ISLAMISCHER FEMINISMUS – INTERNATIONALE ANNÄHERUNGEN

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Unsere internationalen Gäste Anse Tamara Gray, Hind Makki, Malika Hamidi und Hanane Karimi im Kulturzentrum der Sehitlik Moschee, Berlin. credit: Nafisa.de

Diese Woche fand endlich eine Konferenz zum Thema Islamischer Feminismus statt ausgerichtet von der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Aktionsbündnis muslimischer Frauen. An der Erstellung des Konzeptes habe ich im Auftrag der FES mitgewirkt. Bei dieser ersten Konferenz war uns mir wichtig, zunächst eine internationale Perspektive einzuholen und die Thematik in einen internationalen Kontext zu setzen bevor wir uns auf der nächsten auf Deutschland fokussieren. Anse Tamara Gray aus den USA, die den Eröffnungsvortrag hielt, erklärte den islamischen Zugang zum Feminismus (ihr Vortrag wird demnächst auf der FES Seite veröffentlicht). Sie selbst setzt in ihrer Arbeit auf Bildung, Bildung, Bildung – insbesondere auch religiöse Bildung. Und ist der festen Überzeugung: Erst wenn Frauen (gilt natürlich auch für Männer) selbst die Schriften lesen, verstehen und kennen, können sie verhindern, dass ihnen ihre religiösen Rechte (wie zum Beispiel das Recht auf Bildung, eigenes Geld zu verdienen oder politisch aktiv zu sein – von FGM und anderen Mißständen ganz zu schweigen) entzogen werden und ihre Religion missbraucht wird. Mehr zu ihrem Vortrag findet ihr auch hier.

Hind Makki aus den USA, Malika Hamidi aus Belgien und Hanane Karimi aus Frankreich gaben Einblicke in die Debatten in ihren jeweiligen Ländern, die Bewegungen, Herausforderungen und Entwicklungen. Schnell wurde deutlich, dass sie sich hierbei ähneln.20160206002133 Islamophobie bzw. antimuslimischer Rassismus prägen die Arbeit muslimischer Feministinnen – während sie einerseits versuchen Mißstände in muslimischen Communities anzugehen, versuchen sie gleichzeitig die Instrumentalisierung dieser zu verhindern. Das kann manchmal lähmend wirken. Und – wie auch in Deutschland der Fall – den Eindruck erwecken, Probleme würden verschwiegen oder ausgeblendet werden. Hind Makki erzählte in ihrem Vortrag eindrucksvoll, welchem Gegenwind muslimische Feministinnen ausgesetzt sind, wenn sie genau diese Mißstände offenlegen und wie sie der potentiellen Instrumentalisierung durch rechte Gruppen trotzen. In den USA kam ihnen die feministische Arbeit religiöser Christinnen und Jüdinnen zu Gute, in deren Reihen sie medial verortet worden sind.

Es war womöglich das erste Mal, dass internationale muslimische Feministinnen auf einem öffentlichen Podium in Deutschland saßen und miteinander über diese Themen diskutierten, ohne dass ihnen von anderen Vortragenden entweder der Islam oder der Feminismus abgesprochen werden, in denen sie nicht ihre intellektuelle Existenz beweisen und verteidigen müssen. Es gibt zahlreiche akademische Konferenzen zu diesen Themen, wenige aber, die sich auf die Praxis fokussieren, die Intellektuellen, die Handelnden – jene, die ihre feministische und gesellschaftliche Arbeit, ihren Einsatz für Gerechtigkeit theologisch begründen.

Deshalb bin ich gespannt auf die Folgekonferenz, bei der wir uns auf Deutschland fokussieren und einige der Verbesserungsvorschläge, die bereits angeklungen sind, bestmöglich umsetzen werden. Übrigens: Dr. Kathrin Klausing und Nina Mühe werden demnächst auf Nafisa.de einige Interviews mit den Referentinnen veröffentlichen – auch darauf bin ich sehr gespannt!

Alle Bilder haben die Damen von Nafisa.de zur Verfügung gestellt. Dankeschön!

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