RILKE WAR EIN MUSLIM

War er nicht. Ist ja auch nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass Worte Kunst sein können und Kunst verbindet.

Deshalb liebe ich Poetry Slams, die moderne Wort- und Sprachkunst. Sie machen unsere Wörter durch merkwürdige Aneinanderreihungen, kunstvolle Wiederholungen und überraschende Betonungen zu neuen Wörtern mit neuen Bedeutungen. Einige geben den Worten eine Seele. Andere Poetry Slammer reduzieren Worte auf das nackte Wort und spielen mit der Entblößung.

Um Überraschen, Fühlen, Umdenken und Nachdenken geht es beim Poetry Slam. Ein Spiel mit der Sprache.

Und nicht zuletzt: Poetry Slam ist eine kunstvoller Umgang mit der Realität, dem Alltag, dem Erlebten und Gedachten. Sie kann einen wunderbaren Einblick in die Gedankenwelt eines Menschen geben, sie bricht die Realtität runter auf die Welt hinter den Augen eines Menschen.

Was geschieht hinter muslimisch-deutschen Augen? Was sehen diese Augen? Wie werden sie gesehen? Welche Gedanken, wollen gesagt und gesprochen werden. Welche Wort gefasst?

Kunst ist unsere gemeinsame Sprache. Sie verbindet.

So bin ich in allergrößter Vorfreude auf die Ergebnisse von “Poet gesucht – Muslimische Sprachkunst aus der Republik”, einem Wettbewerb von Waymo und der Muslimischen Jugend Deutschland. Bewerbungsschluss: 15. April. Lest hier und mach die Augen auf! Vielleicht entdecken wir doch noch den muslimischen Rilke.

6 Comments RILKE WAR EIN MUSLIM

  1. Ethem Abdussamed

    Das ist bis jetzt das genialste Projekt das je durchgeführt wurde. Meiner Meinung nach. Bis jetzt haben wir leider die deutsche Sprache sehr vernachlässigt. Wir hätten bis jetzt die ganze Breitbande an Literaturformen benutzen sollen.
    Denn Epik, Lyrik oder Drama zu schreiben ist immer viel vielsagender, aussagekräftiger und sinnvoller als jeder nicht-fiktionaler Text.

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  2. Moslemistan

    War er doch. Metaphorisch gesehen.
    Oder vielleicht auch umgekehrt.

    Gibt es bei Ihnen in Deutschland nicht eine so genannte “Studie” mit Titel “Muslimisches Leben” o.ä.?

    Ich könnte mir vorstellen, dass sich darin nichts befindet, was auf Kunst oder Kultur hindeutet.
    Eine türkischstämmige Freundin von mir erzählt, dass sie stets Lacher ernte, wenn sie anderen beiläufig sage, dass sie als Kind Klavierunterricht hatte – man (blonde Deutsche) hält das dann für einen Witz, weil ja jede/r Türke/in aus dem Ghetto stammen muss und gar nicht weiss, was ein Klavier ist.

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