BLAU ÄUGIG (1996) // RASSISMUS, DEN WIR NICHT SEHEN KÖNNEN

maxresdefault1968. Martin Luther King wurde ermordet. “Als unser Führer (John F. Kennedy) vor einigen Jahren ermordet wurde, hat uns seine Witwe zusammengehalten und vereint. Wer wird eure Leute kontrollieren?”, fragt ein weißer Reporter im Fernsehen. Eine junge Lehrerin in Riceville, Iowa wird Zeuge dieser Szene und ist verwirrt. Ist John F. Kennedy nicht auch Präsident der Schwarzen gewesen? Und sollte uns Weiße Martin Luther Kings Ermordung nicht auch entsetzen? So fängt die Geschichte von der Anti-Rassismus-Aktivistin (& Feministin) Jane Elliott an, deren Erkenntnisse noch heute von höchster Relevanz sind.

Schon vor Kings Tod hatte sich Elliott lange mit Rassismus beschäftigt, recherchiert, Bücher über die NS-Zeit gelesen, als sie schließlich beschloss mit ihrer Schulklasse ein Experiment durchzuführen. Sie fragte ihre Schüler, ob sie herausfinden wollten, wie es ist ein schwarzes Kind zu sein. Die Kinder bejahten.

An diesem Tag behandelte sie alle ihre blau-äugigen Schüler wie Weiße, privilegiert und überlegen gegenüber den nicht-blau-äugigen Schülern, die sie so behandelte wie schwarze Kinder in den USA behandelt wurden, so als seien sie weniger intelligent, weniger fleißig und fähig. Schon bald übernahmen die Kinder diesen Umgang, die “Überlegeneren” verhielten sich arrogant und überheblich gegenüber ihren Klassenkameraden. Ihre Leistungen verbesserten sich, sie wurden selbstbewusster. Auch die “Unterlegeneren” veränderten sich; selbst jene, die vorher dominant und durch ihre guten Leistungen hervorstachen, nahmen sich zurück, ihre Leistungen wurden schlechter.

Seit jeher setzt Elliott diese Experimente fort. In der Dokumentation “Blue Eyed” wird man Zeuge dieses Experiments bei Erwachsenen. Erwachsene, die in Tränen ausbrechen, weil sie für wenige Stunden lediglich im Rahmen eines Experiments wie Schwarze behandelt werden.

Selten habe ich eine eindrucksvollere Demonstration des Rassismus erlebt. Danke. “Blue Eyed” ist eine Dokumentation, die jeder einmal gesehen haben muss.

Disclaimer: Diesen Text schrieb ich vor drei Jahren, am 21. Mai 2010. Irgendwie vergrub sich dieser Beitrag unter den knapp 80 unveröffentlichten Beiträgen, die sich so bei mir herumtummeln. Als wir heute im Google-Hangout mit Tilo Jung über Rassismus sprachen, ich diese Dokumentation erwähnte und auf Twitter noch einmal nachgefragt wurde, dachte ich mir: It’s time now!

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