürt – ich bin nicht alleine. Wir sind nicht alleine. Feminist_innen, Anti-Rassist_innen, sogenannte “Gutmenschen” und viele andere, die für eine plurale, offene Gesellschaft einstehen, sind derzeit unter Beschuss. Mir ist klar, weshalb: Die Welt ist komplexer als die Kategorien, in denen bislang häufig gedacht worden ist. Ich kann deshalb sogar nachvollziehen, dass Menschen, die mich nicht klar in einfache, althergebrachte Schubladen einordnen können, irritiert sind und dass diese Ambivalenz mancherorts Abwehr erzeugt.

Was ich aber nicht dulden muss, was niemand dulden muss, sind Diffamierungen, Lügen, Hass und Hetze.

Ich hatte beschlossen zu klagen, denn weder das Internet noch unsere mediale Öffentlichkeit sind rechtsfreie Räume. Wir haben Rechte. Ich habe Rechte. Und davon muss ich Gebrauch machen. Insbesondere deshalb, weil ich sehe, dass mein Nicht-Wehren auch andere zur Zielscheibe macht, die weniger privilegiert sind als ich es bin. Die es nicht so leicht haben, sich zu wehren.

Auf diesem Weg habe ich sehr viel gelernt – viel über unser juristisches System, viel über die überwältigend bunte Solidarität, die ich erfahren durfte und die mein Herz noch immer tanzen lässt, viel über das Leben, viel über das, was mir ganz persönlich, im Kleinsten, als Mensch, wichtig ist. So habe ich etwas gelernt, von dem ich als Engagierte, als Mitfühlende dachte, dass es mir nicht möglich ist. Und doch lernte ich: Ganz egal, was auf dieser Welt geschieht – politisch oder gesellschaftlich – es muss den Engagierten, den Aktiven, möglich sein, ganz persönlich, im Innersten, absolute Ruhe und erfülltes Glück zu empfinden. Denn die Welt zu einer besseren, gerechteren machen zu wollen, ist ein Marathon, kein Sprint. Keine Lebensaufgabe, sondern eine Aufgabe, für die es mehrere Generationen braucht.

“To make injustice the only measure of our attention is to praise the Devil”, schrieb Jack Gilbert in einem Gedicht. Und hat recht damit.

So bin ich dankbar, diesen Weg gegangen zu sein. Auch dank Euch konnte ich ihn erfolgreich gehen.

Und nun mache ich mich auf in die Pampa, um an meinem Herzensprojekt, meinem Buch weiterzuschreiben.

Derweil machen wir alle weiter. Selbstbewusst. Nuanciert. Konstruktiv. Bunt. Plural.
Und mit ganz viel Herz.

Ich danke euch. <3

PS: Eine ausführliche Replik von der Journalistin Melanie Christina Mohr auf den unsäglichen Artikel in der Emma (Januar/Februar-Ausgabe) findet sich hier.

Für Interessierte, ein paar mehr Worte zu dem Juristischen:

Die juristische Unterscheidung zwischen zulässiger Meinung und unzulässigen Tatsachenbehauptungen ist diffizil – Gerichte streiten sich darüber jahrelang. Das Grundgesetz gewährt der Meinungsfreiheit zu Recht einen sehr weiten Raum und erachtet auch polemische, übersteigerte, irrationale und scharfe Kritik als schützenswert, nicht aber unwahre Behauptungen.

Die EMMA hatte in drei Fällen die Grenzen der zulässigen Kritik überschritten, wie das Landgericht Stuttgart nun rechtskräftig feststellte: So hatte EMMA mir Aussagen über Integration in den Mund gelegt, die ich nie getätigt hatte und die mich deshalb – so das Landgericht – in meinem „sozialen Geltungsanspruch beeinträchtigen“ und mich in meinem Persönlichkeitsrecht verletzen.

Bezüglich eines weiteren Vorwurfs, in dem die Emma mir ein Zitat meiner Interviewpartnerin über Salafismus zuzuschreiben versucht hatte, befand das Gericht: „Die Äußerung verletzt die Klägerin in ihrem allgemeinen Persönlichkeitsrecht, weil sich für die Wahrheit des Tatsachenkerns keine Anknüpfungstatsachen finden lassen.“

Auch in dem Vorwurf, über Missbrauchsvorwürfe zu schweigen, sah das Gericht schließlich eine „unwahre Tatsachenbehauptung“ der Emma, die mich in meinem Persönlichkeitsrecht verletzte.

Und was ist mit den übrigen vier Aussagen, gegen die ich mich wehrte?

Das Gericht sah diese (u.a. die Behauptung, wir “#ausnahmslos-Frauen” würden “jeden des ‘Rassismus’” bezichtigen, der darauf aufmerksam macht “dass es sich bei den Tätern” der Kölner Silvesternacht 2015/2016 “überwiegend um junge Männer aus traditionell patriarchalen und islamistisch verhetzen Ländern gehandelt habe” oder die Behauptung, ich würde mir anmaßen, für alle Frauen aus dem muslimischen Kulturkreis zu sprechen) als gerade noch zulässige Meinungsäußerungen und Bewertungen, bei denen die Presse- und Meinungsfreiheit im Ergebnis überwog. Das Gericht hielt diese Aussagen nicht für wahre Tatsachen, sondern allenfalls als „Meinungsäußerung mit Tatsachenkern“.

Solche Meinungen ließen sich laut Gericht nicht “im Wege des Beweises als wahr oder unwahr feststellen”. Dafür sei der Gehalt der Emma-Behauptungen schlicht zu “substanzarm” – und das Gericht legte sie letztlich, nach dem Grundsatz „im Zweifel für die freie Rede“, meinungsfreundlich aus.