DIE DEUTSCH-MUSLIMISCHE BLOGOSPHÄRE

Blogkarneval

Unser Logo für den Deutsch-Muslimischen Blogkarneval. Der liegt derzeit zwar noch brach, aber wer weiß, was an diesem Wochenende so passiert?

Es ist mittlerweile Ewigkeiten her, dass wir den letzten deutsch-muslimischen Blog-Karneval (Muslimkarneval.de) veranstalteten, der damals von TooMuchCookies initiiert, gegründet und lange Zeit betrieben wurde. Mit einer losen Gruppe Blogger (und dem Zahnräder Netzwerk) haben wir das Projekt zwar auf’m Schirm, nur leider nicht auf der aktuellen To-Do-Liste. Am Freitag wird es nun ein Fachgespräch geben, zu dem zahlreiche deutsch-muslimische Blogger eingeladen sind. Anlass für mich, den Blogger-Topf mal wieder vorsichtig zu öffnen.

Auf der Re:Publica 2011 sprach ich zusammen mit Sebastian Mraczny und Urmila Goel, moderiert von Verena Reygers, auf dem Panel “Guck mal wer da spricht – Wieviel Pluralismus kann die deutsche Blogosphäre?” über den Pluralismus in der deutschen Blogosphäre, insbesondere die muslimische Blogosphäre, die zum Teil als alternative Öffentlichkeit entstand und in vielen Punkten ein Gegengewicht zu den islamophoben Tendenzen in der allgemeinen Öffentlichkeit wurde. Stine Eckert machte dann Nägel mit Köpfen und forschte gleich dazu: “Muslim Bloggers in Germany: An Emerging Counterpublic?” Auf der Re:Publica 2013 stellte sie ihre sehr interessante und spannende Forschungsarbeit (auf Deutsch) vor. Wer die Arbeit nicht lesen kann, dem empfehle ich unbedingt zumindest ihren wirklich sehr sehenswerten und informativen Vortrag anzuschauen.

Seitdem (2011/2012) hat sich die muslimische Blogsphäre gewandelt, sie ist gewachsen. Es sind neue Themen hinzugekommen, unter anderem muslimische Modeblogs. Die Gut-Betucht-Autorin hat bereits eine kleine Liste mit deutsch-muslimsichen Mode-Bloggern erstellt (siehe unten). Allerdings drängt sich hier die Frage der Kanäle auf: Eine der aufgelisteten Modebloggerinnen betreibt statt eines Blogs ein Facebook-Account. Würde man nun Facebook in die Suche einbeziehen, würde man auf sehr viel mehr muslimische Seiten stoßen. Beispielsweise erfreuten sich muslimische Fb-Seiten in der Kategorie Fotografie & Lifestyle in den vergangenen 2 Jahren besonders großer Beliebtheit in Deutschland. Prominentestes Beispiel hierfür ist vermutlich Emine von Butterfly Photography. Als weiterer Kanal kommt Instagram hinzu, auch dort sind spannende muslimische Mode-, Fotografie-, Einrichtungs-, Design- und Lifestyle-Szenen entstanden.

Ein anderer Topf: YouTuber! Younes Al-Amayra, Gründer von I,Slam (muslimische Poetry Slams), sucht nach muslimischen YouTubern. Auch hierfür: Empfehlungen? Tipps? Ich fänd’s sehr spannend, auch hier einen groben Überblick über die Szene zu schaffen!

Zurück zur deutsch-muslimischen Blogosphäre: Einige der Blogs, die ich mir in den vergangenen Jahren notiert habe, findet ihr hier. Welche anderen Blogs gibt es noch? Wen habe ich vergessen (sorry for that!)? Habt ihr selber eines? Dann postet es doch bitte in den Kommentaren, ich werde die Liste regelmäßig aktualisieren.

Deutsch-Muslimische Blogs (aktualisierte Version 29. Oktober 2014)

Blogs

Modeblogs

YouTuber

BLAU ÄUGIG (1996) // RASSISMUS, DEN WIR NICHT SEHEN KÖNNEN

maxresdefault1968. Martin Luther King wurde ermordet. “Als unser Führer (John F. Kennedy) vor einigen Jahren ermordet wurde, hat uns seine Witwe zusammengehalten und vereint. Wer wird eure Leute kontrollieren?”, fragt ein weißer Reporter im Fernsehen. Eine junge Lehrerin in Riceville, Iowa wird Zeuge dieser Szene und ist verwirrt. Ist John F. Kennedy nicht auch Präsident der Schwarzen gewesen? Und sollte uns Weiße Martin Luther Kings Ermordung nicht auch entsetzen? So fängt die Geschichte von der Anti-Rassismus-Aktivistin (& Feministin) Jane Elliott an, deren Erkenntnisse noch heute von höchster Relevanz sind.

Schon vor Kings Tod hatte sich Elliott lange mit Rassismus beschäftigt, recherchiert, Bücher über die NS-Zeit gelesen, als sie schließlich beschloss mit ihrer Schulklasse ein Experiment durchzuführen. Sie fragte ihre Schüler, ob sie herausfinden wollten, wie es ist ein schwarzes Kind zu sein. Die Kinder bejahten.

An diesem Tag behandelte sie alle ihre blau-äugigen Schüler wie Weiße, privilegiert und überlegen gegenüber den nicht-blau-äugigen Schülern, die sie so behandelte wie schwarze Kinder in den USA behandelt wurden, so als seien sie weniger intelligent, weniger fleißig und fähig. Schon bald übernahmen die Kinder diesen Umgang, die “Überlegeneren” verhielten sich arrogant und überheblich gegenüber ihren Klassenkameraden. Ihre Leistungen verbesserten sich, sie wurden selbstbewusster. Auch die “Unterlegeneren” veränderten sich; selbst jene, die vorher dominant und durch ihre guten Leistungen hervorstachen, nahmen sich zurück, ihre Leistungen wurden schlechter.

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#SCHAUHIN – WARUM?

Bildschirmfoto 2014-02-23 um 19.37.25“Ein Freund hört mit seinem Polizisten-Job auf wegen des Alltagsrassismus”, schreibt mir gerade Tamim Swaid, ein guter Familienfreund, während ich an diesem Text hier sitze. “Stell dir vor”, fährt er fort, “8 Jahre Ausbildung und Beamtenstatus.” “Oh krass…”, antworte ich. Dann schreibt er: “SchauHin ist sehr gut.”

#SchauHin ist eigentlich nichts Neues. Schon seit etlichen Jahren bloggen und twittern Menschen in Deutschland online zu den Themen Rassismus im Beruf, in der Schule, in den Medien – im Alltag halt. Denn Rassismus ist nicht etwas, auf das wir entspannt mit weit ausgestrecktem Finger in der weiten, weiten Ferne zeigen können. Etwas, das irgendwo am rechten Rand der Gesellschaft geschieht, wo die Glatzen glänzen und die Springerstiefel stampfen. Nein. Rassismus ist hier. Mitten unter uns. Jeden Tag. Überall. Continue reading