KARNEVAL! – DIE ZUSAMMENFASSUNG

Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, meine Heldengeschichte über Tariq Ramadan zu schreiben. Er ist mein Denkheld. Also jemand, dessen Gedanken mich beeindrucken und beeinflussen.
Nun fing ich an zu schreiben – natürlich nicht ohne am Anfang ein bisschen herumzuphilosophieren. Ich schrieb davon, dass wir in jeder Lebensphase unterschiedliche Helden haben, da sich unsere Bedürfnisse und Sorgen ändern. Als kleines Kind zum Beispiel… erklärte ich und konnte nicht aufhören über meinen geliebten Opa zu schreiben. Mir fiel auf: Selbst Helden aus unserer Kindheit geben wir nicht auf. Das, was wir von ihnen damals lernten und an ihnen bewunderten, prägt uns heute noch.

So oder so ähnlich muss es auch den anderen muslimischen Bloggern ergangen sein, als sie Familienmitglieder (Mutter, Vater, Oma, Opa) als ihre persönlichen Helden porträtierten.

„Was für eine bessere Heldin als meine Mutter könnte es denn für mich geben?“, fragt Schwester Canan (bloggen statt blocken). Sehr schön beschreibt sie, wie viel ihr ihre Mutter bedeutet. „Eine Frau, die keine Mühen scheute und auch jetzt nicht scheut, um mir und meinen Geschwistern die schönen Facetten des Lebens zu zeigen.“ Außerdem stellt sie fest, dass ihre Mutter immer Recht hat. Canan, meine Mutter auch!


Auch Schwester Fatma (Habse(e)ligkeit) schreibt von einem Familienmitglied: Sehr einfühlsam beschreibt sie ihre Erinnerungen an ihre verstorbene Großmutter: „Meine allerletzte Erinnerung an meine Heldin ist viel Erde, ein weißer Stein und ihr Name auf diesem.“ Eine bewundernswerte Großmutter, die durch ihr Lächeln beglückte und kein schlechtes Gerede oder Verschwendung duldete. Canan schließt ab mit der Erkenntnis, dass Helden nicht immer fliegen. „Sie liegen irgendwann. Unter der Erde.“ Möge Allah sie mit dem Himmel segnen!

Bilal (Tugra e.V.) fängt zwar mit einem Familienmitglied, seinem Vater, an, der ihn in den ersten Jahres seines Lebens sehr prägte, beendet seine Suche nach einem Helden aber mit einer historischen Figur: Fatih Sultan Mehmed Han. Als Eroberer von Konstantinopel (heute Istanbul) wurde er zu einer zentralen Figur des Osmanischen Reiches. „Er selbst ist das Symbol der Gerechtigkeit, der Rechtschaffenheit, der Stärke, der Toleranz. Er ist Denker, Dichter, Künstler und Eroberer.“ Eine beeindruckende Person über die man unbedingt mehr lesen und erfahren sollte.

Von einem sehr starken Vater handelt das Video auf dem Blog der Mangoschalentier-Autorin. Der Vater eines körperlich-behinderten Jungen absolviert ihm zuliebe den Ironman-Wettkampf – mit dem Sohn auf dem Rücken, auf dem Fahrrad und im Boot. Unglaublich.

Eben entdeckte ich einen älteren, aber sehr witzig-kreativen Beitrag von Schwester Hasibe (Alltäglichkeiten), der auch von einem Helden handelt. Ihrem Vater. Es gibt außerdem ein Plakatentwurf für den nächsten Batman-Film. Ratet mal, mit wem in der Hauptrolle!

Das Heldenporträt über Umm Sabah, das Schwester Hidjabi (Adventures Of The Veiled) schrieb, hat mich persönlich sehr beeindruckt und berührt. Umm Sabah ist eine 78-jährige deutsche Muslima, die sich nach einer Palästina-Reise dem Land und den bedürftigen Menschen dort gewidmet hat. Aufopfernd und selbstlos sammelt sie Geld für Hilfsbedürftige und würde wohl auch ihr letztes Hemd aufgeben, würden ihre Mitmenschen sie aus Sorge nicht davon abhalten. Eine Frau, die nicht vergisst, obwohl wir anderen schon längst dem Rauschen des Alltags gefolgt sind.


Eine andere sehr beeindruckende Frau porträtiert Bruder Ethem Abdussamed (Das klare Wort): Rachel Corrie. Die junge Studentin aus den USA ließ mit 23 Jahren ihr Leben für den Frieden in Palästina. Am 16. März 2003 wurde sie von einem israelischen Panzer überrollt, als sie ein palästinensisches Haus vor der Zerstörung durch die Armee beschützen wollte. „Rachel Corrie hat ihr Leben mit 23 Jahren für ihren Glauben, ihre Hoffnungen und Träume gegeben. Sie glaubte an eine bessere Welt, an eine gute Seite im Menschen. Sie gab ihr Leben um andere zu beschützen die sie nicht kannte, ihre Sprache nicht sprach und mit ihnen keinerlei Ähnlichkeiten hatte.“

Schwester Meryem (Meryems Welt) richtet ihren Beitrag an alle Schwestern – Heldinnen, die uns tagtäglich umgeben. Sie öffnet uns die Augen für Mütter, die sich bewusst für das Zuhausebleiben entscheiden, oder Schwestern, die in schweren Zeiten konvertierten und mit vielen gesellschaftlichen Problemen und Hürden zu kämpfen hatten; ausländische Schwestern, die versuchen in Deutschland Fuß zu fassen. Sie alle bedeuten Schwester Meryem viel: „Ich bin so stolz auf Euch und so dankbar, dass ich Euch kennenlernen durfte, meine Schwestern. Alhamdulillah.“


Bruder Omar (Too Much Cookies) wirft die Frage auf, ob nicht auch Helden Fehler haben dürfen. So porträtiert er Omar Ibn Al-Khattab, den Gefährten des Propheten, der für seine anfangs jähzornige Art bekannt ist. Erst mit den Jahren und durch den Einfluss des Propheten überwand er seine Schwächen und entwickelte Stärken, für die er noch heute bewundert wird. Ein lesenswertes und sehr interessantes Porträt!

Und nicht zuletzt die etwas andere Herangehensweise an das Thema Helden von der Schwester Tekays (Tekays). Unter anderem fällt ihr auf, dass im Wiki-Helden-Artikel nur HeldEN (und nicht HeldINNEN) aufgelistet sind. Na, den Gedanken könnte man weiterführen und ergründen, warum das so ist. Aber Schwester Tekays deutet in einer Fußnote eh noch an, dass sie das Helden-Philosphieren irgendwann vielleicht fortführen wird. Wenn’s so weit ist, dann sag’ uns Bescheid. Wird sicher interessant!

Ups. Meine Zusammenfassung ist eigentlich gar keine, dafür ist sie viel zu lang. Aber Helden muss man nun mal viel Platz einräumen, sonst wird man ihnen nicht gerecht.

Herzlichen Dank an alle Brüdern und Schwestern, die bei dem 6. muslimischen Blogkarneval mitgemacht haben! Sehr tolle Beiträge! Ich freue mich schon sehr auf das nächste bunte virtuelle Zusammenkommen.

Bis bald und liebe Salams!


This is the summary of the “6th muslim blog carnival” (Germany). It was so exciting to choose a topic and see what people would develop from this. Our topic was “heroes” and bloggers wrote about their parents, grandparents, historical characters and random people who have served humanity. My article (see article below) is about my grandfather who has taught me alot about life, religion and – sounds funny – the importance of vegetables. I am so curious about the next blog carnival!

Thanks to all participants! Wassalam!

5 Comments KARNEVAL! – DIE ZUSAMMENFASSUNG

  1. Bilal Erkin

    Sehr schöne Zusammenfassung habe mich gefreut, dabei zu sein und werde auf jeden Fall das nächste Mal mitmachen und andere Freunde mit in die Blogosphäre ziehen.

    Vesselâm Bilal Erkin

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  2. Kathrin

    Dakne Kübra. Ich bin überrascht, dass es so einige “neue Gesichter” gegeben hat. Ich habe es leider nicht geschafft, mit zu machen. In sha Allah beim nächsten Mal…

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  3. kübra yücel

    @bilal: Richtig, wir brauchen mehr muslimische Blogger :)

    @kathrin: Stimmt, es ist so toll zu sehen, wie viele neue Blogger es gibt. Und sie sind allesamt sehr kreativ, probieren aus und experimentieren. Bin sehr gespannt, wie sich das alles entwickelt. :) Was unbedingt fehlt ist ein deutschsprachiger muslimischer Fashion-Blog. Ich hätte unglaubliche Lust! Nur leider keine Zeit :(

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  4. sevda

    geht mir genauso. Ist fast unverzeihlich, dass ich es nicht geschafft habe zu posten!! :( ich komme in den letzten Tagen kaum zum schreiben. Hilfe!!!

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  5. kübra yücel

    @sevda: Jaa, ich hab dich im Blogkarneval vermisst. Aber in einem Monat soll es ja wieder so weit sein. Mal sehen, wer moderiert und welches Thema wir haben. :)

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