EINE ANTWORT UND DANACH GEHE ICH SCHWITZEN.

Nach einigem Hin und Her: Hier findet ihr in leicht abgeänderter Form meine Antwort auf eine der direkten Reaktionen, die ich auf meine letzte Tuch-Kolumne in der taz (“Es gibt kein Entkommen“) erhielt.

Sehr geehrte Frau X,

vielen lieben Dank für Ihren Kommentar. Ich würde Ihnen gerne darauf antworten.

Ich bin keine Verfechterin der Burqa (oder besser gesagt, des Niqabs). Meinem Islamverständnis entspricht diese Art der Verschleierung nicht. Ich möchte die Burqa deshalb keineswegs rechtfertigen. Mir ging es in der Kolumne um eine ganz andere Sache: Aufzuzeigen, wie absurd das Burqa-Verbot in Belgien ist und dass es sich hierbei nur um schlecht gemachte Symbolpolitik handelt.

Streng genommen ist Politik immer Symbolpolitik. Doch dieser Fall ist ein Besonderer: Diese Maßnahme wurde ergriffen, um der Furcht und dem Unbehagen gegenüber Muslimen in der Gesellschaft Luft zu lassen – und diesen Menschen symbolisch zu zeigen: “Schaut her, wir machen etwas gegen die Muslime!”

Denn effektiv ist die Maßnahme keinesfalls: Erstens gibt es in Belgien und im restlichen Europa nur eine unbeeindruckend kleine Zahl von Burqa-Trägerinnen. Und zweitens: Die Frauen, die die Vollverschleierung freiwillig tragen, werden sich diskriminiert fühlen, verstoßen, unverstanden. Und womöglich werden sie auswandern, statt den Gesichtsschleier abzuheben (Letztere Option könnte einigen natürlich durchaus gefallen). Jene jedoch, die dazu gezwungen werden, – jene Frauen, um die es eigentlich gehen sollte – werden nach Hause gedrängt und bekommen so erst recht keine Chance sich zu befreien.
Kurzum: Das Verbot ist sinnlos, gar schwachsinnig.

Das Wort “Gefängnis” verwendete ich in Bezug auf Koch-Mehrins Zitat, die Burqa sei ein “mobiles Gefängnis”. Wenn man ihren Gedanken nämlich weiterführt, stellt man fest: Aus dem mobilen Gefängnis wird ein immobiles Gefängnis (weil die Frau in ihr Haus eingesperrt wird – siehe oben und Kolumne).

Um also die Absurdität dieser Maßnahme und Symbolpolitik zu verdeutlichen, nahm ich ein banales Beispiel: Die islamischen IPhone-Applications. Verbietet man sie, tut man auch “etwas gegen die Muslime”. Was natürlich vollkommen absurd ist. Aber darum geht es ja.

Übrigens: Selbstverständlich habe ich meinen Lapton-Ton in der Bibliothek nicht mit Absicht angelassen. Das war mir vielmehr peinlich, ich möchte ja niemanden stören. Diese Geschichte war – wie Vieles in diesem Text – sarkastisch erzählt.

Nun kann es durchaus sein, dass dieser Sarkasmus, das iPhone-Beispiel oder mein Schreiben nicht allen gefällt. Und das ist okay so. Es hat jeder seinen eigenen, individuellen Humor, versteht Sarkasmus anders und außerdem: Ich bin mir bewusst, dass ich journalistisch noch viel verbessern kann und das werde ich auch. Deshalb sehe ich das locker und habe Verständnis. Mit der Kritik wächst man. Bauchpinseln ist zwar schön, aber man lernt eben nicht viel. Ein Freund schrieb sehr schön: “Nur wer schwitzt, bekommt Muckis.” Also Danke für die Kritik! :)

Ich hoffe, ich konnte Ihnen die Idee hinter meinem Text verständlich machen. Sollten Sie noch Fragen oder Anmerkungen haben, so können Sie mich gerne anschreiben.

Verbleibe mit sonnig-freundlichen Grüßen aus London,

Kübra Yücel

11 Comments EINE ANTWORT UND DANACH GEHE ICH SCHWITZEN.

  1. Rabya

    da sieht man, dass einige der kommentatoren völlig auf der falschen spur lagen!

    aber lass dich nicht unterkriegen liebe kübra!
    wir glauben an dich. ganz fest.

    muah!

    <3

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  2. Lieselotte

    Liebe Kübra,

    ich hoffe, du nimmst dir die Kritik auf der taz-Seite nicht allzu sehr zu Herzen! Die meisten bösen Kommentare dort zeugen außer von der Verbitterung ihrer Verfasser sonst von nicht viel mehr.

    Ansonsten überlege ich, ob deine Antwort auf die Kommentare nicht einer Rechtfertigung etwas zu nahe kommt. Rechtfertigen brauchst du dich nämlich kein bisschen, wo sind wir denn?

    Lieben Gruß
    Lieselotte

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  3. kübra yücel

    Liebe Lieselotte,
    danke für deine Worte! Da hast du Recht, ich muss mich nicht rechtfertigen. Ich hatte das Gefühl mich erklären zu müssen – obwohl mir natürlich klar ist, dass manche Menschen immer falsch und missverstehen werden – einfach aus Prinzip und egal was man schreibt. Da wird auch meine Erklärung nicht helfen.
    Herzlichen Dank, meine Liebe!
    Liebste Salams xxx

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  4. Constanze

    Hallo Kübra,

    dass das Burqa-Verbot in Belgien reiner Aktionismus ist, ohne Aussicht auf Erfolg, da stimme ich mit dir vollkommen überein. Was micht allderdings interessieren würde, ist, was man deiner Meinung nach für diese Frauen tun sollte, die in eine Burqa gezwungen werden. Schließlich kann man den Ansatz zur Veränderung auch anders herum finden: Nicht die Gesellschaft toleranter machen, sondern ihr die Angst nehmen: Zeigen, dass Frauen, die Burqa oder Niqab tragen, es freiwillig tun und voll dahinter stehen.
    Constanze

    Reply
  5. kübra yücel

    Liebe Constanze, danke für deinen Kommentar!

    Da habe ich persönlich keine Sofortlösung, sondern nur Vorschläge, die in ihrer Umsetzung sehr viel Zeit in Anspruch nehmen werden.
    Ich finde, ähnlich, wie beim erzwungenen Kopftuch, das es ja durchaus auch gibt, braucht es Aufklärung.
    Islamische Aufklärung darüber, dass 1. Glauben nicht erzwungen werden kann 2. Im Islam auch nicht erzwungen werden *darf* 3. dass das Kopftuch oder der Niqab nichts über die Religiösität einer Frau aussagen *muss* – eine Frau ohne Kopftuch kann sehr viel religiöser sein als eine mit Kopftuch und 4. und das ist ein genereller Punkt, der die vorherigen umfasst: Tradition muss von der Religion getrennt werden. D.h. es muss bestimmten Bevölkerungsgruppen erklärt werden, dass Zwangsverheiratungen, Ehrenmorde, Unterdrückung der Frau etc. im Islam keine Rechtfertigung finden – dass sie mit ihren Handlungen tatsächlich gegen den Islam agieren und eine der größten Sünden begehen, indem sie beispielsweise – aus welchem Grund auch immer – ihre Schwester ermorden wollen.
    Dann ist natürlich die Frage, wie diese Aufklärung erfolgen soll, und das zu besprechen, bräuchte eine große Konferenz und viele, viele Menschen und Köpfe.

    Dein Vorschlag ist ein interessanter Ansatz. Ich habe hier an meiner Uni in London erstmals Frauen kennengelernt, die ein Niqab tragen. Sie sind ganz normal, wie andere Frauen auch, was man leider immer wieder betonen muss. Man müsste vielleicht diese Frauen mal sprechen lassen. Interessanter Gedanke. Ich ziehe mich hier an dieser Stelle zurück und denke nach. :)

    Liebe Grüße,
    Kübra

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  6. Anonymous

    Ich bin dafür, dass wir alle Frauen in ihre jeweiligen Küchen einsperren. Dann lernen sie vielleicht endlich wieder das Kochen. Verdammt, ich verhungere, unnütze Brut!

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  7. Fenryl M.

    Guten Abend Kübra,

    ich gehöre nicht der Fraktion an, die deinen Eintrag missverstanden haben oder vielmehr deine Kolumne missbraucht haben, um ihren islamophoben Blödsinn abzuladen.

    Nein, mir ging es um die fehlende Substanz – untergegangen in all dem vermeintlichen Sarkasmus. Die Sätze, inhaltsleer wirken dahin geworfen. Und das gerade deshalb, weil der Beitrag im Schatten der anderen Kolumnen steht. Dafür, dass taz dir eine Plattform bietet, die von vielen gelesen wird und dir als Sprachrohr dient, wird der letzte Beitrag dem nicht gerecht.

    Zum Thema selbst: Wenn es tatsächlich um die Unterdrückung von Frauen durch das zwanghafte Tragen von Burka und Niqap geht, halte ich das belgische Gesetz für unzureichend. Vielmehr geht es um die Unterdrückung der Frau selbst, was nicht allein an einem Kleidungsstück ausgemacht werden kann. Ein Mann – sei er Muslim, Christ oder was auch immer, unterdrückt seine Frau nicht durch den Schleier, dort fängt es weder an, noch endet es dort. Wenn es tatsächlich darum geht, gegen diese sichtbare “Unterdrückung” anzugehen, sollte nicht das Tragen von Kleidung verboten werden, sondern wirksame Strafen für die Täter geschaffen werden, die den Zwang ausüben. Das ist meinr Meinung aber nur dann sinnvoll, in demn man gleichzeitig den Schutz für die Opfer verbessert, gezielte Anlaufstellen bietet und durch Kampagnen entsprechend aufklärt. Schutz durch Frauenhäuser und Programme, ähnlich der für Kronzeugen.

    Aber was macht man? Man verbietet Stoff – was für ein Schildbürgerstreich. Was soll das für ein Ziel haben, endet damit automatisch die restliche Unterdrückung, will man damit das belgische Stadtbild “reinigen”? Welche Ergebnisse verspricht man sich, die irgendwann etwas belegen und hinter den Schleier (Achtung, Wortspiel) blicken? Geht es wirklich darum, oder will man nur Islamophobe besänftigen?

    Oben drauf ist es eine deutliche Ohrfeige für all jene, die aus eigenem Willen und voller Stolz die Burka bzw. Niqap für sich gewählt haben. Mag für ein paar Leute ein Oxymoron sein – ich weiß, dass es sie gibt, selbst in Belgien.

    Ma’salam

    José David / Tanguerrero

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  8. kübra yücel

    Salam lieber Jose,

    vielen Dank fuer deine Ausfuehrungen. Ich stimme dir in Allem zu und jetzt kommt kein grosses Aber.
    Deine Kritik bezueglich der Kolumne habe ich aufgenommen, danke. Ich hatte dich auf diesen Beitrag hingewiesen, nicht weil ich dich in der islamophoben Fraktion glaubte, sondern, um auf meine Hintergedanken bei der Kolumne hinzuweisen.
    Ich bin in einem Entwicklungsprozess, der – wie gesagt – hoffentlich nie enden wird. Konstruktive Kritik ist mir daher immer sehr willkommen. :)

    Wassalam,

    Kuebra

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  9. Anonymous

    Politik immer Symbolpolitik… sehe ich auch so. Auch Burkatragen im Westen ist symbolische Politik mit der Aussage: Wir pissen sogar auf eure ungeschriebenen Gesetze.

    Verbot sinnlos, schwachsinnig… Mag sein, dafür, um Frauen zu “befreien”, die sich diese Säcke freiwillig überstülpen. Freiwillig, aber nicht zweckfrei, siehe oben.

    Ein Verbot ist ein Akt der Selbstbehauptung einer Gesellschaft, die sich ihr kaputt-gemacht werden nicht auch noch vorspiegeln lassen möchte. Burkas im Westen auf CNN sind eminent politisch; sie sollen z.B. Pakistanerinnen demoralisieren.

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