DER MUSLIMISCH-AKADEMISCHE HEIRATSMARKT (TEIL 2)

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(Dieser Text baut auf den Artikel Der neue muslimische Mann + die Frau und die Gesellschaft auf. Es empfiehlt sich ihn vorher zu lesen. Darin wird erklärt, warum dieser Text sich nur mit Mann-Frau-Beziehungen innerhalb der muslimisch-akademischen Szene beschäftigt.)

Wichtiger Disclaimer:

Bevor ich den Text beginne, möchte ich eine Tatsache nicht unerwähnt lassen: Heiraten, einen Partner finden, ist in keiner Weise alleiniges Lebensziel und/oder definierender Lebensinhalt einer muslimischen Frau. Muslimische Frauen, die (noch) nicht geheiratet haben (an Gründen mangelt es nicht) oder nicht heiraten wollen(!), dürfen und sollten nicht darauf reduziert werden. Schon gar nicht sollte man sich das Recht herausnehmen solche, mit denen man nur flüchtig bekannt ist, immer wieder mit Fragen durchlörchern und mit achso gut gemeinten Ratschlägen belehren zu dürfen.

 Bei einer entsprechend stabilen Beziehungs- und Vertrauensbasis kann man sich eventuell näher über Beweggründe unterhalten, aber selbst das hat seine Grenzen.

Manchmal liegt es nicht in der Hand eines Menschen, einen geeigneten Partner zu finden. In dem Fall ist es ein Affront, einen Menschen immer wieder darauf anzusprechen oder gar zu bemitleiden. 



Manchmal entschließt sich ein Mensch bewusst dazu, nicht (mehr) heiraten zu wollen. Diese Entscheidung muss man respektieren. Und auch hier ist es ein Affront, einen Menschen immer wieder darauf anzusprechen oder gar zu bemitleiden.



Aber du möchtest doch nur helfen? Auch in bester Absicht kann man Menschen verletzen. “Herşeyin bir yolu yordamı var”, sagt man im Türkischen. Es gibt für alles eine Art und einen Weg – auch für das Helfen.

Zuletzt ein Zitat der Leserin Müzeyyen Bek hierzu:

“Ich habe schon gar keine Lust mehr auf Hochzeiten zu gehen, genau aus diesem Grund! Ich finde es auch einfach nur unverschämt und vor allem unsensibel diese Haltung: Eine Frau ist nur dann vollwertig, wenn sie geheiratet hat. Wenn nicht, dann stimmt was nicht mit ihr. Das wird selbstverständlich nicht so geäußert, aber häufig ist es eine Botschaft, die mitschwingt.”

Der muslimisch-akademische Heiratsmarkt – Teil 2

Ich muss eingestehen: Ich bin an das Thema muslimisch-akademischer Heiratsmarkt zwar sehr kritisch, an die Lösungen aber anscheinend zu idealistisch herangegangen. Es muss doch eine systematische, größere Lösung geben für die vielen muslimischen Single-AkademikerInnen, die man innerhalb eines Projektes angehen kann, dachte ich mir. Ich war damit nicht die einzige: Mit ein paar FreundInnen zusammen bauten wir ein System auf, bei dem wir ausgewählte Singles interviewten, in eine interne Datenbank einpflegten und dann, ganz klassisch, Verkuppeln wollten. Aber (jeder von uns ist da unterschiedlicher Meinung, warum es nicht klappt/wie es besser klappen könnte) ich finde man kann zwei Menschen, von denen man mindestens eine nicht persönlich oder näher kennt, schlecht verkuppeln. Vor allem dann nicht, wenn man kein Gefühl dafür hat wie sie sind, was sie ausstrahlen und eventuell sogar wie sie fühlen. Hinzu kommt, dass es ein großer Zeit- und Organisationsaufwand ist, bei der Arbeitsteilung und Management nicht so einfach zu strukturieren sind.

Wenn ich privat verkupple, dann klappt es meistens viel besser. Ich kann nicht recht in Worte fassen, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Ich agiere hauptsächlich auf Gefühlsbasis und es funktioniert so relativ zufriedenstellend. Aber eine gut funktionierende größere Lösung, mit der man mehr Menschen erreichen kann, aber dennoch den einzelnen Menschen gerecht wird und zudem effektiv ist, habe ich bislang noch nicht entdeckt.

Das hat mich am Traum der größeren Lösung zweifeln lassen. Für mich gibt es bisher deshalb derzeit folgende (individuelle/lokale) Lösungen, von denen ich weiß, dass sie funktionieren (können):

1. Verheiratete Paare sollten sich bewusst dem Thema widmen und Verantwortung übernehmen.

Warum ausgerechnet Verheiratete?

Erstens: Sie haben häufig zusammen ein größeres Netzwerk und einen guten Zugang zu Single-Männern und -Frauen. Zweitens: Um eventuellen und unnötigen Missverständnissen vorzubeugen, die zum Beispiel bei einem Single-Mann entstehen könnten, der eine Single-Frau nicht für sich, sondern für seinen Freund anspricht. Grundsätzlich denke ich aber, dass das jeder gut machen kann (eine Single-Freundin von mir ist beispielsweise fabelhaft darin), die Verantwortung sehe ich aber bei jenen, die bereits verheiratet sind.

Viele Freunde und auch Bekannte erzählen mir davon, wie sich ihre verheirateten Freundinnen, die vorher noch versprachen, unbedingt einen passenden Partner für die Freundin finden zu wollen, sich nach der Heirat zurückziehen und nichts in der Richtung unternehmen. Viele Paare wiederum, mit denen ich mich über diese Verantwortung unterhalte, stimmen zwar grundsätzlich zu, erklären aber, dass sie es bereits einmal versucht hätten. Doch weil es bei dem einen Mal daneben gelaufen sei, würden sie diese Verantwortung lieber nicht mehr tragen und sich nicht „einmischen“ wollen.

„Wir haben es versucht und beschlossen: Wir wollen uns nicht mehr einmischen.“

Ich finde, dieses Argument trägt nicht. Die Verantwortlichkeiten müssen von vornherein klar festgehalten werden: Wer vermittelt, der vermittelt. Man trägt weder die Verantwortung für den Erfolg der Vermittlung, noch garantiert man die Vollkommenheit des vorgestellten potentiellen Partners. Die Vermittelten sollten sich bewusst sein, dass es ihre Aufgabe ist gründlich über die Person zu recherchieren, kennenzulernen und sie einzuschätzen. Wer glaubt, das müssten die Vermittelnden garantieren, sollte seine Einstellung gründlich überdenken und sich nicht wundern, wenn es an Vermittlern mangelt.

Dennoch kenne ich auch aus eigener Erfahrung, dass einen das schlechte Gewissen plagt, wenn eine Vermittlung misslingt und man sich vorwirft, man hätte den Ausgang voraussehen müssen. Doch letztlich kann man es nie mit Sicherheit wissen. Die Freundin in diesem Fall sagte mir übrigens, dass mich mein Gewissen nicht plagen braucht, da sie beide erwachsene Menschen seien, die für ihre Entscheidungen niemand anderen verantwortlich machen würden als sich selbst. Das ist eine gesunde und reife Haltung, für die ich ihr sehr danke.

Sie kommentierte dies dann außerdem wie folgt:

“Hier mein Standardspruch (Atasözü; Türkisches Sprichwort) „Elçiye zeval olmaz“ was ungefähr soviel bedeutet wie: „Den Vermittler/Boten trifft keine Schuld“ und ganz genau so ist es.

Es sollten meiner Meinung nach Menschen vermittelt werden, die die Reife und auch mal den Mum haben ganz klar und deutlich ihren Vertrauenspersonen zu sagen, dass sie gerne heiraten möchten und bei eventuellen Schwierigkeiten keinen Sündenbock suchen. Das soll nicht heißen, dass man mit einem Plakat rumlaufen soll, aber es ist doch schon sehr auffällig, dass weder die Frauen noch die Männer ihren engsten Freunden gegenüber einen Heiratswunsch äußern können. Die Frauen werden als verzweifelt und die Männer als hormongesteuert abgestempelt, leider!”

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Was heißt es also konkret Verantwortung für die Vermittlung zu übernehmen?

Ich werde hier Vorschläge machen, die lediglich als Beispiele dienen. Ich hoffe, dass der Grundgedanke hierbei gut vermittelt wird. Diese Vorschläge sind keine Wundertechniken, die auf jede Situation, jeden Kontext und zu jedem Menschen passen.

- Entspannte und ungezwungene Gelegenheiten für das Kennenlernen schaffen:

Freunde und Bekannte, von denen man glaubt, dass sie eventuell zueinander passen könnten, zum Beispiel zum Essen nach Hause einzuladen. Die Atmosphäre ist häufig ungezwungen, keiner muss sich verkaufen oder vermarkten wie es manchmal in arrangierten Kennenlern-Gesprächen der Fall ist. Eventuell entwickeln sich Sympathien. Hinterher kann man die Gäste in einem privaten Gespräch individuell ansprechen und eventuell bei einer Anfrage (oder je nachdem für welchen nächsten Schritt man sich entscheidet) behilflich sein.

- Orte und Räume für offene, vorurteilsfreie Gespräche und Austausch bieten:

Offen und vorurteilslos geeignete private Rahmen schaffen, in denen man sich über diese Themen unterhalten kann. So stellt sich manchmal heraus, dass jemand ohnehin nicht heiraten möchte oder einen ganz konkreten Menschen im Kopf hat (in diesem Fall kann man vielleicht ganz konkret helfen). Diese Gespräche sind auch wichtig, um eventuelle Fantasien vom perfekten Mann/von der perfekten Frau und überirdische Erwartungshaltungen zu besprechen und hoffentlich sogar zu beseitigen. Dass das Kennenlernen eine schwierige Phase ist, in der man verletzlich ist und im Versuch sich zu schützen, gelegentlich selbst belanglose Kleinigkeiten zu unlösbaren Problemen aufbläst/werden, sind vielleicht Selbstverständlichkeiten, so mag man glauben. Tatsächlich werden diese vermeintlichen Selbstverständlichkeiten aber nicht ausreichend ausgesprochen. Viele verheiratete Paare kehren in Gesprächen über dieses Thema den holprigen Weg hin zur Heirat unter den Teppich und scheinen viel zu schnell zu vergessen (oder zu verdrängen) wie es sich damals als Single unter dem Druck der Gesellschaft lebte.

- Augen aufhalten. Immer:

Dieser Punkt ist einerseits ein sehr praktischer Punkt, andererseits steht er stellvertretend für eine Mentalität. Führt eine Liste mit euch, sie kann eine digitale auf eurem Smartphone, eine Offline-Liste irgendwo im Terminkalender oder ein eigens dafür eingeführtes Notizbuch sein. Wenn ihr beschlossen habt für spezifische Freunde einen Partner zu finden, dann haltet die Augen offen, bewusst und immer wieder. Zum Beispiel, wenn ihr auf einer Konferenz seid, bei einem Abendessen oder anderen Gelegenheiten. Subtil könnt ihr in Erfahrung bringen, wer (noch) nach einem Partner sucht und ob die Person zu einem der FreundInnen auf der Liste passen könnte.

Haltet die Augen aber nicht nur an Orten auf, die neu sind und die eure FreundInnen auf der Liste nicht kennen, sondern auch an den altbekannten Orten mit altbekannten Freunden. Manchmal sitzt der perfekte Kandidat vor einem und man merkt es bloß nicht. Da kann es helfen, wenn man als Vermittler die Initiative ergreift und einfach mal fragt: Was denkst du über x? Manchmal wird dann ein „Er/Sie doch nicht. Er/sie ist wie ein/e Bruder/Schwester für mich!“ ausgerufen. Auch das ist, wie alle anderen Punkte, die hier aufgeführt sind, situationsabhängig, aber eventuell lohnt es sich das Gespräch nicht damit gleich zu beenden, sondern zu erklären, warum man überhaupt gefragt hat. Gründe aufzählen, warum die Person vielleicht doch in Erwägung gezogen werden könnte. Und auch deutlich machen: Wenn du bereit bist, möchtest, kann ich bei der Person für dich mal abklopfen, ob er/sie ebenfalls Interesse hätte.

Wenn man ausreichend aufmerksam zuhört, wird man hoffentlich mit der Zeit wissen, wann es gut ist oder wann sich eine Nachfrage lohnt. Von der Offenheit, die ich im vorherigen Punkt nannte, kann man in solchen Situationen profitieren, da so ausreichend Vertrauen und Sicherheit besteht.

2. Singles sollten sich vom Vermittlungsglauben lösen

Demet Özlem Arslan kommentierte auf der Webseite des Rates Muslimischer Studierender & Akademiker meinen Artikel über die Probleme auf dem muslimisch-akademischen Heiratsmarkt in Deutschland. Ihr Artikel regte mich dazu an, einen zweiten Teil zu schreiben.

In ihrem Artikel macht sie einen ganz konkreten Vorschlag: Das aktive Kennenlernen beispielsweise auf Veranstaltungen der islamischen Hochschulgruppen an den Universitäten. Das ist ein wichtiger Punkt und Schritt, denn er gibt die Erwartung auf, von Freunden oder der Familie vermittelt zu werden – obwohl ich dringend an jene appelliere bei der Vermittlung zu helfen, sollte man sich als heiratswilliger Single nicht darauf verlassen.

Leider ist es so, dass in Moscheen, in Familien und selbst in Freundeskreisen nicht offen genug über das Kennenlernen und den Prozess an sich gesprochen wird. Gleichzeitig, so war es zumindest zu meiner Zeit, gab es ellenlange Vorträge über die Gefahren des Flirtens. Ich hatte damals als junges Mädchen aber weder eine Ahnung, was dieses Flirten (auf Türkisch “flört”, was sich in meinen Ohren eher nach einem Instrument anhörte) genau sein sollte, noch wusste ich wie man auf eigene Faust einen Partner kennenlernen kann ohne den islamischen Rahmen zu verlassen und Gefahr zu laufen zu “flirten” (Dass ich darüber hinaus sowieso kein Interesse an dieser Thematik hatte, weil ich fest davon überzeugt war, dass es niemand passenden für mich geben kann, ist eine ganz andere Geschichte). Deshalb lassen viele die eigene Suche gleich bleiben – was bleibt einem denn schon übrig? In einem Artikel skizzierte ich mal dieses Phänomen und nannte sie (der Text ist in einem lustig-ironischen Ton geschrieben) “Heiratslethargie”:

Die Heiratslethargie

Die chronische Heiratslethargie junger Muslime hat viele Gründe. Ein solcher Grund ist der „Vermittlungsglaube“. So nenne ich die Erwartungshaltung, man würde schon irgendwie irgendwann von einer Partnervermittlungsagentur in Form einer Schnattertante in der Moschee entdeckt und an den Traumpartner vermittelt werden.

Die Schnattertanten hingegen sind ganz „modern“ geworden und wollen, dass sich die jungen Leute ihre Partner selber suchen. Deshalb gehen sie ihrer anderen Leidenschaft, dem Schnattern, nach. Unsere Singles allerdings buhlen noch immer um Schnattertantenaufmerksamkeit: Die Tante, die freut sich. Passieren tut aber nichts.

Meine Freundin Hacer* will, dass ihre Eltern ihr potentielle Partner vorstellen. Sie hat „keine Lust auf den ganzen Stress“, ihre Eltern aber auch nicht. Die teilten ihr kürzlich mit, sie würden sich freuen, wenn Hacer sich selber den Partner suchen würde. (*Name geändert)

Die Leserin Ruveyda Cubukcu begründete die Heiratslethargie einiger Singles – wie sie schreibt “sehr kleinen Minderheit”, die “gar nicht auffällt” – allerdings damit, dass einige muslimische Frauen es nicht mit ihrem islamischen Verständnis vereinbaren könnten, selber jemanden kennenzulernen und deshalb auf Vermittler besonders angewiesen seien:

“Es gibt junge praktizierende Muslima (gegenwärtig 25-30), die während ihrer Schulzeit und der Uni nur eines im Kopf hatten: engagiert bleiben und erfolgreich werden, um später in der Gesellschaft angemessen zu agieren und moderat aufzutreten. 

Dabei steht der Gedanke ‘einen Mann kennenlernen’ außen vor, denn in ihrer islamischen Überzeugung werden keine Männer kontaktiert, mit der Absicht “vielleicht könnte aus uns etwas werden”. Sie vertrauen in dieser Sache voll und ganz ihren Eltern oder Anvertrauten, die wüssten, welcher Partner potenziell in Frage käme. Kurz: die Sache mit dem Heiraten soll/muss/kann voerst über ihren Kopf hinweg entschieden werden – nenne es, wenn du magst – arrangierte Ehe. 

Nun ist es leider so, dass nach dem Studium das Gedachte nicht so auftritt. Im Gegenteil, ihnen wird vorgeworfen niemanden gefunden zu haben und letztendlich den nehmen sollen, der kommt oder sich selbst auf diese Suche machen.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt das ‘Daten’ – einen Mann nach dem anderen treffen, sprechen, Telefonnummern austauschen, ggf. eine Beziehung führen usw. bis schließlich sich für das Heiraten entschieden wurde.

Doch die oben erwähnten Frauen, die die Keuschheit sensibler definieren und das Verbot sich Zina zu nähern sensibler angehen, wollen vehement den im vorherigen Absatz erwähnten Weg nicht gehen und präferieren, wie du es ebenfalls festgestellt hattest [Anmerkung: sie bezieht sich hier auf den ersten Text in dieser Reihe]. Denn Kinder- & Familienwunsch kann jede Frau haben, egal wie karriereorientiert sie ist.”

Ich finde diesen Punkt wichtig, da er sicherlich Lebensrealitäten von einigen Frauen beschreibt, die, wie die Leserin schreibt, oft ignoriert werden. Allerdings zeigt uns das Beispiel von Khadijah (ra), der ersten Frau unseres Propheten (saw), dass auch Frauen selbstverständlich in diesen Fragen die Initiative ergreifen können. Was das “Daten” angeht, ich würde es eher “das Kennenlernen” nennen, gibt es selbstverständlich einen islamischen Rahmen. Den will ich hier im Detail nicht erläutern, da es hierfür mindestens eines weiteren Textes dieser Länge bedarf. (Und im Übrigen bin ich – wie ja bekannt – keine Theologin. Ich habe zwar meine eigenen Recherchen und Meinungen über die Jahre entwickelt, sie sind aber für mich, nicht die Öffentlichkeit gedacht. Bitte wendet euch bei Fragen an ausgebildete TheologInnen.) Deshalb möchte ich auf diesen Text hinweisen, der für viele, die Bedenken haben und sich dem theologischen Aspekt des Ganzen widmen wollen, ein Anfangspunkt für die Recherche sein könnte: “Let’s talk about dating”.

Oft erlebe ich es auch, dass sich Frauen damit rühmen ihren Partner problemlos mittels der Familie getroffen zu haben, also zuvor keinen anderen Mann mit Heiratsabsicht kennengelernt zu haben. Ich finde das aus vielerlei Gründen sehr problematisch: In erster Linie aber deshalb, weil es nichts ist, womit man sich rühmen kann. Man kann Dankbarkeit zeigen und Allah (cc) in Gebeten dafür danken, dass er einem diese schöne Möglichkeit geboten hat und vor einer langen Suche bewahrt hat – letztendlich ist es aber Schicksal. Nicht alle haben so viel Glück. Denn es hat kaum etwas mit Religiosität, Schönheit, Erfolg, Intelligenz oder Traditionsbewusstsein zu tun, dass es bei manchen einfach nicht klappt. Und wer von jenen, die auf der Suche nach dem Partner für’s Leben sind, wünscht sich nicht, dass der zukünftige Partner einfach an die Tür klopft. Doch dieser Luxus wird nicht jedem zuteil.

 Zurück zur Heiratslethargie: In vielen Kreisen ist es leider außerdem verpönt, wenn man auf islamischen Veranstaltungen Interesse am anderen Geschlecht zeigt, die allgemeine niyah (Absicht) der betreffenden Personen werden hinterfragt. Ich plädiere, wie so oft in diesen Texten, für die goldene Mitte. Scharen und Trauben von blutjungen Mädchen und Jungen, die sich kichernd vor Toilettentüren und Ausgängen versammeln und der Veranstaltung keinerlei Aufmerksamkeit schenken, finde auch ich nervig. Jene und diese Art des Interesses sind hier aber auch nicht gemeint. Wer ein ernsthaftes Interesse daran hat, jemanden kennenzulernen, der soll das auch tun können – vor allem bei islamischen Veranstaltungen. Wo denn sonst? Welche Orte wären besser geeignet für gläubige und praktizierende Muslime, die einen Partner kennenlernen wollen, als in der Gemeinde selber?

Die gemeinsame & einende Leidenschaft

Ich finde besonders die gemeinsame Arbeit kann zwei Menschen verbinden. Man lernt sich durch eine gemeinsame Leidenschaft kennen, die unabhängig von Aussehen, Status und Ethnie ist: Wer gemeinsam für eine friedlichere, bessere, gesündere, … oder grünere Welt hinarbeitet, also die gleiche Dawa (Anrufung) im Leben hat, wird eine gesunde gemeinsame Basis für eine Ehe aufbauen können.

Eine meiner Lieblingszitate hierbei ist von Antoine de Saint-Exupéry:

“Lieben heißt nicht, sich in die Augen zu sehen, sondern gemeinsam in die gleiche Richtung zu blicken.”

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Denn mit der Zeit wird die Aufregung weichen und man wird im Gesicht des Geliebten Fehler entdecken, Macken. Irgendwann wird man sich vielleicht an ihnen stören bis man nur noch diese Fehler und Macken im Gesicht des ehemals Geliebten sieht. Wer gemeinsam in eine Richtung schaut, weiß um die Macken und Fehler des anderen, aber liebt die Person für so viel mehr: Für das, was das Herz liebt, wofür das Herz pocht.

Deshalb bleibt mir nur zu sagen:

Traut euch, liebe Männer, gebildete und unerreichbar wirkende muslimische Frauen anzusprechen!

Traut euch, liebe Frauen, gebildete muslimische Männer anzusprechen!

(Warum ausgerechnet nur “Gebildete” etc.? Diese Frage sollte sich erübrigen, wenn man den ersten Text zu diesem Thema gelesen hat. Kurzum: Dieser Text beschäftigt sich ausschließlich mit den Problemen und Hürden auf dem muslimisch-akademischen Heiratsmarkt in Deutschland)

Die pseudo-sichere Abchecker-Nummer

Das Problem mit den schwammigen Abcheker-Anfragen, beschrieb eine Freundin, die in muslimischen Hochschulvereinigungen sehr gut vernetzt ist, wie folgt:

Wenn eine Absicht vorhanden ist, eine Frau näher kennenzulernen,  dann sollte man das auch von Anfang an so kommunizieren und nicht Kontakt aufbauen, Lage abchecken, aber dann nie über die Absicht (aus welchem Grund auch immer) sprechen. Das ist nicht gut und zudem gefährlich, weil das Gegenüber mit der Zeit natürlich eine gewisse Erwartungshaltung hat und wenn nichts kommt, dann auch enttäuscht ist – in dieser Zeit sind womöglich bereits Gefühle entstanden. Vor allem viele Schwestern haben mir davon berichtet, wie Brüder mit ihnen Kontakt aufbauen, Smalltalk etc führen ohne ihre Absichten klar zu kommunizieren. Das führt zu Enttäuschungen.

Natürlich gibt es auch hier kein Rezept für alle Situationen, generell gilt aber: Möglichst früh und klar kommunizieren, Absichten auf den Tisch legen. Falls es einem schwer fällt dies persönlich und direkt zu tun, dann über gemeinsame Freunde und Bekannte. Sollte auf der Gegenseite kein Interesse an einer Heirat bestehen, kann man den Fortgang des Kontakts dementsprechend ausrichten.

Es mag vielleicht keine Vermittler in eurem Freundeskreis geben, aber gute FreundInnen, LeiterInnen in der Gemeinde, Imame und andere werden euch (hoffentlich) nicht den Wunsch ausschlagen, wenn ihr sie konkret darum bittet jemanden anzusprechen bzw. vorzutasten, ob die Gegenseite die eigenen Gefühle erwidert.

Nazlanmak – das verdammte Disney-inspirierte Zappelnlassen.

Und was, wenn eine Frau auf einer Veranstaltung von einem Mann angesprochen wird? Ich hatte diesen Punkt bereits im letzten Text genannt, möchte ihn hier aber dringend wiederholen, da dieses Problem – so wie ich beobachten konnte – weiterhin sehr verbreitet ist: Eine Frau muss nicht “aus Prinzip”, Tradition oder sonst welchen Gründen einem Mann eine Abfuhr erteilen. Wenn sie ebenfalls Interesse an ihm hat, dann kann sie das kommunizieren. Es gibt hierfür etliche Wege, im Detail muss man das hier nicht ausführen. Aber wenn sie “Nein” sagt, dann sollte sie als selbstständige, emanzipierte Frau nicht erwarten, dass er ihre erste Entscheidung ignorierend sie noch einmal fragt. Wer “Ja” oder “Vielleicht” meint, sollte nicht “Nein” sagen. Denn – ich kann diese Frage nicht of genug wiederholen – wie kommen diese Frauen bitte auf die Idee, dass es einem Mann so einfach fallen würde, einen Antrag zu stellen und trotz Abweisung immer wieder nachzufragen? (Eine potentielle Antwort findet sich im letzten Text) Zudem: Wer “Nein” sagt, wenn er “Ja” meint, fügt sich dem Klischee Frauen meinten eigentlich “Ja”, wenn sie “Nein” sagten.

Nein ist nein. Ja ist ja. Vielleicht ist vielleicht. “Mal sehen” ist “Mal sehen.”
“Ich werde es mir überlegen” ist “Ich werde es mir überlegen” und … you get my point.

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Die Empörung! Wir sind unerreichbar…

Ich gebe zu, auch ich habe einige Male empört reagiert, als es jemand “wagte” mich anzusprechen. Hinterher taten mir diese Herren sehr Leid. Mein Verhalten fand ich im Nachhinein unerhört, das schickt sich nicht und ist respektlos gegenüber diesen Menschen, die sich den Mut genommen haben, um mit ernsten Absichten anzufragen. Ich hatte damals die irrationale Erwartung, dass derjenige, der mich ansprechen möchte, bitte zuerst meinen Vater fragen soll (die Erwartung hatte ich übrigens nicht von meinen Eltern. Ganz im Gegenteil, ihre Einstellung ähnelt der von Hacers Eltern. Ich frage mich bis heute, wie ich dazu kam so zu denken). Das soll nicht heißen, dass man die Eltern aus dem Prozess ausschließen soll. Auch hierfür gibt es keine Grundregel. Beispielsweise wenn der Anfragende einer anderen Ethnie angehört und die Eltern aber diesbezüglich konservativ eingestellt sind, dann lohnt es sich zuerst einen Imam oder jemand anderen aus der Community einzubeziehen, um sich den Rücken in diesen Prozess zu stärken und einen potentiellen Kandidaten nicht wegen dieser (wie ich finde unislamischen) Gründe abweisen zu müssen. Grundsätzlich würde ich aber sagen: Möglichst von Anfang an offen kommunizieren und – wenn einem die Familie wirklich wichtig ist – sie einbeziehen. Oft habe ich beobachtet, dass Eltern sehr viel liberaler waren als ihre Kinder anfangs annahmen.

Also: Wenn man eine Anfrage interessant findet,
dann soll man auch ehrlich mit sich sein und sich Gedanken darüber machen.

Das Dilemma der Geschiedenen (und Verwitweten)

Ein weiteres Thema, das hier zu kurz kommt, ist - wie eine geschiedene Freundin kommentierte - “das Dilemma der Geschiedenen.” Sie hat es sehr schön beschrieben, deshalb möchte ich sie hier zitieren:

“In meinem Freundeskreis gibt es 4 geschiedene junge Akademikerinnen, die gerne wieder heiraten würden, weil sie an die Institution Ehe glauben. Doch die gesellschaftlichen Normen hindern so manchen Mann daran, auch nur an die Idee zu denken, eine geschiedene Frau zu heiraten. Ich mag mich verbittert anhören, aber es ist wirklich traurig, dass die Gesellschaft solche Frauen wie Aussätzige behandelt. Kränkungen erlebt man häufig von Frauen, die einem erklären wollen, dass sie einen ja gerne “vermitteln” wollten, es aber sehr schwer sei, einen Mann davon zu überzeugen, eine geschiedene Frau kennen zu lernen. Wenn es denn zu einer Vermittlung kommt, dann ist es oftmals mit einem Mann, der geschieden/verwitwet ist, Kinder hat und womöglich viel älter als man selbst ist. Bu mudur bize reva görülen?! [Ist es das, was man uns gönnt?]

Wo bleibt da das Wissen und die Praxis der Sunnah?!”

Auch ich habe es oft mitbekommen, wie geschiedene Frauen als Heiratsmaterial „zweiter Klasse“ gehandelt werden. Angesichts der Tatsache, dass Khadijah (ra), die erste Frau unseres Propheten (saw), nicht nur 15 Jahre älter war als er, sondern zuvor bereits zwei Mal verheiratet gewesen ist, erscheint einem diese Einstellung besonders bedrückend und unverständlich.

Abschließend, vorerst.

Es wird vermutlich noch eine Weile dauern bis ich auf ein Projekt stoßen werde, dass das Problem in größerem Maße lösen könnte. Die Verantwortung der Vermittlung müssen in jedem Fall größere Teile der Gesellschaft tragen: Nicht nur vereinzelte Schnattertanten oder Eltern, denen die Kontakte im Interessengebiet ihrer Kinder fehlen, sondern idealerweise alle Verheirateten. Wenn jedes Paar mindestens zwei andere Paare vermitteln würde, wären wir einen großen Schritt weiter. Wir müssen offen über dieses Thema sprechen (so wie es RAMSA getan hat). Dabei, finde ich, sollte es nicht primär darum gehen, welches Geschlecht, Generation oder Gruppe die Schuld trägt, welche Analyse das Problem besser trifft oder wer hier das Opfer ist (wie im letzten Text ausführlich aufgezeigt: Alle machen Fehler, alle baden die Fehler aus. Jeder trägt seinen Teil zu diesem Problem bei), sondern wie man das Problem lösen kann. Ich würde mich über konkrete Vorschläge freuen, Überlegungen und Thesen, wie man mit diesem Problem umgehen könnte.

Vorerst kann ich deshalb nur zu Mut aufrufen: Mut zu vermitteln. Mut anzusprechen. Mut realistisch zu sein. Mut sich selbst nicht zu fragen “Welche Frau/Welcher Mann kann mich glücklich machen?” sondern: “Mit wem kann ich mir ein glückliches Leben aufbauen?” Mut offen zu sein. Mut zu auszusprechen. Mut die Schönheit in jenen zu sehen, die man bisher übersah. Mut mit jemandem gemeinsam in eine Richtung zu blicken.

Und Mut für das zu beten, was khair ist. Was immer es dann letztlich auch sein mag.


Und was denken Männer zu diesem Thema? In den nächsten Wochen werden hier regelmäßig Texte von Männern (aber auch Frauen) veröffentlicht, die ihre Sicht darstellen und ein Problem besprechen. Den Anfang machte mein Mann Ali Aslan Gümüşay. In seinem Text beschreibt er, weshalb es wichtig ist, dass auch Männer sich in diesem Diskurs stärker einbringen und an der Lösung der Missstände arbeiten, von denen sie möglicherweise annehmen gar nicht betroffen zu sein: “Zeit für einen Diskurs – überall”

Bald: Mit ein paar Freundinnen überlegen wir eine Reihe mit Tipps für das Vermitteln und das Kennenzulernen veröffentlichen. Ich fände es einen spannenden Versuch. Wer Weisheiten mitzuteilen hat, darf sich gerne melden.

Irgendwann: In einem weiteren Text würde ich mich gerne den bi-nationalen Ehen innerhalb der muslimischen Community widmen, so wie den Problemen, denen KonvertitInnen ausgesetzt sind. Aber zunächst sollten wir diesen hier verdauen. Gibt es andere Probleme, von denen ihr meint, dass sie ange- und besprochen werden müssten? Auch wenn ich meistens aus Zeitmangel nicht schaffe auf alle Kommentare zu antworten: Lesen tue ich sie alle.

 

21 Comments DER MUSLIMISCH-AKADEMISCHE HEIRATSMARKT (TEIL 2)

  1. mary

    Es ist nicht das erste Mal, dass einer deiner Texte mich berührt und doch war dieser sehr besonders. Einige Freundinnen und ich haben seit zwei Jahren, ungefähr seit Beginn unseres Studiums exakt die gleichen Dinge beobachtet. Und JA, wir fragen uns gerne Mal, wie soll das funktionieren, wenn wir studiert haben und es sich nunmal nicht ergibt, dass wir jemenden kennelernen, der ebenfalls studiert und ähnliche Weltanschauungen hat? Wir fragen uns, was ist, wenn derjenige weniger gebildet wäre, dann würde das früher oder später ein Problem werden, nicht wahr, Männer mögen diese Situation ja (angeblich) nicht. Und nach dem Gespräch sagen wir uns, es schickt sich doch nicht, dass wir so darüber sprechen, ja, selbst unsere Eltern denken da liberaler. Und es ist genau die Situation mit den Veranstaltungen, die du beschrieben hast. Im Grunde ist es offensichtlich, dass dort eine Art ‘Markt’ herrscht mit Angebot und Nachfrage, aber man steht sich häufig selbst im Weg, indem man sich sagt, sieh die Menschen nicht so an, das gehört sich nicht, sprich nicht zu ausfühlich, sei so und sei so und natürlich folgendes Totschlagargument – Diese ganzen Mädchen hier sind so schön und so toll, weshalb sollte ausgerechnet mich jemand mögen. Und glaube mir, so denken sehr viele, zu viele!
    Und es gibt ein weiteres Problem, das – so ist mein Eindruck – in den vergangenen Jahren akuter geworden ist. Ich selbst frage mich sogar zuerst, welcher Gruppierung gehört der jetzt an?? Gefühlt gehört nämlich mind. jeder zweite oder dritte dieser religiösen jungen Männer(auch Frauen) irgendeinem Kreis von Menschen an, zu dem ich dann Angst hätte auch gehören zu müssen. Eine große Gruppe unter den Türken- ‘hizmet’, dann ‘süleymanci’, einige Sufi-Zirkel, kemalisten, usw. Bei den Arabern passiert es zB auch, dass zumindest die Familie eine bestimmte politische Richtung verfolgt. Ich habe mich selbst bewusst gegen solche Art von Gruppierung entschieden und möchte nicht eine Ehe eingehen, in der immer die Gruppe des Ehemannes zwischen uns steht. Man hört es doch schon wie er einen im zweiten Gespräch rekrutieren will, das wiederum macht mich noch trauriger, denn dann kommt die ‘Heiratslethargie’ auf, ich denke mir, ich selbst habe keine Ansprüche an Nationalität, Reichtum, usw, aber es liegt nicht in meiner Hand die Menschen von ihren Gruppen abzuhalten, gibt es denn wirklich keine ‘Normalität’, keiner, der Trinken nicht geht, aber gleichzeitig auch nicht gleich als Salafist durchgeht. In den jeweiligen Gruppen wiederum läuft die Vermittlung natürlich teilweise ‘super’, die cemaat Bewegung lässt da wenig Spielraum, die arrangieren für jedes Mitglied jemanden, aber das kann ja nicht der Sinn sein.

    Ich wünschte, dass jemand da rausgeht und sagt, Leute, wir sind alle Muslime, weshalb müsst ihr das noch weiter aufspalten, warum kann es nicht reichen zu Glauben und zu praktizieren, wozu diese menschengemachten Barrieren?

    Reply
    1. tagme

      “Ich wünschte, dass jemand da rausgeht und sagt, Leute, wir sind alle Muslime, weshalb müsst ihr das noch weiter aufspalten, warum kann es nicht reichen zu Glauben und zu praktizieren, wozu diese menschengemachten Barrieren?”

      So einfach ist das nicht und wird es niemals (?) sein. Es gibt nun mal unzählige Gruppen mit unterschiedlichen, ja sogar manchmal, gegensätzlichen gesellschaftlichen und/oder politischen Weltanschauungen, die sich nie liebhaben werden. Mit diesem unschönen Gedanken sollte man sich erst einmal anfreunden. Und das Gedankengut jeder Person in diesen Gruppen ist von diesen geprägt. Auch muss man gar nicht erst einer Gruppe zugehörig sein, es reichen auch einfach die Kreise in denen man verkehrt oder mit denen man sympathisiert. Man kennt es selbst aus seinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis: Es gibt bestimmte Gründe warum man mit bestimmten Personen – seien sie ruhig genauso praktizierend und gebildet wie selbst einer – nicht verkehrt und nicht verkehren möchte. Die verzweifelten Hilferufe, wir wären doch eine Ummah gehören für mich in einer utopischen Welt, aber definitv nicht in dieser.
      Unabhängig davon, reicht es erst recht einfach zu glauben wir wären alle Muslime und müssten uns jetzt aufgrund dessen lieb gewinnen. Es kommt vielmehr auf die Persönlichkeit jedes Menschen an und ob diese mit der anderen Person kompatibel ist! Das ist die größte Schwierigkeit, wenn man bedenkt, dass selbst jede/r praktizierende/r Muslim/a eine individuelle und einzigartige Persönlichkeit ist, die es unter den 7 Mrd. nicht aufzufinden sein wird. So naiv dürfen wir nicht sein, und sollten uns nichts vormachen. Ich selbst könnte nach einem Smalltalk mit dem anderen Geschlecht während der Mittagspause eines islamischen Seminars glatt die Hälfte des anderen Geschlechts ausschließen, auch wenn ich mich ganz grob betrachtet nicht wesentlich von ihnen unterscheiden würde und sogar noch dieselben Interessen wie islamische Hochschulgruppe o.ä habe.

      Reply
      1. mary

        Es ist ganz tragisch und komisch zugleich, dass ich mich unheimlich missverstanden von dir fühle. Ich nehme mal intuitiv an du bist ein Mann und ja, ich stimme dir zu. Ich selbst schließe nicht nur die Hälfte aus bei den Veranstaltungen sondern mind. 90 Prozent.
        Auf die ‘Utopie’ einer super harmonischen Ummah, in der sich alle lieb haben, wollte ich keinesfalls hinaus! So naiv bin ich nun auch nicht. Und genau weil es mir um die Persönlichkeit und den Charakter, das Wesen geht, schmerzt es mich zu sehen, dass Menschen ‘verloren’ werden an diese Gruppen, obwohl ich genau weiß, dass dieser oder jene jemand wäre, mit dem ich mich mehr als einmal unterhalten möchte. Aber es geht nicht. Und das Hindernis ist eben nicht eine andere Religion, sondern eine Gruppe in der Religion, die wir uns teilen. Ehrlich, ich bin die letzte, die sich vormacht, dass das von heute auf morgen anders sein wird, aber ich wünsche mir, dass diese Menschen durch eine Diskussionsanregung sich selbst befragen, was ist mir wichtiger – die Person, mit der ich mir mehr vorstellen könnte als den Smalltalk oder eine Gruppe, die mich ohnehin vermitteln wird. Im Grunde leben nämlich viele – und glaub mir, ich kenne genug, um das zu behaupten – in der Traumwolke, von der du sprichst, dass nämlich das gemeinsame Interesse, diese eine Gemeinschaft, sichere Basis genug sei für eine Heirat! Genauso wie es Menschen gab oder gibt, die denken, dass eine Heirat mit jemanden aus ihrer Heimatstadt das optimalste überhaupt wäre, als ob das ein Grund wäre jemanden mehr oder anders zu lieben..
        Wäre es denn nicht schön, wenn sie das endlich beginnen würden zu hinterfragen?
        Etwas Idealismus erlaube ich mir dann also doch :)

        Was ich dir noch gern sagen würde – 7 Milliarden hin oder her. So einzigartig jeder ist, es ist ja nicht so, dass man ‘DEN EINEN’ trifft. So kam das jetzt bei mir an. Das wiederum halte ich nämlich für unlogisch. Ich denke, dass es immer mehrere Alternativen im Leben gibt. Würde man in diesem Augenblick weit weg reisen, wäre es ja nicht unmöglich dort einen Match zu ‘treffen’. Bleibt man aber hier, ist es vielleicht jemand von hier oder jemand, der auf der Durchreise ist, den man sonst quasi ‘verpasst’ hätte..

        Reply
    2. nur

      As salam o aleikum liebe MARY,

      ich kann dir nur 100%ig zustimmen. Danke, dass du das in Worte fasst, was in so vielen (nicht nur weibl.) Köpfen wandert. V.a. dieser Satz trifft den Nagel auf den Kopf: “ich selbst habe keine Ansprüche an Nationalität, Reichtum, usw, aber es liegt nicht in meiner Hand die Menschen von ihren Gruppen abzuhalten, gibt es denn wirklich keine ‘Normalität’, keiner, der Trinken nicht geht, aber gleichzeitig auch nicht gleich als Salafist durchgeht. ” – Genauso geht es vielen von uns. Und ja, die Frage ist: Wo sind die Normalen?

      Möge Allah (t) Dir den richtigen Partner für’s Leben geben und all denen, die in der selben Lage sind.

      Wa salam

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  2. Yasemin

    Liebe Kübra ich habe beide Teile sehe gerne gelesen! Vielen Dank!

    “Gleich und gleich gesellt sich gern.” oder doch etwa “Gegensätze ziehen sich an.” ? :)
    Klar ist es immer individuell unterschiedlich, aber meine persönliche Meinung ist, dass es für ein gesundes Zusammenleben, also um gemeinsam in die gleiche Richtung blicken zu können, wie du es sagst, eine gewisse Ähnlichkeit/Gleichheit der Ehepartner Voraussetzung ist. Notwendig, aber nicht hinreichend.

    Es freut mich hören, dass ich nicht die einzige mit diesem Problem bin (nicht dass es mich freuen würde, dass andere Probleme haben, aber es tut gut zu erfahren, dass man nicht alleine dasteht). Das lässt mich weg von internal (es liegt an mir, dass ich niemanden finden kann) zu external (es liegt an der vorherrschenden Situation) attribuieren, was definitiv besser für mein psychisches Wohlbefinden ist. :)

    Ich denke, dass die Kriterien, die muslimische Akademikerinnen bei einem zukünftigen Ehemann suchen, mehrheitlich die gleichen sind: 1. Religiosität 2. Ausbildung/Akademiker 3. Gleiche politische Ansichten teilen.
    Es hört sich nicht nach viel an, aber komischerweise scheint es unmöglich zu sein ein perfect-match zu finden. Genau diese Schwierigkeit, die erwähnten drei Kriterien in ein und derselben Person zu finden (vorausgesetzt er hat keine multiple Persönlichkeitsstörung), lässt viele in Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit versinken. Man fängt an an seinen Kriterien zu zweifeln “Habe ich zu hohe Ansprüche?”, “Soll ich meine Kriterien reduzieren, herunterschrauben?”, “Bin ich zu idealistisch?”, “Sind meine Kriterien berechtigt?”, “Gözüm cok mu yükseklerde?” usw. Fragen wie “Soll ich an meinen Kriterien festhalten oder mich mit weniger ‘begnügen’?” tauchen auf.

    Eine meiner immer wiederkehrenden Fragen ist, ob es wirklich wichtig ist, dass mein zukünftiger Ehemann auch Akademiker ist. Ist der Gedanke ‘der höhere Status der Frau kratzt am Ego des Mannes’ nicht eher veraltet? Ein Klischee? oder doch evolutionär, fortbestehend, Tatsache? Mich würden Erfahrungsberichte darüber wirklich sehr interessieren.

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  3. Mohamed

    Wenn wir die Fesseln der Klischees rund ums heiraten in unseren muslimischen Communities nicht sprengen, werden die jungen Muslime nach uns dieselben Probleme haben, noch mehr Probleme haben oder jemand anderes holt sich den Lohn. Ein Muslim sollte eine Erleichterung für seine Um- und Nachwelt sein.
    Vielen Dank für den motivierenden Artikel.

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  4. Pingback: “ZEIT FÜR EINEN DISKURS – ÜBERALL” | ein fremdwörterbuch

  5. Abdullah

    Liebe Kübra, vielen Dank für den tollen Beitrag.

    In meiner Umgebung, insbesondere bei vielen nichtmuslimischen Kolleginnen ist die früher ungewöhnliche Konstallation
    - Akademikerin heiratet Nicht-Akademiker – nicht selten. Und das schöne ist, es funktioniert obwohl es oft Schwierigkeiten gibt. Nicht von Seiten der Frauen, mehr von den Männern die sich zwischen dem gesellschaftlichen Anspruch und der Realität ihrer Beziehung zurecht finden müssen.

    Meine Frau und ich haben als junge Studenten geheiratet und hatten wirklich schwere Zeiten durchgemacht. Heute, wenn ich zurück denke bin ich sehr froh, dass wir dieses Abenteuer eingegangen sind. Keiner wusste wohin die Reise geht und ich weiß, dass meine Frau sich für mich als Mensch entschied und nicht auf meinen akademischen Titel oder Vermögen schielte.

    Ein Tipp noch für die Damen älteren Semesters: Liebe kennt keine Grenzen, ein nicht Akademiker oder “armer Schlucker” kann noch was werden. Wer schwierige Zeiten gemeinsam meistert den können die Tücken des Lebens oder spätere schweren Zeiten nicht mehr erschüttern und aus meiner Erfahrung kann ich versichern, es kommen immer schwere Zeiten!

    Zuletzt noch die gute Nachricht, nach den stets sich wiederholenden schweren Zeiten folgen immer gute Zeiten und in Erinnerung behalten wir oft die guten Zeiten.

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  6. rsd

    Erst mal Danke für den Artikel und auch für den von Herrn Gümüsay. Dann brauche ich noch euren Rat. Bin Student und naja es ist ja kein Geheimnis, dass Studenten nicht so viel Geld haben. Ist ja auch nicht schlimm, habe selbst kein Problem damit, aber selbst meine Eltern sagen z.B. “Mach erst mal Uni”. Mache den Bachelor und wollte fragen, ob ihr mir raten würdet, eine Schwester anzusprechen, die ihren Bachelor schon hat? Und allgemein auch wegen dem Studentenstatus? Ich selbst denke, es könnte klappen, in dieser Situation zu heiraten, der Kommentar von Abdullah stützt diese Behauptung ja auch. Was denken die Schwestern bezüglich des Studentenstatusses? Das würde mich echt mal allgemein interessieren. Also wenn jetzt einer anfragt der noch studiert, wie kommt das bei euch an? Danke für eventuelle Feedbacks im Voraus.

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    1. mefendi

      Junge, sprich sie an! Du musst ja nicht gleich morgen die Traumhochzeit organisieren! Wenn du dich verguckt hast, dann setze sie von deinen Gefühlen in Kenntnis. Mehr als eine Abfuhr wirst du nicht bekommen. Die tut vielleicht 7 Tage weh. Wenn du sie hingegen nicht ansprichst, kannst du dir das noch lange vorwerfen. Zu dem Punkt “Mach erstmal Uni” möchte ich nur anmerken, dass die Gefahr besteht dich laufend zu vergucken. Also wenn du dich schon verguckt hast, wieso dann warten? Du wirst nicht jünger und der George Clooney Effekt tritt erst ab 50 ein.. just do it! ;)

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  8. M. Ali

    Zu der arrangierten Ehe, mas sollte hier auchmal den historischen Kontext betrachten.
    Alle Männer ab der pubartät, im Machtbereich dês frühen osmanischen Reichs konnten zum kriegsdienst rekrutiert werden. Die Vorgehensweise hierbei wurde teils von den byzantienern übernommen. Die osmanischen Beamten kamen zB. In ein griechisches Dorf, welches jüngst erobert wurde und gingen dort in dei Kirche, um das Taufbuch und das ehebuch der gemeinde zu inspizieren, von den getauften im alter der pubartät doer alter und unverheiratet wurden eingezogen, später wurden auch muslime als janitscharen zugelassen und diese praxis auch auf muslime angewand. Só kam és meines erachtens dazu das alle im osmanischen Machtbereich fruhestmoglich heiraten wollten um dem. kriegsdienst zu entgehen. Also damals eine sinnvolle tradition. Heute nicht. Bg

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  9. Quango29

    Salut.

    Ich fand die Schilderungen sehr inspirierend und vollkommen zutreffend. Ich bin selbst protestantischer Christ, männlich und bin mit vielen Muslimen befreundet. Oft stelle ich fest, wie stark sich doch unsere gegenwärtigen Unsicherheiten, Sorgen und Verwirrtheiten ähneln. Und weil dies so ist, wäre es doch sinnvoller, mehr über die religiösen Grenzen hinweg miteinander das Debattieren zu pflegen, oder, um es mit Byung-Chul Han (Müdigkeitsgesellschaft) zu sagen, “zusammen müde” zu sein. Das Problem nämlich, dass viele Frauen an einem archaischen Männerbild leiden (et vice versa) und Männer, wenn sie diesem Bild nicht entsprechen, bei Frauen oft als “softies/nerds” durchgehen, ist quasi ein interreligiöses Phänomen. Ich lebe in Baden-Württemberg und erlebe leider, wie viele Frauen egal welcher Religion oder Bildungsschicht ab einem gewissen Alter es aufgeben, sich geistig weiter zu entwickeln und sich dem vertrauten alten “Hausfrauen-Modell” unterwerfen. Für mich ist aber solch eine Frau uninteressant. Mir ist egal, ob sie mehr verdient als ich, ob sie einen anderen (abrahamitischen) Glauben hat oder eben “kompliziert” ist (was ja heute leider oft negativ zu sein scheint)… solange ich mit ihr eine Beziehung auf Augenhöhe führen kann.Wie viele Menschen reden so großartig von Emanzipation, machen sich zugleich aber dermaßen abhängig, verlieren sich selbst in allerhand unnötigen (Rollen)Zwängen. Sich wirklich füreinander zu interessieren, sich einzulassen auf sein Gegenüber, wird immer seltener in Zeiten hyperrationalistischer Partnerwahlmaschinen, weil man ja auf effizientem Wege das absolut richtige Gegenüber will. Dabei zeigt doch das Versteckspiel hinter dem Onlineprofil oftmals nur eines: Selbstverleugnung, weil man nicht dem entspricht, der man sein soll. Selbst nicht weiß, woraus man besteht. Sich selbst nicht akzeptiert, sondern meint, sich Anerkennung nur durch harte Arbeit verdienen zu können, weil man ja, bei Lichte betrachtet, sich als wertlos empfindet. Auch das ein interreligiöses Phänomen. Dabei steht ja in Koran/Bibel sehr viel von der Nächstenliebe, die aus der Liebe zu sich selbst erwächst.

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  10. Sevdalinka

    Liebste Kübra abla,
    Ich habe Deinen ersten Text schon seeeehr gerne und mit großem Interesse gelesen und habe sehr oft in alltäglichen Situationen an Deine wahren Worte denken müssen.. Und auch dieser Text ist Dir, wie immer, super gut gelungen! Nun, ich würde es seeeehr interessant finden, wenn Du einen Text über die Rolle der Schwiegereltern (insb. der Mütter der Männer) schreiben würdest.. Leider passiert es in letzter Zeit sehr oft, dass sich die Wege jünger Paare scheiden und oft sind nicht die (zamane gençler) Paare Schuld, sondern die Eltern des Bräutigams. Bei uns Türken ist es leider Gottes so, dass Mütter ihre Söhne sehr verwöhnen und ich höre von diesen Freundinnen, dass ihnen vorgeworfen wurde, dass sie keine guten Frauen wären, da sie dem Ehemann nicht genug dienen würden (zB nicht um 5:00 aufstehen, um dem Ehemann “poğaça” zu backen).. Auch sind es diese Mütter, die ihren Söhnen einreden (im Beisein der Braut) “sana kiz mi yok, boşver boşa” und keinen einzigen Schritt setzen um die Ehe zu retten, da anscheinend alle Frauen ihren Söhnen zu Füßen liegen würden.
    Und ich rede hier nicht von Einzelfällen.. Also ein Text über diese extreme Mutter-Sohn Beziehung, verwöhnte Söhne, die Erwartung der Schwiegereltern, dass die gebildete, in Europa aufgewachsene Braut, dem (komischerweise ebenfalls in Europa aufgewachsenem) Mann zu dienen und zu gehorchen hat (natürlich sollen sie sich gegenseitig unterstützen und einander aushelfen, aber ich rede hier von “gelinlik yapmak” (glaube ich, ist der richtige Ausdruck im Türkischen.)) bAf vieeel Erfolg auf deinem weiteren Weg, du rockst :) (und bitte, bitte, bitte komm nach österreich :D)

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    1. nur

      liebe Sevvdalinka,

      ich verstehe zwar die vielen türkischen Einschübe nicht ;)), das beschriebene Problem kommt mir jedoch auch aus anderen Kulturkreisen seeehr bekannt vor. Und ja, da hast du vollkommen recht: es strapaziert die Ehe wirklich extrem, meistens ist es nur noch die Vernunft der Frau, die sie aufrecht erhält!

      Traurig, festzustellen, dass auch dieser Missstand ein umsichgreifendes Phänomen zu sein scheint :(

      wa salam

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  11. Pingback: Wo sind die Muslimischen Männer? | Dhikrcave

  12. me

    Ein wertvoller, wunderbarer treffender Beitrag von NAK, er hat die Probleme erkannt und spricht uns glaub ich allen 1:1 aus dem Herzen:

    http://www.youtube.com/watch?v=UY6YIEScVWw

    Nouman Ali Khan:”The Jahilyya of Matrimonials or Light skinned Muslima seeking Muslim Doktor”

    Für alle, die Lösungen suchen. VERY VERY GOOD !!!!!!!!!!!!!!!!

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  13. Tunesier-Türke

    Es gibt ein weiteres Aspekt was besprochen werden muss. In einer islamischen Gesellschaft gibt es klare Strukturen, die in der westlichen Gesellschaft verloren gegangen sind. Ich rede von Verwandschaftsbundpflege, Nachbarschaftspflege, Gemeinschaftsgebete in der Moschee, Krankheitsbesuche… All diese “rituale” schaffen in sich eine solide, offizielle und würdevolle (für Mann und Frau) Möglichkeit einen Ehepartner zu finden da man sich nicht unbedingt auf die Prahlerei des Heiratskandidat(In) stüzen würde. Wenn diese Strukturen wirklich gesund aufgebaut wären dann wird die Anzahl der Enttäuschten schrumpfen und die Heiratsschwindler genauso wie die Beulpest ausgerottet gehören.
    Leider verlässt man sich als Akademiker zu sehr auf sich und denkt man könne alleine alles beurteilen aufgrund des erreichten Status. Schließlich was hat Tante Frida (Farida) zu melden wenn sie in einer anderen Welt gelebt hat? Das muss nicht unbedingt stimmen. Die Beziehungen damals haben länger gehalten.
    Lange Rede kurzer Sinn. Um an eine Umfassende Beschreibung des Heiratskandidaten zu kommen ist sein langjähriger und naher Umfeld unverzichtbar.
    Die Muslime sind selbst schuld wenn im Heiratsmarkt schwierig geworden ist. Sie haben auf ein wichtiges Bestandteil ihrer Religion verzichtet, was eine Heiratsvermittulung leichter und zuverlässiger ermöglicht.
    Ich finde all die Lösungen, die angesprochen wurden nur ein Zusammenflicken von Krankheitssymptome anstatt die wahren Grunde auf den Grund zu gehen. Je mehr man wartet desto schwieriger bis unmöglich wird die Therapie. Es ist kein Scherz. Es ist ein Krebs was unsere Gesellschaft zerfrisst und sich rasant verbreitet.
    Dieser Artikel ermutigt nur die Flucht nach Vorne zu ergreifen, indem man sich als Opfer sieht, statt sich selbst in Frage zu stellen.
    Wer will wirklich umsteueren? Oder wollen wir weiter die ganze Zeit den Zugführer wechseln und in vollem Tempo mit dem Zug Richtung Abgrund fahren?

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    1. kübra gümüşay

      Ich finde deine Beschreibung blendet die Migrationsrealität vollkommen aus und geht von einem Idealzustand aus, den es in Deutschland so nie gab und auch in den Heimatländern vieler Migranten nur in komprimierter Form. Schließlich handelt es sich bei der muslimischen Community im Westen zu einem Großteil um Einwandererfamilien (häufig auch nur eingewanderte Kernfamilien bis hin zu Einzelpersonen), die nicht die Möglichkeiten für ein ausgereiftes soziales Netzwerk besitzen wie von dir beschrieben. Sie kommen an in einer individualistischen Gesellschaft und versuchen innerhalb derer ihren eigenen Weg zu finden. Deshalb finde ich “sie haben auf ein wichtiges Bestandteil ihrer Religion verzichtet” eine unpassende Beurteilung.

      Ich stimme aber insofern überein, dass Werte wie Nachbarschaftspflege, Krankheitsbesuche etc. gepflegt und belebt werden sollten. Das wäre eine der langfristigeren Lösung, deren Früchte wir in 10-20 Jahren tragen können iA. Aber keine kurzfristige leider, die den Geschwistern, die jetzt suchen, wirklich von Hilfe sein kann. Deshalb brauchen wir auch Lösungen, die mit der aktuellen Situationen arbeiten.

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