ÜBER DEN BEGRIFF “HAUSTÜRKEN”

Mit “Die imaginären Haustürken” hat Anatol Stefanowitsch einen klugen und kritischen Kommentar zu meiner letzten Kolumne in der Taz “Die deutschen Haustürken” geschrieben. Deshalb möchte hier auf meinem Blog darauf eingehen. In seinem Kommentar kritisiert er die Verwendung des Begriffs “Haustürken.”

Seine erste Kritik bezieht sich auf den historischen Zusammenhang. Nachdem er den Zusammenhang und die Berechtigung der Nutzung dieses Begriffs durch Malcolm X erklärt, fährt Stefanowitsch wie folgt fort:

Tatsächlich aber dürften wenigstens Zweifel an der Existenz einer großen Zahl von „Onkel Toms“ angebracht sein. (Quelle: “Die imaginären Haustürken”)

Ich denke nicht, dass die Zahl der “Onkel Toms” in diesem Zusammenhang von Bedeutung ist, da es sich um eine Typologisierung einer Mentalität handelt.

Auch Haussklaven waren Sklaven, die ausgebeutet und missbraucht und ohne Rücksicht auf Familienbeziehungen ge- und verkauft wurden. Die Idee, dass sie das nicht durchschaut und sich stattdessen in großer Zahl mit ihren Peinigern solidarisiert haben, dürfte eher (weißen) medialen Darstellungen als der Wirklichkeit entspringen. Zumindest verbietet es sich, die Narrative unreflektiert zu übernehmen und auf andere Zusammenhänge anzuwenden, wie Gümüsay das tut. Spätestens mit dieser Übertragung akzeptiert man den Wahrheitsgehalt, und damit die rassistische Perspektive, dieser Narrative. (Quelle: “Die imaginären Haustürken”)

So habe ich Malcolm X nicht verstanden. So wie ich ihn verstehe, meint er mit der Verwendung des Begriffs “Haussklave” nicht, dass alle Sklaven, die im Haus lebten, diesem Typus zuzuordnen sind. Stattdessen erklärt er, dass der Typus Haussklave, namentlich die “Onkel Toms”, für gewöhnlich im Haus oder in der Nähe des Masters lebten und veranschaulicht deren Geisteshaltung. Zwar schreibt Stefanowitsch, dass Malcolm X dies als Allegorie zur Veranschaulichung verwende und dies berechtigt sei. Andererseits ist es aber auch genau diese Allegorie, auf die ich mich in meinem Text beziehe.

Hier die besagten Stellen aus Malcolm X’ Rede:

The house N**** usually lived close to his master. He dressed like his master. He wore his master’s second-hand clothes. He ate food that his master left on the table. (Quelle: Columbia CNMTL)

Die Quintessenz seiner Rede ist allerdings der Transfer in die Moderne, zu dem Haussklaven des 20. Jahrhunderts:

So now you have a twentieth-century-type of house N****. A twentieth-century Uncle Tom. He’s just as much an Uncle Tom today as Uncle Tom was 100 and 200 years ago. Only he’s a modern Uncle Tom. That Uncle Tom wore a handkerchief around his head. This Uncle Tom wears a top hat. He’s sharp. He dresses just like you do. He speaks the same phraseology, the same language. He tries to speak it better than you do. He speaks with the same accents, same diction. And when you say, “your army,” he says, “our army.” He hasn’t got anybody to defend him, but anytime you say “we” he says “we.” “Our president,” “our government,” “our Senate,” “our congressmen,” “our this and our that.” And he hasn’t even got a seat in that “our” even at the end of the line. So this is the twentieth-century N****. Whenever you say “you,” the personal pronoun in the singular or in the plural, he uses it right along with you. When you say you’re in trouble, he says, “Yes, we’re in trouble.” 

But there’s another kind of Black man on the scene. If you say you’re in trouble, he says, “Yes, you’re in trouble.” [Laughter] He doesn’t identify himself with your plight whatsoever. (Quelle: Columbia CNMTL)

Es geht also, so mein Verständnis, vielmehr um eine bestimmte Geisteshaltung und Mentalität. Und genau die ist es, (ich weiß, hier wiederhole ich mich) auf die ich mich in meinem Text beziehe.

Als zweites Problem führt Stefanowitsch folgenden Kritikpunkt an:

Das zweite Problem besteht darin, dass Gümüsay den von ihr (inhaltlich durchaus zu recht) kritisierten Necla Kelek und Akif Pirincci durch die Kategorisierung als „Haustürken“ nicht nur, wie vielleicht intendiert, die Legitimation abspricht, für die Türken (bzw. Deutsche mit türkischem Hintergrund) insgesamt zu sprechen, sondern die Legitimation abspricht, überhaupt als Türken (bzw. Deutsche mit türkischem Hintergrund) zu sprechen. Die Kategorisierung als „Haustürke“ suggeriert, dass Kelek, Pirincci und andere so stark mit den Machtstrukturen der deutschen Mehrheitsgesellschaft identfizieren, dass sie nicht mehr für sich, sondern für die Mehrheitsgesellschaft reden. (Quelle: “Die imaginären Haustürken”)

In meiner Kolumne spreche ich Pirincci oder Kelek weder die Legitimation ab für noch als ” Türken” zu sprechen (außerdem auch nicht Intellekt und Eigenständigkeit). Das kann ich nicht, ist aber auch nicht Thema des Textes. Zwar könnte die exakte, wort-getreue Übertragung der Allegorie “Haussklave” zu “Haustürke” tatsächlich bedeuten, dass sich Kelek und Pirincci mit (rassistischen) Machtstrukturen identifizieren und deshalb nicht als “Türken” (bzw. Deutsche mit türkischem Hintergrund) sprechen, aber:Abweichend von Malcolm X’ Allegorie mache ich in meiner Kolumne immer wieder deutlich, dass Pirincci und Kelek als “der/die Türke/in” sprechen und auch so wahrgenommen werden – insbesondere Kelek: Sie wechselt mal von der “Deutschen” zur “Bürgerin” zur “Türkin” und wenn ihr danach ist, dann auch zur “Muslimin”, um sich Wochen danach als “religionsfrei” zu bezeichnen. Insofern mache ich hier also eine Einschränkung in der Übertragung der Haussklaven-Allegorie.

Man könnte an dieser Stelle einhacken und boshaft nachfragen, ob ich finde, dass sie das künftig nicht mehr dürfen sollten? Sollen sich Pirincci und Kelek bezeichnen und identifizieren, wie ihnen lustig ist. Mich interessiert das nicht.

Mich interessiert eine ganz andere Sache: Ich kritisiere, dass diese Personen als Kronzeugen in der Öffentlickeit den Rassismus reproduzieren und die Rhetorik von Rassisten nicht nur annehmen, sondern in einer verschärften und teilweise hetzerisch-ketzerischen Form wiederverwenden (siehe die in der Kolumne zitierten Textstellen von Kelek und Pirincci) – und ihre Minderheiten-Rolle dient ihnen dabei quasi als Freischein.Ich möchte (aus der Kolumne) wiederholen: Auch Minderheiten können Rassismus reproduzieren. Gegenüber anderen Minderheiten und gegenüber ihrer eigenen.

Zuletzt schreibt Stefanowitsch:

Zielführender wäre es gewesen, zu zeigen, dass die deutsche Mehrheitsgesellschaft nur zu bereit ist, sich eben denjenigen Meinungen von Angehörigen einer Minderheit herauszusuchen, die gut zu ihrem Selbstbild passen und die es nicht erfordern, die eigene Rolle zu reflektieren oder gar zu verändern. (Quelle: “Die imaginären Haustürken”)

D’accord. Das ist – wie in der Kolumne geschrieben – ein Teil meiner Kritik (siehe die ersten beiden Absätze).

Das ist aber kaum Kelek und Pirincci anzulasten, sondern denjenigen, die deren Positionen unter Ausschluss von Fakten oder anderen Positionen politisch instrumentalisieren. (Quelle: “Die imaginären Haustürken”)

Das sehe ich anders. Denn wie ich schon zu Anfang schon meiner Kolumne schrieb: Das ist unsere Geldmaschine.

Beharre ich aber auf dem Begriff “Haustürken”? Nein. Für Alternativen, die dieses Phänomen oder diese Geisteshaltung besser beschreiben, bin ich offen. Patricia schrieb auf meiner Facebook-Seite: “Ich würde hier eher in Homi Bhabhas Sinne von Mimikry sprechen als von ‘Feld-” und “Haussklaven’.” Darüber werde ich nachdenken.

36 Comments ÜBER DEN BEGRIFF “HAUSTÜRKEN”

  1. Antje Schrupp

    Das ist eine interessante Kontroverse, die ich nochmal um einen weiteren Punkt ergänzen möchte: Ich meine, dass die polemische Beschreibung des “Onkel Tom” als “gütigen, zufriedenen Haussklaven” von MalcomX schon völlig falsch ist. Wenn man das Buch von Harriet Beecher Stowe liest, wird klar, dass Onkel Tom keineswegs “zufrieden” ist und auch nicht unkritisch gemeinsame Sache mit den Sklavenhaltern macht, sondern dass sein Problem ein anderes ist: Er sucht nach Möglichkeiten, wie man auch in der Lage eines Versklavten moralisch “gut” bleiben kann. Deshalb lehnt er Hass und Gewalt gegenüber den Sklavenhaltern ab (hier tatsächlich im Gegensatz zu Malcom X) und erträgt ihre Demütigungen, beendet aber die Kollaboration klar da, wo von ihm verlangt wird, gegenüber anderen Versklavten zum Handlanger der Sklavenhalter zu werden und nimmt die Nachteile davon in Kauf.

    Insofern ist die Figur des Onkel Tom aus dem Roman von Beecher Stowe tatsächlich eine interessante Folie zur Beurteilung von Kelek u.a.. Denn sie ziehen genau diese Grenze, die die Figur des Onkel Tom zieht, nicht.

    Noch eine andere Parallele ist mir eingefallen, und zwar die Haltung von Emma Goldman nach ihrer Rückkehr aus der Sowjetunion. Sie war eine scharfe Kritikerin des Bolschewismus, aber dennoch weigerte sie sich, zum Beispiel in rechten Zeitungen oder auf rechten Kongressen ihre antikommunistische Kritik vorzutragen – genau um zu verhindern, dass sie und ihre Kritik von den falschen Leuten vor ihren Karren gespannt werden.

    Das wäre meiner Ansicht nach auch der Punkt, an dem Kelek und Co. falsch liegen. Nicht dass sie sich kritisch mit der eigenen “Community” auseinandersetzen (so wie “Onkel Tom” Gewalt seitens der Versklavten kritisiert und wie Emma Goldman den UdSSR-Kommunismus kritisiert), sondern dass sie sich von den falschen Leuten vor den Karren spannen lassen, was genau Onkel Tom und Emma Goldman nämlich nicht getan haben.

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    1. Hakimakarima

      Ja, das war es auch, was mich an der Parallelsetzung mit dem “Onkel Tom” im Roman von Beecher-Stowe irritierte. Das Buch hatte ich als Kind gelesen und das ist lange her, aber ich meinte mich zu besinnen, dass “Onkel Tom” den Sklavenjägern die Sattelgurte angeschnitten hatte, so dass sie nach kurzem Ritt runterfielen und nicht weiterkamen – oder hatte er eine Buchecker unter den Sattel geschoben, so dass das Pferd bald zu bocken anfing? ich weiß es nicht mehr.
      Auf jeden Fall hatte er die Jagd der Sklavenjäger sabotiert, so dass Eliza (es war doch Eliza, oder?) entkommen konnte. Wohingegen ich Necla Kelek eher zutrauen würde, die Achillesfersen fluchtbereiter Sklaven durchzuschneiden als die Sattelgurte der Sklavenjäger. Aber die gesellschaftliche Situation der Sklaven in den Südstaaten der USA und der türkischen Einwanderer in der BRD ist doch schon sehr, sehr unterschiedlich.
      Das Phänomen, um das es bei Kelek & Co KG geht, ist wohl eher als “Identifikation mit dem Aggressor” zu beschreiben. Wobei es dazu dann wieder zig Untervarianten gibt, die auf Wikipedia in Stichworten nachzulesen sind. Die Knete der Medienauftritte wird sicher gern mitgenommen, aber das Hauptmotiv ist wohl doch die Weitergabe erfahrener Aggression zwecks Stabilisierung eines durch eben die erfahrene Aggression gefährdeten Ichs. Dafür ist der unten stehende Diskussionsbeitrag von A.P. ein anschauliches Beispiel.
      Interessant für den politischen Zusammenhang finde ich speziell den Aufsatz von Arno Gruen: “Die politischen Konsequenzen der Identifikation mit dem Aggressor”.
      http://bidok.uibk.ac.at/library/beh1-00-identifikation.html

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  2. Akif Pirincci

    Ja, das mag ja alles sein, liebe und hübsche Kübra, du sieht aber trotzdem total scheiße aus in deinem Vergewaltigungverhinderungskopftuch (ist wohl Schutz gegen muslimische Männer, jedenfalls habe ich von einem “weißen” Vergewaltiger bis jetzt nie gehört: “Hab die Alte vergewaltigt, weil ich ihre Haare gesehen habe.”) Das mag man Rassismus nennen oder Kartoffelbrei, volkommen egal, dennoch bist du im wahrsten Sinne des Wortes ein Fremdkörper in der Moderne, in der die Menschen sich nicht Tag und Nacht mit Ficken beschäftigen. Und weißt du was, das Letztere glaube ich nicht einmal. Du erhoffst du dir durch deinen Exoten-Kopftuchstatus eine Karriere (Kohle) in den Medien. Das wird dir leider nicht gelingen. Dafür bist du nicht originell genug und deine Schreibe ist zu simpel. Glaube mir, ich habe mit Schreiben Millionen verdient, und habe Ahnung von der Materie. Vielleicht wird es dir gelingen, den Weg aller türkischstämmigen/muslimischen “Intellektuellen” zu gehen und beim Vater Staat unterzukommen, sprich von meinen Steuergeldern zu leben. Aber wie du weißt, herrscht da großer Andrang. Ich mache dir deshalb ein Angebot zur Güte. Wie wär’s, wenn du mich dieses Wochenende besuchen kommst, und wir machen uns ein bißchen gemütlich. Wird bestimmt lustig. Allerdings werde ich dir dabei nicht nur das Kopftuch abnehmen …

    In Liebe!
    Akif

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    1. Ebru

      “(…) ein Fremdkörper in der Moderne, in der die Menschen sich nicht Tag und Nacht mit Ficken beschäftigen”
      widerlegt durch
      “Wie wär’s, wenn du mich dieses Wochenende besuchen kommst, und wir machen uns ein bißchen gemütlich. Wird bestimmt lustig. Allerdings werde ich dir dabei nicht nur das Kopftuch abnehmen …”.

      Scheinbar denken die Menschen der Moderne doch Tag und Nacht, sogar beim Versuch eine sachliche Stellungnahme zu einem Artikel zu nehmen, daran, sofern Du, lieber Akif, ein Paradebeispiel für diese darstellst. Tust Du es nicht, so stellt sich die Frage, wieso Du es als notwendig empfindest, negative Kritik im Namen derer an “Fremdkörper in der Moderne” auszuüben.

      Seltsam wie sehr viel und wie wenig wenig Stoff um den Körper als störend empfunden werden kann.
      Stichwort ‘Toleranz’, mein Lieber. Es hat Dich nicht zu interessieren, in welcher Form der Einzelne aus der Masse heraussticht. Möchtest Du es nicht, so ist auch das Deiner Entscheidung überlassen. Zumal ich mich frage, wieso das Tragen eines Kopftuchs der muslimischen Frauen als unmodern empfunden wird, während das der Nonnen nicht mal erwähnt wird! Oder wieso denjenigen Frauen, die eins tragen, sofort unterstellt wird, sie beziehen Gelder vom Staat.

      Falls das Dein einziges Anliegen bei der Verfassung Deines Kommentars war, dann nimm doch bitte an den Mittagstalkshows teil, wo Hartz IV Empfänger den Bezug mit Stolz herausposaunen und obendrein so tun, als seien sie der arbeitenden Gesellschaft überlegen. Alternativ kannst Du mit dem herumlungernden Bahnhofspack beginnen. Damit wärst Du auch mir eine besondere Hilfe, da diese der Grund für mein Verzicht auf öffentliche Verkehrsmittel sind.

      Schließlich lässt sich noch sagen, verehrter Akif, dass wenn Du weitere Millionen mit dem Schreiben verdienen möchtest, solltest Du Deine Rechtschreibung der Moderne anpassen. Denn möchten wir nicht alle modern und absolut high-end sein? Auch korrekte Nutzung von Präpositionen sind in dieser Branche hin und wieder mal hilfreich ;).

      Beste Grüße aus Frankfurt am Main

      Ebru

      PS: Etwas beängstigend finde ich schon, dass Du Beziehungen zu Vergewaltigern pflegst. Woher solltest Du sonst wissen, dass es nicht die Haare des Opfers waren, die den Täter dazu verleitet haben?! Ein kleiner Blick in die eine oder andere Studie wird Dir bestätigen, dass das Haar einer Frau eines der wirkungsvollsten Reize ist, von denen sich (auch heute der “moderne”) Mann angezogen fühlt.

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    2. Ali

      Moderation: Teilweise editiert, bitte künftig keine Beschimpfungen

      So einer darf von niemanden die Stimme sein!!!

      Und so einer verdient Millionen mit schreiben?

      Statt sich konstruktiv zu Ihrem Artikel zu äußern schreibt er hier eine Rede für den
      NPD Parteitag.
      Aber ich denke selbst die hätten für so einen wie den keine Verwendung. Um so einen Kommentar zu verfassen braucht man nicht wirklich viel Intellekt. Sogar der Rassist mit dem ich jeden Tag zusammen gearbeitet habe hatte ein ausgesprochen gutes und besseres Unterhaltungsniveau.
      Wenn man so einen Türken wie Akif hat Braucht man keinen externen Rassisten.

      Und somit haben sie recht mit dem Begriff “Haustürken”

      Auch wenn es Kritikpunkte gibt wolltest du glaube ich einfach nur sagen.

      ” Ein Rassist aus eigenen Reihen ist viel schlimmer”

      Danke für diese Erkenntnis (…)
      Das ging mir jetzt echt nah.

      (…)
      Ali

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      1. der Uli

        du solltest für alle Fälle die Serverdaten sichern (lassen): Allein die Mailadresse wäre prinzipiell relativ einfach zu fälschen. Konnte immerhin sein, und dann wäre das eine furchtbare Rufschädigung für AP.
        (wenn er es war, auch … aber selber schuld)

        Reply
  3. mel

    unfassbare trollerei. ich tu mir selbst leid, es gelesen zu haben. kübra tut mir leid und alle, die sich für eine kopfbedeckung entschieden haben. und auch männer islamischen glaubens.

    aber am meisten tut mir der troll leid. eine vergewaltigung ankündigend anzudeuten weißt auf ein sehr geringen selbstwert hin. was für ein leiden mag dieser wohl haben, dass er sich allein durch solche worte zu wehren weiß. wünschen wir ihm gute besserung

    Reply
    1. Imad Soliman

      Erfüllt AP’s “Angebot” nicht den Straftatsbestand einer angedrohten Straftat, gegen die man rechtlich vorgehen kann? Oder hat er sich zu vage ausgedrückt ?

      Mel:
      “was für ein leiden mag dieser wohl haben, dass er sich allein durch solche worte zu wehren weiß.”

      Ich glaube es ist weniger ein Leiden, als dass Akif P. schlicht und ergreifend Kübras Argumentationsstärke und ihren präzisen Worten nichts entgegenzusetzen hatte.
      Dazu fällt mir noch ein schönes Zitat von Rousseau ein
      “die Beldigung ist das Argument derer die über keine Argumente verfügen “

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  4. Nika

    Sehr schön zu lesen, sowohl das von Stefanowitsch als auch das von Kübra.:) Es ist verdammt schwer mit solchen Phänomenen umzugehen…ich bin kein Fan von Religion, Tradition und ähnlichen Phänomenen, lese aber trotzdem gerne die Artikel von Kübra, schlicht und ergreifend weil sie meinen Standpunkt und mein Wissen erweitern. Auch wenn ich Kübras persönliche Überzeugungen (wie eben Religiosität) vielleicht nicht verstehen kann als Person, so kann ich doch mit dem was sie schreibt, ihren Standpunkt intellektuell verstehen und tatsächlich so etwas wie richtige Toleranz lernen. Ich finde es traurig, dass es keine seriöse Religionskritik mehr zu geben scheint, sondern nur noch platte Polemik. Religionskritik würde heißen, sich mit den Vertretern der Religion an einen Tisch zu setzen und Wege der Akzeptanz und des Verstehens zu suchen (auf beiden Seiten!). Leider tritt dann Frau Kelek mit Sarrazin (Autokorrekturvorschlag: Starrsinn. Welch ein Omen!) auf und da setzt dann wieder die Misanthropie ein. Einerseits sehe ich religiöse Exzesse und Traditions-Zwang (bin in solchen Zuständen aufgewachsen) und andererseits begegnet man diesem dann mit Hass und Rassismus. Es gibt zu wenig von den Leuten, die nachdenken und bereit sind, beide Seiten zu sehen. Deswegen habe ich mich über die Kritik und die Antwort darauf sehr gefreut! :) Ein wenig Hoffnung in der Misanthropie. ;)

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  5. Elif

    Ich denke, dass diejenigen, die einigermaßen ihre Gehirnzellen beisammen haben, sich gerade für Herrn Pirincci fremdschämen. Unabhängig von deutsch- oder türkisch sein, und unabhängig von Religion. Dieser ungehobelte Scheinbildungsklotz ist bar jeder zivilisatorischen Kommunikation.

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  6. Deniz

    Ihn als “Haustürken” zu bezeichnen, ist aber auch nicht gerade zivilsatorische Kommunikation. Wer austeilt, sollte auch einstecken können.

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    1. Elif

      Dies ist korrekt. Doch während Kübra eine Allegorie verwendet hat, greift Pirincci nicht nur in eine, sondern mehrere untere Schubladen. Man darf nicht vergessen, dass Kommunikation in allererster Linie ein soziales Spiel ist, bei dem es im Idealfall um Denken und Reflexion geht, und vor allem ist sie das Spiegelbild der kommunizierenden Person. Attacken wie die Pirincci’s sind kontraproduktiv und im Grunde genommen geradezu selbst zerstörend, da er auf den Applaus der sensationsgeilen Masse vertraut, die jedoch als erstes verschwunden sein wird, wenn er bildlich gesehen langsam verblutet. Diskussion und Auseinandersetzung ja, ja und nochmals ja, aber bitte auf sachlicher Ebene, und nicht indem man sexistische Stammtisch- Parolen vom Stapel lässt.

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  7. alien59

    Zu der “Onkel-Tom”-Begrifflichkeit muss man vielleicht aber noch etwas hinzusagen: zumindest seit Malcolm X, wenn nicht schon vorher, ist dies unter Afroamerikanern die Bezeichnung für die, die versuchen, so “weiß” wie möglich zu sein, sich von den anderen Afroamerikanern zu distanzieren, auf diese hinabschauen und sich bei der Mehrheitsgesellschaft anbiedern. Und genau daher ist dies m.E. durchaus der passende Begriff – nicht so sehr wegen des Vergleiches mit dem Onkel Tom von H. Beacher-Stowe.

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  8. Trippmadam

    Natürlich hat Anatol Stefanowitsch insofern recht, als sich der sarrazin-nahe Teil der Mehrheitsgesellschaft diejenigen “Alibi-Türken” (klingt irgendwie auch nicht besser als “Haustürken”) herauspickt, welche die eigene Haltung zu bestätigen scheinen. Allerdings sind sowohl Pirincci als auch Kelek erwachsene, gebildete Menschen, die für ihre Äußerungen selbst verantwortlich sind.

    Reply
    1. K.Gerlach

      Woher nehmen Sie eigentlich die Erkenntnis, das die Aussagen, die die eigene Haltung bestätigen, überhaupt falsch sind ?

      Sie könnten doch auch stimmen, oder ?

      Und meiner Ansicht nach (und nicht nur meiner) stimmen sie absolut.

      Zum Kopftuch:

      So lange auch nur noch EINE Frau auf der Welt dazu gezwungen,genötigt,angehalten oder (als Kind) erzogen wird, ein Kopftuch zu tragen,verbietet es sich eigentlich für jede
      einigermaßen selbstständige und gebildete Frau, eines zu tragen.

      Aber das Tuch ist ein Machtintstrument. Der Männer. Immer schon gewesen, und der Islam wird dafür herangezogen, um das zu rechtfertigen.

      Fällt das Kopftuch,
      fällt die Macht der Männer,
      fällt auch die Macht des Islam.

      Reply
      1. Trippmadam

        @K.Gerlach: Wie ich zu meinen Erkenntnissen komme? Durch Zuhören, Lesen, Nachdenken, Analysieren…

        Manchen ist das Kopftuch ein Zwangsinstrument, anderen eine Ehre.

        Und warum sollte ich wollen, dass der Islam fällt? Der Islam ist nichts Unanständiges, auch für mich als Christin nicht. (Ich schreibe hier mit Absicht nicht “die Macht des Islam”. Was hat der Islam als solcher schon für eine Macht? Doch wohl nicht mehr und nicht weniger als andere Religionen.)

        Die Macht der Männer: das ist natürlich etwas anderes. Aber da gibt es soviel, was abzuschaffen wäre, dass Kleidungsstück, über welches es ja auch unter Musliminnen anscheinend sehr unterschiedliche Ansichten gibt, in meinen Augen erst einmal zu vernachlässigen ist. (Aber wie sind wir eigentlich aufs Kopftuch gekommen? Weil Kübra zufällig eines trägt?)

        Reply
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  11. Ursula Weyhing

    Wer ist berechtigt eine Gruppe zu repräsentieren? Ich habe in Vereinen und Bürgerinitiativen erlebt, dass man plötzlich mit einer ” feindlichen Übernahme ” konfrontiert war und die ursprüngliche Zielsetzung geändert wurde. Im Ausland begegnete ich Vorstellungen von ” Deutschsein” , mit denen ich gar nichts anfangen konnte. Mir fällt es schwer, für die Menschen aus der Türkei, die ich hier in Deutschland kennen gelernt habe einen Oberbegriff zu finden über die Abstammung hinaus. Vielleicht lohnt es sich, mehr über die Eigengesetzlichkeit von Gruppenphänomenen – zuschreibungen nachzudenken und sie nicht originär gegeben zu betrachten.

    Reply
  12. Thomas

    Ich denke auch, dass man sich weniger bei Onkel Tom an dem Buch orientieren sollte, sondern daran, was politisch damit später gemeint war. Ich habe das Buch zwar nicht gelesen, was ich aber aus der Zusammenfassung herauslese, ist hier Onkel Tom eine Projektion einer weißen Autorin, die man so nicht akzeptieren muss und später gerade von den Betroffenen der Sklaverei und ihrer Folgen auch so nicht akzeptiert wurde.

    Übrigens gibt es auch in dem aktuellen Tarantino-Film “Django Unchained” die Figur eines Onkel Tom, prächtig gespielt von Samuel L. Jackson. Was in dem Film deutlich wird, ist der Umstand, dass es in dem dem dort gezeigten Rassismus für die Sklaven keine Option gibt, sich diesem System zu entziehen und zu so etwas wie einer Grundlage vom Menschlichkeit zu kommen. Menschlichkeit existiert in diesem System nicht. Sie sind immer Opfer, auch wenn sie wie Stephen (Onkel Tom) zum Täter werden. Denn der Rassismus macht sie entweder zu Opfern oder Tätern, oder mehr noch zu etwas dazwischen (s. die Mandingokämpfer). Die Tragik des Stephen besteht gerade darin, dass er trotz aller Anstrengungen zu so etwas wie einem “Leben” zu kommen, am Ende von niemandem Sympathien erhält: seinen Besitzern, denen er aufopferungsvoll dient, ist dieses Gefühl fremd, die anderen Sklaven fürchten ihn, das Publikum im Kino versteht ihn wahrscheinlich nicht und verachtet ihn wohl auch.

    Und als Stephen zum ersten Mal auf den freien Django trifft, wird er mit etwas konfrontiert, dass es in seiner Welt und seinem Denken nicht gibt, weil der von ihm erfahrende Rassimus das nicht zulässt: einen freien schwarzen Mann. Was er da auf dem hohen Ross sieht und was er selbst kennt und erfahren hat, kann er nicht in Einklang bringen und der Film und Samuel L. Jackson zeigen großartig, welche Schwierigkeiten ihm das bereitet. Alle aufgestaute Verachtung, die er bei seiner Wandlung hin zum Haussklaven in Bezug auf sich selbst entwickelt hat, richtet sich nun mit voller Härte gegen Django, also gegen den Mann, der offensichtlich, ohne sich so extrem verbiegen zu müssen wie er selbst, etwas erreicht hat, was für Stephen undenkbar und unerreichbar war.

    Und dieser Django, der zur Rettung seiner geliebten Frau selbst als freier Mann zeitweise einen erbarmungslosen Onkel Tom ohne Herrn geben muss, und mit sich selbst deswegen sehr kämpft, verachtet Stephen und bringt ihn am Ende um. Tragischer kann man Rassismus und seine Wirkung kaum zeichnen.

    Ich denke, dass man in diesem Zusammenhang sich die Frage stellen sollte, in wie weit der Onkel Tom Vergleich sich eignet, auf die erwähnten Zusammenhänge angewendet zu werden.

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  14. aeon

    Ich hab da noch eine kurze Ergänzung, auch wenn die Diskussion schon Monate zurückliegt und es eigentlich wenig von Belang ist, da sowohl Anatol als auch Du auf Malcom X zurückgreift (den ich nicht gelesen habe, und zu dem ich mich daher besser bedeckt halte).

    Mich wundert, dass ihr noch nicht auf den Begriff “Beutetürken” gekommen seid,w enn ihr euch schona n begriffen abarbeitet: http://de.wikipedia.org/wiki/Beutet%C3%BCrken

    Insbesondere der Assimilations- und Statussymbol-Aspekt ist interessant. Allerdings möchte ich persönlich keinen der beiden mit diesem Begriff bedenken. Die Beträge sind alle nicht zielführend.

    Reply
  15. metro

    1.Das Kopftuch ist weniger ein Zeichen an die Mitmenschen als eins fuer Gott. 2.Frau ohne Kopftuch ist nicht per se emamzipiert (sehr bedenklich, dass einige offensichtlich erwachsene Menschen dies glauben) 3.Ich finde den Ton, der hier oft vorherrscht, entwuerdigend, menschenverachtend, und so richtig DUMM, dass es mir nicht nur kalt den Ruecken runterlaeuft und mir uebel wird angesichts so viel Gossensprache und -denkens, sondern ich mich auch frage, ob ich hier noch mitlesen will…

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