GEFAENGNISGESCHICHTEN

Wir sitzen an einem wackeligen Tisch vor einem Fastfood-Stand. Die Sonne knallt, ausserdem ist es sehr schwül in Minneapolis. Ich esse den zigsten und hoffentlich letzten fettigen Veggie-Burger meines Lebens. Mein Stuhl steht zwischen Irak (Qais) und Portugal (Paula) zusammen mit Palästina (Ziad) und Armenien (Samvel). Unsere 24-köpfige Blogger-Truppe ruft sich spasseshalber bei den Ländernamen.

Palästina, Armenien und Irak plaudern aus dem Nähkästchen, sie erzählen Gefängnisgeschichten. Portugal und ich hören gespannt zu. Es ist eine andere Welt. Es sind andere Welten.

Kirkuk in Irak. Es ist 3 Uhr nachts.* Die Türen klopfen und führen Iraks Freund nach draussen. Stockdunkel ist es. Nur ein Militärhubschrauber steht hell erleuchtet vor seinem Haus – “Blackhawk.”
Die US-amerikanischen Soldaten zerren ihn in den Hubschrauber und brüllen ihn an. Er lächelt, grinst. Dann lacht er. Seine Augen leuchten. “Danke. Danke euch!”, sagt er. Die Soldaten sind irritiert. “Ich bin noch nie in meinem Leben geflogen, das ist mein erstes Mal!”, sagt er und er meint es ernst. Seine Freude ist echt. Während ihn die Soldaten anbrüllen und zusammenschreien, schaut er aus dem Fenster, die Ohren taub, die Augen auf seiner Stadt. Er fliegt.

Im Gefängnis beobachtet er die Soldaten intensiv. Interessant findet er sie. 45 Tage werden sie ihn unschuldig festhalten. Als klar wird, dass nichts gegen ihn vorliegt, werden die Soldaten freundlicher. Dann wagt er es und fragt: “Darf ich mit euch Basketball spielen?” Wieder irritiert er die Soldaten. Doch statt ein Brüllen, antwortet ihm dieses Mal ein “Ok, aber nur kurz.”

Iraks Freund berichtet ihm voll Glück von diesen Ereignissen. Irak erzählt sie uns so weiter. Ich lache und amüsiere mich.

“Er hat bis heute Angst, dass ihn die US-Amerikaner wieder holen und inhaftieren”, sagt Irak über seinen Freund. “Er ist paranoid geworden. Aber wir müssen lachen, was sonst können wir tun?”

*(“3 Uhr nachts? So haben das auch die Sowjets gemacht”, sagt Armenien. “Ja, auch die Israelis. Um die Uhrzeit kann man fast sichergehen, dass alle schlafen”, fuegt Palästina hinzu. “Welch Zufall. Jesus starb um 3 Uhr nachts”, sagt Portugal. Dann ist das wohl Tradition, beschliessen wir.)

2 Comments GEFAENGNISGESCHICHTEN

  1. ismail

    Traditionen sind auch in Anatolien vorhanden. Wie ein trojanisches Pferd hatten Sie uns umsingelt. Keine chance für ein Mädchen um ihre potezielle Gabe für die Menschheit zu nutzen. Weil Sie potenzielle fitna angesehen wurden. Doch es gibt Hoffnung. Das hören und lesen wir jeden Tag. So wie Sie in Kairo auch. Willkommen in einem globalen Welt indem es nichs veborgen bleiben wird. Die Welt ändert sich sehr Rasant und das ist auch gut so!

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  2. Anonymous

    In Syrien läuft jetzt die Abrechnung der geschlagenen Anbar-Aufständischen mit der “Rafida” und kein Amerikaner stört dabei.

    Muslim lands to muslim hands !

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