EIN TRAUMMANN

Yeondoo Jung macht Kinderträume wahr.

Yeondoo Jung nimmt Kinder ernst. Auf wunderbare Art und Weise realisiert er krakelige Kinderbilder und schafft wahre Kunstwerke. “Wonderland” heißt die Fotostrecke. Der koreanische Künstler beweist: Nichts ist zu schön um wahr zu sein.

Television was so funny


Rabbit Family Hopping Around

Afternoon Nap

Copyright: Yeondoo Jung

Der 39-jährige Koreaner Yeondoo Jung hat in London studiert und wurde mit zahlreichen Awards ausgezeichnet. Die Wonderland-Serie wurde 2005 veröffentlicht.
Mehr Wunderbilder von Jung gibt es auf seiner Webseite.

RÄTSEL

So. Das ist ein Plakat der NPD-Bayern.
Ich mecker ja nicht gerne, aber jetzt muss ich Klartext reden:

Die Farbauswahl schwarz, rot, weiß, zeugt einfach von geringer Qualität – selbst Schülerzeitungen können sich heutzutage Mehrfarbdruck leisten.

Das Layout ist eindeutig von der BILD-Zeitung abgekuckt. Abgesehen von den rechtlichen Problemen, die der NPD damit bevorsteht, ist das inkriminent gegenüber dem Plakat-Schauer. Anspruchslosigkeit wird ihm damit indirekt vorgeworfen. Unglaublich. Ich fühle mich jetzt angegriffen.

Dann zu der Zeichnung selber: Perspektivisch null. Die Figur im Vordergrund müsste ja auf dem Teppich fliegen, so komisch sitzt sie auf dem Teppich. Und der Teppich ist rechts hinten so merkwürdig nach oben gebogen. Möglicherweise hat dies einen tieferen, künstlerischen Sinn – mir bleibt dies trotzdem rätselhaft. Mir will sich auch nicht erschließen, warum die Figuren auf einem Teppich sitzen und “heimfliegen”. Teppiche können doch nicht fliegen, bei uns auf der Erde jedenfalls nicht. Aber vielleicht sieht es hinter dem Mond, bei der NPD, anders aus. Doch, doch, dort können Teppiche bestimmt fliegen.

Trotzdem: Hinter der dritten Person auf dem Teppich ist eine seltsame schwarze Figur. Wen oder was soll diese Figur darstellen?

Überhaupt bleibt mir der Sinn des Plakats verschlossen: Warum fliegt die NPD nach Hause? Und seit wann tragen die bei der NPD Kopftücher und Turbane – oder wollen sie die Heiligen drei Könige darstellen? Mit Maria in der Mitte?

Liebe NPD, wie soll ich dich wählen, wenn du so rätselhafte Plakate aufstellst?

Bildquelle: http://de.altermedia.info

ALLE JAHRE WIEDER…

In London gibt es die “Healthy”-Fast-Food-Kette Subway auch in Halal-Version. Da kann muslim entspannt sein Fasten ganz fast mit Fast-Food brechen. Foto: RabboKrabbo

… ist Fastenzeit! Ab dem 1. September wird sich Qüpra von Sonnenaufgang bis -untergang ausschließlich von Sauerstoff ernähren. Während ihr alle friedlich schlaft, werden sie und ihre Mitmuslime euch alle aufessen. Muhahaha. Nein. Okay. Sie und ihre Mitmuslime werden sich spirituell besinnen (edit: wie ich hier drei Jahre später schrieb), erholen und außerdem: sich in großen Gruppen treffen, Wiedersehensfreude erleben, quatschen, dabei sehnlichst den Sonnenuntergang erwarten und dann endlich: die Bäuche mit wundertollen Gerichten vollkloppen. Die nicht-spirituellen Höhepunkte habe ich euch deshalb mal zusammengefasst:

Die Top 5 der nicht-spirituellen Ramadan-Höhepunkte!

1. Verschlafen – oder: Der allmorgendliche Triathlon
Morgens vor der Morgendämmerung hektisch aufwachen, nach unten in die Küche stürmen und versuchen wenigstens ein Stück Brot runterzubekommen. Und dann ruft jemand: “Noch fünf Minuten!” Auf Kommando trinken alle Wasser um ihr Leben. Ah, ein schöner Anblick.

2. Der Solidaritäts-Blick
Den vielsagenden Solidaritäts-Blick werfen sich Muslime beim Vorbeigehen an gut riechenden Restaurants zu und meinen: “Ja, ich weiß, es riecht gut. Aber komm, halt durch! Noch 3 Stunden, 14 Minuten und 34 Sekunden. Das schaffst du!”

3. Einladungs-Wut
Pünktlich zu Ramadan packt jeden Muslim die Einladungswut. Drei Einladungen zum Abendessen aus drei unterschiedlichen Ecken der Stadt sind noch das geringste Problem, denn…

4. Koch-Wut
Gekoppelt an die Einladungs-Wut packt jeden Muslim außerdem auch die Koch-Wut. Es wird so fürchterlich viel gekocht, dass das Essen nie, nie, nie – noch nie in meinen 20 Jahren – fertig gegessen wurde.
Doch trotzdem:

5. Größenwahnsinn
Weil man seit Sonnenaufgang weder getrunken noch gegessen hat, glaubt muslim beim Essenauffüllen, er/sie könnte die ganze Welt verschlingen. Entsprechend erstaunt der Blick, wenn muslim – inzwischen satt – auf den Teller blickt, dessen Boden er noch nicht mal erreichen konnte.

X. Ja und es gibt noch tausend andere Gründe!
Der ultimative Höhepunkt ist aber der Fastenbrechen-Augenblick: Der Moment, in dem sich jeder eine Dattel greift, auf die Uhr blickt (Countdown im Kopf), den Blick senkt und sich besinnt, dankt, denkt, bedenkt und fühlt. Die wunderbare Stille wird behutsam vom Gebetsruf unterbrochen, den jemand vorträgt. Manchmal kann dieser Moment so ergreifend sein, dass man nur zögerlich die Dattel zum Mund führt. Fasten lässt fühlen.

PHOBIE

Da ich keine Methatesiophobie, also Angst vor Veränderungen, habe, wage ich nun ein Umstyling meines Headers. Während des Hirnstürmens ist mir allerdings aufgefallen, dass ich unter Deciophobie leide – Entscheidungsangst.

Daher dürft/müsst/sollt ihr wählen:


Header 1



Header 2





Header 3


Header 4

REZEPT



Man nehme: Eine Rapperin, die sich “Bitch” nennt, und lasse sie über ihr 50-jähriges Vorbild Madonna und das Kopftuch schreiben. Yeah.


Lady Bitch Ray gehört nicht zu den Menschen, von denen ich intelligente Worte erwartet hatte. Dann erfuhr ich: Sie promoviert, ist Dozentin an der Uni Bremen und spielt ein schlaues Spiel mit den skandal-besessenen Medien: Schaut her, es ist so einfach berühmt zu werden. Ich brauche nur die Pseudo-Tabus brechen und anstößige, provokante Texte rappen. Gesagt, getan. Zack, jetzt ist sie “berühmt” und die Medien nur noch lächerlich.


Nun hat Lady Bitch Ray vor einigen Wochen im spex-Magazin geschrieben, warum sie Madonna so toll findet und – jetzt kommt die Überraschung – schreibt über das Kopftuch als religiöses Symbol. Was mich deshalb überrascht, weil es einfach nicht zu ihrem Spiel mit den Medien passt – der “Bitch”, die nur über das Eine reden will.


In ihrem Ausflug in die Kopftuchdebatte schrieb sie folgende Worte:

[Madonna habe durch Videos wie "Like A Virgin" oder "Like A Prayer" das Kreuz als Accessoire benutzt und entmystifiziert.]


“Ich wünschte mir, dass etwas Ähnliches bald mit dem Kopftuch passiert. Denn das Kopftuch ist heute als religiöses Symbol dermaßen aufgeladen, dass es dringend einer Mode bedarf, um es zu entpolitisieren. Es muss einen weiblichen Star geben, der das Kopftuch neu besetzt und zum Massentrend macht. Jede Frau muss ein Kopftuch tragen wollen, bis man Musliminnen nicht mehr von anderen Frauen unterscheiden kann. Die Frage, ob das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung ist oder nicht, wird sich dann gar nicht mehr stellen – denn Mode ist Mode, nicht Unterdrückung. In den fünfziger Jahren war es ja schon mal so: flottes Cabrio, Sonnenbrille, Kopftuch – damals war das ein cooles Accessoire. Religiöse Symbole müssen entzaubert werden, damit die Leute sich nicht mehr um ein Stück Stoff streiten, sondern sich endlich mal auf die wirklich wichtigen Fragen konzentrieren.”

Man kann viel über Reyhan Sahin (ihr bürgerlicher Name) diskutieren. Nach wie vor gehöre ich nicht zu ihren Fans. Sie spricht aber über das Kopftuch ohne die gängigen Vorurteile über kopftuchtragende Frauen zu schüren oder die Religion zu dämonisieren, sondern rein als ein Stück Stoff – mit einem interessanten Ansatz. 
Und das rechne ich ihr hoch an.


Der ganze Text? Hier.

WAS DAGEGEN?

Mein letztes Interview gliedert sich wunderbar in meine Freak-Liste ein: Anlässlich des Welt-Astra-Tages führte ich ein Pseudo-Interview mit dem Hamburger Bier, Astra. Wenn das nicht komisch genug ist, dann hier bitte die Hintergrundinfo, dass sich mein Bier-/Alkohol-Wissen auf das Wissen um deren bloße Existenz begrenzt.


Für alle ebenfalls bierfreien Exoten: “Was dagegen?” ist DER Werbespruch der Astra-Biermarke.

EXEMPLARISCH, VORREITEND, SCHÖN

Ach würd’ er noch leben, wir könnten viel lernen.

Am 06. August, vor fast einer Woche, wäre Andy Warhol achtzig geworden.
Zu diesem Anlass schrieb das spex-Magazin über Warhols wunderbare Interviews im Interview-Magazine. Bitte ganz fette Scheibe abschneiden. Einfach zu schön.

Exemplarisch:

Park Avenue, New York. Andy Warhol interviewt den damals achtzehnjährigen Michael Jackson für sein Interview Magazine. Der Kaviar wird serviert. Michael Jackson: »Ist das Kaviar?!« – Andy Warhol: »Ja, hättest du gerne welchen?« – Michael Jackson: »Ich brenne nicht gerade darauf …!« – Andy Warhol: »Warum probierst du nicht? Na, komm schon!« – Michael Jackson: »Hm, vielleicht ein bisschen …?« – Andy Warhol: »Es ist richtig gut. Du musst probieren!« – Susan Blond (Michael Jacksons Publizistin): »Das ist viel zu viel! Wenn ich Kaviar esse, nehme ich immer nur ein ganz kleines Bisschen. Gebt ihm ganz wenig, einfach damit er den Geschmack im Mund hat.«

Bitte lesen. Hier.
Foto: http://skullcull.wordpress.com/2008/05/05/take-art-andy-warhol/

WURMTEILUNG

Eric Clapton: Die Mama ist die Schwester. Musikempfehlung.
Ein bisschen in der Vergangenheit herumschwelgen tut gut. Heute hörte ich im Radio das Lied “Layla” von Eric Clapton. Lange, lange hatte ich keine Lieder mehr von ihm gehört.
So will ich meinen heutigen Ohrwurm mit euch teilen.
Ein tolles Lied!

Übrigens, das wusste ich nicht: Eric Clapton wurde als uneheliches Kind geboren. Seine Mutter war bei der Geburt 16 und sein Vater ein 24-jähriger Soldat aus Kanada, der in England stationiert war. Zu seiner Geburt war sein Vater schon lange wieder zurück in Kanada. So wuchs er bei seinen Großeltern auf – im Glauben, seine Großeltern seien seine Eltern und seine Mutter seine ältere Schwester. Erst mit 9 Jahren, als seine Mutter, die inzwischen einen anderen Kanadischen Soldaten geheiratet hatte und einen 6 Jahre alten Sohn hatte, zu Besuch nach England kam, erfuhr er von seiner Vergangenheit. Wow. Das klingt schwer nach Bollywood.

KLUGE WORTE

Was wir in den Medien wahrnehmen, ist ein klitzekleiner Bruchteil dessen, was in der Welt geschieht. Schlimmer noch ist, dass viel um diesen klitzekleinen Bruchteil gekämpft wird. Nachrichtenselektion – lernte ich von meinem Prof. Die klugen Worte hier. Und der zuender.zeit-Klugewörterautor, Selim Özdogan, ist ein wunderbarer Kolumnist. Ich les ihn furchtbar gern.

MOZART UND SAZ


Ein türkischer Kurzfilm rechnet ab.

“Mutlu ol! Bu bir emirdir.” (Sei glücklich! Dies ist ein Befehl.)

Da der Kurzfilm auf Türkisch ist und Nichttürken nebst des Nichtverstehens der Sprache zumeist außerdem auch nicht über die nötigen Hintergrundinformationen verfügen, hier die Erklärung:

Der Kurzfilm handelt von den Maßnahmen Atatürks während der türkischen Staatsgründung, um die Gesellschaft zu verwestlichen bzw. die westliche Kultur näherzubringen. Beispielsweise wurde hierfür die arabische durch die lateinische Schrift ersetzt, die islamische Zeitrechnung abgeschafft, der Sonntag als Feiertag eingeführt und – darum geht es in dem Kurzfilm – in den Radios durfte nur noch westliche Musik gespielt werden.

Sehr lustig wird in dem Kurzfilm die Absurdität dieses Verbots dargestellt: Die Soldaten verbieten den Musikern das Spielen türkischer Volkmusik, sie sollen Stücke von berühmten westlichen Komponisten spielen. Dabei haben die Soldaten höchste Schwierigkeiten überhaupt die Namen der Komponisten auszusprechen. Einer der Soldaten mit einem sehr starken dörflichen Dialekt fordert die Musiker auf, sich zeitgemäß zu verhalten, modern zu werden und glücklich zu sein. “Sei glücklich”, (Mutlu ol!) befiehlt er. Als dann der Saz-Spieler mit Leichtigkeit und auf türkische Art Beethoven und Mozart auf seinem traditionell türkischen Saz spielt, stimmen nach kurzem Zögern auch die Soldaten mit ein (das Lied, das sie zuletzt spielen).

Es bleibt die Erkenntnis, dass man ein Volk zu nichts zwingen kann – schon gar abrupt und mit Gewalt seine jahrhundertealten kulturellen Wurzeln loszulassen. Und: Das eine Kultur die andere nicht ausschließen muss.

Mozart und Saz – das geht also wunderbar.

NATIONAL IRGENDWAS

“Don’t be proud of anything you couldn’t influence” ist eine meiner Standardfloskeln.“But what if you don’t have anything else to be proud of?” frage ich mich nun. Gedankensplitter.stolz2In der Süddeutschen vom Mittwoch las ich einen Artikel über junge nationalistische Deutschtürken, die schon in dritter Generation hier leben, sich nicht integrieren konnten und sich nun in ihren türkischen Nationalstolz flüchten. Ein klitzekleiner Anteil der hier lebenden Deutschtürken/Türken/Türkdeutschen fühlen so. Leider kenne ich einige, die sich genau so fühlen wie im Artikel beschrieben.

 

Die, denen ich begegnet bin, waren oder sind frustiert von der deutschen Gesellschaft. Sie haben viel getan, um sich zu integrieren, aber haben immer und immer diesen Unterschied zwischen sich und den anderen gespürt. Auch ich fühle mich manchmal wie ein Gast, der sich aufdrängt – zum Beispiel wenn Dinge geschehen, wie in diesem Post. Aber ich würde mich deshalb niemals auf das Türkentum berufen. Vielleicht deshalb nicht, weil ich meine Religion habe? Meine Religion, so habe ich den Eindruck, löst mich vom Nationalitätsgedanken. Hautfarbe, Herkunft – whatever. Vor Gott bist du gleich.
 
Außerdem besteht zwischen der Religion und der Nationalität ein gravierender Unterschied: Einen Glauben kann man sich aussuchen, die Herkunft nicht.
 
Wer also keinen Glauben hat, der klammert sich an seine Herkunft, weil er nichts anderes zum Klammern hat?

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Man kann es sich aber auch einfacher machen. Meine Mutter sagte immer (auf Türkisch) “Halte deinen Stolz stets unter deinen Füßen”. Soll heißen:
You don’t need to be proud of anything!

Der Artikel in der Süddeutschen, hier.

FREAK

Es scheint sich bei mir wohl so ein Faible für Interviews mit ungewöhnlichen Menschen herauszukristallisieren.
Nach dem Ufo-Menschen, einem aufbrausenden Schweinske-Filialleiter nun ein Botschafterkandidat für die ostfriesischen Inseln.

Übrigens ist das eine schöne Gelegenheit eure künftige Diplomatenkarriere in Angriff zu nehmen. Die ostfriesischen Inseln sind ein schneller, schmerzloser und direkter Weg zum privilegierten Leben: hier.
Das Interview mit einem der vielen Botschafter-Kandidaten (eurem künftigen Konkurrenten), hier.

Morgen erscheint ein Porträt mit einem Rollenspiel-Spieler auf Deutschlands größtem Fantasy-Rollenspiel-Festival. Toller Typ. Ich habe den ganzen lieben langen Vormittag damit verbracht, jemanden auf dem Festival zu erreichen – die Tatsache verdrängend, dass es in der Fantasywelt keine Handys gibt. Nach mehreren Stunden am Hörer dann der erlösenden Anruf vom oben genannten. Und dann hat er mich ja fast vom Fantasy-Rollenspielen begeistert. Ja, viele mögen das für freakisch halten – aber lasst euch nicht irritieren, dass ich diese Dinge unter dem Titel “Freak” poste. Damit will ich lediglich Verwirrung stiften. Denn diese Menschen sind keine Freaks. Sie sind einfach nur mutig und anders – also volksmündisch: cool. Kübrisch: kühl.

Nachtrag: Magier-Porträt lesen? Hier.

Bild: http://oyleractionphotos.com/