"UND DANN WURDE ICH MUSLIM" ODER: MULTIMEDIA-REPORTAGEN

Wer diesen Blog schon etwas länger verfolgt, weiß von meinem Faible für Kurzfilme. Nun ist es aber so, dass ich immer weniger Zeit habe, um auf die Suche nach diesen wertvollen Stücken alternativ-kreativer Filmkunst zu gehen.

Aber wofür hat man Freunde? So schickte mir Oign (oder Evgeny, wie man ihn eigentlich schreibt – ein übrigens hervorragender Fotograf. Siehe hier.) kürzlich den Link zu 247omedia, einer Produktionsfirma für Multimedia-Reportagen (engl. webdocumentaries). Bei diesem Reportagestil werden Videos mit Bild und Audio verbunden. Eine kluge Methode, die – wie ich finde – den Beitrag zu einem intensiven und eindringlichen Erlebnis werden lässt.

So möchte ich als Alternative zu den Kurzfilm-Kritiken, die es hier sonst gibt, eine Multimedia-Reportage-Reihe von 2470media “Und dann wurde ich Muslim” über deutsche Konvertiten zum Islam empfehlen.

Besonders interessant finde ich den Beitrag über Wolf Ahmed: “Wie ist das mit dem, was jen­seits ist? Wolf Die­t­er Ari­es, Jahr­gang 1938, war in der Pu­ber­tät, als er sich Fra­gen die­ser Art stell­te. Er wuchs in ei­nem bür­ger­li­chen Haus­halt im Han­no­ver der Nach­kriegs­zeit auf und hat sich mit 16 für den Is­lam ent­schie­den. Da­mit wur­de er zum Exo­ten im ei­ge­nen Land.”

Schön wieder einmal bestätigt zu bekommen: Den Islam gibt es nicht erst seit den 50er Jahren in Deutschland.

Die Multimedia-Reportagen sind sehr im Kommen. Ein schönes anderes Beispiel hierfür ist zum Beispiel die Stadtteil-Reihe (zu Hamburg St. Georg), von Patrick Schulz und Jannah Clemens. Dort wurde unter anderem Ahmet Yazici, Geschäftsführer des Lindenbazar und Vorsitzender der islamischen Gemeinden Norddeutschlands, vorgestellt. Schulz und Clemens verwenden für ihre Videos nur Bilder und Audio-Daten. Anders und sehenswert. Siehe hier.

3 Comments "UND DANN WURDE ICH MUSLIM" ODER: MULTIMEDIA-REPORTAGEN

  1. Anonymous

    Im grunde genommen ein moralisches Korsett suchen…(0.25 min.); finde ich richtig beobachtet. Und solche Suchaktionen sind in der Moderne auch schon mal richtig totalitär nach hinten losgegangen. Der wiederaufgelebte Islam ist weniger ein religiöses Phänomen (das ist er natürlich AUCH), als ein aktueller Vakuumfüller für die (tendenziell) entmoralisiernde Moderne.

    Die Funktionstradition, in der sich der Islam wiederfindet, heißt: Jugend sucht Befehl; und die Vorläufer dieser Reihe waren Faschismus und Stalinismus; und nicht etwa Blues-Messe-Christentum, oder Backzwang-Hinduismus. Da ging es um feel-good und leichter mal poppen können und nicht um die Frage: Wofür nur könnte ich mein Leben wegwerfen?

    Wie praktisch, dass der Islam da den Märtyrer als King der Gläubigen hat, einen Ursprungs Che-Guevara, der gemäß Selbstauskunft, stets gewonnen hat, und nicht an einer Latte oder im Dschungel elend verreckt ist. Auch bewährte es sich als Witwentröster und liess seine Groupies nicht unbefriedigt dahinschmachten, wie noch sein Vorgänger im Prophetenamt. Die prophetische Lernkurve scheint die Region unterhalb der Gürtellinie nicht zu scheuen. Ein klarer Fortschritt im sonst so öden Monotheismus.

    Auch ein feierliches Endzeitpathos mag nicht fehlen; die Freunde letzter Gefechte gegen ultimative Feinde (wer wohl? Ein Tipp: Sie verstecken sich hinter Bäumen und Steinen…) kommen voll auf ihre Kosten.

    Und Tragik ist auch dabei: Von 73 Eiferungsrichtungen stimmt nur eine; als Niebelungentreue und -untergangsbesessenheit mit Lottospiel kombiniert.

    Das kann nur – ganz vorhersagegerecht – so richtig schief gehen. Und das mit 1,7 Mrd. Anhängern, steilster Geburtenrate und bald ohne fossile Reichtumsquellen.

    Sowas soll ein Weltenschöpfer gewollt haben? Ich sehe da eher einen nihilistischen Trotzkopf am Werk, ein böses Kind, das seine Spielsachen kaputt macht, nachdem es sie erst beschädigt hat und sie ihm dann nicht mehr gefallen.

    Die beste aller Gemeinden toppt an Wucht und selbstzerstörerischem Irrwahn alle Vorgänger und Mitwettbewerber; gleichsam so, als hätten alle Finsterlinge der Weltgeschichte gemeinsam noch mal nachge-schlimm-bessert.

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