MEIN 1. LIEBLINGSPLATZ IN KAIRO: DER SUPERMARKT


Also ich spreche nur ein bisschen Hocharabisch (Fusha), jedenfalls eine Sprache, die in Konversationen mit den meisten Ägyptern vollkommen unnütz ist. Da kommt man selbst mit Englisch weiter. Aber eben auch nicht besonders weit.

Kurzum: Mit Worten kann ich hier nur schwer kommunizieren. Aber seitdem ich einmal kurz vor einer Klassenfahrt die Stimme verlor und meine Freunde mir zuliebe mehrmals am Tag unermüdlich Pantomime (Scharade) spielten, bin ich Pantomime-Profi. Eine wunderbare Alternative zu Worten.

Nun habe ich einen Spielplatz gefunden, wo ich meine perfektionierte Pantomime-Expertise einsetzen kann: Der riesengroße Allerlei-Supermarkt El Mahmal, hier bei uns in um die Ecke. Fast jeden Tag war ich dort. Ich fing an mit der pantomimischen Beschreibung von Töpfen, Flip-Flops und Besteck. Daraufhin folgten Handtücher, Waschmittel, Weichspüler, Zucker, Wegwerf-Handschuhe, Speisestärke und Falafel – eine lange Liste.

Mein bisheriger Höhepunkt: Mit stolz darf ich verkünden, dass ich der El Mahmal-Mitarbeiterin in kürzester Zeit erfolgreich das Wort “Duftsäckchen” beschrieben habe.

Ein tolles Gefühl ist das, wenn die Mitarbeiter einen mit leuchtenden Augen anblicken, weil sie verstanden haben, was ich meine; dann glänzen meine Augen, wenn sie mir das gesuchte Wort zeigen, weil sie mich tatsächlich und wirklich verstanden haben; dann staunen die Augen meines Mannes, wenn ich breit grinsend an der Kasse antanze, mit all den Produkten, die ich alleine niemals gefunden hätte.

Hach. Ich liebe El Mahmal.

3 Comments MEIN 1. LIEBLINGSPLATZ IN KAIRO: DER SUPERMARKT

  1. Anneke

    Hehe, das erinnert mich daran, wie ich in einem Supermarkt in Beirut (oder vielmehr ein bisschen außerhalb) mal versucht habe, mit ein bisschen Fussha, einem Fitzel Libanesisch und schließlich mit Zettel und Stift versucht habe, Fleischreste für unseren Vogel (Mein Mitbewohner wollte einen verstümmelten Habicht aus einer Tierhandlung retten) zu bekommen. Keiner sprach Englisch oder Französisch, und es war ein viertelstündiges Spektakel. Die restlichen Monate meines Aufenthalts wurde ich dort immer mit enthusiastischer “Flügelschlag”-Geste begrüßt :)

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