LAUFT UM EUER LEBEN, LIEBE GOOGLE-NUTZER

Google zeigte in der letzten Viertelstunde bei jedem Suchergebnis “Die Webseite kann Ihren Computer beschädigen” (oder auf Englisch “This site may harm your computer”) an und – guess what – innerhalb dieser Viertelstunde wurde eine Massenpanik losgetreten. Bei Yahoo-answers kommentierte jemand sehr passend “The Google broke! Run for the hills!”
Die 137 Antworten zu der yahoo-Frage lesen sich wunderbar.

PS: Dieser Post ist Post Nr. 101!

TODENHÖFER ÜBER NAHOST-POLITIK

Mit Ehrfurcht las ich heute morgen am Küchentisch den Text “Der Geisterkrieg” von Jürgen Todenhöfer im SZ-Magazin. Ich kann nicht anders, als ihm für diesen Text zu danken und zu hoffen, dass er von genügend Mächtigen gelesen wird:

Der Geisterkrieg

Der Westen versucht, den internationalen Terrorismus in Afghanistan zu bekämpfen. Aber gegen die Attentäter der nächsten Generation helfen keine Bomben – denn sie sind längst unter uns.

Von Jürgen Todenhöfer

Sie können uns Rebellen nennen und sagen, wir verdienten keine bessere Behandlung. Aber denken Sie daran, dass wir auch als Rebellen Gefühle haben und dass wir an denen Vergeltung üben werden, die wir als ungerechte Invasoren unserer Rechte und Freiheiten betrachten. (George Washington in einem Brief an den britischen General Lord Howe während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges)

»Terrorismus« ist das am meisten missbrauchte Wort der neueren Geschichte – vor allem, seit George W. Bush nach dem 11. September 2001 begann, all seinen Gegnern im Mittleren Osten das Terroris-musetikett aufzukleben. Wer aber ist unser wirklicher Feind? Der nationale Terrorismus muslimischer Volksaufstände gegen die westliche Besatzung in Afghanistan und im Irak? Der internationale Wanderterrorismus, der seit der Vertreibung der Sowjets aus Afghanistan auf der Suche nach weiteren »heiligen Kriegen« durch die muslimische Welt vagabundiert? Oder der islamisch maskierte Diaspora-Terrorismus, der den Westen in seinen eigenen Städten angreift?

Nach der sowjetischen und der amerikanischen Invasion habe ich Afghanistan und Pakistan immer wieder bereist. Im vergangenen August war ich in Kabul und in den Stammesgebieten der Paschtunen, des stolzen, kriegerischen Volkes diesseits und jenseits der afghanisch-pakistanischen Grenze. Hier versteckt sich angeblich noch immer Bin Laden. Meine Gesprächspartner waren der afghanische Präsident, Ex-Talibanchefs, Geheimdienstler sowie einfache Bürger. Was ich erlebt habe, hat wenig mit dem zu tun, was unsere Politiker nach Truppenbesuchen aus Afghanistan berichten. Es lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:

1. Der Westen hat sich aus der Rolle des Befreiers in die Rolle des Besatzers gebombt.
2. Afghanistan spielt im globalen, antiwestlichen Terrorismus keine Rolle mehr.
….

>>Weiterlesen hier

Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/28004


NEUE FREIHAFEN-WEBSEITE

Endlich! Das Jugendmagazin FREIHAFEN hat eine neue Homepage. Danke Philip und Wolfgang! Das haben wir gestern mit vier tollen Bands und ganz vielen Gästen gefeiert. Eine Spendendose wurde auch herumgereicht. Morgen auf der Redaktionssitzung werden wir das Geld auszählen – wollte ich gerade schreiben, da rief Andy an und fragte, ob er das Geld nicht heute schon auszählen darf. Neugierde sieg!
Und wer heute noch nichts vorhat, der möge doch bitte auf die GAZA-Demo um 14Uhr am Hauptbahnhof. Wir sehen uns!

Nachtrag: Es sind 102 Euro und 5 Cent! Dankeschön!

NICO, KAMINER UND SLUMDOG MILLIONAIRE


Nico ist derzeit pesoptimistisch – jedenfalls Krieg und Frieden betreffend. Also zynisch oder so.


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Das ist drei Mal ein bisschen Kaminer.

Yey, Kaminer bloggt! Wladimir Kaminer gehört zu den unterhaltsamsten lebenden Schriftstellern, die ich kenne. Seine Sätze sind schön, seine Geschichten auch. Ich habe ihn einmal interviewt – in einer Gruppe von acht (?) Personen und es war furchtbar ätzend. Ich war damals sehr unerfahren und ließ die anderen machen. So fragte einer furchtbar viele Fragen über den damals aktuellen Fall der ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja, ein anderer Uninteressantes über Russlands Energiepolitik, Blabla und so weiter und langweilig fort. Kaminer wirkte zunehmend genervt. Also versuchte ich ein paar triviale Fragen einzuschieben, doch die Vielfrager wollten auf dieser Schiene nicht fahren. Nach dem Interview verkündete Kaminer: Das Interview war langweilig und schlecht. Er hätte viel lieber darüber geredet, was er heute so gemacht hat, und vom Kaninchen seiner Tochter erzählt. Schade, das ich hätte auch gerne erfahren.


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Die Szene mit dem Plumpsklo ist so wunderbar naiv wie lustig. Zu sehen: Der kleine Jamal beim Geschäft. Copyright: imbd


Nochmal yey! Slumdog Millionaire hat abgeräumt. Einer meiner aktuellen Lieblingsfilme “Slumdog Millionaire”, die Verfilmung von Vikas Swarups “Q&A“, hat vier Golden Globes gewonnen: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch und Beste Filmmusik. Absolut verdient! Als ich den Film sah, hieß es noch, er würde nie in die deutschen Kinos kommen, doch nun der Durchbruch. Am 19. März läuft Slumdog Millionaire endlich auch in Deutschland.

City of God but with more heart, soul and magnetic pull”

so kommentierte ein Rezensent diesen Film. Ein Film im Herzen von Indien, zwischen den Slums und der boomenden Stadt. Mehr Infos hier.


TARIK AUS DEM NETZ

Betül hat ihren Mann im Internet kennengelernt. Das ist nicht ungewöhnlich: Immer mehr junge, religiöse Muslime in Deutschland nutzen das Internet zur Partnersuche.

Betül* und Tarik* sind seit über einem Jahr glücklich verheiratet. Als sich das junge Pärchen vor zwei Jahren auf einer islamischen Veranstaltung begegnete, war es Liebe auf den ersten Blick. Alles passte, ihre Familien verstanden sich und sie heirateten.

Das ist jedenfalls die offizielle Version für die Eltern. Betül und Tarik haben aber ein kleines Geheimnis: Sie haben ihrem Schicksal nachgeholfen, sie haben sich im Internet kennen gelernt.

Was in England oder den USA längst zum „muslim lifestyle“ gehört, entsteht in Deutschland erst noch. Auf Online-Partnerseiten wie Muslima.com, Qantara.com oder Nasib.com suchen junge Muslime nach potentiellen Ehepartnern. Andere besuchen zusammen mit den Eltern muslimische Speed-Datings (die heißen dann aber nicht so, sondern: „matrimonial banquet“, denn „dating“ ist ein unliebsames Wort) oder schalten Heiratsannoncen in muslimischen Magazinen. Der muslimische Heiratsmarkt boomt.

2009 wird eine weitere Partnerbörse online gehen: Halfourdeen.com. Entwickelt von Ali Ardekani – besser bekannt als „Baba Ali“ – dem wohl beliebtesten Video-Blogger unter jungen Muslimen. Der 33-jährige Amerikaner persischer Herkunft gehört mit seinen Ask-Baba-Ali Ratschlägen für junge Muslime zur YouTube-Prominenz. Besonders begehrt waren seine Video-Ratschläge zu Heirat und Partnersuche.

Zahlreiche islamische Gelehrte sehen kein Problem in der Online-Partnersuche – aber nur solange sie im religiösen Rahmen läuft. So sollten die Partner beispielsweise ernste Absichten haben, also wirklich Heiraten wollen, und die Familie in die Partnerwahl einbeziehen.

„Als junger und praktizierender Muslim ist es nicht einfach einen Partner zu finden“, sagt Betül. Das Dilemma lässt sich in zwei Punkten zusammenfassen. Erstens: Die Auswahl an potentiellen Partnern ist gering. Zweitens: Es gibt nur wenige Gelegenheiten einen Partner überhaupt kennen zu lernen. Klassischerweise begegnet man sich an der Uni, auf einer Veranstaltung, oder die Eltern machen Vorschläge und stellen jemanden vor. Discos, gemischte Parties und andere Orte, an denen sich Nicht-Muslime kennen lernen, sind für einen gläubigen Muslim tabu. Außerdem untersagt: Ausprobieren, Küssen, Flirten.

So schießen in Deutschland Partnerbörsen für Muslime aus dem Boden. Neben Muslim-Heirat.de oder Islamisches-Heiratsinstitut.de gibt es das modern gestaltete Muslimlife.eu. „Der muslimische Heiratsmarkt in Deutschland ist aber noch lange nicht gedeckt“, sagt Kadir Yücel (keine Verwandschaft mit der Autorin dieses Textes, Anm. d. Red.), der 29-jährige Geschäftsführer von Muslimlife. 2007 entwickelte er zusammen mit zwei Freunden die deutsch-englisch-türkische Partnerbörse und war überrascht von dem Andrang. Bis zu 3.000 Klicks registrieren sie am Tag. Bald soll die Plattform um eine kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft erweitert werden.

Leila* aus Frankfurt war bis vor kurzem noch Mitglied in einer muslimischen Partnerbörse. Die 29-jährige Politik-Studentin und Mutter eines sechsjährigen Sohnes ist seit drei Jahren geschieden und war auf der Suche nach einem neuen Partner. „Die, die bei den Eltern anklopften waren nicht die Richtigen für mich“, sagt sie. Neben den klassischen Wegen war daher auch das Internet eine Option für Leila. Doch Ali*, ihren Bald-Ehemann, lernte sie – wider Erwarten – nicht in einer Partnerbörse kennen, sondern auf einem bekannten Online-Kontaktnetzwerk.

Durch einen lustigen Kommentar in einer Gruppe erregte der 30-jährige Elektroingenieur ihre Aufmerksamkeit. Wie Leila lebt auch Ali geschieden. Sie schrieb ihn an, er schrieb zurück, es ging hin und her und schon bald telefonierten sie. Die Eltern waren von Anfang an eingeweiht. „Uns ist es sehr wichtig, dass unsere Eltern bei der Partnerwahl mitentscheiden und uns ihren Segen geben“, sagt Leila. Probleme damit, dass ihre Tochter ihren Partner im Internet kennen gelernt hat, haben ihre Eltern nicht.

„Meine Eltern sind aber auch nicht repräsentativ für die muslimischen Eltern in Deutschland. Sie sind sehr religiös, aber gleichzeitig auch sehr offen“, sagt sie. Die oftmals kritische Einstellung von Eltern gegenüber dem Internet ist aber „nicht allein ein muslimisches Phänomen, sondern hängt mit der fehlenden Erfahrung mit dem Medium Internet zusammen“, erklärt Ali, Leilas zukünftiger Ehemann.

Das war auch der Grund, warum Betül und Tarik ein Geheimnis haben und ihren Eltern nicht die volle Wahrheit über ihr Kennenlernen sagten.

„Sie hätten es vermutlich nicht verstanden“, erklärt Betül. Genau wie Leila hat auch die 23-jährige Betül ihren Partner, den 27-jährigen Tarik, im Internet kennengelernt. Das war vor zwei Jahren und damals wollte Betül eigentlich weder heiraten noch jemanden kennen lernen. Entsprechend überrascht war nicht nur sie von sich selbst, sondern auch ihre Mutter – ihr verkündete Betül damals: „Mama, ich habe jemanden kennen gelernt. Er und seine Familie kommen uns nächste Woche besuchen.“

Wie sich die Partnersuche in Zukunft entwickeln wird? „Es wird sicherlich mehr und mehr Pärchen geben, die sich im Internet kennen gelernt haben werden“, sagt Leila. Auch Betül glaubt daran: „Es wird zur Normalität.“

* Namen von der Redaktion geändert.

12. Januar 2008, veröffentlicht im zuender, dem Netzmagazin der ZEIT – zuender.zeit.de
> Ihr dürft gerne (=sollt) auf der zuender-Seite kommentieren und viel herumklicken. Eine tolle Seite nämlich!

ICH BIN DOCH NICHT HITLER

“Ich bin doch nicht Hitler”, sagte Sascha Anderson im Interview mit mir und Christopher. Das Interview erscheint am 06. Februar im Skandal-Buch, doch als Vorabdruck ist das Interview schon jetzt im DAS MAGAZIN zu lesen. Das DAS MAGAZIN ist die älteste Zeitschrift Deutschlands (1924) und ist auch als “New Yorker des Ostens” bekannt (das Magazin wird größtenteils und hauptsächlich in Ostdeutschland gelesen).
Ihr werdet euch jetzt wundern, wer Sascha Anderson ist. Voila, hier die Erklärung:

Alexander, genannt ›Sascha‹, Anderson wird 1953 in Weimar geboren. Er machte sich – vor allem in den 1980er-Jahren in der alternativen DDR-Künstlerszene vom Prenzlauer Berg – einen Namen als Schriftsteller. 1991 wird er von Jürgen Fuchs und Wolf Biermann als ehemaliger Informant des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit enttarnt; Biermann nennt ihn öffentlich »Sascha Arschloch«. Anderson ist Autor zahlreicher Lyrik- und Prosawerke. 1996 gründete er gemeinsam mit Bert Papenfuß-Gorek die Edition Poetische Boegen. Seit 2006 gibt Anderson – ebenfalls mit Papenfuß-Gorek – die Reihe Black Paperhouse im Gutleut Verlag heraus. Sascha Anderson, Vater zweier Kinder, lebt mit seiner Partnerin in Berlin und Frankfurt am Main.

PS: Mehr zum Skandal-Buch poste ich ausführlich ein anderes Mal!

KRANK

Mit dem Uni-Start kam das Übel. Entweder liefen irgendwo rücksichtslose Bazillenschleuder herum und haben mich angesteckt oder mein Immunsystem war nach nur 6 Stunden Schlaf am Wochenende zu geschwächt für das Hamburger Eis-Wetter. Wie auch immer, ich bin jetzt krank. Die 8Uhr-Vorlesung musste dran glauben. Was aber nicht so schlimm ist, denn die Vorlesung ist furchtbar. Folien ablesen kann ich nämlich auch Zuhause. Zusammenhangslose Endlos-Sätze hervorbringen möchte ich dagegen nicht können.

Eigentlich wollte ich gar nicht so meckern, aber Akif hat so einen schönen Grummel-Post geschrieben. Da stört man sich schon viel leichter an der Welt.

OH SCHRECK: 2009!

Alle geben sich furchtbar viel Mühe die Laune auf 2009 zu verderben: Martenstein (»Ein Feuerwerk kriegst du nicht, nicht du! Hau ab, Schlampe! F*** dich ins Knie!«), Hacke (»Man müsste solche Jahre auslassen.«), die Kanzlerin (»ein Jahr schlechter Nachrichten«), die SZ (»Es wird furchtbar werden. Schrecklich. Lähmend. Peinlich.«) und nochmal die SZ (»2009 wird ein rabenschwarzes Jahr«). Googelt man “Angst 2009″, so lässt sich auf der ersten Seite lesen: “Sie interessieren sich für die Themen: Wirtschaft, Wirtschaftskrise.”

Und ich? Ich hab nicht einmal gute Vorsätze in diesem Jahr. Das werd ich jetzt nachholen.