MAHMOUD, CAIRO

Mahmoud war der erste in Kairo, der uns nach Geld fragte. Nach drei Tagen in dieser Großstadt. Wir waren vorbereitet. Freunde hatten uns gesagt, wir sollten immer Kleingeld dabei haben – die Kinder würden sich freuen. Mahmoud schenkte uns ein wunderbares Lächeln. Nicht des Geldes wegen, sondern wegen der wenigen Worte, die wir wechselten. Und noch immer steckt mich sein Lächeln an, wenn ich das Bild sehe. Und ich finde, er hat mir mehr gegeben, als ich ihm.

In Berlin fragte man mich jeden Tag in der U-Bahn und auf der Straße nach Geld. Aufdringlich waren die meisten. Und viele nicht glücklich über das, was ich ihnen gab. Einer sagte, er hätte seit Tagen nichts gegessen. Ich gab ihm meine selbstgebackenen Pogca (türkische Brötchen mit Hackfleisch), die ich zufällig dabei hätte. Er schaute mich angewidert an und drehte sich weg.

In Granada saßen wir auf einer Bank. Ich lauschte der Flamenco-Musik von Straßenmusikern. Es war schön, ich genoss die Atmosphäre. Einige tanzten, andere schauten sich die wunderbare Aussicht auf die südspanische Stadt an – rot umflutet durch untergehende Sonne. Als die Straßenmusiker ihre Gitarrenkästen aufklappten, gaben einige ihnen Geld. Ich hatte nicht gefragt, ob sie für mich spielen wollen, sie hatten mich nicht um Geld gebeten, aber sie gaben Musik und ich nahm sie. Freiwillig und unfreiwillig zugleich hatten wir gehandelt. Ich fand, sie hatten ein Recht auf das Geld.

In Berlin traf ich immer wieder einen alten Mann in der U-Bahn, der Gedichte vortrug. Manchmal Liebesgedichte und manchmal anzügliche Zeilen von Goethe. Dann entschuldigte er sich bei den Damen und den Männern mit Frauen im Arm zwinkerte er zu. Ich habe ihm nie Geld gegeben. Mir gefiel seine Auswahl nicht. Aber seine Art, die gefiel mir. Einmal hätte ich ihm dafür etwas in den Hut legen können, finde ich.

Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Die meisten Menschen nehmen mehr, als sie geben.

4 Comments MAHMOUD, CAIRO

  1. Kübra

    Immer schön weiter mit offenem Herzen durchs Leben gehen, auch wenn Menschen dieses Licht oft nicht zu schätzen wissen, sollten wir immerzu die schützende Hand darüber halten und es vor dem erlöschen bewahren, denn wie du sagst ist jedes Geben gleichzeitig auch schon ein Nehmen.

    Schütze dein Licht Kübra

    Reply
  2. ismail

    Je mehr die Menschen haben umso geiziger werden Sie. Das sagt meine berufliche Erfahrung leider. Ich war aus beruflichen Gründen sehr nah an Menschen.

    Reply

thoughts?