FILM ZUM FREITAG (2) //////////////////// INSIDE und DIE VIELEN ICHs

Jeremy Sisto in “Inside”

Auf meiner kleinen Wochenendreise vor einigen Wochen stolperte ich über das sehr aufwühlende Buch “Aufschrei” von Truddi Chase. Die Autorin beschreibt darin ihr eigenes Leben:

“Als Truddi Chase zum ersten Mal in ihrem Leben einen Psychotherapeuten aufsucht, diagnostiziert er eine multiple Persönlichkeit: Ihre eigene Person war erstarrt und an ihrer Stelle war eine Vielzahl von Persönlichkeiten getreten, die in ihrem Körper lebten und sie nach außen hin vertraten und verteidigten. Truddie Chase war sich dieses Zustandes nicht bewusst. Sie erinnerte sich auch nicht an den Grund, warum sie eine multiple Persönlichkeit entwickelt hatte: Seit ihrer frühesten Jugend war sie von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht worden. Wer dieses Buch einmal gelesen hat, wird es nie wieder vergessen!” (Aus dem Klappentext)

Eine wirklich sehr erschütterndes Dokument, das uns Nicht-Multiplen das Denken und Fühlen einer multiplen Person versucht näherzubringen – was leider nur ansatzsweise möglich ist. Seitdem ich das Buch in den Händen hielt und ein wenig darin las, lässt mich Truddi Chase und die Multiple Persönlichkeitsstörung nicht mehr los. Es ist faszinierend, was für Schutzmechanismen der Körper und die Psyche bilden, um traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Truddi überlebte die traumatischen Erlebnisse ihrer Kindheit, indem sie neue Persönlichkeiten entwickelte, die die Erlebnisse stellvertretend für sie verarbeiteten. Die eigentliche Truddi bliebt damit unversehrt. Ihre 92(!) Persönlichkeiten nennen sich “die Truppe” und haben jeweils eigene Namen und Charaktereigenschaften. Truddi selber soll nach dem ersten Missbrauch durch ihren Stiefvater (da war sie gerade mal zwei Jahre alt!) in eine Art Schlaf gefallen sein. Seitdem (über)leben ihre Persönlichkeiten für Truddi.


Das Thema ist unglaublich interessant, ich habe seitdem noch ein wenig mehr herumgelesen: Hier ein Video von Truddi Chase bei der Talkshow von Oprah Winfrey, hier wird in einem MPS-Forum (Multiple-Persönlichkeitsstörung) über das Buch diskutiert (sehr interessant zu erfahren, was multiple Personen von dem Buch halten) und hier die IMDb-Seite zu der Verfilmung “Voices Within: The Lives Of Truddi Chase” (1990).

Es gibt zahlreiche andere Werke in Literatur und Film, die sich mit MPS befassen. “Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde” ist ein sehr bekanntes Stück Weltliteratur. Ein kontrovers diskutierter MPS-Fall hingegen ist der von “Sibyl” bzw. Shirley Ardell Mason. In den 50er Jahren stellte die amerikanische Pyschologin Cornelia B. Wilbur bei Mason MPS fest und behandelte sie daraufhin. Masons traumatische Kindheit und ihre Therapie wurden in dem Buch “Sybil” und dem gleichnamigen Film 1976 und 2007 (Remake) dokumentiert. Den 1967er Film könnt ihr euch hier kostenlos anschauen. Kontrovers blieb Masons Fall deshalb, da der Psychologe Herbert Speigel nach mehreren Sitzungen mit Masons überzeugt war, Wilbur habe sie aus finanziellen Gründen manipuliert. Mason sei also gar nicht Multiple.


Der Freitagskurzfilm dieser Woche handelt auch von Multipler Persönlichkeitsstörung. Inside heißt der interessante Film von Trevor Sands. Ein typischer Kurzfilm, weil das Ende eine überraschende Wendung enthält – so wie es auch bei Kurzgeschichten immer der Fall ist. Nicht unbedingt der beste Kurzfilm, doch weil mich das Thema derzeit sehr beschäftigt, sehens- und empfehlenswert.

Trevor Sands produzierte Inside ursprünglich als Start-off – wenn man will – Arbeitsprobe, um als Regisseur überhaupt bekannt zu werden. Mit Jeremy Sisto in der Hauptrolle hat er jedenfalls einen guten Fang gemacht. In dem Buch “Short Films 101: How to make a short film and launch your filmmaking carreer” (von Frederick Levy) gibt Sands Tipps für künftige Kurzfilmproduzenten und gewährt interessante Einblicke in die Inside-Produktion. GoogleBooks-Einblick hier. Zur offiziellen Inside-Webseite hier entlang.

Oh God. I’ve written so much in German, can’t even try to translate all of it. Well, it’s basically about dissociative identity disorder(DID) in literature and movies. Recently the book “When Rabbit Howls” (1987) by Truddi Chase has caught my attention: An autobiography about Chases experiences as a multiple and traumatic experiences in her childhood (she was abused by her stepfather for many years – from the age of two(!) to sixteen). Watch this interviewwith Truddi Chase at Oprah Winfrey. A movie was made of Chases life in 1990: “Voices Within: The Lives Of Truddi Chase”.

The famous book “Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde” also deals with DID. Another DID-case that was published as both a book and a movie (1976) is “Sybil”. Sybils real name is Shirly Ardell Mason. Read more about her here. A remake of the 1976 movie (that can be watched here for free) was released in 2007.

Naturally this weeks short film-feature is also about DID. Inside by Trevor Sands. The short movie was originally produced for one reason: “The purpose was to create a sample of my work to showcase what I was capable of as a director to help me get a feature project off the ground – either one that I had written or a studio project that was open as directing assessment” says Sands in“Short Films 101: How to make a short film and launch your filmmaking carreer” by Frederick Levy.

Inside is what I would call a typical short film: ending with a surprising twist. Anyways. DID is such an interesting topic, you really need to watch Inside to get an idea of DID.

4 Comments FILM ZUM FREITAG (2) //////////////////// INSIDE und DIE VIELEN ICHs

  1. Lischen

    Zu dem Thema gibts noch ein tolles Buch:
    “Set this House in Order” (dt. “Ich und die Anderen”)
    Ist eine tolle Mischung aus Erfahrungen zur Krankheit und…naja… vielleicht Krimi? auf jeden Fall unglaublich spannend und kreativ, wie alles von Matt Ruff…
    Aber das Buch von Truddi Chase werde ich mir auhc mal zulegen.

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